Reportage

Quotenfrauen und Trottel-Männer

Maria Sterkl, 26. Jänner 2010 08:32
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    Foto: derstandard.at

    Für Monate ein Paar: Tanja Wehsely, Melek Tekin (v.li.)

Zehn PolitikerInnen ließen Migrantinnen Politik-Luft schnuppern

Im großen Festsaal des Rathauses verlässt der Bürgermeister gerade unter Applaus die Bühne. Die Moderatorin entlässt ihn mit einem „Danke, dass Sie hierher gefunden haben". Wenig später nimmt Michael Häupl am runden Tisch vor der Bühne Platz, bei Vizebürgermeisterin Renate Brauner und vis-a-vis von Vize-SP-Klubchefin Tanja Wehsely. Am Tisch sitzt auch eine junge Dame, die ihr Glück noch nicht ganz fassen kann. "Einmal den Menschen die Hand zu schütteln, die man sonst nur vom Fernsehen kennt, das ist schon super", sagt die 26-jährige Melek Tekin. Seit Monaten sind Tekin und Tanja Wehsely ein Paar.

"Abholen und mitnehmen"

Eine Mentoringbeziehung verbindet die Studentin mit der Vize-Klubchefin der Wiener SPÖ. "Ich sehe das als Weiterbildung" erklärt Tekin. „Junge Frauen abholen und mitnehmen" nennt es Wehsely. Renate Brauner bringt es auf den Punkt: „Netzwerken - das ist für Frauen ganz besonders wichtig. Wenn es eine nach oben schafft, muss sie eine andere nachholen." Melek Tekin nickt. 

Bereits zum zweiten Mal hat das Wiener "Black Women Center" das Mentoringprojekt "Mimpol - Migrantinnen machen Politik" organisiert. Zehn PolitikerInnen von SPÖ, ÖVP und den Grünen stellten sich zur Verfügung. Die Idee: Für einige Monate Steigeisen für politikinteressierte Frauen zu sein. Bei manchen funktioniert das weniger gut, bei anderen besser. Das Gespann Wehsely-Tekin scheint eines der erfolgreicheren Paare zu sein. Sie haben auch jetzt, nach dem offiziellen Projekt-Schluss, noch Kontakt. "Ich kann die Tanja immer anrufen", schwärmt Tekin.

Gemeinderat "von unten"

Die 26-Jährige verschont sich nicht. Sie studiert Publizistik und Politologie, und weil sie noch unentschieden ist, ob sie Politikerin oder Journalistin werden will, probiert sie studienbegleitend schon einmal beides aus: Beim TV-Sender Okto werkt sie als Programmplanerin, beim Mentoring-Projekt schnuppert sie Rathaus-Luft. Die Gemeinderatssitzung, bei der sie spüren durfte, dass die BesucherInnen von oben auf sie herabschauten, kommentiert sie noch heute mit „Wow".

Dass weinselige Abende wie der heutige mindestens ebenso wichtig sind wie Plenarsitzungen, ist wohl eine der Lektionen des Mentoring-Projekts. Heute abend, bei der großen Feier des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF), dessen Vize-Vorstand Wehsely ist, wirkt Tekin noch etwas unsicher. Doch das stört nicht weiter: Wehsely führt sie gekonnt übers Smalltalk-Parkett. Dass sie im Brotberuf Jugendarbeiterin ist, schadet dabei nicht. Dass ihre große Schwester Sonja Gesundheitsstadträtin ist, wohl auch nicht.

"Bin keine Ausländerin"

„So ein Zufall, wir sind beide rot-schwarz gekleidet", ruft Wehsely und zeigt auf Tekins kariertes Kopftuch. „Das ist aber keine Anspielung auf irgendeine Art von Koalition." Tekin lächelt. Gefragt nach nach ihrer Einschätzung zur Wien-Wahl 2010, schnalzt die Antwort zurück: „Wir werden gewinnen!" SPÖ-Parteimitglied ist Tekin erst seit kurzem, im Parteiumfeld engagiert schon länger. Mit einem Freund hat sie die „Naturfreunde" Meidling wiedergegründet - „als Sportverein für Migranten". Für Integrationspolitik interessiert sie sich ansonsten nicht, sondern für Frauenpolitik. „Ich bin keine Ausländerin", sagt sie ernst. Schließlich lebt sie seit dem vierten Lebensjahr in Wien.

Umso mehr bohren die Schuldgefühle in ihr, weil sie sich beim Mimpol-Projekt gemeldet hat: „Manchmal denke ich mir: Ich habe nur diese Möglichkeit bekommen, weil ich Migrantin bin." Tanja Wehsely beruhigt: „Da musst du kaltblütig sein." Bei Frauenquoten sei es schließlich ähnlich. „Natürlich kommen mit der Quote auch Trottel-Frauen nach oben. Aber dann hast du eben eine Trottel-Frau neben zehn Trottel-Männern. Bei denen fragt ja auch keiner nach, wie sie es geschafft haben." Tekin nickt.

Wer den beiden Frauen zuhört, merkt, dass es hier nicht nur um Seilschaften geht. Nach einiger Zeit meint Melek Tekin, es beeindrucke sie sehr, dass Wehsely „nicht nur erfolgreiche Politikerin ist, sondern auch Mutter". Dass beides vereinbar ist, mache ihr Mut. „Du musst dir einfach wen suchen, der mit dir Halbe-Halbe macht", rät Wehsely.

Auch Spätberufene willkommen

Melek Tekin weiß nicht nicht, ob sie Politikerin werden will. Und wenn, wenn „sicher nicht jetzt": „Zuerst kommt Bildung, Bildung, Bildung.", sagt die Tochter eines Staplerfahrers und einer Hausfrau. Wehsely beruhigt: Für den Schritt ins Parteipolitische sei es nie zu spät. „Ich bin selber eine Spätberufene." Und wenn es einst soweit ist, „na dann kennst du ja schon ein paar Leute." (Maria Sterkl, derStandard.at, 26.1.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 123
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denk mal
01.02.2010 09:53
dass man dem Häupl jetzt schon dankt, weil er (noch?) in den Festsaal findet... ;)

einloggen
29.01.2010 21:11

„Netzwerken - das ist für Frauen ganz besonders wichtig. Wenn es eine nach oben schafft, muss sie eine andere nachholen."

Das ist ja im höchsten Maße sexistisch. Sie muß eine nachholen einzig aus dem Beweggrund, dass sie weiblich sei.
Erstens, dachte ich, solle das Geschlecht keine Rolle spielen, und zweitens ginge es ohnehin rein nach Qualifikation, oder?

wollnase
27.01.2010 22:33
ist schon gut sowas, ...

nur, wann kommt einmal ein bericht über die "restlichen" migranten, die, die ihr leben abseits der uni und politik fristen, sind ja wohl der großteil der in österreich lebenden

aber nachdem diese leute ja möglicherweise nicht dem entsprechen, womit immer wieder die PC gerechtfertig werden soll, wird darüber natürlich nicht berichtet, ... es sei denn es wird über andere medien hergezogen, weil sich die ja sooo unPC verhalten

realität tut manchmal weh, aber meistens (langfristig) gut ;)

yoshi7
28.01.2010 11:27

nur weil man nicht gerade in der politik ist, heißt das nicht, dass der rest alles selbstmordattentäter sind.

da wird einmal etwas positives berichtet und schon kommen die trolle aus ihren höhlen uns müssen darauf hinweisen, dass bitte der großteil sch**ße ist und sich schlechen soll....bist a ganz toller typ!

wollnase
29.01.2010 00:13
tr0ll ? *lol* bist wohl eher du, da du

anscheinend lieber eigene vorurteile bedienst als anderer texte genau liest.

es geht dabei nirgends darum, dass sich irgendwelche leute "schle(i)chen" sollen, sondern darum, dass die realität auch anders aussieht und von einem qualitätsmedium wohl eine realistische darstellung erwartet werden können sollte ... nicht die eine seite ODER die andere sondern BEIDE seiten...
aber wer, wie du, bei themen, die die schlagwörter "migrant" oder "PC" beinhalten und nicht lobpreisenden inhalt haben gleich voreingenommen die "nazikeule" schwingt ist wohl des differenzierens nicht mächtig ... nicht jede kritik, die ausländer betrifft ist automatisch rassisitisch, sie kann auch einfach nur kritisch sein. (in worten: punkt)

redi dogi
02.02.2010 11:42
Und was ist in ihrem Posting nur kristisch? Und was wurde versehentlich als rasistisch empfunden? Können Sie es mir bitte erklären?

GiordanoB
27.01.2010 19:55

Bezeichnend für die Lage in Öst. und die der SPÖ, dass der türk. Botschafter dem Wiener Bürgermeister Häupl einen Integrationspreis überreichte, der von der Zaman-Mediengruppe gestiftet wurde, die ihrerseits einem Fundamentalisten nahesteht.
Die Idee:
de.wikipedia.org/wiki/Fethullah_Gülen
Der Verlag:
de.wikipedia.org/wiki/Zaman_(Tageszeitung)
In Öst:
www.zamanoesterreich.at/index.php
Deren Arbeitsweise:
tagesspiegel.de/berlin/art270,2614443

Mirstetta Toni
27.01.2010 21:01

nette leute, die herr häupl da kennt.

evolution hunter
 
27.01.2010 11:24

Welchen Effekt Frauenquoten haben, sieht man an der SPÖ nur allzu deutlich. Insofern ist die Partei selbst gewichtigstes Gegenargument ihrer eigenen Forderung.

wollnase
27.01.2010 22:34
die partei,

die so heißt wie die hintergrundfarbe hier, ist davon auch betroffen ;)

René Berger
26.01.2010 17:30
Endlich eine...

... die frei redet! Sie hat ganz recht, sowohl inhaltlich als auch bei der Wahl ihrer Worte. Denn nur so erregt sie Aufmerksamkeit und bringt ihre Message auch so rüber, dass die Leute sie verstehen und emotionen geweckt werden.

Hosch mi?
27.01.2010 10:19
Richtig!

Jetzt hab ich die Wehsely verstanden. Sie spinnt.

DY
26.01.2010 17:14
So ein schlechter Artikel

Abgesehen davon, dass hier keine objektive Berichterstattung erfolgt ist, finde ich den Stil des Artikels einfach GROTTENSCHLECHT!!!
Mich wundert es überhaupt nicht, dass wieder einmal die Anhänger der rechten Seite laut werden, sobald das Thema "Migranten" erwähnt wird.

In diesem Punkt möchte ich auf einen im Bundes-Verfassungsgesetz, im Staatsvertrag und im Auszug aus dem "Ersten Zusatzprotokoll zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten" hinweisen:
Alle österreichischen Staatsbürger haben - unabhängig von Geschlecht, Klasse, Besitz, Bildung, Religionszugehörigkeit usw.- das Recht, nach Erreichung des Wahlalters zu wählen und gewählt zu werden.

"Scheuklappen" runter und auch die weite weite Welt betrachten ;)

Hamit_Hatemi
26.01.2010 16:42

Na toll..

Aber solange meine Frau nicht bei den SPÖ-Migrantenklubs dabei ist...

MiNeum71
 
26.01.2010 16:24


PS: Wer sich mit solchen Fuffn auf „Du musst dir einfach wen suchen, der mit dir Halbe-Halbe macht" einläßt, der ist in Wirklichkeit ein Trottel-Mann.

MiNeum71
 
26.01.2010 16:22


Wieder ein paar Stimmen mehr für die F - die Dummheit und die Dekadenz der herrschenden Elite wird noch fatale Folgen haben.

friedrich wilhelm voigt
26.01.2010 16:10
wozu quoten?

wenn frauen doch für die gleiche arbeit weniger lohn bekommen, wozu brauchts dann eigentlich quoten? jeder arbeitgeber wird doch seine posten möglichst lohnsparend besetzen, warum stellen die nicht alle nur frauen ein, wenn die billiger kommen?

männlicher top-manager um 1 mio/jahr vs. gleich qualifizierte top-managerin um 0.9 mio/jahr... da nehm ich doch die frau und kauf mir um die differenz einen porsche!

Cognos
26.01.2010 15:50
Fähige Menschen, die für westliche Werte eintreten, sollten immer eine Chance bekommen, egal ob Mann, Frau, Migrant oder MigrantIn (Deutschland, Indien, Türkei oder anderer Herkunft).


Westliche Werte sind für mich: Freiheit (Meinung und Religion), Gleichheit, Nächstenliebe, Anstand und Demokratie.

Männer und Frauen in eine diskriminierende Unfähigkeitsrelation von 10:1 zu setzen, war nicht geschickt. Vor allem in der immer wiederkehrenden Kopftuchdebatte hätte wieder einmal klar Position bezogen werden können.

Es wird immer wieder behauptet, es werde freiwillig getragen. Es handelt es sich trotzdem um ein Symbol aus einem patriarchalischen für System aus dem 8. Jhdt., das in der modernen westlichen Welt von Österreich keinen Platz hat.

Nicht die "Trottel-Aussage", kreide ich an, sondern die Unfähigkeit, für westliche Werte ohne wenn und aber einzustehen und diese auch offen zu vertreten.

Heimwerkerking
 
27.01.2010 23:09
für westliche Werte ohne wenn und aber einzustehen und diese auch offen zu vertreten.

Ich trete für westliche Werte ein!
Aber nicht ohne Wenn und Aber, denn sonst schiesse ich mich ja ins eig. Knie!
Freiheit ja, aber nicht für die die glauben, sich aus irgendeinem Aberglauben heraus, ein Tuch umbinden zu müssen.
Freie Meinung ja, aber nicht für Meinungen die nur vorgeben, frei zu sein. (KT freiwillig tragen zB, das können mir die unter Wasser erzählen)
Demokratie ja, aber nur dann wenn es sich um echte Demokraten handelt.
Nächstenliebe ja, aber nur wenn sich meine Nächsten auch so integrieren, dass sie mir in den Sitten ähnlich sind! Sonst wär das ja eine Fremdenliebe und das ist nicht gemeint.

tassen im schrank
26.01.2010 16:38
naja...

westliche werte a la anstand lassen sehr viele politiker missen. speziell die buberl- bzw. exbuberlpartie.

wollnase
27.01.2010 22:36
nana, nicht so vorurteilbehaftet ...

den politiker mit hirn & anstand zeigst mir in Ö :)

bösartigster Schlechtmensch
26.01.2010 15:47
Typisch männerverachtendes Geschwurbel.

Nimmt niemand ernst.

Fred Fusel
26.01.2010 16:39

leider doch!

Eustreptospondylus
26.01.2010 16:39
Frechheit das

mit den "Trottelmännern"! Was erlauben die sich??

friedrich wilhelm voigt
26.01.2010 15:45
„Netzwerken - das ist für Frauen ganz besonders wichtig. Wenn es eine nach oben schafft, muss sie eine andere nachholen."

aber wenn männer das machen, ist das böse und gemein?

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