Ein armer Hund unter heißer Sonne

21. Jänner 2010, 17:40
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    Ein ernsthafter Mann macht neue Erfahrungen: Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) mit aufreizender Nachbarin (Amy Landecker)

Mit "A Serious Man" kehren die Brüder Joel und Ethan Coen zu ihren Jugendjahren in Minneapolis zurück

... und erzählen von einem jüdischen Mann, der Gott anruft, um sein Unglück zu verstehen.

Wien - Das Leben von Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) folgt zwar keinen so berechenbaren Bahnen wie die physikalischen Gesetze, die er Tag für Tag am College auf die Tafel kritzelt. Doch der gemächliche Lauf der Dinge legt immerhin eine gewisse Ordnung nahe, in der die anstehende Bar Mitzwa seines Sohnes Danny (Aaran Wolff) genauso seinen Platz hat wie die näherrückende berufliche Festanstellung. Gopniks Pech liegt anderswo: Ein solch beschauliches Leben, mit Frau, Kindern und Eigenheim, wird im Kino immer erst interessant, wenn es ins Schlingern gerät.

Die Brüder Joel und Ethan Coen sind für die kalte Ironie berüchtigt, mit der sie ihre Figuren in ausweglose Lagen treiben - noch nie haben sie jedoch ihren Helden so sehr zum Zweifler gemacht, so vehement die Glaubensfrage gestellt. Gopnik, man kann es nicht anders sagen, ist ein armer Hund. Seine Frau (Sari Lennick) möchte sich von ihm trennen, weil sie sich in den verwitweten Freund Sy Ableman verliebt hat (wenngleich ohne "woopsie-doopsie"), sein spielsüchtiger Onkel schläft seit Wochen auf der Couch, die Kinder liegen im Dauerstreit, und im College macht ihm ein koreanischer Student zu schaffen.

"A Serious Man" spielt 1967, aber die kulturellen Umwälzungen dieser Zeit haben diesen Ort noch nicht erreicht. Den Coen-Brüdern dient das Datum mehr als biografische Markierung. Sie sind selbst in der uniformen Vorstadt von Minneapolis, Minnesota, aufgewachsen, so liegt es nahe, diesen Film als einen über ihre Herkunft, Identität und Jugend zu verstehen. Nach dem Nonsensritt "Burn After Reading", in dem ein paar Hollywoodstars seltsamen Hobbys frönten, scheint dies auf den ersten Blick auch ein "ernsthafterer" Film - einer, in dem Persönliches auf dem Spiel steht (und nicht das Spiel sich bereits selbst genügt).

Ungewöhnlich ist schon der Prolog, der in ein jüdisches Schtetl führt, in dem ein Pärchen Besuch von einem Alten bekommt. Der Mann besteht darauf, ihm mit Gastfreundschaft zu begegnen, doch die Frau weigert sich. Sie erkennt in ihm einen Dibbuk, einen bösartigen Wiedergänger. Die Situation gerät außer Kontrolle, ein Unglück geschieht, und so ist schon diese Parabel zu Beginn ein Beweis für die absurden Abkürzungen, die das Leben bisweilen nimmt.

Ungelöste Fragen

Religion ist das zentrale Thema in "A Serious Man". Gopnik wendet sich an HaSchem, an den jüdischen Gott, um einen Grund für sein gehäuftes Unglück zu finden. Doch die Rabbis halten nur neue Rätsel bereit - etwa jene merkwürdige Geschichte eines Goi, auf dessen Zähnen man hebräische Buchstaben entdeckte. Die Art und Weise, wie sich Gopnik weigert, gegen sein Schicksal zu rebellieren, hat vor allem in den USA Kritiker aufgebracht. Im New Yorker bezeichnete ihn David Denby als "Schlep" - als Weichei, dem man nicht folgen will, die bösartige Haltung der Coens wäre überall anders als im Kino untolerierbar.

Die Brüder sind freilich die Letzten, die irgendwelche Fragen nach dem Sinn der Existenz beantworten wollen. Es geht ihnen ja genau darum, dem Blick auf die Menschen eine Ambivalenz zu verleihen, die auch mit der Ungnade eines interesselosen Gottes gleichgesetzt werden kann. Die Strenge, mit der sie (mit Kameramann Roger Deakins) ihre Bilder kadrieren, und die Präzision, mit der sie noch den nebensächlichsten Figuren eigenwillige Details zugestehen, spricht jedenfalls dafür, dass es ihnen um eine Form geht, in der alle müßigen Anstrengungen des Menschen in einem hellen, klaren Licht erstrahlen. Womöglich sind es dann gerade die Schwächen - etwa ein Sonnenbrand, der aus einer aufreizenden Beobachtung herrührt -, die all diese Wichte so erbarmungswürdig erscheinen lassen. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2010)

 

Kommentar posten
24 Postings
Dr. 2Much
00
28.1.2010, 09:20
? Hymnische Postings - maue Bewertung,

wie paßt das zusammen?!
Mir hat der Film nicht schlecht gefallen, aber in meine Top5 der Coen-Brothers-Filme schafft er es dann doch garantiert nicht, da erwarte ich mir mehr von großen, etablierten Meistern. Aber für absolute Newcomer wäre es ein vielversprechender Einstieg gewesen mit dem Fazit: man darf gespannt sein, ob und was nachkommt (wobei hier keine Fortsetzung gemeint ist, das muß wirklich nicht sein!)
Traurig aber wahr: einer der besseren Filme in letzter Zeit, und darüber sollte sich das Kino insgesamt mal Gedanken machen!

Jo Boe
00
27.1.2010, 10:41
Josesf Hader

hätte auch gut für die Hauptrolle gepasst.
Ansonsten wars ein unterhaltsamer, absurd komischer Film, aber aus meiner Sicht bestimmt kein Meisterwerk. Die Geschichte vom gebeutelten Vorstadtantihelden wurde schon zig Mal in allen Ausprägungen erzählt..

lorimar
10
26.1.2010, 01:15

Ein geniales Meisterwerk.

Rosie Bauer
00
24.1.2010, 12:24
Genialer Film!

Umbedingt auf Englisch anschaun (läuft auch OmU). Vorkenntnisse in jüdischer Kultur/Yiddish/Quantenphysik sind förderlich aber nicht Voraussetzung. Superlustig und zugleich auch mit Tiefgang 10/10!

major grubert
00
25.1.2010, 12:16
wieso

vorkenntnisse in quantenphysik?
sind mir da vielleicht einige witze entgangen?

Michael Eisner
00
23.1.2010, 22:47
Hiob

Eine Hiobsgeschicte in den USA?

Gino
 
00
23.1.2010, 12:05

freu mich schon aufs kino!

drumherum gibts nix
00
22.1.2010, 13:23

....mit einer der besten filme der letzten zeit
ein unglaubliches casting
tolle kamera
musik...naja wers mag...auf dauer nervig aber stimmig zum film

...und die story: einfach aber genial

major grubert
00
22.1.2010, 14:48
rabbi nach dem herzstich

ich glaube ich bin hier nicht erwuenscht.
die situation ist wahrlich ausser kontrolle geraten :))

Gerhard Eigner
00
22.1.2010, 13:04
typisch coen...crazy eben

siehe auch
http://de.wikipedia.org/wiki/Burn... _Finger%3F

auch empfehlensqwert

Timagoras
 
00
22.1.2010, 13:00
"wenngleich ohne "woopsie-doopsie""


whoopsie-doopsie!

Longyearbyen
 
36
22.1.2010, 12:50
Durchschnittlich langweilig

Wer noch einen amerikanischen Vorstadtspießer beobachten möchte wie sein Leben von eher sanfteren Schicksalsschlägen ohne große Aufreger durchgerüttelt wird, kann sich diesen Film durchaus ansehen. Allerdings versäumt man absolut nichts, wenn man diesen Film an sich vorübergehen lässt.

7 IMBD Sterne.

Rumo von Zamonien
00
22.1.2010, 14:46

Im Original gesehen!?

ernst thaelmann1
00
22.1.2010, 12:00

genialer atheistischer film irgendwie, und anscheinend sind juden keine guten gastgeber*hehe*. vor allem die nebenrolle des onkels find ich genial und seine diversen ausflüge....

Gerhard Eigner
20
22.1.2010, 12:58
atheistisch ??

der sohn geht zum hebräisch-unterricht, die frau will eine rituelle jüdische scheidung...häh ?

major grubert
00
24.1.2010, 12:28
genau

und der sohn macht schwer stoned seine bar mitzwa :)

Ihr Beitrag wird in Kürze veröffentlicht
00
31.1.2010, 21:35

das war allerdings einer höhepunkte - inklusive "jesus christ"-fluch...

Ernst 3 Jahre alt
00
22.1.2010, 10:31
Big Lebowski 2!

Bitte, bitte, bitte!

selmasupersad
 
00
25.1.2010, 09:32

na na na, welche fortsetzung ist denn bitte besser als der erste teil? genau, gar keine. das passt schon so, lieber alle paar jahre einfach einen neuen coen-film.

politisch verfolgt
00
28.1.2010, 15:20
falsch

pate 2 und sogar 3 sind teil 1 mindestens ebenbürtig.
sowas gibts also doch.

ha:do
00
30.1.2010, 17:01

teil 2 ist teil 1 meiner meinung nach sogar überlegen, aber teil 3? frei nach tony soprano: worum gings eigentlich?

Dr. Bitter
10
22.1.2010, 10:06
Filmkritik eines Unzuständigen

Der Film hat mich einfach umgeworfen.
10 von 10 Punkten.

panenka
01
21.1.2010, 21:22
Meisterwerk

Dieser Film ist großartig. Auf eine ganz eigene Art komisch. Sensationell gespielt, wunderbar aufgenommen. Die Coenbrüder übertreffen sich selbst.

selmasupersad
 
02
21.1.2010, 20:41

ein (für mich) ganz großer film. unbedingte empfehlung!
irgendwie wieder ein typisches coen-werk, obwohl es mir besser als seine beiden letzten gefällt. die schrulligkeit der charaktere ist zum niederknien, die welt von gopnik ist komisch und ernst und verschroben. in positiver erinnerung bleiben auch licht und ton, das komplette setting ist wirklich toll. großes kino im wahrsten sinne des wortes.

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