Krieg führen per Joystick

22. Jänner 2010, 11:02

Geheimer Kampf mit US-Robotern im Grenzgebiet zu Afghanistan: Der Krieg der Zukunft ist schon heute Realität

Der rasant wachsende Einsatz von Aufklärungs- und Kampfdrohnen im Feldzug der USA gegen Al-Kaida und die Taliban bringt neue ethische Fragen mit sich.

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Auf dem Bildschirm kannst du alles mitverfolgen. Wenn du schießt ist es, als wärst du wirklich vor Ort", erklärt der US-Air Force Pilot Morgan Andrews. Vor Ort ist er nicht: Sein Arbeitsplatz ist ein Hightech-Container auf einer Airbase in Nevada, sein Einsatzgebiet im weit entfernten Afghanistan.

Von der Creech Air Force Base im US-Bundesstaat Nevada wird ein Großteil der amerikanischen "UAVs" (Unmanned Aerial Vehicle) gesteuert. Der in einer Arte-Dokumentation im Dezember des Vorjahres vorgestellte Andrews ist ein sogenannter ‚Drone Operator', einer von vielen.

Die US Air Force bildet bereits jetzt mehr Piloten für das Steuern von Drohnen aus, als für die klassische Luftfahrt. Mit Hilfe von Satellitenbildern beobachten sie, was am Boden vor sich geht. Auf Knopfdruck können sie die Raketen abfeuern, die an den Drohnen befestigt sind. Die "UAVs" haben nicht nur Video-, Wärmebildkameras, Bomben und Laserraketen, sondern können auch bis zu zwei Tage in der Luft bleiben. Die Steuerung erfolgt dabei tausende Kilometer entfernt via Joystick. So gleicht der Krieg immer mehr einem Videospiel.

Der unbemannte Krieg ist auf dem Vormarsch: Allein in den vergangenen drei Wochen gab es zehn dokumentierte Angriffe der US-Streitkräfte im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Bilanz: mindestens 78 Tote und zahlreiche Verletzte. US-Präsident Barack Obama hat in seinem ersten Jahr mehr Drohneneinsätze genehmigt als George W. Bush in seiner gesamten Amtszeit. Er gewährt dem US-Geheimdienst völlig freie Hand.

Für den österreichischen Brigadier Walter Feichtinger ist das keine Überraschung. "Drohnen haben viele Vorteile" , sagt er, "sie liefern detaillierte Aufklärungsergebnisse, sind in ihrer Waffenwirkung präzise, in der Anschaffung günstiger als bisherige Kampfmittel und vor allem: Es werden keine eigenen Leben riskiert" .

Drohnen sind aber auch zu einem Milliardengeschäft geworden, das weiter wächst. Neben EADS oder General Atomics mischt auch ein österreichisches Unternehmen am Weltmarkt mit. Schiebel Electronics, mit Sitz in Wiener Neustadt, hat vor wenigen Monaten einen Deal mit Boeing zur gemeinsamen Herstellung von Aufklärungsdrohnen abgeschlossen.

"Fliegende Roboter nehmen die Belastung von Soldaten und brauchen nur einen Bruchteil des Treibstoffes eines bemannten Flugzeugs" sagt Geschäftsführer Hans Georg Schiebel dem Standard. Er ist sogar der Meinung, der Einsatz von Drohnen hätte die deutsche Bundeswehr vor der Katastrophe in Kunduz bewahrt. Ethische Probleme beim Einsatz bewaffneter Drohnen könne es aber durchaus geben, räumt er ein.

Jane Mayer beschreibt im New Yorker, dass ein Computer des US-Verteidigungsministeriums mittels Algorithmen eine Gleichung über Ziele und etwaige Kollateralschäden aufstellt. Das Ergebnis entscheide über die Authorisierung eines Abschusses.

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 700 Menschen Opfer der ferngesteuerten Luftangriffe, berichtet Associated Press. Das sind weit mehr, als in den Jahren davor. Es gibt keine exakten Angaben über die zahlreichen Opfer, Journalisten sind in den Stammesgebieten von Pakistan nicht zugelassen. "Unseren Drohnenpiloten ist es seit etwa zwei Monaten nicht mehr gestattet mit Medienvertretern zu sprechen" , stellt Major Angie Blair, Pressesprecherin der US Air Force, zudem gegenüber dem Standard klar.

Die große Zahl ziviler Opfer schürt auch die Ablehnung innerhalb der pakistanischen Bevölkerung gegen die Amerikaner. Robert Gates, der US-Verteidigungsminister, traf deshalb am Donnerstag in Pakistan ein. Es ist sein erster Besuch seit dem Antritt des "Drohnen-Präsidenten" Obama vor einem Jahr. Er wolle sich um eine Verbesserung der belasteten Beziehungen bemühen, kündigte Gates an, forderte aber gleichzeitig auch eine Ausweitung des Kampfs gegen die Taliban in den Stammesgebieten.

Der Einsatz von Drohnen ist angesichts der Verluste von über tausend amerikanischen Soldaten in Afghanistan ein wirksames Mittel, dem Krieg im Heimatland mehr Akzeptanz zu verschaffen. Die gezielten Tötungen durch die CIA geschehen weitgehend ohne Kontrolle oder Transparenz, was bei den Vereinten Nationen auf zunehmende Kritik stößt.

Die Illusion einer klinisch sauberen Kriegsführung bleibt Wunschdenken: Laut einer Studie des Brookings Institute kommen auf einen getöteten Terroristen durchschnittlich zehn zivile Opfer. Beim Einschlag einer Rakete werden zwangsläufig auch Menschen in der Umgebung in Lebensgefahr gebracht.

Was bringt dann der Einsatz der fliegenden Roboter? "Einzelne Ziele können bekämpft werden. Aber im Sinne einer nachhaltigen Anti-Terrorstrategie können Drohnen keinen Soldaten ersetzen" , meint der Militärexperte Feichtinger. Die Frage bleibt, ob sich Major Andrews der moralischen Verantwortung entledigt fühlt, wenn er nach getaner Arbeit in Afghanistan seinen Feierabend in Nevada antritt. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2010)

Wissen
Pakistan als wichtiger Partner

Viele Mitglieder von Al-Kaida und den Taliban sind nach dem Krieg in Afghanistan 2001 in die paschtunischen Stammesgebiete im Nordwesten Pakistans geflohen. Von dort aus koordinieren sie ihre Terroranschläge in Afghanistan.

Die CIA steuert daher ihre raketenbestückten Drohnen über pakistanisches Stammesgebiet auf der Jagd nach den Terroristen - ohne offizielle Zustimmung aus Islamabad.

Pakistan ist derzeit der wichtigste Partner für die USA im Kampf gegen den Terror. Berichte von einem geheimen Deal, wonach Pakistan sehr wohl seinen Sanktus zu diesen Einsätzen gegeben und sich das Recht vorbehalten habe, die US-Kriegsführung dafür öffentlich zu kritisieren, sind bisher nicht bestätigt worden.

Der pakistanische Außenminister Shah Mehmud Kureshi hat am 13. Jänner in einer Pressekonferenz die USA scharf kritisiert, sie würden mit ihren Drohnenangriffen die Souveränität Pakistans untergraben und die Qualität diplomatischer Beziehungen aufs Spiel setzen. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2010)

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Schiebel.net

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Gut, also fassen wir zusammen: Im Jahre 2010 (sorry folks, you had to wait for our elections) okkupieren die USA also mit 100.000 Soldaten Afghanistan (weil dort von einer Höhle aus vor fast 10 Jahren angeblich ein hoch komplexer Anschlag dirigiert

dirigiert worden sein soll), ungeachtet der Tatsache, dass sich besagter Höhlenbewohner innerhalb 10 Jahren wohl schon aus dem Staub gemacht haben dürfte und obwohl sie dem Land nie den Krieg erklärt haben und somit mit ihm in Frieden leben, überfliegen sie die Bevölkerung mit unbemannten Roboter-Flugzeugen, die mit ausgeklügelten Algorithmen gefüttert sind, welche selbst Einstein einen längeren Bart als Bin Laden wachsen hätten lassen, und selbstständig über Leben und Tod entscheiden anhand von fehlerunanfälligen Kriterien wie "Turbanträger" oder "finsterer Terroristenblick".

Das sollte eigentlich in den Geschichtsbüchern unserer Kindeskinder stehen, wird es aber nie. Denn die Geschichte wird immer von den Gewinnern geschrieben.

"Jane Mayer beschreibt im New Yorker, dass ein Computer des US-Verteidigungsministeriums mittels Algorithmen eine Gleichung über Ziele und etwaige Kollateralschäden aufstellt. Das Ergebnis entscheide über die Authorisierung eines Abschusses."


Zu sehen beispielsw. in "Eagle Eye" (2008). Ich hab das damals für ein übertriebenes Hollywood-Klischee gehalten. Umso grauenvoller blickt man dann der Realität ins Auge.

Algorithmen?
Siehe auch: http://derstandard.at/plink/127... 1/16407526

"US-Präsident Barack Obama hat in seinem ersten Jahr mehr Drohneneinsätze genehmigt als George W. Bush in seiner gesamten Amtszeit. Er gewährt dem US-Geheimdienst völlig freie Hand."

Wer hätte das vom Friedensnobelpreisträger gedacht? Ich gestehe, ich nicht.

zivile opfer

"auf einen getöteten terroristen kommen 10 zivile opfer". der satz ist unsinn, weil terroristen zivilisten sind. die althergebrachte unterscheidung militär-zivilbevölkerung ist geschichte.

wie würden SIE denn den Satz besser formulieren ?

wer kritisiert sollte auch einen Lösungsvorschlag parat haben

dafür

gibt es keine lösung. wir müssen der tatsache ins auge sehen, das krieg nicht sauber ist. aber mir ist immer noch lieber, er tobt dort, als er tobt hier.
klingt egoistisch, ist es auch.

Sie haben geschrieben "Der Satz [im Artikel] ist Unsinn". Ich habe Sie 2x gefragt, wie Sie den Satz besser formulieren würden (=Lösungsvorschlag), Sie haben darauf noch nicht geantwortet.

sie wollen es nicht verstehen, scheint es

jeder tote jihadist ist ein zivilist. man muss daher immer von zivilisten-opfern sprechen, wenn feindliche kämpfer fallen.

Wenn man nur zwischen Zivilisten und Soldaten unterscheidet haben SIE Recht.
Wenn man aber zwischen Zivilisten, Soldaten und Kombattanten unterscheidet, dann nicht.

Was Sie nur nicht überreißen ist, dass ich Ihnen überhaupt nicht widersprechen möchte (nur das erkennen Sie in Ihrer Schwarz-Weiß-Panik nicht), sondern Sie nur gefragt habe (jetzt schon das 4. Mal!) wie SIE den Satz im Standard umschreiben würden, wenn SIE der Redakteur wären?

die hohe zahl ziviler opfer wundert mich nicht, die taliban führen den krieg ja wie guerillas. die frage ist nur, ob durch UAVs mehr Zivilisten ums leben kommen als durch schusswechsel zwischen soldaten.

von technischer seite aus würd mich interessieren, ob UAVs nicht durch Flak und konventionelle Jagdflugzeuge leichter abzuschießen sind als Bomber?

theoeretisch ja, ...

...aber der Gegner hat keine Jäger und so gut wie keine wirklich effektive bodengestützte Luftabwehr.

"...ein Computer des US-Verteidigungsministeriums mittels Algorithmen eine Gleichung über Ziele und etwaige Kollateralschäden aufstellt."

Ich frage mich, welche daten das Teufelsding zur Berechnung heranzieht: "Weißes Männchen mit grauem Turban ist gleich Taliban; if kein Turban ist nicht gleich Taliban"

- vor diesem Zeug muss man wirklich Angst haben.

krieg ist doch eine tolle werbung!

*würg*

Drohnen-Abwehrsysteme

Eine weitere mögliche Marktniesche für die Waffenlobby wären nun mobil einsetzbare Drohnen-Abwehrsysteme, die im Territorium getarnt verteilt bzw. in die Luft gebracht werden und Drohnen orten können. Bei Gelegenheit gibts'nen Abschuss.

Beim nächsten Anschlag auf Hochhäuser

werden wir uns wieder voll fragen warum, warum nur ?

Na, wegen der CIA natürlich!

Sonst will uns ja bekanntlich niemand was Böses!

klingt ein bisserl nach

...unter'm Führer hätt's des ned geb'n..

:-)

Soviel zum Thema "Terminator 1" ...
http://xkcd.com/652/

das problem sind nicht die drohnen, das problem ist der krieg. Drohnen sind sicher gut für die amerikaner das es keine opfer auf ihrer seite gibt. über die hemmschwelle sollte eigentlidch seit abu graid (ka wie man das schreibt) kein zweifel mehr bestehen.

a) Stimmt; allerdings: Wie soll man einem Haufen halbintelligenter Säugetiere, die sich seit Hunderttausenden von Jahren in kleinen Gruppen zusammenrotten und die Nachbargruppe meist jährlich ausplündern, ermorden und vergewaltigen, wie soll man also dem allzu oft kriegerisch-aggressiven Menschen das Hassen und Töten abtrainieren? Religionen haben's versucht - und waren wenig später selbst Motiv für Kriege.

b) Meinst das Foltergefängnis?
Dass die überwiegende Mehrheit von Menschen, wenn sie der Meinung sind, zu etwas verpflichtet zu sein oder bei Nichterfüllung vielleicht angeschrien werden, bei der Erfüllung so weit gehen, dass sie andere Menschen bis zu Schmerzensschreien quälen und deren Tod in Kauf nehmen, ist seit den 60ern bekannt.

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