Israelische Siedlungspolitik

Immer mehr Verhaftungen bei Protestaktionen

22. Jänner 2010 13:08

Menschenrechtler beklagen gezielte Einschüchterungs­kampagne - Behörden geißeln illegale Demonstrationen

Jerusalem - Jeden Freitag ziehen die Einwohner von Bilin und Naalin im Westjordanland zum Grenzwall und protestieren gegen die israelische Siedlungspolitik. Häufig werden sie von jüdischen Sympathisanten und internationalen Aktivisten unterstützt, selbst die Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter und Desmond Tutu haben sich ihnen schon angeschlossen. Die Demonstrationen in den beiden Dörfern werden vielerorts als Paradebeispiel gewaltfreier Protestaktionen gewürdigt. Doch immer häufiger werden ihre Teilnehmer verhaftet.

Seit vergangenem Sommer hätten die Festnahmen deutlich zugenommen, und immer häufiger seien vor allem prominente Aktivisten betroffen, beklagen israelische Menschenrechtsorganisationen. Sie sehen darin eine gezielte Einschüchterungskampagne der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, um jegliche Opposition im Keim zu ersticken. Polizeichef Micky Rosenfeld weist dies entschieden zurück. Es gebe keine Kampagne gegen Demonstranten, diese aber gingen sehr oft ohne Genehmigung auf die Straße.

Bürgerrechtler: Trend, abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen, begann mit Gaza-Krieg

Dies trifft vor allem in Ostjerusalem zu, wo immer wieder Mahnwachen gegen die Besatzungspolitik in den palästinensischen Gebieten abgehalten werden. Dabei wurden in jüngster Zeit rund 70 Personen festgenommen, darunter auch Hagai Elad, der Vorsitzende der Vereinigung für die Bürgerrechte in Israel. 36 Stunden später wurden die Aktivisten wieder freigelassen. Ein Gericht in Jerusalem befand, dass ihre Proteste zwar illegal, die Verhaftungen aber unnötig war.

Elad spricht von einem "dramatischen Anstieg der Bemühungen, abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen". Seiner Ansicht nach hat dieser Trend mit dem Gaza-Krieg vor einem Jahr begonnen. Damals wurden hunderte Anti-Kriegs-Demonstranten in Gewahrsam genommen, vor allem israelische Araber. Viele wurden wochen- oder gar monatelang ohne Anklage festgehalten.

So ergeht es seit einiger Zeit auch den Teilnehmer der schon seit Jahren traditionellen Freitagsdemonstrationen in Bilin und Naalin. Der Lehrer Abdullah Abu Rahmeh, einer der führenden Aktivisten aus Bilin, befindet sich seit einem Monat in Haft. Er wurde inzwischen der Anstiftung zum Aufruhr und des illegalen Waffenbesitzes beschuldigt - er hat nämlich zurückgelassene Tränengaskanister, Blendgranaten und andere Munition der israelischen Streitkräfte eingesammelt, um Besuchern zu zeigen, was in seiner Gegend vor sich geht.

Behörden: Müssen uns vor Extremisten schützen

Seit Juni wurden in Bilin und Naalin rund 150 Menschen festgenommen, oft bei Razzien mitten in der Nacht. Die israelischen Behörden machen geltend, sie müssten sich vor Extremisten schützen, bei deren illegalen Demonstrationen immer wieder Steine auf Soldaten geworfen würden. Israelische Menschenrechtler betonen indes, dass viele Palästinenser ihre Proteststrategie seit den gewaltsamen Ausschreitungen der Intifada grundlegend geändert hätten. Gut geplante friedliche Aktionen seien heute die Regel, und auch die Kooperation mit der israelischen Opposition habe sich vertieft.

Gerade dies scheine Israel zu irritieren, und eben deshalb gingen die Sicherheitskräfte mit solcher Härte gegen die Demonstranten vor, meinen Menschenrechtsorganisationen. Ein Paradebeispiel für Behördenwillkür ist ihrer Ansicht nach der Fall von Mohammed Othman. Er wurde bei seiner Rückkehr von einer Lobby-Tour durch Norwegen festgenommen und fast ununterbrochen verhört. Die Ermittler hätten im Detail von ihm wissen wollen, wie die internationale Bewegung zum Boykott israelischer Produkte funktioniere, wer das organisiere und was seine Kontakte seien, sagt der 33-Jährige, der erst nach vier Monaten wieder freigelassen wurde.

Die israelischen Behörden erklären, Othman sei unter dem Verdacht geheimer Aktivitäten, die die Staatssicherheit gefährdeten, festgenommen worden. Mit seinem politischen Engagement habe dies absolut nichts zu tun. Dies jedoch wird von Menschenrechtsaktivisten vehement angezweifelt. (apn)

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IOVIS
23.01.2010 04:37
Verbirgt sich hinter Kritik an Israel latenter Antisemitismus? Unter Umständen. Wenn nicht mehr zwischen polutischen Akteuren und dem Land unterschieden wird.

Das Vorgehen der Polizei ist durch die Regierungspolitik gebilligt, ungerecht und auch brutal.

Die Regierung Netanyahu verfolgt eine Lösungsstrategie die diametral zu meinen Überzeugungen steht. Netanyahu ist in den Händen der Siedler - sein Schwager ist deren Anführer und sein Aussenminister... ein rassistischer Hanswurst.

Aber, Israel ist ein Staat von der Größe Niederösterreichs, der seit 60 Jahren um sein Überleben kämpft.

Dieses Volk, die Israelis, stehen uns gedanklich und kulturell sehr nahe.

Man hört gar selten welche brutale Machtwillkür in Palästina und den anderen Nachbarländern (inkl. Türkei) vorherrscht.

Dennoch gibt es in Europa niemanden der Partei ergreift für Israel.

Kritisiert wird immer das ganze Land.

Waldgaenger
 
23.01.2010 16:57
nein so nicht

Es hat Israel niemand gezwungen sich von der britischen Kolonialmacht mit dem Land in Palästina beschenken zu lassen. Wer sich vom Nichteigentümer beschenken lässt weiß dass Probleme auf ihn zukommen, und die zukünftigen Nachbarn waren damals auch schon bekannt, und Sie erwähnen selbst nicht, wie Israels Probleme dadurch gelöst werden könnten, dass man jetzt auch noch in den 1967 zusätzlich eroberten Gebieten siedelt, obwohl dieses Restpalästina aus Westbank und Gaza zusammen nur 22 Prozent des ursprünglichen Palästina ausmacht, das sich die Israelis schon 1947 genommen haben

IOVIS
23.01.2010 22:11
Beschenkung? Der Gründung gingen jahrzehnte zivilrechtlichen Aufbaus voraus; sowie 1929 und 1936-39 Bürgerkrieg und Massaker von arabischer Seite. GB war nicht Kolonialmacht, sondern Mandattreuhänder der Vereinten Nationen.

GB unterstütze die arab. Seite (Verbrennung/Mitnahme der Verw.-Akten und Telefonleitungen, milit. Ausbildung der "Arab Legion" und Waffenembargo u. Zuwanderungsstop gegenüber der Juden) Die UN stimmte mit 33 Stimmen (13 Kontra; 10 Enthalt. - DARUNTER: GB) für eine Teilung in einen jüd. und einen arab. Staat.

WIE KÖNNEN SIE VON BESCHENKUNG SPRECHEN?

Bis heute lehnen die Konfliktparteien von '48 Saudi-A., Sudan, Irak, Syrien, Libanon, Jemen; die Existenz Israels ab. Kein anderer Staat lebt in solch einem Zustand.

Wie kommen sie überhaupt darauf zu behaupten, das Israel 1948 das Land gestohlen hätte?!

Die besetzten Gebiete von '67 sind laut Reg.-Beschluss Tauschgebiet in Verhandlungen, welche von arab. Seite kategorisch abgelehnt wurde.

marlowe
 
24.01.2010 13:20
***WIE KÖNNEN SIE VON BESCHENKUNG SPRECHEN?***


...wenn sich 'ÌOVIS' gar so sehr darüber empört ...Israel als britisches Geschenk darzustellen... dann möge er doch erklären, welcher 'zivilrechtlicher Aufbau...' - um nicht zu sagen - welches Geschäft, ausgerechnet im Jahre 1917 (sic!) die Britische Balfour-Deklaration veranlasst hat.

troob
25.01.2010 18:33
Lernen sie Geschichte!

@Marlowe

Dann würden sie nicht solche Fragen stellen!

Die Balfour-Deklaration bestätigte das Recht der Juden als Volk auf einen eigenen Nationalstaat in seiner angestammten Heimat.

Diese Deklaration erkannte zu Recht, daß die Juden in allen Ländern verfolgt, gedemütigt, gefoltert, vergewaltigt wurden, und ihnen ein eigener Staat zusteht - immerhin Jahrzehnte vor dem Holocaust.

Wer heute - 60 Jahre nach der Schoah! - auf diese Weise fragt, agiert in Intention und Inhalt nach gängiger EU-Definition antisemitisch, indem er den Juden das Recht auf einen eignen Staat abspricht!

Das Land wurde dem jüdischen Volk nicht geschenkt: Lesen sie doch die Entwicklung der Politik nach dem Zerfall des osmanischen Reiches, die Wilson-Doktrin, bilden sie sich über die Gründung der modernen Nationalstaaten in Europa (insbesondere am Balkan) und im nahen Osten. Zu diesem Zeitpunkt gab es dort keinen präformierten Staat, und es war zu entscheiden, ob das Gebiet an Syrien angeschlossen werden sollte, ein rein arabischer Staat werden sollte, ein rein jüdischer Staat werden sollte, oder zwischen Arabern und Juden geteilt werden sollte. Diese letzte der vier Varianten wurde gewählt...

Die Deklaration hat übrigens völkerrechtlich bindenden Status, und wurde von Frankreich, den USA und Italien formal anerkannt, woraus sich dann das britische Völkerbundmandat entwickelte, welches am 24.7.1922 von 52 im Völkerbund vertretenen Regierungen formal anerkannt wurde.

Rächer der Zensierten
23.01.2010 14:43
"ist ein Staat .., der seit 60 Jahren um sein Überleben kämpft.

Das ist doch Quatsch. Israel wird vom mächtigsten Staat der Welt mit seiner globalen Militärmaschinerie beschützt. Zusätzlich hat das Land rund 200 Atomwaffen undhat selbst die viertstärkste Armee der Welt.

IOVIS
23.01.2010 21:18
Ein Trauerspiel

Nein, ihre Meinung ist irrgeleitet. Der ständige Kriegszustand (bis heute gelten nur Waffenstillstandsabkommen mit Syrien, Libanon, Saudi Arabien, Irak) führte zu dieser, vielen Israelis unbequemen Abhängigkeit von den USA.

Ziel Israels war und ist es, wirtschaftlicher Motor der Region zu sein. Glauben Sie die vernarrten Siedler machen das Land reich?

Atomwaffen und Armee sind teuer und notwendig, zur Abschreckung. Kein Mensch hat Lust in Israel Generation auf Generation jedes Jahr einen Monat seines Lebens in der Armee zu vergeuden und anderen Menschen das Leben schwer zu machen. Auch Oberste und Scharfschützen brechen in Tränen aus, wenn sie über die Bitterkeit dieser Lage sprechen.

Claus_W
22.01.2010 22:38
Freie Meinungsäußerung?

Die Frage ist ob es bei uns hier recht viel besser ist?

Ich finde es ist nur (noch) nicht so brutal, aber recht viel Unterschied ist eigentlich auch nicht...

Wann werden wir so behandelt wie die? Es ist nur eine Frage der Zeit, oder ob wir es uns gefallen lassen und es so weit kommen lassen...

Andreas S.
23.01.2010 13:40

Du findest das die polizei in israel bei dieser demo brutaler ist wie die polizei in europa? schau dir das bild zum artikel an: die polizisten tragen eine kappe und keine helme, schilde, handschuhe, protektoren, schlagstock etc wie es bei demos in europa ueblich ist. Dein vorurteil geht mit dir durch.

Reddogg
 
23.01.2010 15:07

Von einem Bild auf eine ganze Behandlung der Demonstranten zu schließen finde ich etwas kaltschnäuzig. Denn der Einsatz von gummiummantelten Geschossen, "Sound-Granaten" und anderen Mitteln findet hingegen noch nicht allzusehr großen Anklang in unseren breitengraden, somit würde ich beide Szenerien eher im Gleichgewicht sehen, was wiederum aber nichts über die il- oder legitimität dieser behandlung aussagen soll...

Waldgaenger
 
22.01.2010 22:22
gravierender Verstoß gegen die 4. Genfer Konvention 1949

Die Siedlungspolitik ist ein gravierender Verstoß gegen die 4. Genfer Konvention 1949 , die man machte, damit sich Hitlers Siedlungspolitik in Polen, Ukraine und Lothringen nicht wiederholt, da ist es schon egal wenn man das Grundrecht der Demonstrationsfreiheit weiter eingrenzt, und dann erzählen uns die Poster wieder von der israelischen Demokratie. Nett!

wie jez?
22.01.2010 20:10

bin neugierig ob man in ö noch demonstrieren darf wenn das neue "anti-terrorgesetz", entschuldigung ich meine gesetz zum schutz der homosexuellen (gegen die ich nichts habe) in kraft tritt

Ha Ko
22.01.2010 17:52

Da steht doch wirklich “Regierung” im Artikel. Warum nicht Regime ?

Dubi Schlau
22.01.2010 16:09

Das ist das, was man von diesem bösen Land halten muss (sowas unanständiges aber auch was die da in Haiti machen):

http://www.cnn.com/video/dat... g.cnn.html

bis zum Ende anschauen... davon hört man halt nichts hier in den Medien.

grumbleduke
 
22.01.2010 20:16
Das ist nicht korrekt

Der Standard hat sehr wohl darauf hingewiesen, dass die Israeli mit 250 Ärzten nur drei Tage später vor Ort waren.

Ich verbeuge mich tief vor dieser Leistung Israels! Die UNO sollte sich von Israel unterweisen lassen, wie zivile Notfallprotokolle zu konzipieren, trainieren, und umzusetzen sind.

Trotzdem: Das eine ist Haiti - hier im Artikel geht es aber im israel. Innenpolitik.

Makronaut
22.01.2010 17:11

und wieder geben die leute rot...

Dubi Schlau
23.01.2010 17:57

Leider ist gegen die Verbohrheit vieler Leser hier kein Argument gewachsen. Da kann Israel noch so viel positives auf dieser Welt machen, zählen werden nur die negativen.

linx
22.01.2010 20:40
wundert sie ...

... das noch?

NONE
22.01.2010 16:02

Die Geister die ich rief werde ich nicht mehr los ... ich hoffe das die Israeli zu ihrer ultrarechten Regierung stehen.

I bis
22.01.2010 16:00

Das ist genau die Art von Widerstand, die die Palästinenser weiter bringen kann. Friedlicher, aber hartnäckiger Protest gegen offensichtliches Unrecht.

gemeinsam
22.01.2010 15:54
Israel macht einen großen Fehler

Solange Siedler im Westjordanland leben wird es Gewalt geben. Diese Siedler leben illegal in diesem Land. Diesen Makel wird Israel nie los werden. Israel ist Besatzungsmacht.

Reichy
23.01.2010 00:47
Judäa und Samaria

Ist sich da eigentlich irgendwer bewußt, daß das „Westjordanland" zur Zeit Christi noch Judäa (=Stammland der Juden) und Samaria hieß? Daß dieses Land von Kaiser Hadrian erst nach dem Jahr 135 zur Verspottung der damals von ihm vertriebenen Juden in „Palästina" umbenannt wurde, danach etwa 1900 Jahre lang keinen interessierte und größtenteils unbewirtschaftet brachlag. Bis 1948 das heutige Israel gegründet wurde und in den 70er Jahren Arafat aus größtenteils illegal eingewanderten Arabern (aus dem Hauran = syrisches Bergland) das „palästinensische Volk" erfand?

Shrike
22.01.2010 15:15
Tolles Leuchtfeuer der Demokratie

So sollen also die Segnungen der Demokratie aussehen, die der Westen dem nahen Osten bringen will?

King David
22.01.2010 14:55
Rechtsstaat

"Viele wurden wochen- oder gar monatelang ohne Anklage festgehalten."

Soviel zum Rechtsstaat und der "einzigen Demokratie" im Nahen Osten.

AlBundyFan
 
22.01.2010 15:47
sie machens doch nur dem großen bruder nach

noch haben sie aber nicht genug gelernt - nach monaten lassen sie sie schon wieder frei.

der große bruder hält sie ohne anklage jahrelang fest....da müssen noch ein paar zur ausbildung in die usa.

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