EU-Erweiterung

"Österreicher, ihr könnt euch entspannen!"

24. Jänner 2010, 19:15
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    foto: apa/pressenlehner

    Bis Ende 2013 will die Türkei ihren Gesetzesbestand an das EU-Recht angepasst haben, sagt Europaminister Egemen Bagis.

Auslandstürken, Handelsbeziehungen, Sicherheitspolitik – für Europaminister Egemen Bagis ist die Türkei bereits fester Bestandteil der EU

Vor dem tatsächlichen Beitritt werde sich aber noch viel ändern. Von Christoph Prantner.

*****

STANDARD: Rund 80 Prozent der Österreicher sind gegen einen EU-Beitritt der Türkei. Was ist Ihre Botschaft an diese Skeptiker?

Bagis: Die heutige Türkei wird nicht EU-Mitglied, ihr könnt euch entspannen! Jene Türkei, die ihre Verhandlungen mit Brüssel abgeschlossen hat, tritt bei. Auch Europa wird dann eine andere Union sein. Im Verlauf dieses Prozesses wird die Türkei demokratischer, säkularer und wirtschaftlich erfolgreicher werden. Nehmen Sie die Fakten: 65 Prozent der Türken sind unter 35 Jahre alt. Wir sind die Lösung für das Problem der Überalterung der europäischen Arbeitsmärkte. Die Türkei ist die natürliche Brücke für den Energietransport nach Europa, dazu ein Hub für den Handel und eine Barriere gegen illegale Immigration, Drogenhandel oder Terrorismus. Mit der zweitstärksten Armee in der Nato haben wir jahrzehntelang zur Sicherheit Europas beigetragen. Wir wickeln 50 Prozent unserer Außenhandels mit Europa ab. Fünf Millionen Türken leben in Europa, 250.000 davon in Österreich - so gesehen sind wir bereits in der EU.

STANDARD: Bisher sind nur wenige Kapitel der Beitrittsverhandlungen geöffnet, wann will Ankara den Prozess abgeschlossen sehen?

Bagis: Wir haben ein nationales Programm, das unsere Gesetze bis Ende 2013 mit dem Beitrittskatalog in Einklang bringen soll. Ob die Gesetze nun vor der Öffnung der Verhandlungskapitel durchgehen oder umgekehrt, ist zweitrangig. Wenn das erreicht ist, wird die Türkei ein anderes Land sein. Ostdeutschland kam über Nacht zur EU, weil es politisch notwendig war. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Tag kommen wird, an dem die EU den Beitritt der Türkei politisch brauchen wird.

STANDARD: Eine spezielle Partnerschaft mit der EU ist keine Option?

Bagis:Nein.

STANDARD: Österreichische Unternehmen fühlen sich wegen der bilateralen Differenzen eingeschränkt in ihren Geschäften in der Türkei. Sehen Sie da ein Problem?

Bagis: Die türkische Wirtschaft ist größteils in privater Hand. Diese Unternehmer treffen ihre eigenen Entscheidungen. Wir als Regierung möchten die Handelsbeziehungen prinzipiell mit allen EU-Ländern stärken. Aber wenn Sie auf die Handelsbeziehungen in den letzten zehn Jahren schauen, werden Sie feststellen, dass Italien, Schweden, Großbritannien und Spanien ihre Anteile mehr gesteigert haben als andere. Alle diese Länder unterstützen den Beitritt der Türkei. Die Stimmung der Unternehmer wird mit Sicherheit von der Politik anderer Länder gegenüber der Türkei beeinflusst. Fazit: Wenn wir mehr Wirtschaftskooperation mit Österreich erreichen, wird wohl auch der politische Dialog besser werden.

STANDARD: Außenminister Davutoglu setzt eine Doktrin um, die die Türkei endgültig zu einer unumstrittenen Regionalmacht machen soll. Es gibt auch andere Anzeichen, dass Ankara die EU-Annäherung als Modernisierungsvehikel nutzen möchte, ein Beitritt eher nachrangig sein könnte. Ist die Türkei tatsächlich bereit Souveränität nach Brüssel abzugeben?

Bagis:Wir sind bereit, Souveränität nach Brüssel abzugeben, wenn wir aus Brüssel auch Souveränität bekommen. Wenn wir der Kommission Macht überantworten, wollen wir auch Macht zurückbekommen. Wenn wir beitreten, werden wir mehr Abgeordnete im EU-Parlament haben als die meisten Gründungsmitglieder. Genauso wird es bei den Beamten sein. Das sehen die türkischen Bürger. Aber sie sehen den Prozess auch aus einer anderen Perspektive: Wir haben ihr Pro-Kopf-Einkommen in den vergangenen sieben Jahren von 3000 auf 11.000 Dollar gesteigert, und das ohne Mitglied geworden zu sein. Die EU ist ein strategisches Ziel, ja, aber sie ist nicht die einzige Option für uns.

STANDARD: Wie soll es in der Zypernfrage weitergehen?

Bagis: Wir brauchen eine schnelle und gute Lösung. Wir haben erstmals einen Premier in Athen, der daran wirklich interessiert ist. Das gilt auch für Ankara. Dazu gibt es die beiden Zypriotenführer, die das wollen. Jeder kennt die Komplexität des Problems, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um mutige Schritte und Kompromisse zu finden. Nach den Wahlen in Nordzypern im April kann es zu spät sein.

STANDARD: Wie flexibel würde Ankara sein? Könnte das Ankaraprotokoll dafür implementiert werden?

Bagis:Flexibler als alle anderen. Wir würden glücklich sein, das Protokoll zu implementieren, wenn die EU auch ihre Beschlüsse respektiert und die Isolation Nordzyperns aufhebt. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2010)

Zur Person
Egemen Bagis (39) ist seit einem Jahr türkischer Europaminister. Er stammt aus dem Kurdengebiet, hat lange in den USA gelebt und dort auch studiert (Personalwesen). Am Wochenende nahm Bagis am Hofburgball, der Istanbul gewidmet war, teil.

Kommentar posten
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_Bauernbub_
00
18.6.2010, 13:34

ICH WILL MICH ABER DIESBEZÜGLICH NICHT ENTSPANNEN!!!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
10
25.2.2010, 13:31
der vergleich mit ostdeutschland

zeigt die mangelnde seriosität der türkischen absichten.

Ich bin doch nicht Ei-Mann!
01
22.2.2010, 18:26
Wir können uns in der Tat entspannen...

denn bis dahin hat es die EU zerfetzt oder aber Österreich ist ausgetreten und der Nato-Verein kann sich ohne uns in den Abgrund manövrieren!

Bye Bye, EU!

Gerd Huber1
 
12
21.2.2010, 07:36
Bagis: "Jeder kennt die Komplexität des Problems (Anm.: Zypern)"

1974 marschierten türkische Truppen in Zypern ein, besetzen die Norden und es wurde ein bis heute international nicht anerkannter Gebilde ausgerufen.

was ist daran komplex. Erdogan propagiert andauernd das Großtürkische Reich. Überall, wo Türken leben - egal mit welcher Staatsbürgerschaft - ist Türkei. Das ist simpel und der Ausgang dieser Einstellung hinlänglich bekannt

seppl absmui
07
12.2.2010, 16:47
"Wenn wir beitreten, werden wir mehr Abgeordnete im EU-Parlament haben als die meisten Gründungsmitglieder."

..klingt irgendwie wie eine Drohung..

das ist fix
27


Entspannen können wir uns erst, wenn die EU-Beitrittsgespräche abgebrochen werden.

kalunde
 
16
wieso werden die Türken

(in der Türkei gibts übrigens keine Mehrheit PRO EU) denn nicht gleich Mitglied der USA. Die USA sind ja noch vieeelll superer!

Ich mein, die USA hat ja ein vitales, brennendes Interesse an der Türkei. denen kann ein Beitritt der T zur EU ja nicht schnell genug gehen.

Schön wärs ja, wenn man den Türken die Möglichkeit gäbe selber darüber zu entscheiden, ob sie jetzt Mitglied im scheinheiligen "Christenclub" werden wollen. Da würden so manchen EU Klugscheissern der Mund offen stehen bleiben.

donaldinho
00
was die türkei angeht bin ich gespalten

einerseits hat ein beitritt sinn, andererseits fürchte ich, dass die eu darauf nicht vorbereitet ist.

und dann denke ich, dass eigentlich nur die usa wollen kann, dass die türkei beitritt, weil das europa nachhaltig lähmen würde.

also dann ...
01
bevor ... man auch nur 1 staat neu aufnimmt - ist die K O R R U P T I O N

innerhalb der eu + den allen staaten...
zu bekämpfen.

seit jahren ... geschieht hier so gut wie nichts !

skip it
01
11.2.2010, 12:55
vor allem HIER...

...geschieht nichts.

Dame Gruev
22
Fünf Millionen Türken leben in Europa, 250.000 davon in Österreich - so gesehen sind wir bereits in der EU.


Auf der Sprache der Zahlen heißt es, dass 0,01% der Europäischen Bevölkerung (500 Mio.) sind Türken (5 Mio.). „So gesehen“ trifft die Aussage „wir sind bereites in der EU“ nicht ganz.

Insgesamt 0,06% der Türken wohnen auf europäischem Boden außerhalb der Türkei (72 Mio.) und 0,01% der Europäer sind Türken. Ist dies Grund für die Aufnahme der übrigen 99,94% Bürger der Türkei in die EU?

GedankenLos
02

Irgebwie versteh ich Ihr posting nicht:

Bevölkerung Europa: 500 Mio.
Türken in EU: 5 Mio.

100 / 500 * 5 = 1

Es ist also 1% statt 0.01%, oder verstehe ich was falsh?

Ich B. Sisyphos
 
00
28.7.2010, 08:47

Nein, sie sehen das ganz richtig. Die Prozentkraxen zum Schluß gehört weg, oder mal 100 multiplizieren.

mary jane
 
16

"Ostdeutschland kam über Nacht zur EU, weil es politisch notwendig war"

Wenn das mal kein gelungener Vergleich ist, weiß ich auch nicht. *sarkasmus-mode-off*

Beeindruckend finde ich übrigens, dass der Europaminister die ablehnende Haltung mancher europäischer Kernländer (F) irgendwie gar nicht zur Kenntnis nimmt. Warum drängt man mit aller Macht in eine Staatenunion, wenn die Zustimmung zum Beitritt noch gar nicht klar ist?

Wenn ich zudem an die bizarren Auftritte Erdogans in der Bundesrepublik denke, ist diese Türkei noch nicht reif für die EU. Und die EU ist auch nicht bereit dazu, mögen diplomatische Formulierungen auch noch so sehr das Gegenteil nahelegen.

Spiritus_Sanctus
44
Salam saleikum, ziag den Bauch ein damit ich vorbeikum!

Letztlich habe ich ein Fez am Flohmarkt erworben. Eine Bauchbinde und Bluderhosen suche ich noch.

Einen Bart lasse ich mir wachsen - dann werd ich wohl als Islamer durchgehen.

Meine Kinder müssen schon türkisch lernen - bin ich sicher wenn ich den Strache wähle?

IsI
 
00
und deine opium pfeiffe ???????????

vergessen ???? ohhhhh

mnemonick
74
31.1.2010, 13:30
EU nur eine Option

Es ist schon sehr amüsant, dass fast alle Kampfposter auf jeden Türkei-Artikel mit immer den gleichen, abgegriffenen Lügen reagieren. Dabei stellt man immer weniger Inhalt fest.
Daher ist es hilfreich auch einmal den eigentlichen Artikel konzentriert durchzulesen. Die Türkei sagt nichts weniger als die EU eine Option für die Türkei ist und ein Scheitern weder für die Türkei noch für die EU der Untergang sein wird. Im Gegenteil, ein Nichtbeitritt sehe ich eher als einen Vorteil an. Die Türkei ist wirtschaftlich Gesünder als manch ein EU-Pleitestaat. Die goldenen Zeiten der EU sind nunmal vorbei.Die Türkei muss sich daher mehr an den BRIC Staaten orientieren. Hier wird die 'Musik' in den nächsten Jahrzehnten spielen.

Ich B. Sisyphos
 
00
28.7.2010, 08:51

Haha, "goldenen Zeiten sind vorbei"?

Das Projekt EU hat noch nichtmal richtig angefangen. Nichts ist vorbei, gar nichts. Und wirtschaftlich gehts auch nur nach oben.

CinnamonGirl
24

@Die Türkei ist wirtschaftlich Gesünder als manch ein EU-Pleitestaat.


na bitte..warum denn diese persistierende an der tür klopfen seit 40 jahren?

mnemonick
11

Lesen sie meinen Kommentar bitte genauer durch. Es steht, dass die EU für die Türkei eine Option ist. Man strebt zwar eine Mitgliedschaft an, aber es ist nicht das 'Ende der Welt' wenn es nicht dazu kommt.

Des weiteren sollte sie sich auch einmal Gedanken darüber machen, wieso die EG resp. EU der Türkei sage und schreibe 40 Jahre lang eine Beitrittsperspektive in Aussicht gestellt haben.

Sie sollten sich auch langsam ein Paar Euros zur Seite legen, damit sie bald die Pleiteländer der EU aus dem Schlamassel holen. Ich bin auf ihre 'Solidarität' gespannt. Das ist sicher ein akut wichtigers Thema als ein möglich Beitritt der Türkei.

P11#
36
31.1.2010, 19:10

...EU nur eine Option...

Die Frage ist doch nur wie lange noch der IWF die Türkei mit Milliarden unterstützt.

Walter Bimini
14
31.1.2010, 18:08
für die türkei mag die eu eine option sein, aber für die eu ist die türkei sicher keine.

ich persönlich bin sogar dafür. denn umso schneller sind wir die eudssr wieder los.

mnemonick
10
31.1.2010, 21:00

'...für die eu ist die Türkei kein Option'

Diese Aussage ist insofern falsch als bereits Verhandlungen über einen Beitritt laufen. Daher besteht die Option für beide Seiten.

Ihre polemische Bemerkung 'eudssr' ist zwar nicht schön, aber trifft den Kern der Sache. Denn kleine Länder wie Österreich haben sich freiwillig den grossen Ländern wie D und F untergeordnet und haben eigentlich nur eine geringe Möglichkeit der Einflussnahme.
Die EU macht Sinn als Wirtschaftsregion, es ist aber fraglich ob sie als politische Union taugt. Dazu sind es zuviele Länder, die zurecht ihre eigenen Interesse vertreten. Ob mit der Türkei oder ohne, das spielt keine Rolle.

Walter Bimini
02
31.1.2010, 23:18
die eudssr wird auch als wirtschaftsregion pleite gehen

dafür gibt es viele gründe wie schon bisher hohe staatsschulden, die bankrotten banken, ....

aber selbst, wenn all das noch zuwenig wäre, dann geben die politkommissare in brüssel mit ihrer idiotischen politik dem möchtegern imperium ganz sicher den rest.

die türkei als realtiv großes land mit über 70 millionen würde den zusammenbruch der eudssr 200% sicher machen.

donaldinho
01
aber was wäre die alternative zur "eudssr"

in einer welt, in der mit china, indien, brasilien player heranwachsen, deren schiere größe alles bisher dagewesene in den schatten stellt?

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