Schlechtes Betreuungsverhältnis

Rektoren sehen sich durch Rechnungshof-Bericht bestätigt

25. Jänner 2010, 19:15

Dieser kritisiert das schlechte Betreuungsverhältnis an Unis, die Relationen zwischen Studierenden und Lehrenden seien "ungünstig"

Wien - Die Rektoren von Universität Wien und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, Georg Winckler und Christoph Badelt, sehen sich durch den präsentierten Bericht des Rechnungshofs (RH) in ihrer Ansicht bestätigt, dass die Budgetentwicklung dem Ansturm der Studierenden nicht standhält. Die Betreuungsrelationen könnten von den Unis nicht alleine verbessert werden, es liege an den politischen Entscheidungsträgern, die längst beschlossene Steigerung der Uni-Finanzierung rasch umzusetzen, so die beiden Rektoren in einer Aussendung.

Beide Universitäten hätten ihre Autonomie dafür genutzt, mehr Personal einzustellen, um die Betreuungsrelationen zu verbessern. Doch die Wirkung sei ausgeblieben, da die Universitäten zwei dafür wesentliche Rahmenbedingungen nicht gestalten können: die Höhe der Budgets und die Anzahl der Studierenden. "Die Budgetentwicklung macht es unmöglich, die Steigerung der Studierendenzahlen aufzufangen. Die Steigerung des Personals und der damit verbundenen Kosten war allein notwendig, um das bestehende Betreuungsniveau bei einer deutlichen Steigerung der Studierendenzahlen zu halten", so Winckler und Badelt.

Betreuungsrelationen "weiterhin ungünstig"

Der Rechnungshof hat einen Bericht veröffentlicht, der die Folgen der Personalhoheit auf die Gesamtkostensituation von Universität Wien und Wirtschaftsuniversität (WU) Wien untersucht hat. Demnach hat das 2004 in Kraft getretene Universitätsgesetz 2002 den Unis u.a. im Personalbereich zwar einen weitgehend autonomen Handlungsspielraum eröffnet. Keine Auswirkungen hatte diese Personalhoheit aber auf die Betreuungsrelationen, diese blieben "weiterhin ungünstig".

Beide Unis hatten sich in ihren Leistungsvereinbarungen mit dem Bund (2007-09) eine Verbesserung der Betreuungsrelationen vorgenommen. Laut RH ist das nicht gelungen. An der Uni Wien konnte zwar die Steigerung der Studentenzahl durch mehr Lehrpersonal aufgefangen werden. Dennoch kamen 2008/09 noch immer 190,7 Studenten auf einen Professor (2006: 192 Studenten) bzw. 32,2 Studenten auf einen Lehrenden (2006: 32,1).

Situation an WU dramatisch

Noch dramatischer ist die Situation an der WU: Diese "wies nicht nur die mit großem Abstand schlechteste Betreuungsrelation aller österreichischen Universitäten" auf, wie es im Bericht heißt, sondern es verschlechterten sich auch diese Relationen entgegen der Zielsetzung. Der Grund: Der Anstieg bei der Studentenzahl konnte durch die Zuwächse beim Lehrpersonal nicht wettgemacht werden. So kamen 2008 bereits 330,9 Studenten auf einen Professor bzw. 44,8 auf einen Lehrenden, 2006 waren es erst 296,3 bzw. 42,7.

Von 2004 bis 2008 erhöhte sich der Personalaufwand an der Uni Wien um 73 Millionen Euro (plus 36 Prozent), an der WU um 14,3 Millionen Euro (plus 29 Prozent). Gemessen am Gesamtaufwand stieg der Anteil der Personalkosten in diesem Zeitraum an der Uni Wien von 57 auf 60 Prozent, an der WU blieb er mit rund 63 Prozent ungefähr gleich. Die Anzahl der Vollbeschäftigungsäquivalente (VBÄ) des haupt- und nebenberuflichen Uni-Personals nahm um 21 Prozent an der Uni Wien und um 18 Prozent an der WU Wien zu.

Kritik an Prämien für Rektoren

An beiden Unis gehörten Ende 2008 rund zwei Drittel der Uni-Mitarbeiter dem wissenschaftlichen Personal an, der Rest dem allgemeinen Personal - eine Aufteilung, die sich seit 2004 kaum geändert hat. Bemerkenswert ist, dass an beiden Unis "ein nicht unbeträchtlicher Anteil des wissenschaftlichen Personals", nämlich rund 42 Prozent, von "nebenberuflichen wissenschaftlichen Mitarbeitern (Lehrbeauftragten, Drittmittelbeschäftigten, etc.)" gestellt werden.

Kritisiert wird vom RH, dass an Rektoren und Vizerektoren Prämien, die an die Erreichung bestimmter Ziele gebunden waren, ausbezahlt wurden, obwohl das Ausmaß der Zielerreichung durch einzelne Rektoratsmitglieder "weder dokumentiert noch quantifiziert" war. Zufrieden zeigte sich das Kontrollorgan, dass die beiden Unis die durch die Autonomie bestehende Gestaltungsfreiheit nutzten und bei den Entgeltvereinbarungen marktwirtschaftlich vorgingen. So bewegten sich etwa die Bezüge von 71 Prozent (Uni Wien) bzw. 80 Prozent (WU) der seit 2005 aufgenommenen Professoren in der unteren Hälfte der Gehaltspyramide. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 35
1 2
Dante Alighieri
04
25.1.2010, 19:15

Die Autonomie ist halt, um es höflich zu sagen, eine ziemliche Frechheit. Das Budget wird vollkommen unautonom vom Ministerium festgelegt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen ebenso. Aber tolle Betreuungsverhältnisse sollen die Unis natürlich im Alleingang wie aus dem Nichts herbeizaubern. Dass das nicht funktionieren kann sollte jedem denkenden Menschen klar sein. Tatsache ist nun einmal dass Österreich im internationalen Vergleich sehr wenig für seine Unis ausgibt, dass Österreich, obwohl es anteilsmäßig weniger Studenten und Absolventen als die meisten anderen Industrieländer hat, nicht genug Geld bereitstellt um gute Studienbedingungen zu ermöglichen. Solange sich die Studenten, die Menschen insgesamt, das gefallen lassen...

also dann ...
31
25.1.2010, 16:34
nun ... die UBNI`s schwimmen ... in geld, denn der hochschulsektor erwirtschaftet seit j a h r e n

ÜBERSCHÜSSE ( ! )
gebarung des staates 2008 :
seite 36 : (in mio) 2005.....2006.....2007......2008
ausgaben............2869.... 3049.....3241......3377
einnahmen...........2887.... 3023....3280.......3392
--------------------------------------------------
ÜBERSCHÜSS.........18,0.....-26,0.....39,0.....15,
seite 151 :
Schuldenstand.......24,0......39,0......34,0.....52,0
rücklagen.............655......1020.....1245.....1167
seite 152 :
Wertpap.,Beteilig... 216.....295........341......364
- - -
http://www.statistik.at/web_de/dy... detail=521

Simskoarl
 
00
25.1.2010, 18:15

Wenn man also spart wie ein Böser, um ein ausgeglichenes Budget legen zu können, schwimmt man in Geld?
Vielleicht sollten sich die Unis ja an so manchen Bundesländern ein Vorbild nehmen, und mal lustig Defizit machen.

also dann ...
01
26.1.2010, 21:03
naja ... sparen ? sozu brauchen die UNI`s 364 mio an wertpapieren ?

genau dieses geld gehört f.d. studierenden ausgegeben = besseres betreueungsverhälntnis !
dies sagt auch der RH . . .

und wenn die rücklagen 1/3 der ausgaben ausmachen, dann muss man diese mal offen legen, da die unis ja - monatlich im voraus - a l l ihre aufwendungen überwiesen bekommen !

mit sparen ... hat dies nichts zu tun.

Simskoarl
 
00
26.1.2010, 22:46
Und Beteiligungen,...

Ich könnte mir vorstellen, das sind all die Spin-offs, die nach ein paar Jahren wieder den Bach runtergehen.
Und was sich hinter den Punkten am Ende versteckt weiss keiner, aber sie haben ja das Büchel, da können sie sicher mal nachschauen, was sich unter dem Punkt alles verbirgt.

VvL
00
25.1.2010, 16:10
Personalaufwand an der an der WU um 14,3 Mio. Euro (plus 29 Prozent)

das kann nicht stimmen!!!

also dann ...
00
25.1.2010, 16:28
nur für externe lehre vielleicht ?

VvL
01
25.1.2010, 16:08
"Trotz Uni-Autonomie"

Wieso 2trotz"?

Was soll sich denn durch diese Autonomie (man kann auch sagen, jeder macht, was er will) zum Positiven verändert haben?

sangano
03
25.1.2010, 15:59
huhu...überaschung...

"So bewegten sich etwa die Bezüge von 71 Prozent (Uni Wien) bzw. 80 Prozent (WU) der seit 2005 aufgenommenen Professoren in der unteren Hälfte der Gehaltspyramide."

und dann wundern sich alle, dass die österreichischen unis in sämtlichen rankings abstürzen..."marktwirtschaftliches" vorgehen macht wirklich alles besser;)

z1302
00
30.1.2010, 15:29
marktwirtschaftliches Vorgehen?

Also unter Markt versteht man so was wie Angebot und Nachfrage, die sich zu einem Preis treffen.
Von den letzten 5 Berufungskommissionen sind 3 Listen (je 3 gereihte Bewerber) geplatzt, da keine Verhandlung positiv abgeschlossen werden konnte. Ich nehme an, weil kein akzeptabler Gehalt (bzw. Paket als Ganzes) geboten wurde.

Man kann den 'Markt' in 2 Richtungen ausser Kraft setzen. Also doch kein marktwirtschaftliches Vorgehen.

Freigeist78
04
25.1.2010, 15:57
Was ist das für eine absurde Formulierung "trotz Uni-Autonomie"??

Die Universitäten bekommen mit der Vollrechtsfähigkeit nicht mehr Geld vom Staat sondern tendenziell weniger.

Das war doch der Masterplan von Sigurd Höllinger, die Universitäten nicht ausreichend zu finanzieren, aber in der Vollrechtsfähigkeit sind sie dann selbst verantwortlich. Der Gedanke war damals auch, dass jede Universität dann für sich aus finanzieller Not gezwungen ist Studiengebühren eizuheben. Dass die flächendeckend über Nacht eingeführt wurden war auch für viele in der ÖVP überraschend.

Woher sollen Planstellen für die Lehre denn kommen, wenn der Staat die Universitäten aushungert?

Josef Handt
01
25.1.2010, 16:03
Richtig.

Die Formulierung "trotz Autonomie" ist ein Hohn:
Die Unis bekommen ja nicht mehr Geld, dürfen aber (trotz Autonomie) nicht selbstständig Studiengebühren oder Zugangsbeschränkungen einführen....

Bananistani
03
25.1.2010, 15:22

früh kommt man drauf, vor 15 Jahren war es genauso. alleine die fehlende betreuung während der diplomarbeit hat mich damals zwei semester gekostet. jetzt hat man es wenigsten schwarz auf weiss. aber das wird auch nichts ändern.

schoensprech
06
25.1.2010, 14:50
an der medizin kümmern sich die wirklich "wichtigen" professoren überhaupt nicht um die studenten

da sie mit dem geldscheffeln beschäftigt sind.
es wird einfach ein unvorbereiteter assistent geschickt wenn sich der chef um seine "privat"geschäfte kümmern muss. studenten sind nur ein störfaktor für vizerektoren die sich wegen nicht abgeführter institutseinnahmen verklagen lassen (war vor kurzem in den medien, und der zockt auch noch in seiner pension ab)

protagonist
 
04
25.1.2010, 15:57

Die Ausbildungssituation an der MedUni stinkt seit Jahren zum Himmel. Aber die ÖH-Med ändert leider nicht viel dran.
Das AKH ist ein Ausbildungsplatz zum davonlaufen wo emotional verkrüppelte Menschen (ich hab mal einen "respektablen" Professor auf Ebene 6 eine alte Frau zusammenschreien gesehen, weil sie sich nach dem Weg erkundigt hat) über die künftige Ärzteschaft entscheiden. In meinem ganzen Studium kann ich die Professoren die ihren Studenten wirklich was beibringen wollten an zwei Händen abzählen.

Queen of Sheba
 
00
25.1.2010, 14:46
Entscheidend ist nicht der Universitätsdurchschnitt, sondern der an den Studienrichtungen.

English by choice
20
25.1.2010, 14:31
Wen wundert's?

Die Betreund muss ja unter den schlechten Verhältnissen an der Uni leiden. Oder glauben die lieben ÖH'ler, dass auch das Lehrpersonal umsonst arbeiten soll, nun wo keiner mehr Studiengebühr zahlt. Das dies auch die Qualität des Studiums extrem beeinträchtigt, ist ja klar. Kein Wunder das so viele intelligente & ambitionierte ÖsterreicherInnen ausserhalb Österreichs studieren, und selten wieder zurück kommen. In England (wo ich gerade studiere) gibt es ca. 20 Personen im Lehrpersonal auf ca. 100 Studenten. Sicherlich muss man das bezahlen - aber die Qualität an Ausbildung, das notwendige Feedback und die Gewährleistung, dass der Student wirklich weiss was er/sie tut (grad bei Medizin, Jus), wenn's einen Titel haben, ist nur so garantiert.

nagehhh
00
25.1.2010, 15:57

freut mich für sie das sie sich ein privatstudium in England leisten können!!!!

Franz Bim
 
74
25.1.2010, 13:52
Verhältnis Professoren / Studierende vollkommen irrelevant

Ich finde der Quotient aus Professoren/Professorinnen und Studierenden ist vollkommen irrelevant. Gerade in den ersten beiden Semestern, in denen noch massenweise Leute in den Übungen sitzen, die für das Studium sowas von nicht geeignet sind, muss die meiste Betreuung durch Studienassistenten / Tutoren erfolgen. Alles andere wäre eine maßlose Verschwendung von Steuergeldern.

Selbst bei meiner Bakk-Arbeit wurde ich nur von einer Dissertantin betreut, der Professor hat nur das Zeugnis unterschrieben.

system1
05
25.1.2010, 14:07
...war ja auch nur eine bakk arbeit.

accuser
110
25.1.2010, 13:40

Man ist zufrieden, dass Professoren weniger verdienen und die Uni marktwirtschaftlich vorgeht?

Es ist "bemerkenswert" - ehrlicherweise sollte es "bedenklich" heißen - dass fast die Hälfte des wissenschaftlichen Personals in prekären Beschäftigungsverhältnissen zu finden ist?

Nur so: Assistenten in Ausbildung (Dissertanten) dürfen keine Lehre mehr machen im ersten Jahr, und selbst wenn sie sonst lehren, werden sie dafür (kollektivvertraglich) nicht finanziell entschädigt?!

Ich studiere 5 Jahre (vorgesehene Studiendauer), bin dann jedenfalls 23 Jahre alt und Akademiker und muss - danke, danke - einen 40h Job machen um 1000 netto mit befristetem Vertrag und soll zusätzlich, daneben halt, gratis lehren?!

Danke Gewerkschaft, Politik, Uni.

KM56
00
26.1.2010, 18:59
Fakten und Quellen bitte

Was Sie da schreiben, kann nicht ganz stimmen. Dass jemand kostenlos unterrichten soll, ist mir völlig neu, und ich arbeite an der Uni (Admin). Habe also täglich mit Lehrenden und Studenten und Profs zu tun.

z1302
00
30.1.2010, 15:52
da haben sie aber nicht aufgepasst.

Externe werden zT dadurch entlohnt, dass sie einfach an der Uni unterrichten dürfen!
Wenn ein AoUiv.Prof mehr als 10 Std pro Woche unterrichtet, werden nur 10 bezahlt. Der Rest ist gratis.
Bei vielen ist Lehre inclusive, all inclusive wie das schön heißt. Wer mehr macht - weil vielleicht notwendig, macht es gratis.
Etwas gewerkschaftliches Denken wird den Uni-Leuten vielleicht gut tun. In Australien haben die Uni-Profs vor ein paar Jahren wegen niedriger Gehälter gestreikt. Warum soll das in Ö nicht auch möglich werden? Die Karl und ihre Vorgäger arbeiten jedenfalls daran.

rw0009
00
26.1.2010, 19:48

§ 49 Abs 6 und 7 KV - Lehre im Regelausmaß durch Grundgehalt abgegolten.

Standard2009
00
25.1.2010, 22:16
bitte keine Lügen verbreiten

1200 monatlich sind erstens netto, zweitens fuer einen 75%-igen Vertrag (d.h. nur fuer 30 Stunden), und 10 Stunden davon dürfen Sie für Ihre eigene wissenschaftliche Arbeit verwenden, brauchen in der Zeit also nicht für den Chef an der Uni zu arbeiten. Und wenn Sie unterrichten, dann wird das natürlich in die Arbeitszeit eingerechnet (1 Stunde wissenschaftlicher Unterricht = 3 Stunden Arbeitszeit)!!!

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