Unter Druck

Börsen zittern vor Obamas Bankenplänen

22. Jänner 2010, 18:34

Nobelpreisträger Stiglitz nennt die Pläne des US-Präsidenten, Banken stärker an die Kandare zu nehmen, einen "großen Schritt vorwärts"

Die von US-Präsident Barack Obama geplante Verschärfung der Handelsregeln für Großbanken ist in der US-Regierung offenbar umstritten. Finanzminister Timothy Geithner sei besorgt, dass die Beschränkungen die Wettbewerbsfähigkeit der US-Großbanken gefährden könnte, sagten Personen aus der Finanzbranche. Zudem gehe Geithner nicht davon aus, dass die anvisierten Grenzen für den Banken-Eigenhandel das Problem an der Wurzel packen und künftige Exzesse verhindern könnten. Ein Sprecher Obamas erklärte dagegen, dass Geithner hinter den Vorschlägen des Präsidenten stehe.

Der US-Präsident hatte am Donnerstag angekündigt, risikoreiche Geschäfte zur Gewinnmaximierung von Banken deutlich zu erschweren. Die Banken sollen nicht einmal mehr in Hedge-Fonds und Beteiligungsfirmen investieren dürfen. Die Vorschläge hatte eine Expertenkommission unter Vorsitz des ehemaligen US-Zentralbankchefs Paul Volcker erarbeitet.

Kursverluste bei Bankaktien

Die Pläne sorgten am Freitag europaweit für Kursverluste bei Bankaktien, nachdem bereits am Donnerstag die Wall Street auf Talfahrt war. Obama will vor allem die Investmentbanken an die Kandare nehmen und ihnen beispielsweise den Eigenhandel verbieten. Viele Wall-Street-Banken, aber auch europäische Großbanken wie etwa die Schweizer Credit Suisse haben im vergangenen Jahr einen guten Teil ihres Vorsteuergewinns im Investmentbanking erzielt.

Der Markt geht nun offenbar davon aus, dass diese Ertragsquelle, wenn Obamas Pläne Wirklichkeit werden sollten, nicht mehr so stark sprudelt wie bisher. "Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde dies die Ergebnisse der Banken stark beeinflussen. Goldman Sachs zieht zehn Prozent des Gewinns aus dem Eigenhandel. Bei BAC, Morgan Stanley und Citigroup macht er mehr als fünf Prozent aus", sagte ein Schweizer Börsenhändler.

Beobachter rechnen aber ohnedies mit einem Scheitern der Reform. "Es ist unwahrscheinlich, dass das Gesetz durch den Senat kommt", urteilt Simon Johnson, ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) laut Financial Times Deutschland.

Stiglitz: "Großer Schritt vorwärts"

Der Ökonom und Wirtschaft-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat die von Obama geplanten Einschnitte für Großbanken  begrüßt. Die Lehre der Finanzkrise von 2008 sei, dass "auch Investmentbanken streng reguliert werden müssen", sagte Stiglitz am Freitag gegenüber Reuters Insider TV. "Wie immer bei Regulierungsfragen steckt auch hier der Teufel im Detail, aber das ist ein großer Schritt vorwärts, wenn man bedenkt, wie die Dinge zuletzt lagen." Obamas Vorschläge seien die Reaktion auf die übertriebene Risikofreude der Branche und die Probleme mit Banken, die zu groß geworden seien, um sie zusammenzubrechen zu lassen.

Obama will unter anderem die Rückkehr zu einer strikten Trennung zwischen dem klassischem Bankgeschäft der Einlagenverwaltung und Kreditvergabe von Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking. Die Vorschläge würden die als "Glass-Steagall Act" bekannten Gesetze wiederbeleben, die zur Zeit der Großen Depression in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeführt wurden. Sie wurden 1999 wieder abgeschafft.

Nach Meinung von Stiglitz ist die wortgetreue Wiedereinführung der Gesetze nicht notwendig. "Aber das Grundkonzept - der Versuch, Interessenskonflikte zu vermeiden, und die Sicherheit, dass die Geschäftsbanken keine zu großen Risiken eingehen - dieses Prinzip ist wichtig."

EU-Kommission zurückhaltend

Von der Brüsseler EU-Kommission sind Obamas Pläne zurückhaltender aufgenommen worden. Eine Sprecherin von Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte, sie könne die Pläne nicht detailliert kommentieren. Barroso habe aber in der Vergangenheit klar gemacht, dass man nach der Krise nicht einfach zur Tagesordnung übergehen könne. Dies betreffe auch die Banken, sagte die Sprecherin.

Die deutsche Bundesregierung hat hingegen die neue Initiative zur Zähmung der Banken begrüßt. Sie sei ein hilfreicher Impuls für die Reform der Finanzmärkte, betonte das Finanzministerium am Freitag in Berlin. Zugleich wies es darauf hin, dass die Vorschläge vor allem auf das US-Bankensystem abzielten. "Aber wir sind offen dafür, sie auch im Rahmen der internationalen Diskussion bei uns zu würdigen", sagte Ministeriumssprecher Michael Offer. Weiters betonte er aber, dass es zu früh sei, darüber zu spekulieren, ob so weitreichende Schritte auch für Deutschland infrage kämen.

Auch der britische Premierminister Gordon Brown sei sehr zufrieden mit den Vorschlägen, sagte ein Sprecher am Freitag. Wenn Einzelheiten bekannt würden, werde sich Großbritannien damit beschäftigen. Nach der Finanzkrise sei es dringend nötig, die Risiken im Bankensektor besser zu kontrollieren. Jedes Land müsse aber eigene Wege finden, um auf seine Bedingungen zu reagieren.

Ein Vorstoß des schwedischen Finanzminister Anders Borg für die Einführung einer Bankenabgabe nach US-amerikanischen Vorbild in Europa war am Dienstag von den EU-Finanzministern kühl aufgenommen worden. Österreichs Vizekanzler Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hatte diesbezüglich vor Schnellschüssen gewarnt, sich aber bereiterklärt, diese Frage evaluieren zu lassen.

Keine Freude in Österreich

"Die Vorschläge von Obama mögen für den US-Bankenmarkt notwendig sein, "für die europäischen Verhältnisse schießen sie aber über das Ziel hinaus", meinte Andreas Pangl, Geschäftsführer des Fachverbands der Raiffeisenbanken, am Freitag zur Austria Presse Agentur. In Österreich gebe es nämlich keine milliardenschweren Finanzhaie wie den in Wall-Street-Kinohits durch Michael Douglas verkörperten Bösewicht Gordon Gecko.

Eine stärkere Trennung zwischen Kreditgeschäft und Investmentbanking mache bei der Regulierung aber durchaus Sinn, so Pangl. Da müsse man nämlich jene Geschäfte, die der Finanzierung der Wirtschaft dienen, mehr entlasten. Leider würden die aktuellen Vorschläge aus Basel und Brüssel aber in die entgegengesetzte Richtung gehen, kritisierte der Raiffeisenvertreter.

Wer verlange, dass sich die Größe einer Bank an der Größe ihres Sitzlandes orientieren müsse, reduziere den internationalen Bankenmarkt auf einige wenige Banken. "In kleineren Ländern wie Österreich dürfte es dann keine international tätigen Banken mehr geben", schlussfolgert Pangl: "Dieser Vorschlag würde also den US-Banken im internationalen Wettbewerb letztlich sogar helfen." (APA/red)

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pace e bene
01
23.1.2010, 10:07
Zinsverbot

Jede Gesetzgebung, die den Zins erlaubt, ist null und nichtig.Papst Alexander III. (*1105, †1181)

...ein Krieg gegen die gesamte Dritte Welt, ein Krieg um die Auslandsschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und die ist tödlicher als die Atombombe."Luis Ignácio Lula da Silva (*1945), bras. Präsident
In dem kapitalistischen System steckt ein Rechenfehler. Die Kapitalisten können nicht rechnen. Das ist die ganze Wahrheit. Wenn sie rechnen könnten, würden sie wissen, dass keine Wirtschaft andauernd Zins und Zinseszins zahlen kann.Paul C. Martin (*1939), Autor und Wirtschaftsjournalist, in "Wann kommt der Staatsbankrott" (1982)

Claus_W
00
22.1.2010, 22:36
Man kann...

...Obama daran Messen ob er im Interesse der Menschen handelt oder nicht... indem man schaut ob er davon spricht die Zinsen abzuschaffen oder nicht... und davon ist wieder mal nirgens die Rede.

http://video.google.com/videoplay... 944570167#

Wieder mal haben wir uns durch eine Marionette hinter das Licht führen lassen.

Das einzige was uns jetzt noch hilft ist das jeder einzelne Aktiv wird!
Viele Trompeten werden nötig sein um die Schlafenden Menschen aufzuwecken...

www.nuovsio.tv
www.sprword.com

schlechter Gutmensch
00
22.1.2010, 18:47
Konrad (ÖVP-Boss und Chef aller Prölls) und Scharinger (LHOÖ und Chef vom Püringer).....

.... werde das sicher nicht zulassen.

denn: geht es Raiffeisen & Co gut, läuft alles wie geschmiert.

dragon.75
00
22.1.2010, 18:38
Her mit einer weltweiten Steuer auf (internationale) Finanztransaktionen!

Dies wäre noch wichtiger und effektiver aber davor haben die Länder mit großen Finanzmärkten (UK, USA) leider was dagegen.

Ro_bert
00
22.1.2010, 19:23

Hier gehts nicht darum die Börse zu schwächen, es ist nach wie vor jedermanns Recht sein Geld dort anzulegen bzw. versuchen zu vermehren.
Die Banken sollten den Gegenpol darstellen, also wenig Zinsen mit wenig Risiko. Sie sollten also Ihr Geld mit dem Verborgen von Geld machen, nicht mit dem (Ver)spekulieren. Noch dazu wenn Sie die Sparer nicht am Gewinn teilhaben lassen und den Verlust nicht selbst abdecken können.

immer einmal mehr als wie du
00
25.1.2010, 12:59
Nur hereinspaziert die kleinen Schäfchen...

... ein jedes darf sich scheren lassen.

An den Börsen gewinnen nun mal nur die großen, die die Hebel ansetzen.

Das sagen sie halt nicht gerne dazu bei der Mär, daß es jedem freisteht, an der Börse sein Geld zu veremhren.

das ist fix
10
22.1.2010, 18:32


Die Vorgangsweise Obamas ist schlicht und einfach verlogen, zuerst gibt er den Banken mittels niedriger Zinsen Spielgeld - und dann will er mitnaschen wenn die Banken etwas erzockt haben.

Wahl 2010
00
22.1.2010, 18:30

die leute, die diesen populistischen sprüchen, die bar jeder wirtschaftlichen vernunft sind, wenn man die ursache der krise nicht erkennen will (blase durch lose geldpolitik), auf den leim gehen sind vielleicht nicht so hasserfüllt wie die schäfchen, die einem hc strache nachrennen, weil er "endlich einmal sagt, was wir uns denken", aber im hinblick auf intelligenz und kritischer reflexionsfähigkeit unterscheiden sie sich kaum...

sir_clive
00
22.1.2010, 18:40
Stiglitz bar jeglicher wirtschaftlicher Vernunft?

So ein Glück dass wir hier Sie haben, sonst wären wir dem bösen Obama auch auf den Leim gegangen... :-)

das ist fix
00
22.1.2010, 18:29


Zittern muss man, wenn man sich die Debt-Clock ansieht:
http://www.usdebtclock.org/

Der Waehlerwille
 
00
22.1.2010, 18:27
reale wirtschaft muss nicht mit geld handeln

und schon gar nicht über grenzen hinweg.

ja wir brauchen eine änderung des systems .. denn wie man sieht ist es nicht fähig sich selbst zu erhalten.

Chris Quast
00
22.1.2010, 18:19

so mächtig und die so ängstlich die börsen

byron sully
00
22.1.2010, 18:16
die banken

sollten lieber darüber froh sein, daß sie nicht von einem aufgebrachten volk angezündet werden (nicht, daß ich so was gutheißen würde, ich bevorzuge klar einen gewaltfreien und friedlichen niedergang des neoliberalismus, aber wenn man sich gegen einen räuber zur wehr setzt, anstatt sich dauernd nur ausrauben zu lassen, ist das für mich auch nicht gänzlich unnachvollziehbar...)

immer einmal mehr als wie du
00
22.1.2010, 18:15
Wozu fragen sie noch den Pangl,

wenn der Pröll doch schon als Raiffeisen-Sprecher gesprochen hat ?

Iluminator
00
22.1.2010, 18:15
tZittern bei Milliardeneinkommen wird wohl nur Angst vor weniger sein?

Die haben noch gar nicht begriffen, daß diese Finanzgesellschaft am Abgrund steht.

Nicht finanziell, biologisch. Web macht transparent was an Bereicherung geschieht, die Leute wissen es ist die Bereicherung das, um das sie betrogen werden.

Wenn es wo anfängt mit dem Erwürgen, wird es kein Einde nehmen ohne das Weltfinanzsystem wieder zum Tauschgeschäft werden zu lassen.

Redlich und mit etwa 8% Gewinn. Ist doch genug für Geldaufbewahrung.

max 1231
 
03
22.1.2010, 18:09
banken haben in den letzten jahren eindeutig

mafiöse strukturen entwickelt zum ungunsten vom millionen bürgern, das muss aufhören und zwar sofort.

silberstreif65
01
22.1.2010, 18:08

Dass die Raika und deren Anhang (ÖVP) gegen die Pläne sind, ist ja nicht überraschend. Traurig ist nur, dass sie sich hier wohl mal wieder durchsetzen werden.

frei raum
02
22.1.2010, 18:03
Obama ist stark gefährdet

einem attentat zum opfer zu fallen... wahrscheinlich wäre es weniger gefährlich, sich mit der mafia anzulegen. und ja, ich meine das ganz ernst.

Eigeier
03
22.1.2010, 17:51
gefährliches Spiel...

...sich mit der nächsten Etage der Macht anzulegen (Kam nicht der Großteil von Obama's Wahlspenden von Wallstreet-Beiträgen?)
Normalerweise werden aber so plakative "radikale" Schritte nach französischem Muster mit Ausnahmen und Hintertüren ausgestattet (sodass sich nichts ändert).
Sich tatsächlich mit Großbankern anzulegen (Kennedy als warnendes Beispiel vor Augen) könnte riskant sein.

Übrigens: vor ca 3 Tagen war morgens ein guter, banken- und amerikakritischer Artikel im Web-Standard -und 2h später nirgends mehr zufinden... ???

Thomas Gummibaer
00
22.1.2010, 17:41
Obamas Verpflichtung (aus dem Wahlkampf) ist es das geld fuer die Militaermaschinerie zu sichern.

Da er die Neuverschuldung und den Zinsdienst in 2 Wochen bedienen muss, ist er gezwungen gov. bonds zu verkaufen.
Da Russland un China kein Interesse haben (Rusland hat diese Woche den kanadischen Dollar eingekauft, China im Dezember das Gold), muss es wer anderer bezahlen und die Bonsd kaufen.
Daher die Boerese auf die Tlafahrt
Das bring die Investoren dazu, ihr geld in die Bonds zu stecken.

georg brosch
00
22.1.2010, 17:36
und das volk...

darf weiter entscheiden ob die u-bahnen 24h/tag fahren.

wieso gibts dazu keine abstimmungen?

Peter Raming
 
02
22.1.2010, 17:30
Jede Wette, daß unsere Oberpfeifen von Treichl, Konrad & Co eingebremst werden!!!

besson
00
22.1.2010, 17:26

purer populismus. die finanzkrise wurde hauptsächlich durch den us-banken vorgeschriebenen hypothekarkredite an die einkommensschwächsten teile der bevölkerung ausgelöst (unter buch). banken wurden verpflichtet mehr als 50 % ihrer hypokredite an einkommensschwache zu vergeben, bevorzugt minorities. die eigenkapitalquote der kreditnehmer wurde staatlich auf nur 3 % festgelegt. Obama (als noch nicht Präsident) hat das milliardengrab fannie mae als die firma gelobt, die am meisten für minorities geleistet hat in der geschichte amerikas (kurz danach mußte der staat 61 Mrd. Dollar Beihilfe geben). Fast in den abgrund hat uns nicht das fehlen von regularien gerissen, im gegenteil.

Karl Reisinger
00
22.1.2010, 17:09
Na klar, der Stiglitz der alte Etatist.

Der ist längst widerlegt. Sein Preis verjährt.

säbTig
07
22.1.2010, 17:00

"Sollten die Pläne umgesetzt werden, würde dies die Ergebnisse der Banken stark beeinflussen. Goldman Sachs zieht zehn Prozent des Gewinns aus dem Eigenhandel. Bei BAC, Morgan Stanley und Citigroup macht er mehr als fünf Prozent aus", sagte ein Schweizer Börsenhändler.

HILFE! HILFE!! Das Bankengeschäft bricht ein,
die Welt geht unter, wenn weniger als 95% der weltweit erzielten Gewinne über die Börse ablaufen! Möglicherweise erhalten dann jahrundertelang bewährte Branchen und einfache Bauern wieder die Möglichkeit, zu überleben!
Wer will das schon? Bremst Obama ein!
(Nur für Nichtmitdenker: ;-)

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