Politik als Super-Show

21. Jänner 2010, 19:09

Mit Glamour und Klamauk wird über die Inhaltslosigkeit hinweggetäuscht

Österreichs Politikern ist wirklich nichts zu blöd. In diesen Tagen lieferten gleich zwei Minister den Beweis dafür: Der Vizekanzler, Finanzminister und VP-Parteichef dieser Republik, Josef Pröll, kürte am Donnerstagabend seinen Superpraktikanten nach einer zehnwöchigen Castingshow. Schon der Aufruf, sich für das einwöchige Praktikum zu bewerben, war an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Nicht zufällig sollten die Aktion und der Titel an die aus dem Fernsehen bekannten Shows zur Ermittlung eines "Supermodels" erinnern.

Im Stil einer Waschmittelwerbung wurde wochenlang in Spots getrommelt: "Bist Du Österreichs Superpraktikant? Du willst das begehrteste Praktikum des Landes? Du willst in die faszinierende Welt der Politik eintauchen?" Versprochen wurde "eine der aufregendsten Wochen des Lebens" - an der Seite von Josef Pröll "wo Politik passiert". Dank dieser Mitteilung bei der Praktikantensuche wissen jetzt alle, die nicht regelmäßig die ORF-Sendungen Seitenblicke oder Chili konsumieren, was "Super-Sepp" Pröll so treibt, wenn er nicht im Ministerium oder im Ministerrat sitzt: "Beim Wiener Jägerball und beim Nachtslalom in Schladming bist du als V.I.P. an der Seite von Josef Pröll live dabei."

Das Praktikum ist unbezahlt - allein das ist eigentlich ein Hohn für all jene, die der sogenannten Generation Praktikum angehören: Junge Menschen sind in der Arbeitswelt von heute häufig gezwungen, unbezahlte Beschäftigungen anzunehmen, um zumindest Joberfahrung zu sammeln. Das ist die Lebensrealität vieler, die die ÖVP mit diesem neuen Politikstil ansprechen will. So gesehen, erübrigt sich dann jede ernsthafte Diskussion um ein Transferkonto.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied holte sich ein Popsternchen an ihre Seite, um ihre Vorstellungen im Bildungsbereich zu promoten. Es war dann aber nicht die Bildungsreform der SPÖ-Politikerin, die für Aufsehen sorgte, sondern vielmehr die Bundeshymne, die Christl Stürmer in eine Rockversion mit dem Text "Heimat bist Du großer Söhne und Töchter" brachte. Schmied wählt auch vorzugsweise Boulevardmedien, um Neuigkeiten in ihrem Ressort oder Ultimaten zu verkünden.

Die Superpraktikantensuche ist "eine Aktion von Josef Pröll powered by ATV, Heute und Kronehit" . Wer sich als Politiker auf dieses Niveau begibt, sucht sich konsequenterweise die richtigen Partner - Privatsender und eine Gratiszeitung.

Wobei die Grenzen inzwischen verschwimmen: Auch der ORF setzt auf Boulevard als Rettung aus der Quotenkrise. Die ZiB 1 dauerte am Mittwoch 17 Minuten, die Konkurrenzsendung Chili 19 Minuten, wobei allein Baumeister Richard Lugner vier Minuten und 29 Sekunden für die Vorstellung seines Opernballgastes eingeräumt bekam. Die Seitenblicke widmeten ihm noch einmal fast zwei Minuten. Kein Politiker erhält so viel Sendezeit.

Die Konsequenz: Politiker verkaufen sich in den Seitenblicken und praktizieren den Proll-und-Promi-Faktor, um überhaupt vorzukommen. So kommen sie in die Schlagzeilen: Mit Glamour und Klamauk statt Glaubwürdigkeit und Kärrnerarbeit. Damit soll über Inhalts- und Konzeptlosigkeit der Politik von heute hinweggetäuscht werden. So wird für alle sichtbar, dass Politik nur noch Show ist. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
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tablespace65
00
25.1.2010, 22:48
Dass Politik nur mehr eine "Show für das dumme Stimmvieh" ist, ist keine neue Erkenntnis, sondern eine Fehlentwicklung, die schon vor 25 oder 30 Jahren begonnen hat!

Bedauerlicherweise sind inzwischen sämtliche in der Politik vertretenen Menschen vom gleichen Schlag: die blau-orange-braunen Dumpfbacken sind nicht wirklich wesentlich ärger oder "böser" als die Grünen Kasperln oder die schwarzen Lobbyisten oder die roten Möchtegern-Arbeitervertreter.

Und man sollte halt nicht vergessen, dass natürlich (s. unten stehendes Posting von "also dann ...") auch die Medien ihr - nicht gerade kleines - Scherflein zur ganzen leidigen Entwicklung beigetragen haben. Selbst "Qualitätszeitungen" wie DerStandard können sich offensichtlich nicht der "Polit-Supershow" entziehen. Man braucht sich ja nur vor Augen zu führen, wie viel Platz Politkasperln wie GRASSER, DÖRFLER, PRÖLL, RUDAS, GLAWISCHNIGG etc. eingeräumt wird.

also dann ...
01
23.1.2010, 14:35
jaurnalismus als n a i v e show - dort sind die sog. qualitätsmedien selbst längst angelangt.

frau föderl :
kehren sie vor ihrer eigenen haustüre ! die kritik an pröll + schmied usw. ist zwar berchtigt, geht aber an den hauptursachen vorbei
= der verwobenheit der medien mit der politik !

speziell im stand:arT ist ja kaum ein journalist imstande eine ordentl. recherche ... seinen 1/4-intellektuellen ergüssen voranzusetzen :
z.b.
- über das korrupte zinsbasierte geldsystem schreibt n i e m a n d, die hauptursache für 40 fin.krisen in 100 jahren ( ! ),
- transfer-konto :
KEIN (standard) journalist ist imstande, aus vorhanden statistiken (lohnsteuer) die grunddaten... zu analysieren.
JA - sie scheitern bereits am begriff : transfer...
(VERSICHERUNGS-LEISTUNGEN sind ja keine !)

machen sie zuerst ihre hausaufgaben ...

Plepe
 
00
22.1.2010, 19:08

Tja, wir leben in einer Postdemokratie. -> http://de.wikipedia.org/wiki/Postdemokratie

Stephan.

grandw
00
22.1.2010, 18:13

Hab jetzt nur Über- und Unterschrift des Artikels gelesen, aber das ist wirklich keine Neuigkeit.

Yudhistira
00
22.1.2010, 18:02
Und das Volk nimmt ungefragt Teil an der Show:

BIG BROTHER

Helmut.Hromadnik
 
00
22.1.2010, 17:43
ich habe gerade

das schubert quartett "der tod und das mädchen" gehört, und dann ihren artikel gelesen, worauf mir spontan einfiel : "das s.....n und die superpraktikantin" !

ein fürchterlicher "absturz" ! so schnell kommt man in die lächerliche realität zurück.

zkk
 
20
22.1.2010, 16:41
"Das Praktikum ist unbezahlt"

gehe davon aus, dass die superpraktikantin für diese woche gratis chauffiert wird, kost und logis bei den diversen veranstaltungsorten übernimmt sicher die övp, aber vor allem die eindrücke als vip bei diversen society events und natürlich im inneren der höchsten pol. entscheidungsfindung ist ein wert an sich. also da würden andere dafür bezahlen ... ;o)

kann man gut finden, muss man aber nicht, man kann es auch als interessanten zugang zu jüngeren wählern ansehen, keinesfalls ist es vergleichbar mit den gratis schnapsrunden in krocha-discos oder den diversen saufpässen der pol. mitbewerber.

nachdem die övp bei den erst- und jungwählern vorne ist, keine schlechte strategie ...

baumfreund
00
22.1.2010, 22:42
darf sie auch im ministerrat zuhören?

das wäre doch das einzig wirklich interessante!
der nachtslalom und dieser andere vip schmarrn ist doch lächerlich,

angus1
01
22.1.2010, 16:08

Pröll und Häupl könnten in einem adipositas-spot der Gebietskrankenkassen als schlechtes beispiel auftreten, das wär wenigsten hilfreich und unterhaltsam.
Aber schimpfen wir nicht zu viel über diese herren politiker. Sonst wollen sie nicht mehr und wer macht dann ihren job ? das ist ja schon jedem zu blöd

William Liberal
22
22.1.2010, 16:06
Die grüne Show - Eva Glawischnig

Hochzeitsfotos von Eva bauchfrei, mit verträumten Blicken vor dem Babyausstatter, mit verrutschtem Träger beim Blutabnehmen ..

Dann war da noch: Babygeflüster beim Sonntagsfrühstück mit Stöckl.

baumfreund
00
22.1.2010, 22:46
gegen die pröll praktikantin und das drumherum

fand ich das eher dezent

Helmut.Hromadnik
 
00
22.1.2010, 17:47
Zum glück

blieb uns bisher "pepi bauchfrei" erspart !

Da ist die glawischnig eine augenweide dagegen.

Susanne_B
00
25.1.2010, 13:36

Augenweide oder nicht - das ist nciht das Thema. Es mutet etwas eigenartig an, dass genau diejenige, die sich ohne Not derart in den Medien präsentiert, dann im Interview klagt, sie müsse eben akzeptieren, dass "Babybauch Feinstaub schlage".

angus1
00
22.1.2010, 16:18

ja wer will denn nicht wissen was kleine beamte so zum frühstück nehmen ?

baumfreund
03
22.1.2010, 15:00
der artikel spricht vielen leuten aus dem herzen!

anscheinend ist der politikerschwachsinn in diesem land nicht mehr zu überbieten.

rw0009
01
22.1.2010, 19:09

Optimist.

Helmut.Hromadnik
 
00
22.1.2010, 17:48
So ist es !

Werner J. Haider
22
22.1.2010, 14:13
Aufmerksamkeitsökonomie

Ich denke, dass das nationalstaatl Prinzip ohnehin nur auf der Umverteilung d Steueraufkommens beruht. Das obliegt eben den Parteien mit ihren Politikern. Show und Glamour sind aber keineswegs ein Phänomen unserer Zeit. Überall werden Paraden, Empfänge, Bankette, "Events" veranstaltet. Eine der ältesten Institutionen dieser Art sind die Militärmusiken. Die wurden allerdings von der Technik überrollt.
Ich für meinen Teil hab genug damit zu tun, in diesen Zeiten einen einigermaßen passenden Job zu finden. Zum Politiker fehlt mir die für Österreich passende charakterliche Eignung ("Radfahrerprinzip: nach oben buckeln, nach unten treten").

fred h
01
22.1.2010, 14:12
dass Politik nur noch Show ist

ihr geburtsjahrgang???????

das ist sie seit mehr als 40 jahren.falls ihnen das bis dato nochnet aufgefalln ist.

Dark-Force Dark-Force
 
70
22.1.2010, 14:11
was ist der unterschied

zwischen der spö parteizeitung und dem standard? für den standard muss ich etwas über einen 1€ bezahlen...

dieser kommentar ist ja wieder einmal eindeutiger beweis, dass das rote pseudo-medien-netzwerk (pressesprecher faymann == ex-standard-redakteur) wahrlich noch funktioniert.

blamabele vorstellung für eine angebliche qualitätszeitung.

elle(s)
00
22.1.2010, 15:38
ist es ihnen tatsächlich entgangen,

dass die spö genauso kritisiert wird, oder wollten sie nicht weiterlesen?
seltsame auffassung, die sie da vertreten!

thadoggpound
00
22.1.2010, 16:09

Seien Sie doch nicht gar so streng... Für jemanden, der Maria Fekter als "eine der besten Innenminister und Innenministerinnen, die Österreich jemals hatte" bezeichnet, ist es doch eine stolze Leistung, sich zumindest durch den ersten Absatz des Artikels gequält zu haben.

Gerhard Grabner
01
22.1.2010, 13:40
Bulevardmedien

Die SPÖ MUSS Boulevardmedien wählen, wenn sie ihre Zielgruppe erreichen will. Die lesen keinen Standard, leider!

Ruebezahl2
02
22.1.2010, 12:57
Zum Kartoffelgesicht:

Fällt mir nicht viel ein, außer dass dieser eine Teil der österreichischen Ausgabe der Kaczynski-Brüder einen seiner „Pressbengel“ „Ideen“ entwickeln ließ, die nun mehr peinliches über ihn sagen als über unser Land. Frau Chef-Redakteurin: Bitte vor den Vorhang! Bravo!!!!

t-bonesteak
78
22.1.2010, 11:54
wie wäre die kritik wohl ausgefallen

hätten die grünen diese aktion gemacht? modern, einblick in die politik, jugend mit der politik in berührung bringen, usw. schätze ich mal.

offensichtlich war es für viele jugendliche reizvoll eine woche mit dem vizekanzler zu verbringen. warum also nicht?

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