Auch "offene" Schweizer stimmten für Minarettverbot

25. Jänner 2010 17:54
  • Analyse der eidgenössischen Abstimmungen vom 29. November 2009

Uni Bern präsentiert Studie - mit Download

Es war ein Schock fürs politische Establishment, als vor knapp zwei Monaten die Schweizer einem Minarettverbot zustimmten: Entgegen dem Antrag von Regierung und Parlament, aber auch entgegen den Meinungsumfragen, stimmte das Volk mit 57 Prozent sehr deutlich dafür, den Bau von Minaretten zu verbieten.

Nun liegt die wissenschaftliche Analyse des Volkswillens vor: Das Institut für Politikwissenschaft der Uni Bern befragte 1000 Stimmberechtigte nach ihren Motiven. Das Fazit: Die Wähler der politischen Mitte waren entscheidend. Denn die Linken stimmten mit großer Mehrheit gegen das Minarettverbot, die Rechten fast geschlossen dafür. Die Mitte-Wähler nahmen das Minarettverbot im Verhältnis zwei zu eins an, obwohl sich die Parteien der bürgerlichen Mitte (die liberale FDP und die christdemokratische CVP) gegen das Verbot aussprachen.

Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, "dass auch von denjenigen, die sich für die Chancengleichheit zwischen Schweizern und Ausländern aussprechen und die sich für eine weltoffene und moderne Schweiz einsetzen, rund 40 Prozent für das Minarettverbot stimmten." Ein symbolischer Entscheid: "Bei den Motiven der Befürworter wurde am häufigsten die Absicht genannt, ein Zeichen gegen die Ausbreitung des Islam und des von ihm propagierten Gesellschaftsmodells zu setzen." Viele gaben an, dass Minarette nichts mit der Religionsausübung zu tun hätten. Konkrete Kritik an den in der Schweiz lebenden Muslimen hingegen gaben nur 15 Prozent der Ja-Stimmenden als Motiv an.

Schließlich widerlegt die Vox-Analyse auch die These des "feministischen Ja" , wonach auch viele linke Frauen für das Minarettverbot gestimmt haben könnten, um ein Zeichen gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam zu setzen: Nur 16 Prozent der linken Frauen hätten Ja gestimmt, aber 21 Prozent der linken Männer.  (Klaus Bonanomi aus Bern/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

 

Kommentar posten
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pro digi
04.02.2010 14:24

dass " offene " menschen für das verbot gestimmt haben , ist doch logisch .
wo der islam sich ausbreitet , verschwindet jede opffenheit .
jeder , der westliche werte nicht in anführungszeichen setzt , der glaubt , dass alle menschen die gleichen rechte haben sollten , kann nur für das verbot stimmen . nicht unbedingt wegen der minarette , aber weil so endlich mal eine diskussion zu stande kommt . denn bisher wurde jede diskussion erfolgreich verhindert .

mans zelmerlöw
26.01.2010 17:13

nach einigen jahren in schweden, wo es bis heute keine vernünftigen einwanderungsrichtlinien gibt, muss ich mich auch als ein "offener" österreicher outen, der für das minarettverbot gestimmt hätte. schweden hat die policiy, dass einwanderer in schweden möglichst so weiterleben wie in ihren heimatländern. die folgen davon sind furchtbar. letztens war erst wieder der fall einer kindergärtnerin, die sich weigerte ohne niqab zu arbeiten nachdem ein männlicher kollege eingestellt wurde. letztendlich hat man den männlichen kollegen dazu gedrängt wo anders zu arbeiten. irgendwo muss von der liberalen gesellschaft eine grenze gezogen werden und diskutiert werden inwieweit religionsfreiheit unreflektiert hingenommen werden kann!

Laird of Glenmore
26.01.2010 21:43
Mit Verboten und Konfrontation kommen Sie in sozialen Konflikten aber nicht weiter,

das werden Ihnen diverse Psycholog-/innen bestätigen.

Die Polarisierung schadet der Deeskalation und damit letztlich einer Lösung. Das Christentum wäre auch reaktionär, hätte sich nicht die Aufklärung teilweise GEGEN das Christentum durchgesetzt und dieses damit liberalisiert.

Daher schaden Verbote, Unterstützung der liberalen und zugänglichen Kräfte in der islamischen Community sowie das Ende der Ausgrenzung (Integration) sind notwendig.

seppetoni
26.01.2010 10:20
Kaffeesatzleser

Auch an dieser Analyse war wieder Herr Claude Longchamps mit seinem Forschungsinstitut GFS Bern beteilligt. Es handelt sich um die gleiche Institution, die die Ablehnung der Initiative vorausgesehen hat!! Man versucht bei uns in der Schweiz im Nachinein mit allen Mitteln Gründe aus dem Hut zu zaubern, wieso das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dabei liegen die Lösungen auf der Hand:

1. Politiker, vorallem rot - grün, wieder dem Volk aufs Maul schauen und die Probleme ernst nehmen, ohne im Voraus die Rassisten- oder Nazikeule zu schwingen.
2. Asylmissbrauch nicht negieren sondern bekämpfen.
3. Qualitativen und quantitativen Bedarf und Bedingungen für die unbedingt nötige Zuwanderung klar definieren.

Lalai Dama
26.01.2010 13:13
Asylmissbrauch & Minarett

Bitte erklären Sie uns den Zusammenhang!

seppetoni
26.01.2010 14:25
Asylmissbrauch & Minarett

Die Minarett - Abstimmung war für viele Stimmbürger das Vehikel um das Unbehagen über negative Entwicklungen im Zusammenhang mit der allgemeinen Ausländerpolitik (Asyl / Zuwanderung) auf den Tisch von Regierung und Parlament zu transportieren.

Der Zwersch
28.01.2010 21:34

Der Fall gesetzt es wäre so wie sie schreiben.

Meinen sie das es für diese Form der direkten Demokratie ein Gütesiegel ist, wenn die Stimmberechtigten über etwas vollkommen anderes abstimmen als eigentlich das Thema ist?

Julian m. aus c.
03.02.2010 00:19

tja ...den gegenvorschlag wollte ja niemand bringen. seitens der regierung hat man es vorgezogen, dieses thema das ja mind. halb europa unter den nägeln brennt, nicht anzufassen.

das volk hat es dann auf diese weise gemacht ..erfreulich ist, das nun bewegung in die sache kommt.

rhaino
26.01.2010 11:16

Regierungen sollen eigentlich aus kompetenten und fähigen Menschen zusammengesetzt sein, die durch ihre Erfahrung/Ausbildung die Probleme des Zusammenlebens sehen und lösen können.

Wir können die Lösung der Probleme der heutigen Zeit doch nicht Hr. und Fr. Durchschnitt überlassen (und damit inkludiere ich mich auch), die dann so nach einer halben Stunde des Grübelns zu der Erkenntniss kommen, was "da" jetzt eigentlich "endlich" getan werden muss.

Dass das weder in Ö noch offenbar in der Schweiz funktioniert, ist eine andere Sache - die kann aber sicher nicht dadurch gelöst werden, dass man dem Volke mehr aufs Maul schaut. Im Gegenteil.

Chien de Pique
26.01.2010 13:27
"Sollen eigentlich". Sidn aber nicht. Das sind Durchschnittsmenschen, die bildungs- und vielleicht auch noch IQ-mäßig einen Hauch über dem Mittel liegen, sich gegenüber Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller aber primär durch brennenden Ehrgeiz

und Machthunger unterscheiden. Da sie oft von frühester Jugend an lukrative Parteikarrieren durchlaufen und sich rasch auch einen gehobenen bis aristokratischen, sorgenfreien Lebensstil angewöhnen (je mächtiger, desto höher ist der Elfenbeinturm, aus dem man huldvoll auf das Volk herablächelt), wissen sie von Problemen des Zusammenlebens weit weniger als jeder x-beliebige Mensch, der zur Arbeit geht und in Öffis fährt (in der Schweiz mit ihren Milizparlamenten mag es weniger schlimm sein). Von diesen Problemen erfahren sie allenfalls in abstrakter, gefilterter Form, über Studien, die ihrerseits von abgehobenen und meist von Steuergeld bezahlten Akademikern angefertigt werden.

M K
 
26.01.2010 14:24

Hervorragend, ich stimme Ihnen in allem zu!

seppetoni
26.01.2010 11:58
die kann aber sicher nicht dadurch gelöst werden, dass man dem Volke mehr aufs Maul schaut. Im Gegenteil.

Nach meinenm Verständnis ist es "die" Aufgabe der Politiker sich um die Anliegen der Bevölkerungen zu kümmern und sich abzeichnende Sorgen und Nöte aufzugreifen und entsprechende Lösung zu erarbeiten. Agieren und nicht reagieren!! Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob das Volk nachher in die Entscheidung direkt eingebunden ist oder nicht. In der Asyl- / Einwanderungsproblematik haben alle etablierten Parteien der SVP das Feld überlassen. Die Minarett - Initiative ist nur ein Beispiel. Bei der Ausschaffungsinitiative (Ausweisung krimmineller Ausländer) hat die SVP bereits wieder die Meinungsführerschaft übernommen und treibt die anderen Parteien vor sich her. In Sachen FPÖ / BZÖ läuft es nach meinem Eindruck in Ö ja auch nicht anders.

Winter20
26.01.2010 11:29
Demokratischer Diskurs mit breiter Einbindung der Wähler

Es ist offensichtlich, daß es in der Schweiz keinen demokratischen Grundkonsens darüber gibt, ob sie eine Einwanderungsgesellschaft sein soll. In der Schweiz findet dieser Diskurs demokratisch, unter breiter Einbindung der Wähler statt. Hingegen vertreten in Österreich Teile der Medien und der Politik die elitäre und undemokratische Ansicht, daß dieses Thema den "einfachen" Wähler überfordern würde. Sie verhindern damit eine sachliche Diskussion und überlassen damit den rechten Populisten die Themenführerschaft.

loundy
 
26.01.2010 12:15
gut gesagt...


allerdings ist österreich ein einwanderungsland, ohne zuwanderung wären wir heute wirtschaftlich irgendwo auf höhe von albanien.

doch ob das heute noch so ist, beziehungsweise sein soll, das sollte man vernünftig breit in der öffentlichkeit diskuttieren.

doch hier schenken sich beide seiten nichts, weder die krone-style-medien und parteien mit ihren ekelerregenden hetzkampagnen noch die verurteilenden linken blatteln die aus jeder kritik gleich eine neuauflage der nsdap machen.


in einer normalen gesellschaft sollte sich dann eigentlich ein vernünftiger mittelweg finden lassen, doch die politker können nicht mehr mit der heutigen, viel schnellebigeren gesellschaft umgehen, daher bekommen wir eine kombination der extreme beider seiten.

Winter20
26.01.2010 14:00
Österreich ein Einwanderungsland?

Wirtschaft und Teile der politischen Elite behaupten seit Jahrzehnten, dass Immigration für die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs von Vorteil sei und zur kulturellen Bereicherung führe. Der empirische Befund sieht aber anders aus:
1. Durch Immigration wurde der Strukturwandel temporär aufgeschoben, aber nicht verhindert (zB Textil- und Schuhindustrie)
2. Durch billige ausländische Arbeitskräfte wurde der Lohndruck auf Inländer erhöht.
3. Die Kosten der Immigration (Sicherheit, Einschränkung der bürgerlichen Rechte, Schulwesen, soziale Einrichtungen etc.) werden ignoriert.
Insgesamt war der wirtschaftliche Nutzen der Immigration minimal und bestenfalls temporär, die Folgend jedoch sind nachhaltig.

loundy
 
26.01.2010 16:12
zu ihrem "empirischer befund"...


zu strukturwandel:
die migranten der 60-80er jahre haben uns nicht nur zeit verschafft, sie haben unseren wohlstand in der zeit als industriegesellschaft miterwirtschaftet und mit die infrastruktur aufgebaut die uns den strukturwandel in die dienstleistungs- und wissensgesellschaft überhaupt möglich macht.

zu bildungssystem:
genau da haben wir die wichtigste integrationsgruppe, die migrantenkinder, nicht mit hineinnehmen wollen, haben sozial selektiert und uns ungebildete arbeitskräfte geschaffen die nicht mitkommen beim wandel.

zu sicherheit:
ist keine migrationsfrage.

zu sozialsysteme:
der rückgang des wirtschaftswachstums zu niveaus um die 1% hat nix mit kränklichen sozialsystemen zu tun...? konkurrenz aus china auch nix...?

Chien de Pique
26.01.2010 13:30

Albanien... Das halte ich für ein Märchen, schließlich sind auch unsere durch jahrzehntelangen Kommunismus geschädigten Nachbarländer, die heute immer noch eher Auswanderungs- als Einwanderungsländer sind, mitnichten auf einer Ebene mit Albanien. Die Einwanderung setzte ja erst voll ein, als das Wirtschaftswunder seinen Höhepunkt schon überschritten hatte - und der Großteil kam sowieso erst hinterher, nicht als Gast oder zum Arbeiten.

loundy
 
26.01.2010 13:36


äh... ja... nachdem einwanderer diesem land zu seinem wirtschaftsboom verholfen haben haben sie ihre familien nachgeholt und durch den wirtschaftlichen erfolg haben sich weitere einwanderer angezogen gefühlt.

ob wir das heute noch wollen das kann man breit diskuttieren, falls sie (bei aussagen wie "nicht als gast, oder zum arbeiten" mit dem sie kriminalität oder sozialschmarotzertum andeuten) nicht vom rechten rand fallen.

mans zelmerlöw
26.01.2010 16:36

echt die zuwanderer haben diesem land zum wirtschaftsboom verholfen. na das nenn ich mal einen kreativen ansatz! ;)

loundy
 
26.01.2010 16:48
yep.


denn dadurch können wir analysieren was wir falsch gemacht haben.

wir könnten erkennen dass unser 100 jahre altes (!) bildungssystem sozial selektiert und damit generationen an ungebildeten prolls ausspuckt die keine arbeitsmarktchancen und keine zukunft haben.

bei denen könnten wir ansetzen aber das tun wir nicht.

aus ideologischen/stimmfänger gründen ist es uns lieber diese nicht zu integrieren sondern noch mit ständigen provokationen und angriffen ("jetzt gehts um uns österreicher", "daham statt islam",...) in parallelgesellschaften zu treiben wo sie von hasspredigern nur noch abgeholt werden müssen falls sie den hass nicht bereits selbst empfinden.


guter plan. das wird die islamisierung europas aufhalten.

Chien de Pique
26.01.2010 15:15
Ich verwehre mich entschieden gegen den rechten Rand. "Nicht als Gast" heißt: "von Beginn an um zu

bleiben" und "nicht zum Arbeiten" heißt: "ohne Jobangebot, vielmehr als Ehefrau und Mutter/sonstiges Familienmitglied". Nicht mehr, nicht weniger.
Den Rest haben Sie hineinprojiziert.

Den beweis für die Wirtschaftsboom-Behauptung sind Sie weiterhin schuldiggeblieben: Erst war der Boom, der die Jobs geschaffen hat, dann kamen die Arbeitskräfte, die für weitere Dynamik sorgten, nicht umgekehrt (und ein Großteil der ersten Generation von Arbeitskräften kam aus Europa und ging als tatsächliche Gastarbeiter vielfach auch wieder nach Hause)

loundy
 
26.01.2010 16:22
das mit dem rechten rand, da muss ich mich entschuldigen,... nein...


da muss ich mich sogar aufrichtigst entschuldigen, das hab ich wohl wirklich beim überlesen einfach hineininterpretiert. ich entschuldige mich dafür.


zum wirtschaftsboom ist da natürlich diese form der dynamik und ja natürlich waren es hauptsächlich europäische arbeitskräfte was das versäumnis sie ordentlich zu begleiten und zu integrieren um ein vielfaches schlimmer macht.

und der familiennachzug, der war absolut zu erwarten, wollen sie wirklich dass jemand hier jahrelang arbeitet und ihren wohlstand mit aufbaut aber nicht daran mitprofitieren darf oder seine kinder hier zeugen darf...?

da haben wir damals versäumt einzuschreiten und diese "nachzügler" ordentlich zu integrieren.

aber nichtsdestotrotz:
ohne sie wär's nicht gegangen.

angelvoices
26.01.2010 10:13
Religion ist reine Privatsache und Gott ist überall

jeder, der im aufgeklärten Europa leben möchte, müsste einsehen, daß Religion nur polarisiert und zu Konflikten führt (Vergangenheit!!!) - es müsste im eigenen (Staats)-interesse sein die Quellen möglicher Konflikte zu vermeiden (z. B. geregelte Zuwanderung )

1116er
26.01.2010 10:12
entweder ein armutszeugnis oder der anfang vom ende.

wenn eine kultur sich derart von einer anderen bedroht fühlt (wie es nach ansicht vieler für das verhältnis westen - islam der fall ist), dann bedeutet das doch, dass die vorherrschende kultur auf tönernen füssen steht und sowieso beim nächsten windstoss umfallen wird.
ist die kulturelle/ideelle basis für unser gesellschaftssystem tatsächlich so schwach?
wenn ja: dann wird unser system sowieso untergehen. verbote a la suisse verzögern diesen zusammenbruch nur unwesentlich.

nur der schwache fürchtet sich!

M K
 
26.01.2010 14:31
Nicht akzeptiert!

Die Gleichsetzung von Islam und Kultur akzeptiere ich nicht.
Das war einmal, vor Jahrhunderten.
Die wissenschaftliche, kulturelle, wirtschaftliche Rückständigkeit und das Bildungsniveu aller (Ausnahme Iran, Teilausnahme Türkei - und beide sind erklärbar!) islamisch geprägten Gesellschaften spräche doch eine deutliche Sprache.
Man müsste sie nur verstehen wollen.

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