Fidler packt den Stier am Schwanz

9. Februar 2010, 15:20
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    foto: fidler

    Zwischen Kurven und Kurven: Venta San Juan.

    Venta San Juan
    Ctra. Algatocín-Jubrique Km 7
    29492 Jubrique (Málaga)
    0034 952 152 055
    Fünf Gänge, Softdrinks, Kaffee: 62,70 Euro

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    So endet der Schwanz des Stieres (wenn Fidler ihn gepackt hat).

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    Gut Blut: Die Morcilla in der Venta Victoria.

    Venta Victoria
    An der MA 546 bei Kilometer 7,5
    Casares (Málaga),
    0034 952 89 41 99
    Eine geteilte Blutwurst, zweimal Reh, Softdrinks, Kaffee: 34,60 Euro

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    Hoffentlich kein Unfallopfer: Das Reh mit viel Knoblauch in der Venta.

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    Hier liegen die Nieren, und was sonst noch auf den Tapasteller soll.

    Erste Bar links in der Fuzo von Ronda, Namen leider in der Eile (die anderen Biker warteten) nicht notiert. Großartige Tapas, Wasser, Kaffee für 10,70.

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    Die Tapas in Ronda, schon ein bisserl dezimiert vor Gier.

Morcilla statt Mozilla: Ausgefranstes Andalusien zwischen Niere, Kuttel, Reh und dem anderen Ende des Hornviehs, Essfehler inklusive

Die Hoden hab ich ja längst etwa in Mariahilf und in Purbach durchgenommen, hier vom Stier, der somit jedenfalls zum Ochsen geworden war.  Muss ich nicht jeden Tag haben, bisschen schwammig habe ich die Dinger in Erinnerung. Und die Unterschiede zu jenen vom Hengst waren überschaubar, sieht man von hier Panier und drüben Sauce ab. Aber hier geht es gar nicht um Geschlechtsteile, wie uns der Titel von Gericht und Geschichte womöglich irreführen könnte.

Kurvenreich

Was der gemeinhin nicht als sonderlich feurig bekannte Österreicher mit Ochsenschwanz betitelt und damit eindeutig als Ende der Hornviehwirbelsäule identifiziert, da sagt der Spanier "Rabo de Toro". Jetzt weiß ich nicht, ob der Iberer einfach kein eigenes Wort für den Ochsen hat, was ich mir nicht vorstellen kann, oder ob der Stier hier nicht lange zeugungsunfähig gemacht wird, bevor er ins Gulasch kommt. Man hätt ja genug davon. (Herr Grabenweger klärt mich gerade auf, das der Spanier natürlich ein Wort für Ochse haben, nämlich Buey. Und er meint, dass man wohl hier und nicht in Spanien falsch liegt, weil auch in diesen Breiten der Schwanz eher vom Stier als vom Ochsen kommt. Aber zurück nach Andalusien.)

Gulasch ist natürlich wieder kein sehr präziser Ausdruck, aber was haben Sie von einem Dilettantenblog wie diesem erwartet? Zum Punkt: Wenn es Sie nach Andalusien verschlägt, zum Beispiel zum Motorradfahren im Jänner (oder zu auch hier etwas wärmeren Zeiten) oder auch zur Oldtimerausfahrt, man weiß ja nie, dann a) wählen Sie doch schon aus Kurvengründen eine Route, die über Jubrique führt, und jausnen Sie b) zum Beispiel in der Venta San Juan im Valle del Genal.

Ich kann hier den Schinken empfehlen, meinetwegen auch das gegrillte Schweinsfilet gewaltiger Dimension, die hausgemachte gebratene Blutwurst (Morcilla) sehr, und noch viel sehrer (und üppiger) den Rabo de Toro. Aber hallo. Da fällt das Fleisch von den Wirbeln, dick und kräftig der zwiebelige Paprikasaft. Die Riesenportion Pommes dazu hätte ich nicht gebraucht, aber die werten Mitesser freuten sich.

Essfehler

In dem Moment ahnte ich, dass ich ziemlich genau 20 Stunden zuvor einen Fehler gemacht hatte. Kein Fahrfehler, davon hab ich in einer Woche soviele begangen, dass keiner zeitlich besonders im Gedächtnis blieb. Ein Essfehler (hat nichts mit spanische Aussprache zu tun).

Nicht, dass das mit viel Knoblauch geschmorte Reh bei der Jause am Nachmittag daneben gewesen wäre, ganz im Gegenteil. Solide Leistung in der Venta Victoria in den Kurven um Casares, wie auch die Blutwurst davor. Aber: Der Wirt hatte uns hier als Tagesgericht außerhalb der Karte den Rabo de Toro empfohlen. Nun weiß ich: Eine solche Empfehlung sollte man nicht ausschlagen. Egal: Das Venado war auch nicht von schlechten Eltern. Kann man bedenkenlos empfehlen wie das ganze Wirtshaus, das übrigens innen viel netter aussieht als von der Straße, und seine Morcilla. Hoffentlich war das Tier kein Opfer der Motorradstrecke.

Help me, Ronda!

Stier hin, Reh her: Am allerliebsten erinnere ich mich an die Tapasbar in Ronda. Rrrrronda, wie der Motorradfahrer am besten sagt, kurvenbedingt, quasi die Kalte Kuchl der Costa del Sol. Nach meinem Blitzausflug in Spaniens älteste Stierkampfarena (was bitteschön nicht bedeutet, dass ich ein Fan dieser Spektakel bin) noch schnell ein Happen gleich gegenüber in der Fußgängerzone.

Schmale, dunkle Bar, keine Tische, nur alte Herren. Und vor mir in der Leuchtvitrine viele, viele rohe Happen. Entonces! Ich deute leuchtenden Auges auf die Schweinsnierenspieße (sehr knackig, sehr gut), dazu kommen Kutteln mit Kichererbsen, ein bisschen Fisch, ein bisschen Paprika, ein Bocadillo mit würzigem Faschiertem. Yeah!

Jetzt hab' ich nur ein Problem: Ich wusste, die anderen Biker warten kurvenhungrig auf mich. Ich hab die 11,70 Euro rasch auf den Tresen gelegt und bin abgerissen. Ohne Rechnung. Ohne Namen der Bar, die ich Ihnen so ans Herz legen möchte. Aber Sie finden sie: Gleich vom Platz vor der Stierkampfarena über die Straße, in die Fußgängerzone, an der linken Ecke eine Unicaja, und gleich auf der linken Seite die erste Bar. Und zeigen Sie auf die Nieren!

 

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Schnabeltierfresser
00
10.2.2010, 15:33
¡Entonces!

heißt das, Sie Antiromanist! ;)

schmecks
00
10.2.2010, 16:31

dilettant, nicht romanist, bitteschön!
und de toro (herr grabenweger meint sogar: de tore), danke, korrigier ich gleich.
olé,
fid

schmecks
00
10.2.2010, 16:34

ps: auch grabenweger schrieb nur tore, meinte toro, wie er mich jetzt aufklärte.
besten gruß,
fid

Arnim Grabenweger
00
11.2.2010, 12:04

hab mich diesbezüglich vertippt. Eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass eher das deutsche Wort Ochsenschwanz falsch ist als die spanische Bezeichnung rabo de toro, denn meines Wissens ist dieses schöne Stück Fleisch nicht immer von einem Ochsen.

Schnabeltierfresser
00
12.2.2010, 13:22
Na ich hoffe doch,

dass der Ochsenschwanz immer von einem Ochsen ist? Das letzte Mal, als ich ein so Schwänzchen nach Hause geschleppt (Hehe!) hatte, war es vom Stier und daher stand auch Stier drauf.

inframan vs. vaycha shanka vulgo mothra
10
11.2.2010, 12:39

nicht immer von, aber immer für.

Schnabeltierfresser
00
10.2.2010, 16:49
Im Spanischen,

das ich zum Glück perfekt beherrsche 8), gibt es so gut wie keine Grammatik.

gustav gans42
00
10.2.2010, 14:52

wenn der Herr Fiedler wirklich den Stier am Schwanz gepackt hätt, wär er jetzt nicht mehr da; der Fiedler...

Superelvis3000
00
10.2.2010, 13:57

das meiste gibts aber auch in der österreichischen küche..... und damit meine ich nicht die fritten ;)

Frasensprenger
00
10.2.2010, 13:38
...und nicht ein glas sherry verkostet?

schmecks
00
10.2.2010, 16:37

doch einen, aber gespuckt. weil
a) gerade persönlichen ramadan.
b) motorradfahren und alkohol, ich weiß nicht.
c) schmeckte mir nicht so, war eher massenware, schien mir.
besten gruß,
fid

Lappe ohne Rentier
00
10.2.2010, 12:07
Also was der Meister Fidler alles isst...

Da komm' ich mir mit meinem gegrilltem Darm beim vietnamesen in der Neulerchenfelder Straße schon ziemlich trivial vor...

Was wirklich grausliches: wie der Amon mit dem "Hohen Haus" umgeht. Bitte darüber berichten...

Herzelichst
Ihr Lappe

one single voice
00
11.2.2010, 17:56

sie haben sich wirklich über den gegrillten darm getraut? ich war schon mit meinem quallensalat überfordert. nur der neugier halber, wie muss man sich den bitte vorstellen?

Redaktion derStandard.at/Etat
00
11.2.2010, 23:13

ich weiß, von mir überrascht Sie das jetzt nicht, aber quallensalat kann ich nur empfehlen. ist deutlich knackiger, als man sich das so vorstellt, wenn die dinger an einem vorbeischwimmen.
gegrillten darm hab ich schon wo probiert, aber verdrängt. weiß nur, ich war ein bisschen enttäuscht, wenn mich nicht alles täuscht, richtung kuttel (weiß schon, dass das ein magen ist). wobei ja an sich gegen kuttel überhaupt nichts einzuwenden ist, ganz im gegenteil.
besten gruß,
fid

inframan vs. vaycha shanka vulgo mothra
00
11.2.2010, 08:36

nun, dieser fragwürdige kommentar wirft ein besorgniserregendes licht auf den verbleib ihres rentieres ...

schmecks
00
10.2.2010, 13:36

ad hohes haus, meinen Sie das oder gibts was Neues:
http://derstandard.at/126370612... ersonalnot
hatten in print auch was eigenes davor.
besten gruß,
fid

Lappe ohne Rentier
00
10.2.2010, 14:24
Ach ja, die APA-G'schicht... sonst nix Neues

Nein, sonst nix Neues. Abgesehen vom Zoff gegen die Redakteuerssprecherin. Aber wenn sich RedakteuerssprecherIn aus dem Fenster lehnt, bekommt RedakteuerssprecherIn etwas aufs Haupt. Das ist in der Herrrengasse wohl auch so?

Herzzelichst
Ihr Lappe

Redaktion derStandard.at/Etat
00
11.2.2010, 23:11

was ist eine redakteurssprecherin? :)
besten gruß,
fid

zaikoh
10
10.2.2010, 11:00

also was der fiedler alles in sich reinstopft ... – mir hebts bei jedem artikel mindestens 1x den magen aus

örks

Karl Radek
02
10.2.2010, 15:15
weicheich!

Lappe ohne Rentier
01
10.2.2010, 14:26
Genau: Kichererbsen!

Pfui Teufel!

Herzelichst
Ihr Lappe

schmecks
00
10.2.2010, 13:37

ich weiß eh, pommes sind nicht jedermanns/fraus sache :)
besten gruß,
fid

inframan vs. vaycha shanka vulgo mothra
00
11.2.2010, 11:11

für diesen parallel-ironischen geniestreich lade ich sie beide auf einen panierten pavianarsch ein. gerne mit/ohne fritten/kichererbsen. beste und herzelichste grüße und alles gute :)

inframan vs. vaycha shanka vulgo mothra
00
10.2.2010, 12:09

und dabei werden mögliche risken völlig verschwiegen. dabei ist die freude am kulinarischen olymp bei der zufuhr von fremdhoden (und die dabei möglichen nebeneffekte wie etwa der ausgleich eigener defizite) leicht durch massive schübe von hoden-wahn getrübt.

sylvia29
00
10.2.2010, 13:26

rückenmarkschwund inklusive?

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