Ratlose Bankenpolitik

KrisenFrey, 24. Jänner 2010 10:52

Weder Experten noch Politiker wissen wirklich, wie sich die nächste Finanzkrise verhindern lässt

Es ist Zeit etwas einzugestehen: Niemand weiß, was nach der Finanzkrise mit den Banken dieser Welt geschehen soll.

Banker haben die schlimmste Wirtschaftskrise seit 80 Jahren verschuldet und mussten danach von den Zentralbanken und Steuerzahlern gerettet werden, um noch Schlimmeres zu vermeiden. Jetzt nutzen sie die Rettung, um noch größere Gewinne zu kassieren und viele Fehler von einst zu wiederholen. Sie gehören an die Kandare genommen, aber niemand weiß, wie man das richtig macht.

Banken durch eine neue Sondersteuer zur Kasse zu bitten, ist eine einfache, aber recht grobschlächtige Option, die alle möglichen unangenehmen Vermeidungsreaktionen hervorrufen könnte und Banken einen Vorwand bieten würde, noch weniger Kredite zu vergeben. Eine Art Versicherungsprämie für Staatshaftungen und zukünftige Rettungsaktionen durch den Staat wäre angemessener, aber auch die lässt sich nur schwer korrekt berechnen und noch schwerer umsetzen.

Beides ist auf jeden Fall klüger als eine Finanztransaktionssteuer, die bloß die Liquidität, aber nicht die Risiken verringern würde und ohnehin leicht zu umgehen wäre. Dass gerade diese Maßnahme unter Politikern so beliebt ist, zeigt, wie wenig Vernunft in dieser Debatte regiert.

Die Vertreter der Notenbanken in Basel versuchen es mit „Basel 3“: Neuen, strengeren und besser ausgeklügelten Eigenmittelvorschriften auf Grundlage der Risiken, die von den Banken eingegangen werden. Aber auch dieser Zugang hat große Schwächen: Das Risiko der Bank-Aktiva ist schwer zu bewerten und fördert, wie man schon bei Basel 2 gesehen hat, die prozyklische Neigung des ganzen Systems. Im Aufschwung sinken die Risiken, dadurch steigen die Ausleihungen, was den Aufschwung beschleunigt, die Risiken reduziert, etc. – bis zum nächsten Krach.

Und ein Grunddilemma bleibt bei all diesen Vorschriften bestehen: Die verantwortlichen Banken halten sich daran, während andere davon profitieren, dass sie die Regeln verletzen oder zumindest bis zum Äußersten gehen. Dennoch müssen alle gerettet werden, um das gesamte System nicht zu gefährden.

Der jüngste Vorstoß von Barack Obama zielt darauf ab, Banken in ihrem Tun einzuschränken, sie so zu verkleinern, dass sie nicht mehr „to big too fail“ bzw. sie nach Tätigkeitsbereichen zu trennen. Das wäre eine Rückkehr zu Glass-Steagall, jenem Gesetz aus 1933, das US-Banken in Geschäftsbanken und Investmentbanken trennte.

Vielleicht ist das eine gute Idee, aber leider waren es reine Investmentbanken wie Bear Stearns und Lehman Brothers, die am meisten zur Finanzkrise beigetragen haben. Und Aktivitäten, die unter Obamas Plan Geschäftsbanken verboten werden sollen, wie etwa Hedge Fonds, haben sich hingegen in der Krise als relativ stabile Pfeiler erwiesen. Und über allem schwebt die Befürchtung, dass solche Einschränkungen bloß Banken dazu verleiten, Tätigkeiten außerhalb der Bilanzen zu verlagern. Obamas – bzw. Paul Volckers – Plan ist unausgereift, aber keiner kennt einen besseren.

Und gerade, weil schon unter Experten so viel Uneinigkeit herrscht, was der richtige Weg in ein sichereres Finanzsystem ist, wird jedes Vorhaben zu einer leichten Zielscheibe für hartnäckige Lobbyisten. Was am Ende herauskommt, wird eher mit Einfluss verschiedener Industriegruppen und politischen Interessen zusammenhängen als mit intelligenter Politikgestaltung.

Da mag es für die Zukunft des Finanzsystems sogar besser sein, wenn auf bei der Bankenregulierung möglichst wenig Neues ausprobiert wird.

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Posting 1 bis 25 von 68
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LinksSchreiber
17.02.2010 13:23
WAS WÄRE WENN...

gar nicht die Banken an der Finanzkrise Schuld wären, sondern das bestehende Wirtschaftssystem im Ganzen, dessen Dysfunktion sich lediglich im Finanzsektor am Radikalsten niederschlägt, weil in diesem alle partikulären Fäden zu einem universalen Knoten zusammenlaufen. Diese Frage zu stellen ist freilich ein Tabu-Thema. Wird vom Systemisch-Unbewussten dieser monetaristischen Un-Kultur ausgegangen, so wirkt es ein wenig lächerlich, dass die Finanz-Leutchen glauben, dass es sich bei den Problemen nur um ein paar oberflächliche "Blasen" handeln würde.

ASatt
02.02.2010 20:40
Lösung ist bekannt, aber nicht gewünscht

Die korrekte Lösung dieser Bankenmisere ist schon lange bekannt, aber bei den meisten Ökonomen und Bankern sehr ungeliebt.

Sie lautet: Setzt die Banken dem üblichen Wettbewerb aus, den alle anderen Unternehmen auch bestehen müssen.

Mit anderen Worten: Man schafft das Bankenkartell unter Führung der Nationalbank ab und lässt Banken, die ihre Risiken nicht beherrschen in den Bankrott gehen.

Dann werden sie auch nicht so groß für "too big to fail." Problem gelöst.

Wer mehr wissen will sehe unter www.mises.org

Tildy
29.01.2010 13:29
„to big too fail“

gehört korrigiert: too big to fail

EU-Austretter
28.01.2010 16:44
Erzpiefke
 
28.01.2010 15:35
Die nächste große Bankenkrise kommt bestimmt

in durchschnittlich 50 Jahren. Wer solche Krisen wirklich verhindern will, muß das Finanzsystem abschaffen. Man sollte Maßnahmen deshalb auf die Ursachen der heutigen Krise beschränken: verbriefte Kredite, sogenannte CDOs, und ganz besonders Kreditversicherungen, sogenannte CDS. Es darf einfahc nicht mehr vorkommen, daß eine Firma wie AIG Kreditversicherungen in unbegrenzter Menge verkauft. Alle anderen angedachten Maßnahmen sind sehr schädlich für Wirtschaft und werden im Laufe der Jahre allesamt wieder rückgängig gemacht, so wie das auch in der Krise der 30er Jahre war. Da wurden auch völlig falsche Rezepte angewandt, um solche Krisen künftig zu verhindern. Dei Krisenrezepte sind immer schlimmer als die Krise selber.

Dr.Reinhold Lautner
08.02.2010 17:26
amis

wie man sieht haben die amis nix gelernt
aba jetzt krachts dann erst richtig

Gramurcki
28.01.2010 14:51
Man sollte das anders formulieren:

Die "Fachleute" haben keine Ahnung, wie sie Renditen von 20% erzielen sollen ohne das System kollabieren zu lassen.

Leute Aufwachen! Für jemanden, der ein Wirtschaftsstudium mit Auszeichnung hinlegt werden wohl 5000 Euro 15mal im Jahr mit einer guten Sozial und Krankenversicherung reichen. Und wenn jemand mit Aktiengeschäften in einem Jahr um 1 Millarde reicher wird, kann er wohl davon 500 Millionen an Steuern zahlen, sein Badewasser wird deshalb nicht kalt werden und er muss noch immer nicht gemeinsam mit dem Volk beim Mäci speisen.
Man verbietet dazu noch Leverage und Derivate und koppelt das Finanzsystem wieder an die Realwirtschaft an, Ratingagenturen werden verstaatlicht und der Goldstandard wieder eingeführt. voila!

schafmeister
28.01.2010 07:05

Das 10. Gebot lautet: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut". In der Wirklichkeit herrscht das Gegenteil- GIER- Die Banken sind die Einrichtungen seine Gier zu pflegen. Sie gehören unter Sachwalterschaft gestellt.
















ne Gier

mikromalist
 
27.01.2010 17:12
Die wichtigste Massnahme, IMO,

den Markt vor der Vergewaltigung zu schützen (ich weiss, das ist gegen den Strich).
Nicht Verbote, sondern eine geschicktes Steuersystem könnte das schaffen. Nicht Bilanzsumme (das ist so wie das Wasser vom Kaprun-Stausee ausschöpfen und nicht dort, wo es zu Energie wurde, abzweigen), sondern progressive Steuer auf korrelierte Deals. Das verhindert die monolitischen Megabanken, und die Herdenbildung, ...
Aber eines: jeder Hedger benötigt Spekulanten als Counterparty. Und ohne intelligente Instrumente, schwimmt das Finanz System als Medium für die Realwirtschaft, so wenig, wie ein Eisberg ohne den Teil unter Wasser. Müssen ja nicht CDOs sein :=)

Silvio Lackner
27.01.2010 16:41
Glaub ich nicht, dass man keine Ideen hat.

Es ist nur so wie beim Sparen in der Verwaltung: man kapituliert, bevor man es überhaupt versucht hat.

Gramurcki
27.01.2010 12:43
Meine Vorschläge wären:

1. Leveragemöglichkeiten auf Null reduzieren: Warum dürfen Banken 10mal mehr Geld verleihen, als sie tatsächlich besitzen? Das ist unlogisch und vor allem unfair, da ja für nicht vorhandenes Kapital (für das der Steuerzahler im Fall der Fälle haften => to big to fail) vom "Kunden" Zinsen bezahlt werden.

2. Derivathandel verbieten: Das endlose Weiterversichern von Risiko in Zusammenhang mit den Möglichkeiten von Leverage-Strategien (Macht am Geldmarkt aus 1 Mill. auf magische Weise 10 Mill. Euro) hat zu dieser Krise geführt. Naja, dann verbieten wir es eben.

3. Bilanzen: Wenn Banken tatsächlich eine so zentrale Funktion ausführen sind schärfste Kontrollen logisch.

Das würde zu einer echten Leistungsgesellschaft führen, wird also nichts.

de scha wü
26.01.2010 13:07
allein der aktienmarkt ist eine farce

er basiert auf stimmungen. ist die stimmung gut, geht's bergauf - ist die stimmung schlecht, geht's bergab.

kurz vor der internetblase war die stimmung euphorisch. aber warum?

die stimmung als parameter für die zukunft als indikator macht genauso viel sinn als wenn ich einen manisch depressiven in seiner hochphase frage, wie er die zukunft einschätzt

weiteres problem: keiner hat tatsächlich den überblick mehr, außer ein paar brilliante ökonomen, die aber vom mainstream niedergemacht und belächelt werden. die wahrheit tut weh und schmeckt vorallem jenen nicht, die von der internet- oder hypothekenblase provitiert haben

und die regierungen? die lassen sich von bankern beraten und wollen auch wiedergewählt werden



Ava Tar
25.01.2010 14:52
Banken durch eine neue Sondersteuer zur Kasse

zu bitten ist nur eine Teilhabe an der nächsten Blase. So wie die Chicagoer Polizei von Al Capone einen Anteil bekam

Es ist ganz simpel: 1. problematische Geschäftsmodelle (verschachtelte Wetten und dergleichen) untersagen und 2. klare Vorgaben, was Rating-Agenturen zu prüfen haben, wenn sie auf irgendwas einen Bonitätsstempel draufhauen

Das Problem ist, daß das nicht kommen wird, weil die USA teils von diesen krummen Geschäften leben. Und so bläht sich die nächste Blase gerade auf. Dank des hineingesteckten Steuergeldes und neuer Bilanzierungsregeln, für deren Anwendung man 2007 noch in den Knast gegangen wäre

Man kann nur zusehen und die europ. Banken diesmal raushalten, damit wir nicht wieder mitgerissen werden.

christ_sein
25.01.2010 13:29
Ihr könnten nicht beiden dienen ...

Mt 6,24
Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Mt 6,25 Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung?

(Bergpredigt Matthäusevangelium)

pace e bene
25.01.2010 13:11
Neue Perspektiven

Global Marshall Plan Initiative
http://www.gobalmarshallplan.org

Netzwerk von Christen zur Unterstützung der Global Marshall Plan Initiative
http://www.netzwerkvonchristen.at

Wikispace dazu:
http://www.wirtschaft.wikispaces.com

immofuchs
25.01.2010 12:52

Das Wesen der Krise ist die Überraschung. d.h. vor der nächsten Krise kann man sich gar nicht schützen.
Die Wiederholung von Krisen ist durch Anpassung der Regelwerke (EK unterlegung, Mindestreserve, kartellzerschlagung, Verbot/Einschränkung von Finanzderivaten für Geschäftsbanken,...) und ernste strafrechtliche Sanktionen bei deren Nichteinhaltung recht einfach.

pace e bene
25.01.2010 12:50
Plethora - Geldmengenvermehrung

Plethora (gr. p?????a plethóra „Fülle“, „Überfülle“) bezeichnet ein Symptom, das mit einer Volumenvermehrung einer Körperflüssigkeit einhergeht.

Als Plethora vera („echte Überfülle“, auch Plethora sanguine) wird eine vermehrte Blutfülle bei gesteigerter Blutbildung bezeichnet.

Vermehrtes Blut belastet das Herz und zerstört es letztlich.

Vermehrte Geldmenge zerstört das Herz der Wirtschaft - die arbeitenden Menschen.

Daher - Grenzen akzeptieren - keine babylonischen Türme bauen.

Keine Feindbilder aufbauen sondern konstruktiv über Partei- und Ideologiegrenzen hinweg gangbare Wege aufzeigen und gemeinsam in der Realpolitk umsetzen.

Menschen guten Willens sind wichtig.

http://www.wirtschaft.wikispaces.com

pace e bene
25.01.2010 12:39
Zinsverbot - Kathechismus Kath. Kirche

2449 Schon im Alten Testament entsprechen allerlei gesetzliche Maßnahmen (Schuldenerlaßjahr, Verbot, Zins zu verlangen und ein Pfand zu behalten, Verpflichtung zum Zehnten, tägliche Bezahlung von Tagelöhnern, Recht zur Nachlese in Weinbergen und auf Fruchtfeldern) der Mahnung im Buch Deuteronomium: „Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem notleidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen" (Dtn 15,11). Jesus hat sich dieses Wort zu eigen gemacht: „Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch" (Joh 12,8).
http://www.vatican.va/archive/D... 5/_P8L.HTM

lisi meier
25.01.2010 10:13
nach der krise ist vor der krise


"und die spieler sind alle wieder im kasino"

http://www.flassbeck.de/Deutsch/P... e2009.html

R. M.
25.01.2010 11:27
Nur, daß wir uns noch nicht "nach der Krise" befinden.

Sondern erst Anfang einer Krise.

das liebe urmili
25.01.2010 10:12
die politiker wissen's wirklich nicht (außer Ron Paul), aber es gibt experten, die es wissen:

genaue Vorhersage aus dem Jahr 2006:
http://www.youtube.com/watch?v=jj8rMwdQf6k

und hier ganzt einfach erklärt, damit's auch der herr frey versteht:
http://www.youtube.com/watch?v=EgMclXX5msc

http://www.youtube.com/watch?v=A4kxTkhwR_Q

und hier auf konfrontation mit einen keynes'schen ökonomen, um auch die gegenseite zu wort kommen zu lassen:
http://www.youtube.com/watch?v=zM23TZxzOw8


und für die die wenig zeit haben:
http://www.youtube.com/watch?v=2I0QN-FYkpw

Ander Ökonomen, die es gesehen haben und Lösungen aufzeigen:
Tom Woods, Marc Faber, Jim Rogers, Walter Block, Jeffrey Tucker, Joe Salerno, Max Keiser, Gerald Celente, Hans Hermann Hoppe,....

augen auf, dann sieht man mehr.

kalinka karechta
25.01.2010 06:20
"Weder Experten noch Politiker wissen wirklich, wie sich die nächste Finanzkrise verhindern lässt "

Das ist doch wirklich nicht so schwer. Fragt die diversen roten Brüder im Standard Forum. Die wissen das sofort, ganz ohne den geringsten Zweifel.

roterbruder1
26.01.2010 06:38

hallo,
ich weiß nichts!

ihr roterbruder1

Feyjama
25.01.2010 09:49
der rote Bruder möchte

das Investment- und Geschäftsbanken wieder voneinander getrennt werden.

das Investmentbanken nicht mehr auf Kredit spekulieren dürfen, dafür gibt es Kundengelder

das Geschäftsbanken eine vernünftige Eigenkapitalquote haben müssen und Kredite nur nach vorheriger Bonitätsüberprüfung vergeben werden (sollte eigentlich ohnehin der Fall sein)

das die Finanztransaktionssteuer kommt damit die Parasiten die mit minimalen Kursschwankungen arbeiten endlich ehrlicher Arbeit nachgehen müssen

das Rohstoffe nur mehr von Marktteilnehmern gehandelt werden dürfen die auch tatsächlich mit diesen Rohstoffen handeln.

das Ratingagenturen für ihre Ratings haftbar gemacht werden können. siehe CreditDefaultSwaps mit AAA Rating.

R. M.
25.01.2010 11:25
Alles recht und schön...

Aber auch eine "vernünftige" Eigenkapitalquote und eine Finanztransaktionssteuer können immer noch nicht die Regeln der Mathematik außer Kraft setzen.
Eine dieser Regeln sagt, daß die Exponentialfunktion gegen unendlich wächst. Die Schulden in unserem System wachsen aufgrund der Zinsen exponentiell...

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