Das Wissenschaftsministerium

Alte Lasten und neue Sorgen

25. Jänner 2010 17:53

Angespeiste Studierende, überfüllte Horsäle, leere Kassen: Die neue Ministerin braucht viel Durchsetzungskraft – und einiges Sitzfleisch

Lange wird Beatrix Karl den lästigen Studierenden nicht auskommen. Wenn Österreich gemeinsam mit Ungarn im März zum Bologna-Gipfel lädt, bei dem die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums abgeschlossen werden soll, wird auch für Demos gesorgt sein. Ankündigungen deuten darauf hin, dass diese nicht zimperlich ausfallen werden: "Versauen wir den Scheiß-Bolognagipfel."

Der Umgang mit (potenziellen) Hörsaalbesetzern ist eine der großen Herausforderungen für Karl, für die sie auch Sitzfleisch brauchen wird. Schließlich soll der von Vorgänger Johannes Hahn gestartet "Dialog Hochschulpartnerschaft" in Reformen münden, die den Protesten den Wind aus den Segeln nehmen sollen.

Wegweisend, ob Karl wie andere Amtsinhaber nur als Mangelverwalterin in die Geschichte eingeht, wird der kommende Herbst sein. Bei Verhandlungen mit dem Finanzministerium muss sie versuchen, ihrem "Erfinder" Josef Pröll zusätzliches Geld herauszureißen. Der Spielraum ist allerdings klein. Ein Großteil des Ressortbudgets ist bereits durch die Leistungsvereinbarungen mit den einzelnen Unis vorgezeichnet.

Weiteres brennendes Problem: Der Ansturm auf verschiedene Fächer, der zu heillos überfüllten Hörsälen führt. Die Rektoren fordern vehement die Neuregelung des Zugangs - was von Studieneingangsphasen bis zu direkten Beschränkungen alles bedeuten kann. Ewig kann Karl diese Frage nicht aufschieben. Übernächstes Jahr wird die mit der EU-Kommission vereinbarte Notlösung, im überlaufenen Medizin-Studium 75 Prozent der Plätze für Österreicher zu reservieren, auslaufen.

Noch eine Altlast hat Hahn hinterlassen. Einige Fraktionen der Hochschülerschaft bekämpfen immer noch das Ergebnis der via E-Voting durchgeführten Uni-Wahlen. Nächste Instanz: der Wissenschaftsminister.

Auch den Koalitionspartner muss Karl bearbeiten, will sie ihrer Linie treu bleiben: Die neue Ministerin ist Befürworterin von Studiengebühren. (APA, jo, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010))

 

rw0009
25.01.2010 21:20

"Angespeiste Studierende, überfüllte Horsäle, leere Kassen"

Frustrierte Lehrende, vertriebener Nachwuchs und grassierende Bürokratitis würd ich noch dazu erwähnen....

Christiane Amanpour
 
25.01.2010 19:39
Die Opposition gegen die versiffte öst. Wissenschaftspolitik muss jetzt ihre Ziele genau definieren

Sie haben es jetzt mit einer Ministerin zu tun, die ihre Zeit nicht nur bei Wiener ÖVP-Veranstaltungen oder bei Handball-Spielen verbringt.

Sie befürwortet Studiengebühren und wird versuchen, sie über die "Regelungen" einzuführen.

Dagegen braucht man eine gute Strategie.

Dafür muss man mit der SP-Kuntzl arbeiten,
die Grünen müssen eingespannt werden,
man muss sich in Brüssel bei den Verhandlungen wg. der deut. Studenten erkundigen,
Beispiele von and. Ländern ohne Studiengebühren bei der Hand haben,
also arbeiten, viel arbeiten.

Es wird hart, aber qualitativ besser, weil man keinen sich verweigernden Dillo mehr gegenüber hat.

Und Gugging nicht zu vergessen, welche Weltgrößen sitzen jetzt dort ein?

Gert Bachmann
 
25.01.2010 18:42
entscheidend ist doch, ob

Frau Karl entscheidend mehr Budget bekommt oder nicht. Wenn nicht, bleibt wieder nur die bekannt gescheiterte Sparstrategie "Schwerpunktsetzung", also das alt bekannte Spiel "Reise nach Jerusalem" für die Uniegozentriker. Wenn die abgekaute Floskel "Rahmen, der es ermöglicht, dass österreichische Unis und Forschung wieder im internationalen Spitzenfeld mitmischen können", ein Präjudiz für Karls Realismus der Einschätzung der aktuellen Situation ist, dann gute Nacht.
Ad Qualität zu steigern und Österreich wieder zu einem "Land der hellen Köpfe" zu machen. Da müsste erst die "Krone" als das entlarvt werden was sie ist.... Opium für Sand in den Kopf Stecker.

SeSö
25.01.2010 18:17
Ich bin...

... gespannt.. Aber ehrlich gesagt setze ich nicht allzu viel Hoffnung in die Frau Karl - bei den vorherrschenden Desaster, das Hahn ihr hinterlassen hat inkl. den verunglimpften Studenten, müsste sie schon eine sehr starke Persönlichkeit sein, um das zu regeln - und ich befürchte, das ist sie nicht.

sella
25.01.2010 23:21
nicht allzu viel Hoffnung.

es ist vielmehr zu befürchten, dass - da Hahn verlautete, 'dem nachfolger' ein postit am bildschirm zu hinterlassen - dass sie ihn auch anrufen wird.

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