Nahrungsmittel-Intoleranzen

Essen kann krank machen

24. Jänner 2010, 18:38
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    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    Fruchtzucker (Fruktose), der in vielen Softdrinks enthalten ist, helbelt die natürliche Balance der Darmflora aus.

Inhaltsstoffe studieren, Fruktose, Histamin, Laktose oder Gluten meiden: Nahrungsmittel­intoleranzen zwingen zu selektivem Essen. Ist es Hysterie oder wirklich ein Problem?

Leute, die wählerisch beim Essen sind, haben nicht unbedingt einen guten Ruf. Keine Milch, kein Zucker, kein Weizen - das macht Essen zu einer diffizilen Angelegenheit. Nahrungsmittelunverträglichkeit, lautet meist die Begründung: Knapp 1,6 Millionen Österreicher laborieren an Verdauungsproblemen wie Durchfall, Blähung, Bauchweh, Sodbrennen, aber auch Kopfweh und Müdigkeit, und schuld sind dann Zucker, Milch, Weizen und histaminreiches Essen - in unterschiedlicher Kombination.

Bleiben Gastroskopie und Koloskopie ohne Befund, landen Betroffene im Allergielabor. "Wir schließen zuerst die echten Allergien und die Kreuzallergien im Prick-Test aus", sagt Reinhart Jarisch vom Allergiezentrum Floridsdorf (siehe Wissen). Lösen bestimmte Allergene auf der geritzten Haut keine Reaktionen aus, wird mit Blut- bzw. Atemtests eine mögliche Nahrungsmittelintoleranz nachgewiesen. "Fruktose-Intoleranz ist viel häufiger als Laktose-Unverträglichkeit", sagt Jarisch, der übrigens von kommerziellen Tests wie etwa dem York-Test, den Menschen für ein paar Hundert Euro machen, gar nichts hält. "Reiner Unfug, die IgG-Werte nachzuweisen, sie zeigen nur, dass der Körper mit einem Lebensmittel bereits Kontakt hatte", erklärt er.

Halten Nahrungsmittelintolerante dann Diät und meiden Produkte, die ihr Darm nicht verarbeiten kann, stellt sich sofort eine Besserung ein. Jarisch hat dazu eine placebokontrollierte Studie bei Reizdarmpatienten durchgeführt. Das Ergebnis: Laktose- und Fruktoseverzicht führte nicht nur bei Menschen mit Intoleranz zu einer Verbesserung, auch die Gruppe ohne jede Intoleranz fühlte sich nach der Diät besser. Für Jarisch ein Zeichen, dass die Psyche bei Reizdarmpatienten eine zentrale Rolle spielt.

Total überzuckert

Dem widerspricht Ludwig Kramer, Gastroenterologe im Krankenhaus Hietzing und Leiter der ersten österreichischen Ambulanz für Laktose-, Fruktose- und Histaminintoleranz. "Viele Betroffene haben jahrelang gehört, ihre Verdauungsbeschwerden hätten psychische Ursachen, nur das stimmt meist nicht." In die Ambulanz in Hietzing kommen viele, die bereits jahrelange Abklärungsversuche hinter sich haben. Häufig sind es Frauen, die sich "gesund" ernähren wollen. Patientinnen nennt er sie nicht, "weil nur bei den wenigsten entdecken wir eine zugrundeliegende Darm- erkrankung wie etwa Morbus Crohn."

Kramer sowie viele andere Experten sind sich einig, dass die Wurzel des Übels die Ernährungsgewohnheiten in der industrialisierten Welt sind. "Fruchtzucker hat vollkommen fälschlicherweise ein gesundes Image, ist in vielen Light-Produkten enthalten und muss nicht einmal extra als Inhaltsstoff angeführt werden", sagt er. Für Kramer ist klar, dass das Übermaß an Fruktose - vor allem der in vielen Softdrinks und Müsliriegeln enthaltene Mais- sirup auch für die steigende Zahl an Fettlebererkrankung und den Anstieg der Harnsäure (was Bluthochdruck begünstigt und Blutgefäße belastet) verantwortlich ist.

Kramer will aufklären. "Die Lebensmittelindustrie muss verpflichtet werden, den Fruktose-Gehalt exakt anzuführen", sagt er. Die im Krankenhaus Hietzing veranstalteten Vorträge sind voll, zusammen mit Diätologinnen werden Essverhalten analysiert und im Anschluss individuelle Speisepläne erarbeitet. Worüber sich Experten auch einig sind: Nichts ist schwieriger, als Ernährungsgewohnheiten umzustellen, vor allem dann, wenn die zu meidenden Substanzen fast überall enthalten sind. "Oftmals dauert es, bis Menschen herausfinden, was ihnen nicht guttut, nicht selten sind das Laktose- und gleichzeitige Fruktose-Unverträglichkeit oder auch eine Kombination mit Histamin-Intolerenz", sagt Jarisch.

Die gute Nachricht: Die Darmflora regeneriert sich. Für den Ernährungsmediziner Maximilan Ledochowski können Ernährungspläne immer nur individuell erstellt werden (siehe Interview). Er sieht die einzige Chance in einer Verbesserung für die Menschen darin, den Taktiken der Lebensmittelindustrie, die immer billiger produziert und ihre Produkte hochaggressiv vermarktet, den Riegel vorzuschieben. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 25.01.2010)

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Posting 1 bis 25 von 66
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Jürgen Rembremerding
11
27.1.2010, 00:53
Nicht mehr essen kann tot machen!

learningbydoing
00
28.1.2010, 16:29
Nur damit Eins nochmal klar ist:

Es geht bei Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht um heikle Pingelige, sondern um wirklich kranke Menschen, die man aber nicht mit Magersüchtigen oder Bulimikern gleichsetzen sollte.

piroschka d.
00
27.1.2010, 11:54

köstlich!

Aracni Santini
00
26.1.2010, 15:28
Histaminintoleranz ist fast in jedem Spittal unbekannt

Damit lebt man äußerst gefährlich. Vor allem wenn man mit diversen Schmerzmitteln behandelt wird. Nicht einmal vor einer OP glaubt der Anästhesist was... sie haben aber einen niedrigen Blutdruck... ich habe es doch gesagt ich vertrage das Zeug nicht... ich kipp gleich weg... schnell Antihistaminampulle...Ärzte hören in unseren Krankenhäusern überhaupt nicht zu. Der Dr. Jarisch hat das zwar gefunden mit der Histaminintoleranz, wie gefährlich, das für gewisse Leute ist hat aber noch keiner so wirklich dargestellt. Wenn mann Histaminintolerant ist kann man genauso vom Kreislauf versagen wie ein Histaminallergiker, vor allem auf gewisse Medikamente.

learningbydoing
00
28.1.2010, 16:27
Es gibt, zum großen Pech der Betroffenen, leider noch immer zu wenig Forschung darüber.

Dieses Problem scheint wirklich unter Medizinern noch zuwenig wahrgenommen.
Bei einem Gesprächstermin im Floridsdorfer Allergiezentrum z.B. hat mir der Prof. Manfred Götz bedauernd erklärt, dass man seit Jahren versucht, eine Art Messgerät, das feststellt, wann die zulässige Tagesdosis an Histamin im Körper überschritten wäre, herzustellen, bisher aber noch nicht weit damit gekommen ist... Dabei wäre das meiner Ansicht nach eine sehr gute Idee, die Menschen mit HIT das Leben wirklich erleichtern könnte. Allerdings: Man kann nach Umstellung seiner Ernährung, mit Konsequenz betrieben, den Histamin-Überschuss wieder zu einem normalen Level bringen und wieder gesund werden. Die Fructose-Intoleranz hingegen hat man sein Leben lang.

Aracni Santini
00
26.1.2010, 15:56
Histaminintoleranz kaum kommuniziert

Dabei ist das auch für Schwangere wichtig, vor allem in den ersten 3 Monaten. Zu viel Histamin hältiges kann zu einem Abort führen. Sehr viele Frauen verlieren immer wieder ihr Baby am Anfang der Schwangerschaft und wissen nicht warum. Auch Gynäkologen wissen überhaupt nicht Bescheid darüber.

learningbydoing
00
28.1.2010, 16:17
Ich habe gelesen,

dass in der Schwangerschaft die Histamin-Intoleranz vorübergehend "aussetzt". Bei mir war es z.B. so, dass ich mich während der Schwangerschaft, abgesehen von der üblich auftretenden Übelkeit in den 1. 3 Monaten (oder darüber hinaus), ausgesprochen gut gefühlt und damals ordentlich Tomaten, natürlich keinen Alkohol, aber auch einige andere histaminhältige Speisen und Getränke zu mir genommen habe - das wirkliche Problem (mit 2 wirklich unangenehmen & für mich sehr besorgniserregenden Histamin-Schocks) ist bei mir etwa 1 Jahr nach der Geburt aufgetreten, vermutlich durch die Hormonumstellung. Ich hatte aber sicher schon vor der SS eine Histaminintoleranz, weil häufig stark krampfende Bauchschmerzen, aber die Diagnose kam erst danach.

Chocoholic
00
26.1.2010, 12:38
also ...

"Das Ergebnis: Laktose- und Fruktoseverzicht führte nicht nur bei Menschen mit Intoleranz zu einer Verbesserung, auch die Gruppe ohne jede Intoleranz fühlte sich nach der Diät besser. Für Jarisch ein Zeichen, dass die Psyche bei Reizdarmpatienten eine zentrale Rolle spielt."

Fuer mich ein Zeichen, dass Laktose und Fruktose auch fuer Menschen ohne Intoleranz nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sind....

bbergner
00
26.1.2010, 08:56
dieses forum ist großartig

http://www.bestdoc.org/board/wbb/

mic
00
25.1.2010, 18:55
Hilfeforum

Kann ich nur empfehlen, hat schon einigen Bekannten geholfen: <a href="http://www.nahrungsmittel-intoleranz.com/">Nahr... </a>

you dont see me
13
25.1.2010, 16:42

wer fertigprodukte als lebensmittel bezeichnet braucht sich nicht zu wundern.
wenn man selbst nur mit den "rohstoffen" kocht
kommt man niemals in die gefahr sich mit den versteckten inhaltsstoffen zu verunreinigen.
wer glaubt denn wirklich mit einem zb billigst- fruchtjoghurt etwas gesundes zu essen oder fertigsaucen und -dressings wären nahrhaft. müsliriegel sind ja sowieso das idiotischste. die meisten leute wissen leider gar nicht mehr wie die zutaten ohne die unmengen an salz u. zucker schmecken. sehr oft sind allergien kreuzallergien zu pollen/gräserallergien, was daher kommt weil stadtmenschen sich viel zu wenig in der natur aufhalten und unsere babys viel zu steril aufwachsen.
ein hoch auf die küche zuhause!!

Dagmar Rehak
 
112
25.1.2010, 17:12
Zuhausekochen ist extrem unwirtschaftlich.

Es müssen kleinere Einheiten gekauft werden, und die Energie, die beim Kochen verbraucht wird, ist viel höher als bei "Industriefutter".

Jürgen Rembremerding
00
27.1.2010, 00:55
Ist wie beim GV!

Man schafft sich eine Frau an, die man kostspielig durchfüttern und kleiden muss, nur weil man gelegentlich was zum Stöpseln haben will!

Dabei wäre in der Gesamtrechnung das Puff weit wirtschaftlicher, weil man nur zahlt, wenn man eine Leistung anfordert:

"F*ing on demand", wie wir Sexualökonomen sagen!

sweetmaker
 
12
26.1.2010, 06:50
sind sie ein mensch?

oder eine maschine?

iohui
01
25.1.2010, 22:47
nein. die lebensmittelindustrie hat aufgrund der gesundheitl. risiken per gesetz einen sehr hohen und sehr teuren aufwand für hygiene und kontrolle

während fertigung und lagerung, laboranalytik von rohstoffen über halbfertig- bis zum fertigprodukt. dazu noch der aufwand zur haltbarmachung und hygienischen verpackung und die nachvollziehbare dokumentation von all dem. personalkosten.
diesen ganzen aufwand hat man zu hause nicht. man darf den inhaltsangaben, lagerhinweisen und ablaufdatum der rohstoffe vertrauen. es genügt normale sauberhaltung von vorratsschrank und geschirr und visuelle kontrolle, im zweifel geruch und geschmack. dafür und für die arbeitszeit fallen keine kosten an.

d.h. wenn ein industriell gefertigtes fertigprodukt billiger als ein selbstgekochtes ist, sind dementsprechend minderwertigere rohstoffe drin.

at-afr
01
25.1.2010, 19:32
Quelle?

Erstens bezweifle ich, dass die Summe des Energieaufwandes, also auch der Verpackung, des Transports und der Herstellung des Produkts, die Energiemenge, die ich beim "Zu-Hause-kochen" verbrauche, signifikant unterschreitet.

Zweitens dürfte beim Selbstkochen eine derartige volksgesundheitliche Umwegrentabilität herrschen, dass von Unwirtschaftlichkeit wohl kaum die Rede sein kann.

you dont see me
14
25.1.2010, 18:45

viel spass beim schrottfressen

pcyco
01
25.1.2010, 16:28

ds leben führt zum tod

mediview
 
02
25.1.2010, 14:42
Theorie und Praxis

Die Intoleranz scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben. Bekannter im Spital, laktoseintolerant, Spital hat ein eigenes Essen dafür, nur auf dem Teller ist immer das Unpassende drauf. Kommentar der Schwestern: Der Koch gibt das immer so dazu....http://mediview.wordpress.com/

ThE aThEiSt
00
27.1.2010, 11:02

ging mir vor einigen Jahren auch so... Bin Laktoseintolerant, hab dies im Krankenhaus auch mehrmals angegeben. und was hatte ich als Abendessen bekommen? Einen Käseteller! Also durfte ich das leere Brot knabbern.

sweetmaker
 
01
26.1.2010, 17:41
mit LI ist kranksein soundso mühsam:

unglaublich bei wievielen medikamenten MILCHZUCKER das füllmaterial ist.

Dagmar Rehak
 
50
25.1.2010, 14:24

Wenn jemand kein Weizengluten verträgt, aber Dinkel schon, Milchzucker aus Kuhmilch nicht verträgt, aber Ziegenmilch ohne Probleme, Honig und Rapadura, aber keinen "Weißzucker", ist das aber was anderes als echte Unverträglichkeiten. Sogar Himalayasalz soll gaaanz anders wirken als "Industriesalz".
Und ich glaube, diese "Unverträglichkeiten" sind häufiger als die echten.

Toeris
13
26.1.2010, 00:21

Wenn man von einem Thema keinen blassen Schimmer hat, kann man einfach mal den Mund halten. Es steht mir nicht an dir ungebeten Empfehlungen zu geben, aber ich kann dir versichern, ich bin mit der Methode bisher recht gut gefahren.
Und, wenn DU nicht kochen möchtest und kannst, dann sei dir das gegönnt. Aber Menschen mit vielen Unverträglichkeit bleibt gar nichts anderes übrig.

presonic
10
25.1.2010, 20:29

dagmar, ganz viele LI-menschen vertragen nur kuhmilch nicht. der milchzucker bei ziegenmilch ist erstens nicht gleich hoch und oft ist´s wohl auch die kombination, sprich: das gesamtprodukt.
"weißzucker"-unverträglichkeit ist mir neu.

(und ich weiß schon. du sprichst auf die vielen leute an, die nicht wirklich probleme mit der nahrung haben, sondern "picky eaters" aus mode sind. da geb ich dir recht. die sind mühsam.)

A Voice
22
25.1.2010, 14:34
ausgependelt

oder bioresoniert, also garantiert richtig, weil ja nicht die pöhse Schulmedizin dahinter steht, also keinerlei Profitdenken der "Diagnostiker" vorliegt (die 100€ pro Einheit verrechnen)

Ich schweife ab.....

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