Shampoo, das nicht zerfließt

27. Jänner 2010, 16:44
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    foto: forschungszentrum jülich

    Detail einer Scherzelle: Die Forscher eruierten jene Fließgeschwindigkeit, ab der sich die Suspension in zwei Schichten unterschiedlicher Viskosität auftrennt, die mit verschiedener Geschwindigkeit fließen.

     

Ein holländischer und ein französischer Wissenschaftler haben herausgefunden, wie man das Fließverhalten komplexer Flüssigkeiten besser vorhersagen kann

Wenn stabile Mischungen aus komplexen Zutaten wie Polymeren und langkettigen Molekülen in Mischbehältern transportiert werden, passiert es häufig, dass sich die Mischung in Schichten unterschiedlicher Viskosität auftrennt. Der Grund kann in zu hohem Druck oder zu starkem Rühren bei der Produktion liegen. Je nachdem, wie sich eine Flüssigkeit an den Behälterwänden verhält, kann es darin zu Spannungen kommen. Etwa dann, wenn die Scherkräfte stark sind und in der Folge ineinander verzahnte Polymerketten aneinander reiben. Das führt dazu, dass man das Fließverhalten der Flüssigkeit schwer vorhersagen kann.

Glatte Wände

Genau hier haben die Forscher des Forschungszentrums Jülich und der französischen Hochschule "École normale supérieure de Lyon" angesetzt: Sie haben zwei Arten getestet, wie sich das Fließverhalten je nach unterschiedlichen Bedingungen an den Wänden verhält. Dazu haben sie die Wände der Behälter mithilfe von Sandstein roh gemacht, damit die Suspension heftete. Oder aber es wurden glatte Wände verwendet, damit die Mischung darüber gleiten konnte. Durch das Gleiten über die glatten Wände baute sich die Spannung, die durch den Scherfluss verursacht wurde, an die Wände ab. Damit haben die Wissenschaftler erstmals experimentell belegt, wie ein mikroskopischer "Gleitprozess" zu stabileren Flüssigkeiten führt.

Spannungsabbau

"Die Frage ist immer: Wo geht die Spannung hin und wie wird sie abgebaut?", erklärt der Holländer Dr. Pavlik Lettinga, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Jülicher Institut für Festkörperforschung gegenüber derStandard.at. Wenn man die Spannung vom Inneren des Behälters auf die Wand verlegen könne, ergebe sich dadurch eine stabilere Strömung der Flüssigkeit. Wichtig sei vor allem, die Flüssigkeit gut zu kennen. Die Forscher eruierten jene Fließgeschwindigkeit, ab der sich die Suspension in zwei Schichten unterschiedlicher Viskosität auftrennt, die mit verschiedener Geschwindigkeit fließen. 

Shampoo-ähnliche Mischung

Die Wissenschaftler nutzten für ihre Experimente so genannte Scherzellen, die aus zwei ineinandersteckenden Zylindern bestehen. Zwischen die rotierenden Wände des Zylinders brachten sie eine Tensid-Wasser-Mischung, die einem Shampoo ähnelt. Um die mikroskopischen Vorgänge in der Flüssigkeit zu verstehen, verfolgten die Forscher kontinuierlich die Fließgeschwindigkeit der Suspension an verschiedenen Positionen zwischen den Wänden mit Hilfe eines Ultraschallmessgeräts.

"Die Beschaffenheit der Wände spielt eine wichtige Rolle, um das Fließverhalten komplexer Flüssigkeiten günstig zu gestalten", erklärt Lettinga. Diese Erkenntnis könne nun helfen, industrielle Prozesse wie etwa die Kunststofferzeugung oder die Herstellung von Emulsionen zu optimieren. Auch in der Erdölindustrie, wo Flüssigkeiten durch Rohrsysteme von A nach B geleitet werden, kann er sich die Anwendung der Forschungsergebnisse vorstellen. (red, derStandard.at, 27.1.2010)

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17 Postings
DerKauz
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"heftete?"

Nick Tameer
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Haften/heften ist eines dieser im Deutschen reichlich erhaltener Wortpaare mit dem archaischen Muster der Verschiebung eines Stammvokals, die zu einer spezifischen Bedeutungsänderung führt (*tun*/*tun* machen). Manchmal hat eine Form die andere verdrängt wie bei hangen/hängen ("Fallada, wie du hangest"), nicht so bisher bei haften/heften, aber Standard arbeitet daran.

Nick Tameer
00
29.1.2010, 00:12

Geht der lang gehegte Menschheitstraum eines Ketchups (den wohl man mit Fug und echt eine Mischung aus komplexen Zutaten nennen kann) mit optimiertem Fließverhalten endlich in Erfüllung und werden wir es noch erleben dürfen?

Lethawae
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29.1.2010, 18:17

Da klopft man hinten drauf und gut is'!

werwolfi
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da klopft man hinten drauf und hat ein halbes kilo davon auf den pommes ;o)

die quetschbaren flaschen haben hier aber schon einiges behoben.

Nick Tameer
01
29.1.2010, 19:32

Bitte keine Low-Tech-Lösungen!

worldiscubik
00
28.1.2010, 16:01
also mit der online ausgabe stehts nicht gut,

allerdings lässt die print ausgabe auch immer mehr zu wünschen übrig! SCHADE. das bringt nur zeitungen wie der klerikalen kleinen zeitung mehr leser. . .

hoffentlich wird das nivau nicht so tief wie das hier: http://www.youtube.com/watch?v=KJV6ziVZYDk

onkel herbert
00
28.1.2010, 12:40
a comment

Die Zeitung scheint form-mäßig leider immer tiefer in den Abgrund zu sinken. Ich meine - schon gesehen: Tippfehler auf S. 1 - ist das eine Hommage an die bedauernswerte Bildungspolitik hier zu Lande oder wie ? - der neue Standard ?
Spricht für die Einstellung vieler Leser das ganze nur noch online zu genießen.

Mad_Professor
00
28.1.2010, 12:38
Wie wär´s mit was Sinnvollem?

Bier, das niemals schal wird?
;-)

Curd Hombre
01
28.1.2010, 13:39
Gibt es schon....

...man muß es nur schneller trinken ;-)

uberger
00
28.1.2010, 09:39
Klingt als

wäre die Kurzfassung des Papers mit einem Computer übersetzt worden. Aber man kann sich ja ungefähr denken, was der Kauderwelsch bedeuten soll.

gutemusik
03
27.1.2010, 23:14
ein bisschen mehr Genauigkeit bitte...

" damit die Suspension heftete."

mehr sag ich dazu nicht.

Meine Wenigkeit mit viel Senf
00
28.1.2010, 08:18
Mit Sandpapier

"roh" gemacht. Nehme an, dass sollte rau heißen...

Nick Tameer
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Aus dem verlinkten Letter (ich gebe zu, dass ich mit dem Verständnis des technischen Kauderwelschs schwer tue) scheint mir sogar das Gegenteil hervorzugehen:"in smooth and sandblasted geometries" - man scheint also nicht nicht aufgerauht, sondern geglättet zu haben.

neuer weg
00
28.1.2010, 11:18

holprig das ganze...

onkel herbert
00
28.1.2010, 08:10
:) und nicht nur das -

"Durch das Gleiten über die glatten Wände baute sich die Spannung, die durch den Scherfluss verursacht wurde, an die Wände ab"

Spannung baut sich an die Wände ab :)

Das erinnert mich an Terminator 2.

Die dritte Seite der Medaille
00
29.1.2010, 18:51

Ein Glück.. ich dachte schon, es liegt an mir, dass ichs erst beim zweiten Mal lesen so ungefähr verstanden habe.

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