Kindererziehung

Gehorsam out, Selbstständigkeit in

22. Jänner 2010, 19:00
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    Pädagogen warnen: Kinder sind oft überfordert.

Die Erziehungsziele haben sich stark gewandelt - und die Ansprüche, die Eltern an sich selbst stellen, ebenfalls - Viele Eltern fühlen sich überfordert, weil sie ihren eigenen Vorstellungen nicht gerecht werden

Internet in der elterlichen Wohnung ist längst eine Selbstverständlichkeit geworden: 86 Prozent der österreichischen Kinder zwischen sechs und 14 Jahren haben Internetzugang, schon 29 Prozent der unter acht Jahre alten Kinder nutzen den Zugang mindestens einmal pro Woche, jedes zehnte Kind in dieser Altersgruppe hat sogar einen eigenen PC oder Laptop.

Das geht aus einer im Sommer 2009 durchgeführten Studie des Linzer Market-Instituts hervor. Dessen Chef Werner Beutelmeyer konstatiert einen starken Wandel in den Lebenswelten der Kinder - und parallel dazu einen Wertewandel bei den Erziehungszielen.

Wie die Grafik (links) zeigt, haben die traditionellen Erziehungsziele, nach denen die heutigen Erwachsenen noch selber erzogen wurden, an Bedeutung verloren. Zu Bescheidenheit und Zurückhaltung, zu Unterordnung und ordentlicher Arbeit zu erziehen hat heute nicht mehr die Bedeutung von früher.

Kindliche Mitsprache

Selbständigkeit dagegen wird immer wichtiger. Für 68 Prozent der Erwachsenen ist sie das wichtigste Erziehungsziel. Und tatsächlich wird das in vielen Familien auch so gelebt: Aus der Market-Kinderstudie 2009 geht hervor, dass viele Kinder über ihren Lebensbereich mitentscheiden können oder gar ganz allein wählen dürfen.

Und da geht es nicht nur um die Wahl von Eissorten: 21 Prozent der 13 bis 14 Jahre alten Kinder entscheiden ganz allein, welcher Computer gekauft wird.

47 Prozent der österreichischen Kinder können mehr oder weniger stark Einfluss darauf nehmen, wohin es im Urlaub geht. Und nur bei 38 Prozent wird die Schulwahl allein von den Eltern getroffen.

"Zuhören" steht auch ganz oben auf der Liste der Verhaltensweisen, die Eltern von sich selber erwarten, wenn man sie befragt, wie man mit Kindern umgehen sollte. Das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) hat das getan und 1613 Mütter und 251 Väter um Auskunft über ihr Erziehungsverhalten gebeten.

Vor allem die Mütter sagen, dass sie versuchen, ihren Kindern Selbständigkeit zuzutrauen - ein Erziehungsverhalten, das unmittelbar nach "zuhören", "liebevoll sein" und "wertschätzend sein" genannt wird. Die meisten Eltern sagen dann auch, dass sie ihren Kindern auch mit jener aufmerksamen Haltung begegnen, die sie selber als wichtig angeben.

Allerdings zeigt die ÖIF-Studie auch, dass das nicht immer gelingt: Es gibt auch Eltern, die sich als unsicher, aufbrausend und gereizt erleben. Die Autorinnen der Studie "Eltern zwischen Anspruch und Überforderung", Doris Klepp und Sabine Buchebner-Ferstl, haben festgestellt, dass bei etlichen Eltern eine hohe Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen und dem eigenen Verhalten besteht. Die betreffenden Eltern würden gerne anders erziehen, als sie es tun - sie sind aber nach eigener Einschätzung zu wenig geduldig und gelassen, sie empfinden sich selbst als zu aufbrausend und gereizt. Sie schreien zu viel herum und haben andererseits zu wenig Zeit für ruhige Gespräche.

"Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der erlebten Diskrepanz und der wahrgenommenen Überforderung in der Erziehung", schreiben die Autorinnen. So geben vor allem die Mütter an, dass sie ihre Kinder manchmal anschreien, obwohl sie dieses Verhalten eigentlich ablehnen. Und auch Klaps und Ohrfeige sind als Erziehungsmittel, obwohl geächtet, noch nicht ganz verschwunden, wie meist zerknirschte Eltern zugegeben haben.

Marktforscher Beutelmeyer geht dennoch davon aus, dass der demokratische Erziehungsstil von einer breiten Mehrheit der Eltern erfolgreich praktiziert wird.

Erfolgreiche Erziehung führt offenbar auch zu zufriedenen jungen Menschen. Bei einer ebenfalls im vergangenen Sommer durchgeführten Jugendstudie des Market-Instituts erklärten sich besonders die 15 bis 18 Jahre alten Befragten mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden. Und obwohl die "Sekundärtugenden" nicht mehr so weit oben auf dem Erziehungsplan stehen, bekunden die jugendlichen Befragten hohes Interesse an Schule, Studium und Beruf. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24. Jänner 2010)

Kommentar posten
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springflower
00
23.8.2010, 10:40
Leider wird das Wort "demokratisch" bei der Erziehung

häufig überstrapziert und es fehlt eine Definition. Es ist nicht "demokratisch" einem Kind alle Rechte eines Erwachsenen zuzugestehen, ohne es gleichzeitig auch in die Pflicht zu nehmen. Diesen Fehler sehe ich bei allen Eltern, die eigentlich nicht erziehen wollen oder können, aber eine "gute" Erklärung für ihr Verhalten suchen.

Kärnten-Urlaub bei Freunden
00
25.1.2010, 12:08
Gehorsam out, Selbständigkeit in

ui, für die Österreichsiche Mentalität eine sehr bedenkliche Entwicklung

A Voice
02
25.1.2010, 10:10
echt demokratisch

überfordert Kinder. Demokratisch kann man vielleicht ab der Pubertät eine Familie organisieren - und nicht einmal dann wird es völlig demokratisch gehen, da ja iA die Eltern zB das Geld verdienen. In der Erziehung sollten die Kinder aber jederzeit als eigenständige Personen wahrgenommen und respektiert werden. Die Eltern haben eine Verantwortung und die müssen sie auch wahrnehmen - echt demokratisch heißt, Verantwortung auf die Kinder abzuwälzen, die diese einfach noch nicht übernehmen können. Dazu müssen sie erst reifen. Verantwortung immer soweit, wie sie übernehmen können. Nicht mehr und aber auch nicht weniger.

orkney
 
10
24.1.2010, 18:37
es ist absoluter Irrsinn ...

einen demokratischen Erziehungsstil damit gleich zu setzen, dass die Kinder alles dürfen und deshalb die größten Fratzen sind, bla, bla, bla - wie es hier im Artikel, wie auch im Forum z.T. gemacht wird. Demokratische Erziehungsformen haben NICHTS damit zu tun, dass ein Kind alles darf und keine Grenzen erfährt, sondern ganz im Gegenteil. Aber um das zu erkennen müsste man sich halt auch einmal mit der Erziehung seiner Kinder beschäftigen, wenn man sich zuvor schon nicht um die Verhütung kümmern wollte.

Heavyweather
05
24.1.2010, 14:56

Die arme Lehrer.
Ich fürchte die sind wirklich unterbezahlt.

Treue Leserin
215
24.1.2010, 12:36

Als Mutter von 2 erwachsenen Kindern, die mit Liebe, Wärme und GRENZEN erzogen wurden, wundere ich mich heute über ziemlich rücksichtslose Jungeltern, die ihren Kinderwagen als Waffe auf dem Gehsteig vor sich herschieben, resp. über dem Kinderwagen entwachsene Kinder, die sich ungehindert wirklich wild aufführen (dürfen).
Wir haben unsere Kinder nie in Ketten gelegt, die durften munter toben, aber halt nicht immer.
Mit Beruhigung lausche ich den Berichten meiner noch kinderlosen Kinder über Sprösslinge von Freunden, die so mühsam seien, weil sie "alles dürfen" - also waren unsere diskreten Grenzen nicht unmenschlich, grausam, vorgestrig (übrigens kostet das gemeinsame Leben solcher Grenzen mehr Mühe als der heutige Laxismus ...)

Chocoholic
00
24.1.2010, 20:48
Ich wundere mich immer ueber jene Eltern, die diesen Kinderwagen,

aehnlich wie Sie es beschrieben haben, kurz vor herannahenden Autos wie ein 'schauts her, jetzt muessts aber stehen bleiben' auf den Fussgaengeruebergang vorschieben.... passive Aggressivitaet halt. Ich schiebs immer auf den moeglicherweise auch unterstellten Schlafmangel....

Sinfioetli
58
24.1.2010, 15:45

Ich bin auch so super und muss das jedem sagen!

biggi729
00
25.1.2010, 10:53

ähm, das is ein offenes forum, in dem ein jeder seinen senf zum thema abgeben darf. also wo is das problem??

der bunte faschist
01
25.1.2010, 11:52

auch die straße ist ein offener platz, dennoch wird man bei allzu offensichtlicher selbstbeweiräucherung ihnen höchstens ein lächeln schenken.

Heavyweather
11
24.1.2010, 14:55

Tuns nicht SW malen...
Die meisten Eltern fröhnen ähnlichem Glauben.

füllhornkäfer
02
24.1.2010, 12:21

Das ist wohl mehr eine Erhebung von Wunschvorstellungen?
Eltern reflektieren, was bei ihrer eigenen Erziehung im Vordergrund stand (der Faktor, ob die eigene Erinnerung täuschen kann, spielt hier keine Rolle?). Anschließend bewerten sie, was sie selbst für richtig hielten (was nichts über die Praxis aussagt). So - what?

thomislav
01
24.1.2010, 14:19

werte haben immer mit wunschvorstellungen zu tun. genau darum gehts ja: was halten die eltern (oder wer auch immer...) für erstrebenswert? und selbstverständlich kann die gelebte praxis davon massiv abweichen. MAn kann das das ganze ja auch als erhebung zur "erziehungsideologie" verstehen.

FranzKpunkt
110
24.1.2010, 11:12

Liebe, Grenzen, Geborgenheit, Sicherheit, das sind Dinge die Kinder brauchen und kein eigenes Mitspracherecht...

Mitspracherecht bekommen Kinder eh automatisch. Das nennt man Erwachsenwerden und ist ein signifikant anderer Teil, als Kindsein.

Schneeglöckchen
 
60
24.1.2010, 16:48

Sie sprechen von Liebe und gleichzeitig sagen Sie, daß Sie auf den Willen Ihrer Kinder scheixxen.

Ihre Definition von Liebe, die auf der Mißachtung des anderen beruht, hat mMn gar nichts mit Liebe zu tun - hat auch nichts Erwachsenes an sich und daß Kinder, die nie ihr Eigenes entwickeln durften, je erwachsen werden, bezweifle ich auch.

MMn Schwarze Pädagogik in seiner reinsten Form.

wrkskrfz1
02
24.1.2010, 22:33
Woraus leiten Sie ab, dass FranKpunkt auf den Willen seiner Kinder .....

Wenn mein Kind im Rahmen einer Sandkastenauseinandersetzung einem anderen Kind das Sandküberl über den Scheitel ziehen will, gehe ich dazwischen und verbiete es ihm. Punkt. Und wenn es hundermal der Meinung ist, dass das jetzt gut wäre. Und ich erziehe es im Rahmen meiner Wertevorstellungen. Und da darf es mache Dinge - und manche nicht. Gut abgestimmt mit dem zweiten Elternteil funktioniert das ganz gut.
Damit mißachte ich den Willen meines Kindes nicht. Aber dort wo es -mangels Erfahrung oder Wissen- in die falsche Richtung geht, konnten meine Kinder ihren Willen (z.B. Sandküberl) nicht einfach durchsetzen.
In der Pubertät erfordert das teilw nächtelange Diskussionen - aber es kann nicht jeder tun was er will.

Schneeglöckchen
 
00
25.1.2010, 11:50

1
FranzKpunkt schreibt:
"(Kinder) brauchen kein eigenes Mitspracherecht"

Dieses bei uns vielfach gelebte, diktatorisches Credo produziert mÜn 50% Erstwähler, die dikatorische Parteien wählen.

2
Auseinandersetzungen zwischen Kindern sind mMn Spiegel dessen, wie Konflikte zuhause ausgetragen werden. Wenn über Kinder daheim gewalttätig drübergefahren wird, wird es in der Sandkiste das Gelernte anwenden und über den anderen gewalttätig drüberzufahren.

sa si
00
13.7.2010, 10:27
zum punkt 2...

erst beim zweiten sohn, der sich in unserem fall angefangen vom aussehen bis zum seinem naturel diametral von seinem älteren bruder unterscheidet, merkt man, dass ihre ansicht, angeführt im punkt 2, nicht stimmen kann. wir haben unsere kinder nicht geschlagen oder angeschrien (erhrlicher: nicht übermäßig!) bei meinungsverschiedenheiten. beim ersten friedfertigen sohn haben wir uns selber auf die schulter geklopft ob seiner hervorragenden sozialen kompetenz, beim zweiten, der immer schnell am hauen war, arbeiten wir auch mit professioneller hilfe daran, dass er lernt seine bedürfnisse MITZUTEILEN anstatt zu hauen. also, ich will nur sagen, dass menschen untershiedlich auf diese welt kommen, man merkt es spätestens beim 2. kind.

Gerlinde Rauch
02
25.1.2010, 12:01

Ja sicher. Kind schreit "Ich will aber jeden Tag Grießkoch essen", Mutter sagt "aber sicher nicht", und das solcherart schwer mißachtete Kind wird zum Wähler einer diktatorischen Partei.

Sie haben offensichtlich keine Kinder, dermaßen naiv sind Ihre Ansichten bzgl. Mitspracherecht und auch Auseinandersetzungen zwischen Kindern. Und das ist auch gut so, bei Ihren Erziehungsgrundsätzen.

Schneeglöckchen
 
00
25.1.2010, 15:38

Ein gesunder Körper meldet genau, welche Nahrung er braucht. Man nennt dies "einen Gusto auf etwas haben". Auch die Menge, die er benötigt, signalisiert er durch ein Hunger/Sättigungsgefühl.

Im unverdorbenen Tierreich geht dies soweit, daß Tiere im Krankheitsfall heilende Pflanzen in wohldosierter Form zu sich nehmen.

Eine schweizer Studie mit Kindern im Vorschulalter ergab, daß diese bei freier Auswahl ihrer Mittagessen die erste Woche nur junkfood in sich stopften; danach jedoch meldete sich ihr natürlicher Gusto wieder und sie begangen, sich ausgewogen zu ernähren.

Bei uns leidet jedes 3. Kind aufgrund sie entsprechend mästernder Eltern an Übergewicht.

Ihre persönlichen Anschüttungen können Sie sich btw sparen.

wrkskrfz
00
26.1.2010, 14:41
Nein, liebes Schneeglöckchen, das läuft in der Praxis anders

Mein Freundeskreis ist überaus kinderreich (im Schnitt drei, Spitzenfamilie hat acht Kinder). Bei drei Kindern mit 2 Jahren Altersdifferenz läuft nichts mit Extrawürsten. Es ist mir auch noch nie ein Kind untergekommen, dass freiwillig Rohkost einer Portion Pommes vorzieht.
Und es gibt eben auch Geschwister (von den selben Eltern) wo das eine äußerst bewegungsbereit ist, das andere zum Couchpotatoedasein neigt. Das muss dann zur Bewegung motiviert werden, sonst wirds dick.
Wenn man solche Dinge - wie auch den Umgang mit Haustieren oder das Verhalten zB kleineren Kindern gegenüber den Kindern selber überläßt, geht das schief. Deshalb müssen Eltern anfangs sehr sehr viel Zeit aufbringen, um wenn geht immer da zu sein.
Von selbst läuft nix

Eva Hexe
 
00
25.1.2010, 17:45
sättigung und gusto

...also mein bruder wäre unterernährt gestorben, wenn ihm nicht "zwangsweise" was eingetrichtet worden wäre. er hat mal 4 tage nichts gegessen. un bezüglich gusto: jaja täglich pommes mit ketchup ist ja irre gesund.....

I. O.
02
24.1.2010, 13:14
Mitspracherecht ist auch OK!

Natürlich nach Altersmässig.....Schon ein kind kann Teilnehmen in die "Familienrat" und sein Wunsch nach zB. eine tolle Fahrrad vorbringen....und auch können die Bedienungen dazu annehmen lernen (Zb Zimmer aufräumen nach Spielen), und auch lernen mit ev. "Finanzierungspläne" umgehen! Ein kind versteht es ohne jegliche Schwierigkeit, wenn man ihn erklärt zB. "Erst müssen wir die kaputte Kühlschrnak austauschen.Wir können eine neue Super-Fahrrad in 2 Monaten kaufen, aber du kannst auch deine Beitrag leisten in unsere Familie...."
Wir haben es immer gemacht, es hat gut geklappt.
Kids müssen auch GRENZEN haben, wie wir es ALLE haben!

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
03
24.1.2010, 15:39

Welches Kind will heutzutage ein "tolles Fahrrad" ??

Damit müsste man sich bewegen und das ausserdem noch im Freien !!

I. O.
00
24.1.2010, 16:00
:-)

;-)...aber meine 9 Jähriges Enkel wünscht sich so was...und sogar bewegt sich gern im Freien..!

Aber Sie haben Recht...leider die heutige Kinder viel zu viel Zeit verbringen in geschlossenen Räumen... und wenig in Freien.
Aber auch Schuld dran die viele Verbotenschild in die Grün und Parkanlagen (Wien). Die Höfe und Grünanlegen ständig schrumpfen neben Wohnanlagen...Für Autos werden die meiste Platz verbaut!

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