Zeitarbeits-Branche

"Wir verleihen keine Menschen"

22. Jänner 2010 11:50
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    Grafik: APA

Um das Image des Zeitarbeiters steht es nicht zum Besten. Völlig zu unrecht, wie eine Studie nun belegen soll

Leiharbeiter, Leasingarbeiter - Begriffe, die es schon aus humanitären Gründen nicht geben soll, wie Gerhard Flenreiss, Bundesobmann der Personaldienstleister bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) bei der heutigen Pressekonferenz meint. "Ich verleihe meinen Kugelschreiber, ich verleihe aber nicht meinen Mitarbeiter." Ein Missverständnis, das sinnbildlich für die Geschichte des Zeitarbeiters steht. Das öffentliche Bild werde von Klischees und Mutmaßungen dominiert: Zeitarbeiter seien Opfer, die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses sei kurz, die Bezahlung miserabel.

Eine aktuelle Studie zum Thema "Karriereverlauf von Zeitarbeitern" im Auftrag der WKO will das Image wieder ins rechte Licht rücken. Dazu wurden anonymisierte Individualdaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger herangezogen und analysiert. Zielgruppe der Studie waren all jene Personen, die im Jahr 2007 mindestens ein Beschäftigungsverhältnis mit einem Überlassungsunternehmen hatten. Von diesen Personen wurden alle Versicherungsverhältnisse der Jahre 2006, 2007 und 2008 ausgewiesen. Als Fazit hebt Flenreiss hervor: "Zeitarbeit ist kein ausländisches Thema. Es ist wie beim Ski-Springen: Zuerst kommen Österreicher, dann lange nichts, dann ein paar Deutsche und irgendwann die anderen Länder." In Zahlen heißt das: 66,71 Prozent der Zeitarbeiter haben die österreichische Staatsbürgerschaft, an zweiter Stelle kommen die Deutschen mit 8,32 Prozent, auf Platz drei und vier sind die traditionellen 'Gastarbeiter-Länder' Ex-Jugoslawen (7,97 Prozent) und Türken (4,86 Prozent) zu finden.

Hatte die Zeitarbeit ihren Ursprung in der Industrie, um in den Wachstumsjahren schnell auf die steigende Nachfrage reagieren zu können, sind mittlerweile die KMUs die stärksten Nutzer. Drei Viertel der Zeitarbeiter sind Arbeiter, ein Viertel Angestellte, insgesamt 100.000 im vergangenen Jahr. Mehr als 70 Prozent der neu beginnenden Zeitarbeiter waren vor ihrem Einstieg als arbeitslos gemeldet, etwas mehr als die Hälfte wurden nach der Beschäftigung wieder arbeitslos, 26 Prozent gingen danach ein anderes Beschäftigungsverhältnis ein.

Je besser qualifiziert, desto länger die Beschäftigung. Durchnittlich waren zuletzt 42 Prozent zwischen einem und zwei Jahren bei einem Arbeitgeber beschäftigt. Bei 26 Prozent war die Beschäftigungsdauer 24 bis 36 Monate und bei 32 Prozent sechs bis zwölf Monate.

Bessere Entlohnung

Laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger verdienen Zeitarbeiter deutlich besser als die "Stamm-Belegschaft" eines Unternehmens, was an dem eigens für Zeitarbeiter ausgehandelten Kollektivvertrag liegt. Flenreiss rechnet vor: "Vor ihrem Einstieg lag das Monatseinkommen im arithmetischen Mittel im Jahr 2006 bei 1.596 Euro. Die Zeitarbeit sorgte für ein Einkommensplus von gut 300 auf 1.925 Euro pro Monat." Und weiter: "Bei fixer Beschäftigung können Ex-Zeitarbeiter ihr Einkommen auf höherem Niveau stabilisieren - im Schnitt bei 1.834 Euro im Verlauf des Jahres 2008."

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass die Zeitarbeit zunehmend weiblich wird. Während - verursacht durch die Krise in der Industrie - die Zahl männlichen Zeitarbeitskräfte von 54.639 (Stichtagserhebung 2008) auf 43.893 (Stichtagserhebung 2009) zurückging, was einem Minus von fast 20 Prozent entspricht, blieb die Zahl der weiblichen Zeitarbeitskräfte nahezu konstant bei 13.442 (2008) und 13.337 (2009). Insgesamt steigt die Nachfrage nach Zeitarbeitern. Besonders gefragt sind Facharbeiter im Bereich Mess- und Regeltechnik, Ostsprachen und sozialpolitischer Berufe.

Bildungsfonds

"Der Kollektivvertrag für Zeitarbeiter beinhaltet zudem ein Weiterbildungspaket, das die Arbeitgeber dazu verpflichtet, für die Weiterbildung der von ihnen überlassenen Arbeiter zu sorgen", so Flenreiss. Die finanzielle Basis dafür bilde ein Bildungsfonds, der mit Anfang 2007 in Kraft getreten sei. Dieser werde durch eine Bündelung der finanziellen Mittel der Betriebe, der Mitarbeiter und der öffentlichen Hand durch das AMS gespeist und umfasste im abgelaufenen Jahr 1,3 Millionen Euro, erklärt der Bundesobmann. Überhaupt zeigt er sich optimistisch: "Die Aufträge der Zeitarbeitsunternehmen ziehen wieder an. Ein erstes Zeichen für den Aufschwung." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 22.1.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 110
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Stan Laurel
24.01.2010 21:28
Leiharbeit

"Wir verleihen keine Menschen"
So ein Nonsens, sie werden an anderen Firmen verliehen und ausgebeutet, so sieht es leider aus.

Dieser modernen Sklaverei gehört endlich einmal ein Riegel vorgeschoben.

also dann ...
24.01.2010 19:21
a ha ... wieder eine "gekaufte + bestellte" studie ... der WKÖ ?

leiharbeit
gehört wesentlich eingeschränkt als auch NUR dann -höchstens vür 6 monate - zugelassen, wenn sie sämtliche arbeitneherrechte in die verträge wie bei normaler beschäftigung aufnimmt.

es darf keinen graubereich geben !

jo eh
02.02.2010 08:42

"wes brot ich ess, des lied ich sing"?

scheint wohl für einige "studien" zu gelten. auch für so manche "expertInnen", die alles andere denn "unabhängig" sind

frune
24.01.2010 15:32
Genial, diese Grafik! 2/2

Sie können in den kommenden 2 Wochen in unser Büro kommen, um dort einer "ähnlichen Tätigkeit" nachzukommen, oder: Man ordert diesen Mitarbeiter an einen anderen Einsatzort, der eine "ähnliche Beschäftigung" bietet, welcher aber nur nach einer Anfahrtszeit von 2-3 h zu erreichen ist.
Folge: Stimmen Sie einer Einvernehmlichen Beedigung der Arbeitsverhältnisses zu, oder wollen Sie für die kommenden 2 Wochen 4-5 h täglich in den Öffis verbringen?
Wer vorhat, sich einen neuen Job zu suchen, wird die "einvernehmliche" wählen.

Leiharbeit steht vor allem für eines: Die Umgehung von Arbeitnehmerrrechten, begrüsst und gefördert von Arbeitgeberverbänden wie der WKÖ.

frune
24.01.2010 15:22
Genial, diese Grafik! 1/2

Die Sparte: "0-6 Monate Beschäftigung" existiert nämlich gar nicht!
:-D
Ein Gutteil der Leiharbeiter wird immerhin in den ersten 6 Monaten wieder "entsorgt".

Und wenn sich manche fragen, warum so viele Betriebe Leiharbeiter anstellen, sollte man einen wichtigen Vorteil niemals ausser Acht lassen:
Ein Leiharbeiter kann jederzeit fristlos entlassen werden-die Kündigungsfrist, die nach dem Probemonat eigentlich einzuhalten wäre, wird einfach dadurch umgangen, dass die Leihfirma dem Arbeitnehmer eine "ähnliche Beschäftigung" anbietet.
(diese Klausel ist in jedem Leiharbeitsvertrag enthalten)
Somit wird dem rausgeschmissenen Arbeiter von seinem "Partner", der Leihfirma, eröffnet: Wenn Sie auf Einhaltung der Kündigungsfrist bestehn,

nik spitzer
24.01.2010 14:49
Warum überhaupt Leiharbeit?

Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, diese moderne Sklaverei einfach abzuschaffen?
Wenn ein Betrieb einen Mitarbeiter braucht, soll er diesen doch anstellen. Was spricht dagegen?

frune
24.01.2010 16:18
Die WKÖ und die Interessen ihrer Mitglieder

sprechen dagegen.

Immerhin sparen sich Unternehmen, die Leihhackler anstellen:
1. Lohnfortzahlung bei Krankheit (weil: Entlassung). 2. Lohnfortzahlung wenn keine Arbeit anfällt bei schlechter Auftragslage - Rückstellung an Leihfirma, warten auf weiteren Einsatz meist ohne Bezahlung, weil geringfügig beschäftigt oder gar als "neuer Selbständiger".

Andreas Schmidt
24.01.2010 14:26
Der Wappler sucht eine Zeitnina

War selber bei 2 Zeitarbeitfirmen und muß sagen, es ist der totale Horror. Die Leihfirma kann mit einem machen, was sie will, da bist Du ein Niemand und die Verleiherfirma schaut, daß sie das Arbeitsrecht umgeht und den Arbeiter prellt, wo es geht. Nie mehr wieder! Aber noch ärger ist ein freier Dienstvertrag, da kann man sogar offiziell den Dienstnehmer ausbeuten und es so billig wie möglich machen. Eine Schande für Österreich!

M..
 
23.01.2010 22:43
Welcher "KMU" investiert, nur damit er sich das Risiko..

einer normalen Kündigungszeit erspart .... in Leiharbeit und ... mind. 50% mehr an Personalkosten???

Oder glaubt jemand, Personalverleiher arbeiten umsonst?

fischer heimo
24.01.2010 10:50

1) Ein Leiharbeiter statt eines Angestellten = MINUS 100% Personalkosten
2) Leiharbeiter = Sachkosten = als Aufwand gewinnmindernd (und als Sache werden die LA meist auch behandelt ...)
3) LA-Stundenloehne leigen in der Realitatet zw. EUR 6,- und 9,- AngestelltenStdL > EUR 15,-
In dieser Spanne "erwirtschaftet" der Menschenverleiher seinen Gewinn (sonst wurde niemand LA engagieren ...)
4) Kundigungsfrist 1M ist im Verhaeltnis zum gesamtaufwand eines KMU so vernachlaessigbar gering, dass es nichtmal lohnen wuerd ueber LA nachzudenken ...

chelene chirsch
23.01.2010 22:59

es hat ja zwei kernpunkte: kündigungsfristen und rücklagen sparen und die personalaufwände in die sachkosten verschieben.

beides ist für kmu wohl eher nebensächlich, bei einem unternehmen mit weltweit mehreren zehntausend mitarbeitern und einer gewissen ertragspflicht für die aktionäre macht es schon mehr sinn.

M..
 
24.01.2010 17:00
danke für die Info.

Raimund Bahr
23.01.2010 20:03
WKO

Na ja, was ist denn zu erwarten, wenn die Leiarbeiter Zahl neue Höhenflüge in Zeiten der Krise ansteuern. Hire and fire, war zu den besten Zeitend es Kapitalismus möglich. Jetzt sind wir wieder dort wo wir hin wollten. Arbeitskraft als Ware. Brauchen wir Kräfte holen wir sie, brauchen wir sie nicht geben wir sie in die Obhut des Sozialstaates. Das mag für die Wirtschaft gut sein, das mögen die Arbeiter toll finden, das löst aber nicht unser eigentliches Problem, daß unsere Geselslchaft nur wahcsen kann, wenn es Leute gibt, die wenig verdienen, damit das Wachstum bei denen ankommt, die es abschöpfen.
www.bahrforpresident.net

keiner da
24.01.2010 03:22

daß unsere Geselslchaft nur wahcsen kann, wenn es Leute gibt, die wenig verdienen, damit das Wachstum bei denen ankommt, die es abschöpfen.

---

????

Linus Tintifax
24.01.2010 01:26
lieber herr bahr

ihren zynismus (hoffentlich?) in ehren aber wenn sie was verändern möchten, dann wäre wohl ein anderes polit. hochamt geeigneter als jenes des bundespräsidenten (palfraders spitzname "bussibär" für fischer sollte gerade ihnen zu denken geben). und ganz grundsätzlich: um die widerwärtigen gfraster hinter den parteikasperln wirklich nachhaltig unter druck zu setzen braucht man deren waffe, nämlich kapital - sehr, sehr, sehr viel davon. hätten sie dieses wären aber auch sie ein solches gfrast. sie sehen das dilemma? aber wenn ihnen ihre selbstinszinierung reicht, bitte nur zu.

AlexBerlin
23.01.2010 17:55
Liebe Frau Sigrid Schamall!

Dieser Artikel wurde von Ihnen geschrieben. Bitte lernen Sie "Studien" zu lesen. Wenn ich in der Grafik sehe: Verbleibedauer in "einem" Unternehmen (welchem?), dann fehlt komplett die Verbleibedauer 1 Tag bis 6 Monate (wurde schon gepostet), was sicher die meisten der Leiharbeitskräfte betrifft -> unseriös. -> recherchieren. Weiters: das Einkommen steigert sich laut dieser Studie um 300 Euro. Gleichzeitig wird erwähnt das vor dem Einstieg in Zeitarbeit 70% arbeitslos waren. Na da gratuliere ich aber, lieber Zeitarbeitsfirmen. Weiters: ich habe versucht diese "Studie" zu finden, nichts zu machen. Also Frau Schamal, einmal mit Statistik beschäftigen und dann Artikel für eine "Qualtitätszeitung" schreiben, ok? Danke.

mala leche
23.01.2010 21:42

Im Standard wird weder hinterfragt, noch recherchiert, noch analysiert. - Man fragt sich langsam, welche Zeitung noch das Atribut Qualität in Österreich noch führen darf!

karl radek1
23.01.2010 20:16
ist dohc nicht zu viel verlangt,


wenn ich mir von journalisten so was wie kritische distanz wünsche?

jo eh
23.01.2010 22:59

ja, kritische distanz zu euphemistischen studien, die das lied des auftraggebers singen

Keyser
23.01.2010 19:27

In folgendem PDF ist ganz unten ein Link zur Studie zu finden.

http://www.arbeit-eu.info/?download... m-Kurs.pdf

Oder sie nehmen diesen Direktlink

http://www.arbeit-eu.info/?download... h-2009.pdf

Der Titel der Studie lautet: "Studie zur Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter/innen von Arbeitskräfteüberlassern" erstellt von KMU FORSCHUNG AUSTRIA / Austrian Institute for SME Research.

AlexBerlin
24.01.2010 09:33

danke für das Linkposten, aber das ist nicht die erwähnte Studie. Da ist nichts über Verbleibedauer oder Gehaltssteigerungen zu finden.
Das Problem bei solchen Studien: ich mache ihnen jede Studie, mit jedem Ergebnis. Wenn das Design der Studie nicht bekannt ist, ist das so seriös wie Glaskugelschauen. Und fast alle Journalisten (ich kenn jetzt tatsächlich keine Gegenbeispiele) übernehmen diese Zahlen unhinterfragt.

Keyser
24.01.2010 12:22

Oh! Das tut mir sehr leid ... Wenigstens das erste .pdf lässt aber Schlüße darauf zu, worauf die im Artikel erwähnte Studie abzielt. Also war meine Suche nicht völlig umsonst.

Ich halte meine Augen nach der richtigen Studie offen. Vllt. finde ich sie ja doch noch ... :)

AlexBerlin
24.01.2010 12:58

ich auch :)

Duck of Death
23.01.2010 15:03

Geh, echt jetzt, die WKO findet heraus, daß Leih (-eigene)arbeiter ursuper sind.

Naseweiss1
23.01.2010 11:42
Alternative für Leiharbeiter, Leasingarbeiter

Liebe Firmeninhaber, hier noch eine Adresse, wo sie an billigere deutschsprachige Zeitarbeiter kommen. Es ist ein legales und sogar seit Jahren staatlich gefördertes Programm:
http://www.maschinenring.at/default.a... p?tt=MR_R7

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