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Bei Hurrikans und anderen Katastrophen oder in Bandenkriegen zu sterben war seit langem das Schicksal tausender Haitianer. Von gleich drei Plagen - Armut, Analphabetismus und Aids - geschlagen, kam das von ehemaligen Sklaven geschaffene Haiti nicht von der Position des ärmsten Landes in seiner Region los.
Die Erdstöße der Stärke 7,0, die am 12. Jänner weite Teile Haitis zerstörten, haben das Elend der Haitianer für die ganze Welt unübersehbar gemacht. Ein Beben dieser Stärke hätte auch anderswo Opfer gefordert. Aber die zehntausenden Toten, darunter viele unter den Trümmern der Slumhütten, die an den Hängen der Hauptstadt klebten, das Chaos und die Hilflosigkeit danach - all das hängt eng mit Haitis Dauer-Misere zusammen.
Nach dieser Katastrophe, einem 9/11 der Unterentwicklung, das die Welt schockierte wie die Terroranschläge in New York und Washington 2001, müsste Haiti von Grund auf und nachhaltig neu aufgebaut werden.
Es ist nicht überraschend, dass sich die USA, von deren Küste Haiti nur wenig mehr als 1000 Kilometer entfernt liegt, an die Spitze der internationalen Helfer setzten und - wie zuletzt 1994 und 2004 - auch Soldaten entsandten. Angesichts der wenig aussichtsreichen Kriege, in die Präsident Barack Obama verwickelt ist, fragt man sich allerdings, wie lange die Supermacht bleiben wird, wenn die Rettungsmannschaften und Kamerateams einmal abgezogen sind. Die Geschichte des US-Engagements in Haiti ist bisher ein Wechselspiel von Dominanz und Gleichgültigkeit gewesen.
Von 1915 bis 1934 hielten die USA Haiti militärisch besetzt. Hoch aktiv wurden sie dann erst wieder nach dem Ende der Diktatur von "Papa Doc" und "Baby Doc" Duvalier (1957-1986), die Haiti mit ihrer mörderischen, die Voodoo-Ängste der Bevölkerung nutzenden Geheimpolizei "Tontons Macoutes" terrorisierten. Korruption und Raubbau an den Naturschätzen, vor allem die Abholzung der Wälder, um mit der Holzkohle zu kochen, haben sie noch verwundbarer gemacht. Und als es einmal eine Chance zu geben schien, verpuffte sie: Washington stützte die Präsidentschaft des Armenpriesters Jean-Bertrand Aristide und holte ihn, als gegen ihn geputscht wurde, 1994 mit militärischer Hilfe zurück. 2004 sollen die USA dann aber an der Absetzung Aristides beteiligt gewesen sein. Zumeist wird er selbst für seinen Sturz verantwortlich gemacht, weil im Land nur noch rivalisierende Banden wüteten.
Aristides verbleibende Freunde behaupten aber, dass ihn die USA weghaben wollten, weil er sich der Privatisierung von Staatsfirmen (Telefon, Strom) widersetzte. Tatsache ist, dass sein Nachfolger René Préval entgegenkommender war. Préval fügte sich auch der Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF), den Import von hochsubventioniertem Reis aus den USA zuzulassen, obwohl Haiti seinen Bedarf zuvor selbst gedeckt hatte.
Aufrütteln sollte ein Bericht über die Liberalisierungsfolgen: Die Reisbauern wurden "dezimiert" , viele zogen auf Arbeitssuche in die Hauptstadt, wo sie die Übervölkerung vergrößerten. Steigende Weltmarktpreise für Lebensmittel ließen Haiti noch tiefer in Armut sinken, was "zum Ausmaß der Zerstörung nach dem Beben beitrug" . So war es dieser Tage im Wall Street Journal zu lesen - nicht in einem antiamerikanischen Pamphlet. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2010)
Was in Lateinamerika von den Umwälzungen des verstorbenen Caudillos - vorerst - bleibt
Früher konnte man den Franzosen, später den Amerikanern, dann den Diktatoren François und Jean-Claude Duvalier die Schuld geben«Es dürfte schwierig sein, bis in alle Ewigkeit an unsere Unschuld und Heiligkeit zu glauben und die‹Weissen›, die‹Imperialisten›, für die Ursache all unserer Übel und Fehltritte zu halten», schreibt der haitianische Soziologe Laënnec Hurbon und fordert seine Landsleute auf, ihr kulturelles Selbstverständnis radikal zu hinterfragen. Korruption beispielsweise sei nicht eine «schlechte Gewohnheit», sondern tief in den gesellschaftlichen Normen verankert. Korruption beispielsweise sei nicht eine «schlechte Gewohnheit», sondern tief in den gesellschaftlichen Normen verankert.
Die Amerikaner sind an allem schuld. An der Nahrungsmittelknappheit auf Haiti. An dessen korruptem Politsystem. An dessen unfähigen Volksvertretern. An der eigenen Wirtschaftsblase. An allen Vergehen, Fehlern und Investitionen in 2000 km Umfeld
Und an diesem Artikel!
"Jean-Claude Duvalier hatte die Funktion eines "président-dictateur"- wie die Haitianer sarkastisch meinen - 1971 von seinem Vater François geerbt. Nach seiner Schreckensherrschaft, die er wie Papa Doc mit den berüchtigten Tonton-Macoutes absicherte, flüchtete er 1986 in einem amerikanischen Militärflugzeug an die französische Côte d'Azur."
Entnommen per copy and paste aus einem Standard Beitrag. Ist aber sicher Zufall und außerdem völlig zusammenhanglos. Die USA wollen für ihren Hinterhof nur das Beste - oder doch eher von ihm ?
In gewissen Gegenden der Welt sind einfach immer nur die anderen schuld, egal woran. Niemals nicht, unter keinen Umständen ist der Gedanke zulässig, daß die dort lebende Bevölkerung mitsamt der jeweiligen Regierung und beider recht origineller Zugang zu verschiedensten, die Lebensqualität aller bestimmenden Themen die Sache langfristig selbst verbockt hat.
Was bitte haben ein Terroranschlag auf ein örtlich begrenztes gebiet mitten im reichsten land, inmitten einer der reichsten städte der welt
und
die großflächige zerstörung sämtlicher infrastruktur und eines großteils der behausungen in einem der ärmsten länder der welt gemeinsam?
Völlig abgesehen von den Opferzahlen ~3.000 - 200.000 wo is'n da der unterschied?
Ihre Formulierung beinhaltet die signifikante Differenz: Der "Terroranschlag auf ein örtlich begrenztes Gebiet mitten im reichsten Land" ist nicht eine "Naturkatastrophe in einem örtlich unbegrenzten Gebiet dieser Erde". Gerade weil diese Positionen den absoluten Widerspruch im System der allgemein anerkannten Logik der Globalisierung darstellen, haben sie wesentlich etwas mit einander zu tun. Sie werden Doch nicht ernsthaft glauben, dass der Terrorismus nur ein Effekt einer ideologischen Verblendung ist, die Islamismus heißt? Ein Subjekt kann nicht so dumm sein, auf diese imperialistische Propaganda hereinzufallen. Dahinter steht das Traumatisch-Reale der Armut, das sich auf eine beliebige symbolische Maschine gesetzt hat.
Doch. Ich glaube, dass der islamische terror ein effekt des islams ist und sehr wenig mit armut zu tun hat. Eine naturkatastrophe mit einem von menschen zu verantwortenden terroranschlag zu vergleichen ist völlig inakzeptabel. Oder soll behauptet werden, dass muslimischer terror etwas unvermeidliches ist und wir uns auf das begraben der leichen und verarzten der verwundeten beschränken sollen?
Gerade wenn eine absolut anti-fundamentalistische Position vertreten werden soll, muss diese Voraussetzung anerkannt werden.
Dass dies in den westlichen Demokratien nicht mehr der Fall ist, ist das eigentliche Dilemma.
Der Islamismus wird von Individuen, die selbst bis über beide Ohren im ideologischen Schlamm eines christ-reaktionären oder jüdisch-orthodoxen Fundamentalismus verstrickt sind, als "die gefährliche Ideologie der Anderen" denunziert. Die eigenen Un-Werte werden im Spiegel des Anderen diffamiert.
Was sind das für "Werte"?
Im Privaten die Fetische des Eigentums und der individuelle Gier, im Globalen die gottlose Anbetung des goldenen "Kalbs/Kapitals".
Die Natur-Katastrophen haben etwas mit dieser Kultur zu tun.
Natürlich ist die aufklärung der beste weg und alle drei genannten religionen sind veraltet. Das bedeutet aber nicht, dass sie gleichwertig sind. Der islam ist ganz klar gewaltätiger und frauenfeindlicher und zwar nicht nur in der "real existierenden" variante, sondern im kern. Das ergebnis lässt sich täglich beobachten, außer man ist zu sehr von der eigenen ideologie verblendet.
Vielleicht sollten wir uns fragen, WO, WANN & WARUM ist Entwicklung möglich & wo nicht?
Haiti hat das welthistorische Glück & "Pech", das allererste Land zu sein, in dem sich schwarze Sklaven selbst befreit haben & die erste schwarze Republik der Welt gründeten.
Glück, weil es somit zu einem Leuchtturm der Befreiung der Unterdrückten wurde. Der frühere Sklave und Befreiungsführer Toussaint Louverture ist also ein geistiger Großvater von Barack Obama.
"Pech", weil sich Frankreich, die damalige Kolonialmacht, grausamst an Haiti & Louverture für diese "Insubordination" gerächt hat. Louverture selbst verendete in einem französischen Fort.
Pech auch, weil sich seither die USA & Frankreich um Einfluss in diesem Raum streiten.
Die USA als Weltmacht nimmt praktisch überall politisch und wirtschaftlich Einfluss (auch in Europa). Bei den armen Ländern wird da gerne eine Art Verschwörungstheorie gezimmert, die besagt, dass die USA oder auch Europa am Elend Schuld wären. Ich bezweifle das. Für mich schaut es so aus, dass in den meisten Fällen die Probleme hausgemacht sind und auch nur von den Ländern selbst gelöst werden können.
Mei, es sind überall viele Probleme hausgemacht. Aber wenn man klein, schwach und arm ist dann ist es schon bissl ungut wenn zu den hausgemachten Problemen noch außer-Haus gemachte dazu kommen.
Und auch bei hausgemachten Problemen ist es ab und zu ganz fein wenn man von außerhalb ein wenig Unterstützung bekommt. Ist ja nicht so als hätten wir in unserer Geschichte alle hausgemachten Probleme selber gelöst...
ad)"...Probleme hausgemacht.. & ..von den Ländern selbst gelöst werden..":
nach Jahrhunderten der Ausbeutung und nach den von den Ausbeutern installierten Diktaturen löst ein hausgemachtes Erdbeben plötzlich alle Probleme von selbst;... könnte man auch sagen
;)
Wo sehen Sie eine Verschwörungstheorie dahinter?
Ausbeutung ist, wenn schon Verschwörung, dann derer Praxis!
Haiti hat sich die Unabhängigkeit nur zum Teil erkämpft. Es hat sie auch erkauft. Der Vertrag mit Frankreich sah vor, dass die weisse französische Elite der Plantragenbesitzer völlig entschädigt wurde. Nicht nur für die Plantagen, sondern auch für die Sklaven auf diesen Plantagen. Die Haitianer mussten sich freikaufen.
Die enormen Schulden daraus, waren erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgezahlt. Zeitweise Betrug der Anteil des Schuldendienstes am Budget 80%.
Da bleibt für Investitionen nichts übrig.
Allerdings, für seine Diktatoren im 20. Jahrhundert kann Frankreich nichts mehr. Schö wäre es schon, wenn sich Frankreich mit der EU beim Wiederaufbau richtig stark engangieren würde.
Und zwar ohne irgendwelche neue Machtansprüche abzumelden.
Es gibt keine "selbstlose" bzw. humanitäre Politik. Das was jetzt in Haiti gerade passiert ist doch nix anderes als künftige Machtansprüche anzumelden, für den Fall das sich Haiti auf Grund der nicht unbeträchtlichen Geldzuflüsse wieder erholt haben wird. An erster Stelle sind hier natürlich die USA zu nennen, was auch verständlich ist, da die Karibik doch eindeutig zu deren geopolitischen Einflußbereich gehört.
Na die letzten kommentare haben mir echt die augen geöffnet, so was wie globale post-koloniale arbeitsteilung gibts ja gar nicht!
jetzt haben wir ihnen gezeigt wie man straßen baut und wie sie ihre rohstoffe abbauen können, und die machen einfach so weiter, ein wahnsinn...
klar nehmen wir eure edelmetalle, öl, gewisse lebensmittel usw. auch weiterhin, wenn ihr wirklich meint ihr wollt nicht lieber computer oder autos bauen...
häh, was? kein geld mehr geben? nichts mehr kaufen? putschen? lokale eliten?
aber bitte, ihr seid doch frei! da ist halt nicht immer alles auf nummer sicher.
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