Vize-Minister Skikas in U-Haft - Vorwürfe auch gegen Direktor des staatlichen Patientenfonds
Vilnius - Nur einen Tag nach dem Abgang von Außenminister
Vygaudas Usackas im Zuge der Affäre um ein mutmaßliches
CIA-Geheimgefängnis hat ein weiteres politisches Erdbeben Litauen
erschüttert. Der stellvertretende Gesundheitsminister Arturas Skikas
wurde am Freitag wegen der mutmaßlichen Annahme von
Bestechungsgeldern festgenommen und vorerst für 14 Tage in
Untersuchungshaft genommen. Ein weiterer Spitzenbeamter im
Gesundheitswesen, der Direktor des staatlichen Patientenfonds, Algis
Sasnaukaitis, wurde von der Polizei ebenfalls im Zusammenhang mit
Korruptionsvorwürfen verhört.
Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite deutete postwendend an,
Gesundheitsminister Juozas Galdikas gegebenenfalls zur Verantwortung
ziehen zu wollen, sollten sich im Zuge der Ermittlungen Hinweise auf
entsprechende größere Dimensionen der Affäre verdichten. Vizeminister
Skikas wird vorgeworfen, vom Chef einer nicht näher bezeichneten
öffentlichen Institution ein Geldgeschenk in der Höhe von 20.000
Litas (5.792 Euro) angenommen zu haben. Der Staatsanwalt beantragte
noch am Freitag eine Verlängerung der U-Haft auf einen Monat.
Am Vortag hatte Außenminister Usackas das Handtuch geworfen,
nachdem ihm die Präsidentin im Zusammenhang mit seinem Verhalten in
der Affäre um die Existenz von einem oder zwei Foltergefängnissen des
US-Geheimdienstes CIA in Litauen das Vertrauen entzogen hatte.
Ministerpräsident Andrius Kubilius, dessen Mitte-Rechtskoalition seit
ihrem Amtsantritt vor mehr als einem Jahr bisher inklusive Usackas
drei Mitglieder austauschen musste, kündigte für Montag eine
Kabinettssitzung an, bei der unter anderem ein Nachfolger für Usackas
gefunden werden soll. (APA)