Berufswunsch Seeräuber

Somalier heuern zu Dutzenden als Piraten an

22. Jänner 2010, 09:06
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    foto: epa

    Somalische Piratenboote, aufgenommen von der portugiesischen Marine. Obwohl die EU-Mission gegen Piraterie Erfolge feierte, halten die Piraten derzeit elf Schiffe mit fast 270 Mann Besatzung in ihrer Gewalt.

Geldflut führt zu Rivalität zwischen Banden in der Hochburg Harardere - Banden liefern sich heftige Schießereien

Mogadischu - Schiffe kapern und Beute machen - was andernorts als Berufswunsch kleiner Buben belächelt wird, ist für junge Somalier bitterer Ernst: Sie werden Piraten, um schnell an viel Geld zu kommen. "Wir bekommen jeden Tag neue Milizionäre, und das ist ein Grund für die steigende Zahl der Angriffe", sagt Abdi Yare, der Anführer einer Piratenbande aus Harardere rund 330 Kilometer nördlich von Somalias Hauptstadt Mogadischu.

Obwohl die EU-Mission gegen Piraterie Atalanta Erfolge feierte, halten die Piraten derzeit elf Schiffe mit fast 270 Mann Besatzung in ihrer Gewalt. In Harardere könnte sich der Geldsegen für die Seeräuber jedoch bald in einen Fluch verwandeln.

"Rund 100 unserer Männer sind gegenwärtig auf der Jagd", erzählt Abdi Yare. "Das ist viel für so ungünstige Wetterbedingungen wie in diesen Tagen. Wenn der Wind sich legt, werden es noch mehr." In Somalia herrscht seit 1991 Bürgerkrieg, die staatlichen Strukturen sind zerfallen, überall grassiert die Arbeitslosigkeit. Eine Karriere als Seeräuber scheint da verlockend: "Wenn Jugendliche, die nichts zu tun haben, von unermesslichen Lösegeldern hören, die die Piraten erbeuten, dann ist das Ansporn genug", sagt Mohamed Abdule aus Harardere.

Piraten weiten Operationsgebiete bis zu den Seychellen aus

2007 genügten ein Enterhaken, ein paar Kalaschnikows und ein kleines Boot, um eines der 20.000 Schiffe anzugreifen, die jedes Jahr auf einer der wichtigsten Handelsrouten den Golf von Aden passieren. Seither aber entsandten mehr als 15 Nationen eine ganze Armada von Kriegsschiffen.

Die Piraten haben darauf reagiert und schlagen jetzt weiter im Osten zu, im Indischen Ozean bis hin zu den Seychellen. Von den ausländischen Sreitkräften zeigen sie sich unbeeindruckt: "Unsere Männer werden die Schiffe auch vor der Nase der ausländischen Fregatten entführen", prahlt der Pirat Hassan Ganey. "Wenn wir Kriegsschiffe sehen, ändern wir einfach den Kurs." Auch der 23-jährige Seeräuber-Lehrling Gure schwärmt: "Das Geschäft floriert. Sie kapern ein Schiff, und ein paar Wochen später haben sie das Geld!"

Die somalische Marine bestätigt die wachsende Popularität der Piraten bei der Jugend des Landes: "Seit einigen Monaten verzeichnen wir eine Steigerung um fast 50 Prozent bei Jugendlichen, die bei den Piraten anheuern", sagt der Admiral Farah Qare. In den Piratenstützpunkten um Hobyo und Harardere schätzten die Einwohner die Zahl der kriminellen Seefahrer im vergangenen Sommer auf rund 500.

Geldsegen durch Piraterie könnte sich als Fluch erweisen

Der bescheidene Fischerhafen Harardere wandelte sich durch die Freibeuter und ihren neuen Reichtum inzwischen zum weltweit bekannten Piraten-Eldorado. Von ihrer Beute haben die Seeräuber einen beträchtlichen Teil an Angehörige und die örtliche Bevölkerung verteilt. Gleichwohl wird ihnen vorgeworfen, dass sie Alkohol, Prostitution und Inflation mitbringen. Auch sonst könnte sich der Geldsegen in der bitterarmen Gegend bald in einen Fluch verwandeln.

In den vergangenen Tagen lieferten sich rivalisierende Banden heftige Schießereien, bei denen sieben Menschen starben, unter ihnen ein unbeteiligter Anrainer. Grund für den Ausbruch der Gewalt war ein Rekordlösegeld von umgerechnet knapp fünf Millionen Euro, abgeworfen aus einem Hubschrauber für die Freilassung des Supertankers Maran Centaurus.

"Wir haben damit gerechnet", sagt Mohamed Sandhere aus Harardere. "Die Kerle haben sich ans schnelle Geld gewöhnt, und in einer Mafia-Organisation heißt es: töten oder getötet werden." Jussuf Moalim Ali, der unter den Piraten vermittelte, sieht weitere Konflikte kommen: "Das Misstrauen wächst, und wir befürchten ein weiteres Drama." Und der Anführer Abdi Yare bestätigt: "Inzwischen misstraut jeder jedem."

Um an frisches Geld zu kommen, werden neue Kaperfahrten geplant: "Wenn das Wetter besser wird, werden sie zu hunderten in See stechen", sagt ein alter Mann, Mohamoud Adan Tuke. "Für 2010 prophezeie ich Ihnen das schlimmste Jahr im Indischen Ozean." (AFP)

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Rittmeister Kopetzký
01
29.1.2010, 17:52
Da wird die WTO aber aufjaulen,

wenn staatlich subventionierte und staatlich finanzierte Marinetruppen den emerging markets in der private-public equity brangsche zur See, den Saft abdrehen! So geht das nicht, mehr privat weniger Staat und die somalischen entrepeneuers mit ihren jungen, hungrigen startups haben sich zumindest ihren Krempel selber finanziert und reinvestiert, da muss die WTO eingreifen und den staatlichen Wettbewerbsverzerrern auf die Finger klopfen! Free and fair solls zugehen, raus mit staatlicher Marine aus dem private market!

Festnetzwiederanmelder
22
28.1.2010, 13:21
Ganz einfach:

Bevor ich verhunger, werd ich auch Pirat.
Denn selbst Prostitution wird dort vermutlich nicht so bezahlt, dass es zum überleben reicht und stehlen an Land geht eben nicht, wenn überhaupt niemand was hat, was man stehlen könnte.

Und jetzt denken alle die, die gegen die Piraten wettern bitte schnell nach, ob sie unter gegebenen Umständen net auch zu Viechern werden würden...

GiordanoB
00
27.1.2010, 19:39

Was heute vor Somalia geschieht war ja bis weit ins 19. Jh. im Mitelmeer ebenfalls üblich.
de.wikipedia.org/wiki/Amerikanisch-Tripolitanischer_Krieg

Ein früheres bekanntes Opfer dieser Form von Geldbeschaffung war etwa auch Miguel de Cervantes (Don Quijote), siehe auch seine Bücher "Sklave in Algier" bzw "In den Kerkern von Algier".

Hugo von Schattenwelt
00
26.1.2010, 17:27
die banker der letzten generation...

Rittmeister Kopetzký
02
29.1.2010, 17:55

Neee, denn wenn der Somali in die geladene Flinte glotzt, gibts kein Backup durch gekaufte Parteien und den ausgenommenen Steuerzahler, die Piraten haben noch Sportsgeist!

Andronikos III
 
00
25.1.2010, 17:09

"...die somalische Marine bestätigt..."
"...Admiral Farah Qare..."

"Somalische Marine"!!! Zum Schreien!
Hahaha!!

Normalmensch
01
24.1.2010, 20:29

Das Vorbild der Somalier ist wohl:
http://www.asterix.com/lexikon/p... /baba.html
:-)

zionic
31
25.1.2010, 11:39
nett und einfach sich über eine unmenschliche Situation lustig zu machen

Keine Kenntnis über globale Zusammenhänge?
Oder lieber davor verschließen, dass wir Industrieländer es sind, die weltweit Situationen wie diese beschwören?

Es reicht nicht die Ausbeutung der Rohstoffe eines jeweiligen Entwicklungslandes, natürlich beharren wir auf die Zahlung bestehender Schulden, verursachen dadurch nur noch mehr Elend. Und damit nicht genug, wir importieren Güter zu Preisen die auf kurz oder lang Märkte zusammen brechen lassen. Schutzzoll hin oder her.

Sowohl die Weltwirtschaft als auch die Weltpolitik haben den Übergang in ein neues Jahrhundert gehörig verschlafen. Gerichtet werden die, die versuchen sich ihrem Schicksal zu entreißen.

Und man sieht mit Distanz darauf, wagt nicht zu begreifen ;)

Bono Nobo
00

Gerichtet werden die, die versuchen sich als selbstgerecht darzustellen, über das Elend in der Welt schwafeln und in Wirklichkeit nichts anderes tun als es vergrößern indem sie sich Computer und Internet zulegen und all den Müll an dem die dritte Welt erstickt und ihre Ressourcen frisst.

Normalmensch
00
25.1.2010, 15:32

Bis auf das "Gerichtet werden die .." stimme ich Ihnen zu.
Wenn sich die Piraten auf die ausländischen Fischkutter (und sonstigen wirtschafts-räubern) in somalischen Gewässern beschränken, dann wäre das menschlich und wirtschaftlich verständlich und sollte die "industrienationen" zum nachdenken anstossen ..

Laurenz G
00
24.1.2010, 18:19
Fast wie bei uns.

Oh my god, Alkohol, Prostitution und Inflation. Das ist ja fast wie bei uns, nur das bei uns das überzählige Geld nicht unter der Bevölkerung verteilt wird. ...Scherzchen.

Gilgamesh
34
24.1.2010, 11:44

Eventuell legt dann auch die internationale Flotte ihre Hemmungen ab und versenkt endlich ein paar von den Mördern, die Entscheidung ein feiger, ehrloser Piratenbastard zu werden, wird ungleich schwerer fallen....

Aber ein paar unserer Gutmenschen haben ja sogar für sdiesen Abschaum verständnis....


Kowosch
 
17
24.1.2010, 12:36
Ich habe ja keine Sympathien für diese Piraten,

aber genauso wenig für Leute, die Begriffe wie "Abschaum" oder "Gutmensch" verwenden.

Irgendwie habe ich solche nämlich im Verdacht, selbst ganz schnell unter geeigneten Bedingungen zu feigen, ehrlosen Verhaltensformen fähig zu sein. Die Geschichte gibt einem da leider des öfteren recht...

pipi pipifax
11
26.1.2010, 10:10

gilgamesch rennt halt staendig mit abschaum vorm mund.

harhar
00
24.1.2010, 14:14
Kowosch

Man könnte sich ja auf das Wort Kriminelle einigen.
Paßt auch besser und ist treffend.

billson
 
00
24.1.2010, 00:41

na gott sei dank habens nicht die black pearl...;)

heiliger strohsack!
03
23.1.2010, 18:52
In Krisenzeiten: Piratenausbildung!


Für Quereinsteiger: AMS-Kurse (Endlich ein Kurs, der was einbringt)
Für Schulabgänger: Duale Ausbildung mit Praktikum und Gesellenstück zum Lehrabschluss
Fachhochschulen mit Schwerpunkt moderne Waffentechnik, Geldwäsche oder Öffentlichkeitsarbeit

...usw

mechaniac
01
euch hol ich alle ein..

..und mach jetzt den Schiffsmeister!

Wennso Weitergeht...
01
23.1.2010, 18:04
Ich frag mich

warum die Musikindustrie nix dagegen tut. Sind das Zustände!

live 1982
00
23.1.2010, 16:43
oh mann wieviel geld braucht ein mann aus somalia um seine familie zu ernähren?

einmal ein schiff kapern müsste doch reichen warum noch einmal un dnocheinmal
sagen wir mal 20 millionen piraten
sie greifen zu 15 an
das macht 133.000 schiffsneführungen...
wieviele hatten wir schon=?

okay meine rechnung geht nicht auf

GiordanoB
02
23.1.2010, 19:30

Schau, die haben ihre Informanten mittlerweile irgendwo in den Häfen (Behörden, Hafenarbeiter - die exilsomalische Community ist groß, weit verstreut und die Einzelpersonen gehören fast alle irgendwelchen Familienclans an), oder Auftrag und Infos kommen gleich von "Geschäftsleuten" übers Satellitenhandy zB aus Dubai.

Die Mär von den armen Fischern die sich bloß zur Wehr setzen sind Legitimationsgeschichten für die westlichen Medien. Immer wieder amüsant, wie einige wohlwollend diese Leute intellektuell unterschätzen.

werwolfi
02
23.1.2010, 16:05

"Obwohl die EU-Mission gegen Piraterie Atalanta Erfolge feierte..."

ah, so wie ein paar gefangene piraten wieder freizulassen, weil ihnen keiner den prozess machen will? ;oP

vallis rosarum
 
30
23.1.2010, 15:44
Vorbild Sir Francis Drake lässt grüßen!

Zumindest unsere britischen Freunde werden - wenn auch verstohlen - Sympathie mit den Somaliern hegen, ist doch einer der größten englischen Volkshelden der schlimmste Pirat des 16.Jh.: Francis Drake.

Und der war weniger zimperlich als seine geradezu "humanen" Kollegen aus Somalia.

Gilgamesh
03
24.1.2010, 11:51

Das Wort "Kaperbrief" und die damit verbundene Legitimität nach damaligem Recht, ist ihnen offenbar unbekannt?

Ebenso dürfte ihnen das Wort "Handelskrieg" völlig unbekannt sein, welcher zwischen Spanien und England stattgefunden hat....

ChesneyB
00
18.6.2010, 12:58

Allerdings ist gerade im Fall von Drake ein Kaperbrief nicht belegt. Und auch nicht, daß er die Fahrten mit Billingung von Elisabth I. unternahm.

In diesem Zusammenhang wäre übrigens auch zu erwähnen, daß die somalischen Piraten eben keine Freibeuter sind - auch wenn das im Artikel steht.

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