DER STANDARD-Interview

"Zugangsregeln wichtiger als Studiengebühren"

25. Jänner 2010, 17:54
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    foto: cremer

    Karl: "Es brennen nicht alle Unis. Probleme haben wir in den Massenfächern und beim Bolognamodell."

Karl über brennende Unis, stöhnende Studierende und verdrängte Wissenschafterinnen

Standard: Die Uni "brennt" noch immer. Trotz des geräumten Audimax protestieren Studierende noch immer. Wie werden Sie löschen?

Karl: Da gibt es nicht die eine vorgefertigte Lösung. Die Probleme sind vielfältig, daher müssen auch die Lösungen vielfältig sein. Und: Es brennen nicht alle Unis. Probleme haben wir insbesondere bei den Massenfächern. Dort müssen wir primär ansetzen.

Standard: Was steht ganz oben auf der "Problempyramide" der Unis?

Karl: Ein Problem ist die Umsetzung des Bologna-Modells. Ich bin grundsätzlich eine Befürworterin der Bologna-Philosophie, aber wir haben Umsetzungsschwierigkeiten. Das muss man klar sagen. Teilweise wurde ein achtsemestriges Diplomstudium in sechs Semester hineingequetscht. Dass die Studierenden dann stöhnen und dass sie das unter Druck setzt, verstehe ich. Das war aber auch nicht Sinn der Sache. Angedacht war, dass man über neue Studienpläne nachdenkt und solche entwickelt. Das ist aber nur teilweise passiert.

Standard: Von der ÖH gibt es eine Einladung in das Audimax, in das symbolische Herz der Studentenproteste. Werden Sie hingehen?

Karl: Ich muss gestehen, ich war noch nie im Audimax, weil ich in Graz studiert und gelehrt habe. Es wäre wirklich mein erster Audimax-Besuch. Wir werden sehen. Ich werde natürlich das Gespräch mit den Studierenden suchen, weil sie wichtige Akteure an der Universität sind.

Standard: Sie werden als Ministerin 21 Rektoren gegenüberstehen. Welche Erfahrung haben Sie als Frau an der Universität gemacht?

Karl: Die "klassische" Erfahrung: Als ich studiert habe, waren wir noch viele Frauen, als ich Assistentin war, waren wir auch noch viele Frauen - und dann war ich in Österreich die zweite Frau, die sich im Bereich Arbeits- und Sozialrecht habilitiert hat, also in Wahrheit in einer Männerdomäne. Da ist noch viel zu tun. Wir müssen schauen, dass nicht nur viele weibliche Studierende da sind, sondern dass wir auch viele weibliche Professoren haben.

Standard: Welche frauenfördernden Maßnahmen könnten Sie sich vorstellen?

Karl: Mein großes Glück war ein Apart-Stipendium der Akademie der Wissenschaften. Das ist großartig und läuft drei Jahre, die ich am Max-Planck-Institut in München verbracht habe. Ich bin überzeugt davon, dass ich innerhalb dieser Zeit meine Habilitation nicht fertiggestellt hätte, wenn ich die drei Jahre an der Uni geblieben wäre.

Wenn man Frauenkarrieren fördern will, muss man Frauen die Zeit geben, die nötigen wissenschaftlichen Leistungen wie das Doktorat oder die Habilitation zu erbringen. Die Frauen an der Uni müssen "freigeschaufelt" werden von anderen Tätigkeiten. Wir erleben sehr häufig, dass Frauen im wissenschaftlichen Bereich dafür eingesetzt werden, dass sie am Institut quasi administrative Tätigkeiten wahrnehmen.

Standard: Wenn Sie könnten, wie Sie wollten, was würden Sie als Wissenschaftsministerin im Alleingang umsetzen - die Studiengebühren wiedereinführen?

Karl: Das wäre ein Punkt. Noch wichtiger erscheinen mir sinnvolle Zugangsregelungen.

Standard: Für alle Fächer?

Karl: Primär für die überlaufenen.

Standard: Was kommt nach der Quote für Medizin-Studienplätze, wenn die von der EU eingeräumte Gnadenfrist dafür 2012 endet?

Karl: Die optimale Lösung wäre eine rechtliche Verankerung im Primärrecht der EU. Dann hätten wir Rechtssicherheit.

Standard: Einige Juristen plädieren für das alte Herkunftslandprinzip. Wer zu Hause einen Studienplatz hätte, könnte auch in Österreich einen Platz ergattern.

Karl: Das ist auch eine Möglichkeit. Wir müssen uns ja auch neben Medizin die Frage stellen, wie gehen wir weiter um mit dem Zuzug aus Deutschland, insbesondere in den Numerus-clausus-Fächern? Für mich ist der Ansatz: entweder eine primärrechtliche Lösung oder generell die Rückkehr zum Herkunftslandprinzip. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2010)

Nachlese: Josef Pröll stellt die designierte Wissenschaftsministerin vor - derStandard.at berichtete

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Links von Diwan
00
31.1.2010, 20:11
und wieder eine weitere lachnummer in der regiernung...

"studenten sind wichtige akteure"... großartig. Darf ich eine ministerin, die aus einer angeblichen wirtschaftspartei kommt, daran erinnern, dass die studenten die KUNDEN sind und gefälligst alles zu passieren hat, damit kunden zufrieden sind?
Achso, diese kunden zahlen angeblich nix? Dann schaun sie mal nach, wieviel sie selbst heute steuern bezahlen, welche sie ohne uniausbildung wohl sicher nicht zahlen müssten, weil sie kassiererin beim billa wären.

"nicht alle unis brennen" genial. klingt wie: "ganz gallien ist von den römern besetzt. Ganz gallien? Nein, ein kleines dorf..."

Im ORF sagten sie "niemand wird wegen 700€ sein studium schmeissen". OK, dann sofort 5% mehr lohnsteuer bitte - niemand wird deswegen nix mehr arbeiten, oder?

also dann ...
00
27.1.2010, 11:50
viel ahnung schein sie ja nicht zu haben - nach ihren kommentaren zu schliessen !

1.) bologna
"Teilweise wurde ein achtsemestriges Diplomstudium in sechs Semester hineingequetscht".
dies entspricht nicht den tatsachen,
- da bei den bach.studien zumeist 1 auslands(praktikum)sem. inkludiert ist
- und die dipl.arbeiten in den curricula als z i e l gerade mal 25 ( ? ) seiten vorgeben.
beim alten mag.studium entsprach dies - vielleicht -
einer arbeit in einen pro-seminar im 2. semester ...

2.) stud. gebühren
die uni`s erzielen ÜBERSCHÜSSE - seit jahren
und haben WERTPAPIERVERMÖGEN von 364 mio ( ! )

3.) zugangsregelungen
die studierenden wurden b e t r o g e n, weil man nicht das polit. ziel = höhere akad.quote !
hinausprüllen kann ...
und im nächsten satz den zugang beschränken ?

wie naiv...

Zorn
00
ad (2)

Sie habe offenbar keine Ahnung vom Uni-Budget. Es gibt keine Übrschüsse. Was vielleicht wie solche aussieht sind Reserven und "Ansparung" für längst überfällige Investitionen. Die Unis haben auch kaum Eigenkapital, da ja die Immobilien der BIG gehören und gemietet werden müssen (eine absolute Fehlkonstruktion, die exhte "Autonomie" unmöglich macht)

also dann ...
00
ä h m ... und sie sind der experte, gelle. ein tipp : lesen sei mal die offizielle österr. statistik ( ! )

nach ... bevor sie hier ihren humbug loslassen.

ad. eigenkapital
hier ist genug vorhanden, die rücklagen...zählen ja u.a. dazu.
ad. investitionen
diese blieben ja UNTER der afa ...
und die rektoren...
(welcher hat den eine ahnung vom wirtschaft ?)
"investieren "... in wertpapiere ?

ad. überschüsse...
lesen sie mal die bilanz/G-V der uni-wien oder wu-wien usw. nach. vielleicht "behirnen" sie es dann ...


machen

Papiertiger
00
26.1.2010, 15:50
Die Ähnlichkeit von Frau Karl und Skeletor ist verblüffend

diese tatsache für sich allein, ist eigentlich schon beweis genug, dass die övp die partei der "Bösen" ist. fragt sich nur wer He-man oder -frau ist; der faymann jedenfalls nicht :D

immer einmal mehr als wie du
02
26.1.2010, 15:21

Zitat:
"Die ÖVP hasst Studenten, einmal mehr ist es amtlich. Diese Leute lenken lieber ein dumbes Volk, und verteilen das "gesparte" Geld unter ihren Bankster-Freunden."

So ist es.
Es geht seit die SPÖ die Studiengebühen abgeschafft hat, bei der ÖVP nur noch darum diese wieder einzuführen. Und das nur aus Prinzip.

Die Summe ist fürs Gesamtbudget lächerlich klein.

Ein paar Boni streichen und die Summe wäre wieder herin.
Und diese Ministerin tanzt brav nach der ÖVP Pfeife.

Konservativer Haufen.

GEGENDerGEDANKEN
01
26.1.2010, 14:11
hier gibt s auch ne

interessante diskussion zu dem thema: http://diepresse.com/blog/gege... ue_die_wer

Aracni Santini
00
26.1.2010, 14:03
Frauen sind sozial verantwortungsvoller

Dieses Frauengeschwätz nervt mich zunehmend. Ich wünsche mir, dass Frauen wegen ihrer Qualifikation genommen werden und nicht weil sie Frau sind. Zudem erwarte ich mir von Karrierefrauen, dass sie sich nicht wie Männer verhalten, sondern ihren eigenen Weg finden und für Ihresgleichen etwas tun. Sobald Frau die Karriereleiter erklommen hat arbeitet sie nicht mehr entsprechend ihren Fähigkeiten, sondern ordnet sich den anderen machthabenden Männern unter um nicht den Job zu verlieren. Frauen, die etwas bewegen, gibt es nur sehr selten. Die meisten kopieren Männergeschwätz. Ich hoffe, Frau Karl ist eine Ausnahme und Verhält sich entsprechend dem Potential einer Frau. Frauen sind sozial verantwortungsvoller.

Steven Biko
04
26.1.2010, 13:56
S.G. Frau Minister(in)

ich denke, wie bereits durch Ihren Vorgänger klar ersichtlich, ist Bildung ( zumindest jene der Bevölkerung) Ihrer Partei nicht wichtig !
Ich finde übrigens auch, Bildung wird überschätzt.
Ein paar Icons auf dversen Gui´s sollten reichen, dem jungen Menschen die Welt ( und wenn es nur die von Facebook ) zu öffnen.
Und die Hymne läßt sich jenseits von Christina Stürmer in einzelnen Passagen leicht adaptieren.
Statt "Heimat bist du großer Söhne", würde sich bezeichnend für die heiße Luft in den politischen Gremien wohl jene Zeile eignen, "Heimat bist du großer Töne".
Und damit ist nicht Mozart gemeint.
Also, nieder mit der akademischen Bildung, wer braucht die ?!, fragten schon die Khmer Rouge !
In deren Sinne,
Herzlichst
SB

Aracni Santini
02
26.1.2010, 13:55
Bei uns ist die Herausforderung die, Wissen möglichst unzugänglich zu halten

Und so ist auch der Plan an der Uni. Die Studenten werden schikaniert. Der, der es schafft, darf wahrhaft stolz auf sich sein, er hat nicht nur den Stoff gelernt, sondern jede Menge unnotwendige Prügel aus dem Wege geräumt..

der tueftler
00
26.1.2010, 13:49
was ich unterstütze:

ganz klar, den studenten müssen die bestmöglichen bedingungen geboten werden! leider gibt es noch jede menge schikanöse hürden, die absolut nichts mit der leistung oder den fähigkeiten zu tun haben. manche professoren gebärden sich wie paschas - das ist sicher besser als früher, aber noch nicht gut genug. es kann auch nicht sei, dass man in anwesenheitspflichtigen vorlesungen keinen platz bekommt, das ist widersinnig!
all das heißt aber nicht, dass dieses angebot jedem gemacht werden muss, unabhängig ob er sich bemüht oder nicht. ordentliche bedingungen und ordentliche leistung! selbstverständlich finanzielle absicherung aber eben auch nur bei entsprechender leistung.

Schneck4ever
03
26.1.2010, 13:09

Hahn hatte panische Angst vor 20.000 neuen Studenten, Karl will Zugangsbarrieren neu errichten...

Es ist schon sehr bezeichnend dass niemand aus der ÖVP Interesse daran hat dass diese 20.000 potentiellen neuen Studenten auch wirklich studieren können.

Dafür wäre in erster Linie eine bilaterale Lösung mit Deutschland zu suchen (15.000 Deutsche wollen hier studieren, ca. 7.000 Österreicher studieren in DE) - es muss doch ganz klar Ziel sein dass jeder der studieren möchte auch studieren kann.

Ist es nicht schon tragisch genug dass Kinder aus ärmeren Verhältnissen mangels direkter Vorbilder ohnehin seltener studieren? Da muss man noch mit Zugangsbarrieren nachlegen?

AlBundyFan
 
01
26.1.2010, 14:04
warum sollte das das ziel sein?

das ziel der gesellschaft muß es sein, alle stellen der gesellschaft so zu besetzen, daß diese funktioniert.

fehlen absolventen von bestimmten studienrichtungen,dann muß man diese dorthinlenken, gibt es zuviele, dann muß man leute daran hindern zu studieren und sie dorthin bringen, wo andere nahtstellen der gesellschaft gestopft werden müssen.

individuel ist das vielleicht nicht so schön, aber die gesellschaft kann nicht darauf aufgebaut werden,daß sich alle selbst verwirklichen versuchen und dann die, die es schaffen, die finanziell erhalten müssen, die nicht die fähigkeiten hatten es zu schaffen.

Links von Diwan
00
31.1.2010, 20:34
na wenigstens sind al bundy's fans bereits in die allgemeinen getriebelehre vorgedrungen

Leute mit der befähigung zu studieren sind natürlich so universalbegabt, dass man ihnen nur zu sagen braucht, womit man in 20 jahren die gesellschaft stützen will und flux, hamma 10 semester später die passenden fachleute. Und in dem seit 300 jahren unveränderten gesellschaftsmodell funktioniert das natürlich bestens.
Nur dummerweise haben wir heute in der gesellschaft etwa 400 berufe, die es vor 15 jahren noch nicht gab. Die jugend wusste das bereits vor jahren, aber bis sich das zu lehrplänen durchspricht ist ihre "funktionierende" gesellschaft schön längst kastriert.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
00
26.1.2010, 18:10
Brave New World

Schon alt, aber manche scheinen es trotzdem nicht gelesen zu haben.

AlBundyFan
 
00
27.1.2010, 07:34
natürlich habe ich es gelesen

es ist sogar mein lieblingsbuch neben narziss und goldmund.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
00
27.1.2010, 10:40
Und Sie wissen schon auch, ...

... daß das als Kritik an so einer Gesellschaft gedacht ist?!

AlBundyFan
 
00
27.1.2010, 12:34
ja das weiss ich

aber ich sehe in meinem absatz nicht wirklich eine paralelle zu der gesellschaft in "schöne neue welt".

dort werden die kinder schon vom säuglingsalter an auf bestimmte berufe gedrillt....ist doch etwas anderes,als wenn man im 1.studienabschnitt eine überprüfung der leistung einbaut und dann nur einen bestimmten prozentsatz weiter lässt.

im sport übrigens gang und gäbe - da regt sich keiner auf, daß nicht jeder mensch der möchte, beim nachslalom in schladming mitfahren kann.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
00
27.1.2010, 14:34
Der zweite Absatz ...

... erinnert mich schon sehr an das Buch. Ist ja eigentlich egal, ab welchem Alter man von der Gesellschaft in eine bestimmt Rolle gezwungen wird.

Leute, die nicht studieren und trotzdem inskripiert sind, nehmen doch niemandem etwas weg. Die hören sich die VL vielleicht mal an, die der Prof ohnedies halten würde. In Übungen werden die kaum gehen, weil das ja anstrengend ist und Prüfungen machen die schon gar nicht. Bleibt das Manko der überlasteten Säle. Na dann sollen Sie die Vls halt ins Internet streamen. Würde vielen Studenten ohnedies entgegen kommen.

Und wenn er mit Studium arbeitsunwillig ist, ist er es ohne auch. Wo ist das Problem?

Schneck4ever
00
26.1.2010, 15:47

wenn man von einer an turobkapitalismus erkrankten Gesellschaft und deren unmittelbaren Bedürfnissen ausgeht, dann haben sie recht.

Für mich ist unsere aktuelle Gesellschaft nicht das Maß aller Dinge - und einer der ersten Schritte zur Besserung beginnt mit einer neuen Bildungspolitik.
Setzt man früh genung an und vermittelt den Kindern von klein auf Zukunftsbilder so können sie auch viel früher ihre eigenen Interessen auslooten.

Graf Bobby
01
26.1.2010, 13:47

Wieso sollte es ein Ziel sein, dass jeder, der studieren möchte, das auch kann (was er will).

Individuell vielleicht, gesamtgesellschaftlich sicher nicht.

Raphae1
00
26.1.2010, 14:01

Warum nicht?

waeldar
23
26.1.2010, 12:53

da bin ich voll der meinung der neuen ministerin, und das obwohl ich mit övp normalerweise überhaupt nichts anfangen kann.

Chocoholic
66
26.1.2010, 12:27
Frau Karl, darf ich Sie daran erinnern, dass es bereits einen Eignungstest fuer das Studium gibt>

die Matura.

Power Hirsch
 
00
26.1.2010, 13:57
Völlig Richtig!

Es muss endlich das Maturaniveau wieder nach oben korrigiert werden. Die Idee der Einheitsmatura zur Qualitätssicherung klingt ja gut, die sich jetzt auskristallisierende "Lösung" einfach auf den gemeinsamen Minimalkonses aller Matura-vergebenden Schulen hinzuprüfen ist wirklich gefährlich.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Unterrichts- und Wissenschaftsministerium zusammengeführt werden müssten!

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