Videoüberwachung

Sicherheit mit Restrisiko

21. Jänner 2010, 19:40

Die Menschen fühlen sich sicherer, an Orten, die sie sonst mit dem Gefühl der Unsicherheit verbinden

Ist Videoüberwachung, wie sie jetzt FP und VP für die Linzer Öffis verlangen, eine Erfolgsstory? Erfahrungen andernorts könnten darauf schließen lassen. Etwa in den Eingangsbereichen, Aufzügen und Garagen jener 23 Wiener Gemeindebauten, in denen die technischen Augen bereits montiert sind - ganz legal, weil sie von der Datenschutzkommission bewilligt wurden: Laut dem zuständigen Wiener Stadtrat Michael Ludwig (SP) sind die Fälle von Vandalismus und Sachbeschädigung in den überwachten Gebäuden um 52 Prozent zurückgegangen.

Vor allem aber zeitigen die meist auffällig unauffällig montierten Kameras psychologische Wirkung: Die Menschen fühlen sich sicherer, an Orten, die sie sonst mit dem Gefühl der Unsicherheit verbinden: in Bahnhöfen, auf (Wiener) U-Bahn-Perrons, in U-Bahn-Zügen, wo es Videoüberwachung schon gibt. Wo das noch nicht der Fall ist, verspricht die Forderung, sie einzuführen, Wählerzuspruch; angstreduzierende Maßnahmen machen populär.

Doch bei alldem bleibt ein Restrisiko, nämlich dass die teilweise positive Wirkung von Überwachungstechnologie die Zahl der Schulterzucker erhöht: jener Zeitgenossen, die, wenn sie Zeugen von Übergriffen werden - nichts tun. Weil sie sich darauf verlassen, dass es jemand anderer macht, jemand Befugter und Offizieller vom anderen Ende der Videoschnur. Vertrauen in Sicherheitstechnik kann Zivilcourage ins Eck drängen. Das ist ein Problem. (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Jänner 2010)

Kommentar posten
13 Postings
michael deutinger
00
14.3.2010, 17:52
studie videoüberwachung wien

verbesserung des sicherheitsgefühls am karlsplatz und schwedenplatz fragwürdig:

http://derstandard.at/126654101... hungsstaat

dritter mann
 
01
22.1.2010, 16:21
Was bitte,

nützt mir die Videoüberwachung, wenn mir jemand schon die Nase eingeschlagen hat (um nicht gleich das Schlimmste zu zitieren)? Ist genau der Grund, warum ich auch nix von einem nächtlichen U-Bahn-Betrieb halte. Sicherheit und Sicherheitsgefühl sind nun einmal zwei paar Schuhe - und die Kosten für das bloße "Gefühl" zu hoch.

SK26
00

wenn er es vor der kamera gemacht hat, hat man ein fahndungsfoto, damit besteht immerhin die möglichkeit den täter auszuforschen, ohne foto...träumst du nur davon den täter zu finden....
das problem ist, dass immer kommuniziert wird dass kameras die sicherheit erhöhen, was natürlich schwachsinn ist weil kameras nicht aktiv eingreifen können, aktiv erhöhen können kameras nur die aufklärungsquote, passiv erhöhen sie die sicherheit möglicherweise weil ein täter nicht gefilmt werden will, aber es gibt genügent menschen die kameras einfach ignorieren, aus welchen gründen auch immer

papst benedikt
06
22.1.2010, 14:48

wer in einem land wie österreich ständig unter panikattacken oder einem eminenten individuellen unsicherheitsgefühl leidet, sollte sich vielleicht eher um psychologische betreuung bemühen.
andererseits: wer geht in österreich auf freaks wie mich ein, die sich vor allem vom überwachenden staat und den medialen überwachungsfetischisten fürchten?
und schauen wir mal zurück in die geschichte: was hat denn historisch gesehen das individuum mehr bedroht: individuelle übergriffe oder die staatsmacht?
tatsächlich war/ist die staatsmacht an kriminalität nicht zu überbieten. und der wollen wir freiwillig alle instrumente zur verfügung stellen?
absurd.

Ausgeflippter Lodenfreak
00
22.1.2010, 16:29

Ein kleiner Denkfehler ist aber in ihren Überlegungen, denn die Menschen haben sich ja überhaupt erst zu Gemeinschaften zusammengeschlossen und das Gewaltmonopol an den Staat oder Herrscher ausgelagert um vor induviduellen Übergriffen geschützt zu sein.

papst benedikt
00
23.1.2010, 00:56

und offensichtlich war das keine besonders gute idee...

Simon Peters
02
22.1.2010, 12:53

Überwachung gibt den Menschen das Gefühl von Sicherheit?!? Nur weil willfährige Medien dieses Mantra überwachungswütiger Politiker bei jeder Gelegenheit nachbeten, wird es nicht wahrer. Ich kenne niemanden, der sich wegen Überwachung sicherer fühlt, ganz im Gegenteil! Bitte lieber Standard, wenn die Krone so einen Quatsch verbreitet ist das ok, die muss ja schließlich für Grinsekanzler & Co. Wahlen gewinnen. Der Standard muss/kann das Gott sei dank nicht.

anmahalo
00
22.1.2010, 15:41

Also ich verstehe schon, warum Kameras das Gefühl der Sicherheit geben können. Auch wenn es in der Regel nicht um die persönliche Sicherheit (von Leib und Leben) geht, dann doch um die Sicherheit des (mitbezahlten) Eigentums, wie z.B. das Auto in der Garage, die Glasscheibe der Lifttür, den zerschnittenen Sitz in der U-Bahn. Laut dem roten Stadtrat scheint es auch zu funktionieren. Darum verstehe ich, dass sich Leute durch Kameras sicherer fühlen. Persönlich nachgefragt habe ich noch bei niemandem.
Der letzte von mir beobachtete Drogendeal lief übrigends in einer videoüberwachten U-Bahn ab.

john.carter.denton
00
22.1.2010, 10:31
woher...

...hat frau brickner die information, dass die menschen sich dank videoüberwachung sicherer fühlen? mein subjektiver eindruck ist eher, dass die menschen in diesem land immer mehr zu fürchten beginnen, seit es diesen merkwürdigen sicherheitsdiskurs (ein boulevardblatt hatte gestern gar von "wien in der sicherheitskrise" geschrieben) und dementsprechende maßnahmen wie videoüberwachung überhaupt gibt.

Harald Ecke
 
00
22.1.2010, 10:13
In Stiegenhäusern von Gemeindebauten, kann Videoüberwachung helfen, in UK konnten jedoch lediglich 3% der gelösten Kriminalfälle mit Hilfe von Videoüberwachung gelöst werden

Das Ganze gibt der Bevölkerung also bloß subjektives Sicherheitsgefühl. Warum fühlt sich die Bevölkerung unsiicher? Der Boulevard suggeriert es und gleich dazu, dass die Bedrohung aus 'm Osten käme. Aufmacher, wie das rasante steigen der Ladendiebstähle durch Ostbanden...("Heute") -Ich will nicht wissen, was an Ladendiebstähle von einheimischen Jugendlichen angestellt wird. Woher sollen arbeitslose Jugendliche aus sozial schwachen Schichten das Geld für Markenklamotten haben?
Videoüberwachung schreckt auch keine Bankräuber ab. Es scheinen wirklich alle in die Strache Falle zu tappen und sich bedroht fühlen (in einer der sichersten Städte der Welt).
Ich gebe es ja zu: Ich will keiner Glatzerten Schlägerbande im Dunklen begegnen...

Emiliano Zapata
 
00
22.1.2010, 14:10
Ich will keiner Glatzerten Schlägerbande im Dunklen begegnen...

aber im dunkeln nützt dir die videoüberwachung sowieso nix, weil man darauf nur schwarz sieht...
und es ist eben ein unsicherheitsgefühl, dass der bevölkerung suggeriert wird, weil uns eingeredet wird, dass die wr. u-bahn so gefährlich sei (fahre täglich, nie was passiert)... und in vielen fällen (zb unterführungen) wäre bessere beleuchtung weitaus sinnvoller.
und: was nützt mir die videoüberwachung, wenn ich totgeschlagen wurde? hat mich die kamera dann geschützt? wohl kaum...

SK26
00

Menschen sehen in der Nacht nichts...Technik macht Dunkelheit nichts aus wenn es dementsprechend ausgerüstet ist (Restlichtverstärkung, Infrarot etc) wenn sie tot sind wollen ihre hinterbliebenen vielleicht wissen wer es war und wie, einen Fall klärt man immer leichter wenn man ein foto vom täter hat, und dem rest der gesellschaft ist gedient wenn der täter gefasst wird und nicht den nächsten niedersticht....

anmahalo
00
22.1.2010, 15:46

Die Idee ist, dass der Schläger die Kamera sieht und sich darauf hin mehr im Zaum hält. Da solche Schlägertypen wohl nicht extrem hirnlastige Menschen sind, steht dies wohl nicht zu erwarten.
Den "üblichen" Vandalismus scheint es laut dem Herrn Ludwig zu reduzieren. Laut Harald Ecke hilft es aber kaum, zur Aufklärung beizutragen.
Andererseits sind vor kurzem ein Haufen Fussballschläger aufgrund von Videoaufzeichnungen ausgeforscht worden. Wäre interessant da Daten zu haben, ob die Senkung des Vandalismus nur kurzfristig ist, ob die Vandalen halt dann ein anderes (nichtüberwachtes) Objekt zerstören, und wie das mit der Aufklärungsquote wirklich ist. Kennt da wer Daten?

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