Deutsche Forscher entwickeln ein Verfahren, um gefälschte Medikamente rasch von Originalpräparaten unterscheiden zu können
Bochum - Mit der bei Körperscannern eingesetzten Terahertz-Strahlung können gefälschte Medikamente erkannt werden. Bochumer Forscher um Martina Havenith-Newen entwickeln
ein Verfahren, bei dem die Präparate automatisch bei der Ein- und
Ausfuhr auf ihre Echtheit untersucht werden. In den kommenden zweieinhalb Jahren
soll die Technik weiter getestet und für Praxisanwendungen ausgebaut werden, so Geschäftsführer Jens Soetebier von der Terahertz-Forschungsgruppe der
Ruhr-Universität Bochum.
"Viele Stoffe haben eine ganz individuelle Kennzeichnung ähnlich dem
Fingerabdruck beim Menschen", erläutert Soetebier. Die Terahertz-Strahlung
ermögliche die Identifizierung dieser Stoffe. Die Entwicklung der Geräte sowie
der versteckten Kennzeichnungen in den Medikamenten durch die Universität und
Industriepartner wird vom Land Nordrhein-Westfalen und der EU mit 1,35 Millionen
Euro gefördert. Erste Patente für die Methode seien bereits angemeldet, so der Experte.
Ziel
Das Verfahren soll Fälschungen schnell und sicher vom Original unterscheidbar machen. "Das Verfahren würde eine erfolgreiche Fälschung so teuer machen, dass
Nachahmungen unrentabel werden", erklärte Patentanwältin Tanja Bendele.
Gefälschte Medikamente verursachen nicht nur finanzielle Schäden, die Mittel
sind zudem oft nutzlos oder gar schädlich für den Menschen.
Fälschungen werden den Uni-Angaben zufolge zudem oft in Originalverpackungen verkauft, was die Erkennung zunehmend erschwere.
Terahertz-Strahlung stammt aus einer Nische des elektromagnetischen Spektrums
zwischen Wärmestrahlung (Infrarot) und Mikrowellen. Die Strahlen durchdringen
problemlos Stoff und viele Verpackungsmaterialien wie Pappe, Holz und viele
Kunststoffe. Anders als Röntgen- oder UV-Strahlung sind sie jedoch energiearm
und nicht ionisierend. Sie verändern die chemische Struktur des durchleuchteten
Stoffs nicht und gelten daher als biologisch ungefährlich. (APA/red)