Da hat sich Pröll eine Karl gemacht

25. Jänner 2010 21:11

Der VP-Chef setzt auf Sicherheit, seine Personalentscheidung war konservativ

Beatrix Karl ist eine gescheite und eloquente Frau, sie kennt sich in ihrem neuen Fachbereich als Ministerin aus, sie hat von Politik eine Ahnung, sie ist in den wesentlichen Grundsatzfragen auf ÖVP-Linie.

Und dennoch war sie nicht die erste Wahl.

Josef Pröll hat lange gesucht - zu lange. 13 Wochen lang blieb die Wissenschafts- und Universitätspolitik unbeackert. Ein Luxus, der angesichts der drängenden Probleme eigentlich nicht leistbar wäre. Pröll hat ihn sich dennoch geleistet. Weil er schneller niemanden gefunden hat. Für Johannes Hahn war das besonders unangenehm: Es entstand der Eindruck, Pröll warte deshalb so lange mit der Nachbesetzung, weil er Zweifel habe, ob Hahn das Hearing in Brüssel als EU-Kommissar überleben würde.

Tatsächlich hat Pröll mit vielen geredet. Er hat gesucht - auch außerhalb der Partei. Obwohl er ein gebranntes Kind ist. Mit Claudia Bandion-Ortner als Justizministerin hat die ÖVP nicht die beste Erfahrung gemacht. Die Begeisterung über Quereinsteiger ist in der Partei spürbar abgeflacht. Mit Rektoren, Wissenschaftern und Managerinnen hat Pröll gesprochen - entweder hat er Absagen bekommen, oder er kam selbst zur Erkenntnis, dass es verlässlichere Kandidaten geben müsste.

Also suchte er doch in der Partei. Hier hagelte es Absagen: andere Lebens- und Karriereplanung, zu wenig Ambitionen. Und natürlich gab es die Eigeninserate jener Kandidaten und -innen, die laut "Ich" und "Hier" riefen, sich durch hyperventilierendes Eigenmarketing aber selbst diskreditierten. Also blieben Beatrix Karl oder Reinhold Lopatka. Gut, brav und verlässlich. Beide.

Lopatka, der immer noch bubenhaften Charme versprüht, wäre aber als Antithese zu einer personell mutigen und innovativen Entscheidung verstanden worden. Zu Recht. Also Karl - eine solide, eine konservative Wahl. Aber ein neues Gesicht. Und eine Frau. Und eine Steirerin. Auch wenn die steirischen Parteifreunde nicht so hartnäckig für eine Landsfrau interveniert hätten: Es wäre dennoch Karl geworden. So dick ist die Personaldecke der ÖVP auch wieder nicht.

Für Pröll hat die Suche erst einmal ein Ende. Er muss noch eine Entscheidung verkünden, gefällt hat er sie wohl schon längst: Stellt die ÖVP einen eigenen Kandidaten, eine Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl auf? Es ist so gut wie sicher: Nein. Weil es aus Sicht der Partei nichts bringt, weil man nur verlieren kann, weil es aber viel kostet, was man sich nicht leisten kann. Dafür muss Pröll in Kauf nehmen, dass Teile der ÖVP-Sympathisantenschaft dennoch nicht den roten Heinz Fischer wählen würden, sondern eher die blaue Barbara Rosenkranz. ÖVP-Potenzial flösse also direkt zu H.-C. Straches FPÖ. Das kann man sehr bedenklich finden.

Eine kleine, aber nicht unbedeutende Entscheidung in der ÖVP steht noch an. Die Wahl hat aber nicht Pröll, sondern Außenminister und ÖAAB-Chef Michael Spindelegger: Er muss Karls Nachfolge als ÖAAB-Generalsekretärin klären. Wen er findet, um seinen Einfluss in der ÖVP abzusichern, ist durchaus spannend. Spindelegger gilt vielen in der Partei bereits als potenzieller Nachfolger Prölls. Sollte sich dessen Ruf als politisches Naturtalent verflüchtigen, stünde Spindelegger bereit. So viel Personaldecke hat die ÖVP jedenfalls. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

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Prof. Alois
 
28.01.2010 21:37
Das Umdrehen ist eine journalistische K unst

Einen positiven Umstand so lange beschreiben, dass er sich negativ liest.
Die ÖVP schöpft personalmäßig aus dem Vollen. Sie kann sichs aussuchen. Bei der SP ginge das nicht, da wäre jeder Zwist ausgeschlossen, weil es Ministrable weit und breit nicht gibt. Da muss eine unsägliche Zahnarzthelferin als Infrastrukturministerin herhalten und ein Zivi als Verteidigungsminister.

In einer Deutschen Zeitung würde sich das ganz anders lesen - und der Kommentator müsste nach Abgabe so eines Werkes wieder bei den Todesanzeigen beginnen.
PS: Ich war gestern in Berlin und habe dort 5 verschiedene Tageszeitungen gelesen. Alle waren politisch einordenbar, aber argumentativ top. Und nicht suggestiv herumwerkend.

Hans Müller1
 
27.01.2010 07:39
Zusammengefasst beschränkt sich Hr. Völkers Kritik also darauf

dass Hr. Pröll 12 Wochen nach einem Minister gesucht hat (statt das von Vowes innerhalb von zwei Sekunden am Handy während einer Pressekonferenz entscheiden zu lassen)

Menschen gegen Menschen
27.01.2010 01:29

Pröll hat sich eine Karl gemacht. Ich möchte auch som gute Headlines schreiben können.

Menschen gegen Menschen
27.01.2010 01:21

Eine Bitte: Wenn schon Kalauer in der Headline, dann bitte gute.

Munis
26.01.2010 19:08
Eine Katastrophe ist diese Parteisoldatin

Der erste Eindruck hat mir gereicht. Dieselben leeren Phrasen dreschen wie der Hahn, für Zugangsbeschränkungen, für Studiengebühren. Wenn die SPÖ sich so beharrlich für Vermögenssteuern einsetzen würde wie die ÖVP für diese sinnlosen Studiengebühren hätten wir bereits seit Jahren genug Geld für die Unis. Aber das würde der Partei der fetten Geldsäcke, der kleinen Spiessbürer und Grossbauern natürlich nicht behagen. Fazit: ein phantasielosere Entscheidung als diese Karl hätte Pröll gar nicht mehr treffen können. Ein schlechter Tag für Wissenschaft und Forschung in Österreich, aber ich bin sicher die ÖVP wird sich (nicht zuletzt dank dem hündischen Speichellecker Faymann) auch bei den Studiengebühren durchsetzen.

Hans Müller1
 
27.01.2010 07:43
Die Qualität wird sich halt nicht verbessern solange

50% der Studenten das Studium als Quasi-Urlaub und hauptsächlich als Zeit um Freunde kennen lernen betrachten.

Die Studiendauer zieht sich (u.a.! - nicht ausschließlich) dank der Flut unmotivierter Studenten in die Länge (von der Qualitätsreduzierung gar nicht zu reden): Offiziel als "freier Studienzugang" gepriesen sind die bedingten langen Studiendauern wieder mit hohen Kosten verbunden die Studenten mit nicht so viel Geld eher zum Scheitern bringen als andere. Daher ist Österreichs System MIT FREIEM ZUGANG das SOZIAL UNDURCHLÄSSIGSTE der Welt. Das sind Fakten.

Aber darüber nachzudenken würde ja verlangen über den Tellerrand sozialistischer Phrasen zu blicken

M. P.1
27.01.2010 05:41

Was hätten's denn gern? Pest, Cholera, Typhus? Mehr Auswahl gibt's bei der ÖVweh nicht.

Nur zum Trost: Lowpatka und Amon wären auch nicht besser.

Julian Abentheuer
26.01.2010 18:26

Find ich klasse!=)

root66
26.01.2010 14:54
Der bla*e Pröll und konservativ?

Geh nie und nimmer ..... ;)

schwarzelanguste
26.01.2010 20:27

d?

lessismore
26.01.2010 16:21

Der blaue Pröll?

Truhe
 
26.01.2010 12:57

Wenn man einen willigen Parteilinienverwalter sucht kann man keinen fähigen Ministerkandidaten finden.

Truhe
 
26.01.2010 17:45

Unterm Strich jedoch ist das Ganze ein Beispiel für eine derart ungenierte Verarsche die in etwa auf dem level von ins Gesicht spucken, grinsen und dann fragen was denn sei rangiert.
Die ÖVP hat kein Interesse an einer Lösung der Bildungsproblematik, egal ob in der Schule oder in der Universität. Diese Partei arbeitet agressiv gegen die Zukunft des Landes und ist in ihrer schleimigen Borniertheit, umfassender Visionslosigkeit und dem völligen Fehlen von Genierer ein Abszess am Hintern dieser Republik und aufgrund ihrer bundesweiten Auswirkung die Potenz des kärntner Idiotenhaufens.

Prof. Alois
 
28.01.2010 21:40
Das rote gehörte allein schon für die Verallgemeinerung

Aber es ist immerhin erkenntnisreich, wenn ich draufkomm, wie ich von anderen gesehen werde.
Welche, die mich gar nicht k ennen. Thanks god!

dryeti
26.01.2010 12:46
Pröll sucht sich eine ihm bequeme,

für die notwendige zusätzliche Ressourcen (damit endlich mehr Leute gut studieren können) kein zentrales Anliegen sind.

stop-making-sense
26.01.2010 12:22
Wo suzelt sich der Herr Völker die Infos heraus?

Ich habe jedenfalls bis dato keinen ÖVPler getroffen der bereit wäre einen FPÖ/K/BZÖ- oder was auch immer Kanditaten zu wählen.

1010001010001010010
27.01.2010 00:59

und wer hat den herrn graf zum nationalratspräsidenten gemacht?

Prof. Alois
 
28.01.2010 21:41
SPÖ und ÖVP

In der Reihenfolge ihrer Stärke im Parlament.

Alex79
26.01.2010 23:30
Wirklich?

Wo denken Sie, kommen denn die zuletzt stetigen Waehlerzuwaechse der FPOE her? Sicher, vielleicht zum Grossteil von der SPOE aber auch durchaus von der OEVP. Also ist es nicht von der Hand zu weisen dass auch unter den verbleibenden OEVP Waehlern genug Sympathie zum rechten Lager vorhanden ist, um einer blauen KandidatIN den Vorzug zu geben.

snufkin
26.01.2010 11:48
"... seine Personalentscheidung war konservativ."

Hat jemand was anderes erwartet? Wo ÖVP draufsteht ist nun mal konservativ drin.

Prof. Alois
 
28.01.2010 21:49
Nur dass halt die jetzige ÖVP alles andere als konservativ ist

Konservativ - also das eisern bewahrend, was gerade ist - sind vielmehr die Sozialisten bei uns. Da gibt es Burgen der Verschwendung, die verteidigt werden, als gäbe es k ein Morgen. Eine ÖBB hat nicht die geringste Chance im Vergleich mit den Schweizern oder den Deutschen. Ein reformbedürftiges Pensionssystem wird so gelassen, wie es ist, weil schlechte Nachrichten nicht goutiert werden vom Wähler.
Zur Ablenkung redet man den Leuten ein, dass Eurofighter-Anschaffung Pension raubt (Um den Preis, was die EF einmal kosten, k ann man die Pensionen keine 2 Tage bezahlen).
Und wenn es wer ändern will, dann wird geschrien: neoliberal!
Dabei hat in Österreich noch nie etwas Neoliberales stattgefunden.

cwebb1977
26.01.2010 12:34

Und nicht für alle ist das ein Schimpfwort. Wie man zu Konservativ, Bauer oder Eisenbahner und Sozi steht hängt sehr vom eigenen Standpunkt ab.

snufkin
26.01.2010 14:12

Na eh.

Henry Flower
26.01.2010 11:10
Beatrix Karl ist eine gescheite und eloquente Frau, sie kennt sich in ihrem neuen Fachbereich als Ministerin aus, sie hat von Politik eine Ahnung,

naja, das ist ja an sich schon fast revolutionär, beim talentpegel ihrer regierungskollegInnen.

Anwaltssozietät "Brunnenpisser, Absahner & Co."
26.01.2010 11:38
"Karl ist eine gescheite und eloquente Frau" - Tja, nur leider ist es ein Faktum, dass

heute bereits jeder Dodel "gescheit und eloquent " ist.

Die Wirklichkeit, der wir nicht ins Gesicht sehen wollen, ist, dass wir an Gescheitheit und Eloquenz bereits fast ersticken.

Auf diese Weise werden wir die heute anstehenden Probleme in keiner Weise lösen. Es bräuchte ganz andere Qualitäten bzw. eine ganz andere Sicht des Menschen.

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