"Gestörtes ökologisches Gleichgewicht im Darm"

24. Jänner 2010, 18:53
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    Maximilian Ledochowski (53) ist Ernährungsmediziner an der Med-Uni Innsbruck.

Wir können uns nicht aussuchen, was wir essen, sagt Ernährungsmediziner Maximilian Ledochowski - Über die Macht der Lebensmittelkonzerne, Nahrungspolitik und den manipulierten Geschmackssinn

STANDARD: Nehmen Nahrungsmittelunverträglichkeiten wirklich zu?

Ledochowski: Ja, und das hat zivilisatorische Gründe. Ein Beispiel: In der DDR gab es bis zum Mauerfall kaum Allergien, heute schon, und die Ursache ist sicher nicht in der Hygiene, sondern in den veränderten Ernährungsgewohnheiten zu suchen.

STANDARD: Welche Ursachen sehen Sie für Unverträglichkeiten?

Ledochowski: Nahrung, die von Lebensmittelkonzernen global vermarktet wird. Die Industrie versucht, in einer satten Welt Produkte mit irgendeinem vermeintlichen Mehrwert zu vermarkten. Auch die Ernährungsberater tragen einen Teil bei, indem sie allgemein gültige Ernährungsregeln aufstellen. Das ist so, als ob man Menschen zu einer gemeinsamen Schuhgröße raten würde. Und es hat auch politische Gründe.

STANDARD: Wie meinen Sie das?

Ledochowski: Was wir essen, ist auch die Folge politischer Entwicklungen. Ein Beispiel: Mais- sirup. Er wurde erfunden, als die USA ein Handelsembargo über Kuba, den wichtigsten Zuckerlieferanten, verhängten. Maissirup gab es plötzlich im Überfluss. Früher aß man durchschnittlich fünf Gramm Fruchtzucker, heute sind es 20 Gramm pro Tag. Ähnliches ist mit Weizen passiert: Der Preis berechnet sich nach dem Eiweißgehalt, dem Gluten, und deshalb züchtete man besonders glutenreiche Sorten. Heute beobachten wir vermehrt das glutensensitive Reizdarmsyndrom. Auch die Gluten-Unverträglichkeit Zöliakie ist von 0,1 auf zwei Prozent gestiegen

STANDARD: Wie behandeln Sie Menschen, die zu Ihnen kommen?

Ledochowski: Es gibt keine generellen Empfehlung. Was einem Menschen guttut und was nicht, ist Detektivarbeit. Jeder, der Verdauungsprobleme hat, braucht eine eigene Therapie. Es geht darum, das gestörte ökologische Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen. Viele, die glauben, sie haben eine Unverträglichkeit, haben eine Malabsorption (siehe Wissen). Die Symptome verschwinden, wenn auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird. Die Darmflora regeneriert. Manchmal genügt eine Ernährungsumstellung, manchmal hilft nur eine Antibiotika-Kur.

STANDARD: Spüren die Menschen denn nicht, was Ihnen guttut?

Ledochowski: Nein, weil der wichtigste Regulator, der Geschmackssinn, durch die viele süße Nahrung, die wir essen, umprogrammiert wurde. Die großen globalen Nahrungsmittelkonzerne haben den Geschmackssinn manipuliert und sind dabei, weitere Kontrollmechanismen auszuschalten.

STANDARD: Warum gibt es keine Studien dazu?

Ledochowski: Ernährung lässt sich nicht evidenzbasiert erfassen. Das ist schlecht und gut. Denn Studien nutzen vorwiegend der Industrie. Aber natürlich könnte man ernährungsbedingte Zusammenhänge untersuchen, doch das wird trotz steigender Diabetes- oder Adipositaszahlen nicht ausreichend gemacht. Es gibt keine geschlossene Informationskette zwischen Ärzten, Ernährungsberatern, Lebensmittelindustrie und Patienten. Ernährung kann auch nicht global betrachtet werden, sondern hängt davon ab, in welcher Klimazone Menschen leben, was traditionell dort das Nahrungsangebot war und ist, denn die regionale Ernährungsweise hat sich der jeweiligen Genetik angepasst.

STANDARD: Haben Sie trotzdem eine einfache Richtlinie?

Ledochowski: Essen, was die eigene Großmutter gekannt hat, ist eine gute Orientierungshilfe, also Saisonales, Selbstgekochtes. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 25.01.2010)

Kommentar posten
17 Postings
suboptimal
 
02
28.1.2010, 22:55
«In Zukunft gibt's Nestlé- und Danone-Menschen»

Dr. Maximilian Ledochowski hält nichts von den Begriffen «gesund» oder «ungesund».

http://www.news.de/gesundhei... n-geben/1/

Achtung: das Ding hat 3 Seiten und fängt erst unter dem Milchfoto an, also bitte weiterlesen
Auf seinem Sektor ist er der Papst .... :-)

Aracni Santini
00
26.1.2010, 15:19
Bio-Essen schützt

sich selbst, unverfälschter Geschmack, Tierschutz, schützt Leute, die in den Anbaugebieten arbeiten vor Vergiftung, für sauberes Trinkwasser, besseres Klima (besserer Boden - mehr Wasser gebunden, mehr CO2 Bindungsfähigkeit) kürzere Transportwege - Bio nicht so lange haltbar etc... mehr Artenvielfalt, selbständige Keimfähigkeit notwendig, gentechnikfrei... mehr Mineralien und Vitamine... Landschaftsschutz, saubere Umwelt.

Dust von Dust
00
28.1.2010, 09:39
eben nicht!

auch geschmacklose hybridsorten werden bio angebaut!

verwechsle das nicht mit traditionellen sorten http://www.arche-noah.at

am besten natürlich traditionelle sorte im bio anbau.

romantische verklärung von bio, wie in deiner aufzählung, schadet mehr als es nützt...

samba cat
31
26.1.2010, 10:09
einige interessante

gedanken, leiderzusammengepackt mit atemberaubenden verschwoerungstheorien.

suboptimal
 
02
28.1.2010, 22:32
Das sind Fakten.

Dass die Fuktose "gesund" ist, die von der Lebensmittelindustrie überall dazugeschüttet wird, glauben nur noch Dillos.
Die Fruktoseunverträglichkeit explodiert geradezu.

utarefson
30
25.1.2010, 17:45
Reichlich aufgedeckt hat und der Herr Medikus Verschwörungstheorien!

Na dann gute Nacht, wenn der zu Ruhm und Ehren kommt!

sweetmaker
 
01
26.1.2010, 07:03
welcher "nahrungsmittel"konzern

ist ihr brötchengeber?

schoensprech
04
25.1.2010, 14:20
völlig richtig maximilian !

ist schon ein jammer, dass die kritischen denker von den medizinunis immer kaltgestellt werden. m.l. war ja sogar einer der ärztliche direktoren bevor ihn die tilak (tiroler landeskrankenanstalten) abserviert hat. und an der inneren tun sie so als ob sie ihn nicht kennen würden, dabei ist der junge echt engagiert.

piroschka d.
12
25.1.2010, 11:52
industrie mist

HAHA, ich kauf überhaupt nix von diesem ganzen (sauteuren) Industriemist - Fressen.

Ich koche selber - sieht nicht nur besser aus und ist gesünder, es schmeckt auch viel besser!

Selber schuld wer sich von der Nahrungsindustrie versklaven laesst.

Tethys
02
25.1.2010, 16:13

Sie bauen auch alles selbst an und züchten Hühner, Schweine und Rinder? Sie sind also zu 100% Selbstversorger?

piroschka d.
02
27.1.2010, 12:04

das kann ich natürlich leider nicht .

es ist aber schon ein sehr grosser unterschied ob man essen fertig einkauft, oder nur die rohstoffe (möglichst bio) und dann selbst kocht.
dann erspart man sich schon mal die ganzen zusatzstoffe, tonnen an zucker uns salz, industriemüll, usw.

es ist eine schande welche ernaehrungskultur heutzutage gepflegt wird.
back to the roots!!

Tethys
00
28.1.2010, 10:07

Da bin ich ganz bei Ihnen.
Worauf ich hinweisen wollte: selbst wenn Sie eine Bio-Karotte kaufen sind Sie Konsument der Nahrungsmittelindustrie, da kommen Sie gar nicht aus. Aber Sie haben schon Recht, es ist natürlich besser Essen selbst zusammenzustellen als Fertiggerichte zu essen - da weiß man zumindest was drin ist....

Londo Mollari
 
12
25.1.2010, 10:42
irre

"Die großen globalen Nahrungsmittelkonzerne haben den Geschmackssinn manipuliert und sind dabei, weitere Kontrollmechanismen auszuschalten"

das sagt ein experte - hat er recht, so ist das eigentlich ungeheuerlich. und wir schauen weiter zu. wahnsinn.

Dust von Dust
00
28.1.2010, 10:00
schaust du nie auf den text mit den inhaltsstoffen? aroma und geschmacksverstärker!

dein körper hat ein bedürfnis nach gewissen stoffen. er artikuliert sich indem du einen gusto, geschmack im mund, auf etwas hast. früher hast das gegessen und dein körper hat diese stoffe bekommen und du warst befriedigt und satt.

mit den aromen ist die bindung zwischen gusto und bedürfnis gestört. du hast den geschmack im mund aber die inhaltsstoffe fehlen. du bist zwar voll aber nicht satt und befriedigt. du brauchst mehr, der magen dehnt sich und dadurch brauchst mehr inhalt. light produkte zb. joghurt verschlimmern das noch, weil weniger drinnen ist. -> du wirst fett

eine walderdbeere ist weit mehr als aroma, vitamine und was sonst so auf verpackungen steht.

mich interessieren die anderen kontrollmechanismen die er anspricht!

Roland Steiner
21
24.1.2010, 19:47
manchmal hilft

nur eine antibiotika-kur? die darmflora wirds ihnen danken...

h 90
00
25.1.2010, 12:58

Da gehts ja scheinbar darum eine "falsche" Darmflora zu killen und von vorne anzufangen.
Ob das Sinn macht weiss ich nicht, aber ich glaube es ist so gemeint.

Gerhard Müller
01
25.1.2010, 12:15
Sagte er manchmal

oder immer?

Aus dem Kontext heraus ergibt sich eine Bandbreite, an dessen einen Ende der Verzicht auf etwas stand und am anderen Ende eben Antibiotika.

Also zuerst lesen, bevor Dummschwatz verbreitet wird. Und wer nie Antibiotika nimmt, hat große Chancen, dass es auch wirkt.

Allerdings gibt es ausreichend resistente Stämme, aber das ist nicht die Schuld des Patienten.

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