120 Millionen

Lohnsubventionen gegen Langzeitarbeitslosigkeit

21. Jänner 2010 13:23
  • Artikelbild
    Foto: apa/leodolter

    Mit einem "Arbeitslosen Striptease" anlässlich des 'Tages der Arbeitslosen' demonstrierte eine private Initiative im April des Vorjahres vor dem AMS in Graz.

Im Kampf gegen Langzeitarbeits­losigkeit setzt das AMS neben den Schulungen verstärkt auf Eingliederungsbeihilfen

Wien - Im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit setzt das Arbeitsmarktservice (AMS) neben den Schulungen verstärkt auf Lohnsubventionen in Form von Eingliederungsbeihilfen und wird dafür heuer mindestens 120 Mio. Euro ausgeben. 40 Mio. Euro davon sind im Rahmen der neuen "Aktion +6000" für jugendliche Ausbildungsabsolventen unter 25 Jahren vorgesehen, die aufgrund mangelnder Qualifikation und fehlender Praxis von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht sind. Damit wurde die Zielgruppe für Eingliederungsbeihilfen deutlich ausgeweitet.

Konkret sollen dabei junge arbeitslose Ausbildungsabsolventen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dabei kann es sich sowohl um Absolventen von AMS-Schulungen als auch um Uni-Absolventen handeln. Der Unternehmer, der einen Jugendlichen dieser Zielgruppe einstellt, wird vom AMS mit 50 Prozent des Bruttoentgelts plus 50 Prozent der Nebenkosten für die Dauer von sechs Monaten gefördert. Das AMS hofft, dass über diesen Weg mehr Jugendliche schneller eine Anstellung finden, statt sich mit Werksverträgen, Arbeitstrainings und Praktiken durchschlagen zu müssen.

Wer gefördert wird

Gefördert werden alle Unternehmen, auch gemeinnützige Arbeitgeber. Ausgeschlossen davon sind der Bund, das AMS selbst, radikale Vereine sowie politische Parteien und Clubs politischer Parteien. Beschlossen wurde die "Aktion +6.000" im Rahmen des Arbeitsmarktpakets 3 und ist Anfang 2010 in Kraft getreten.

Die Zielgruppen für die schon länger bestehenden Eingliederungsbeihilfen sind Langzeitarbeitslose und von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Arbeitslose. Das sind vor allem Wiedereinsteiger und Wiedereinsteigerinnen, Arbeitslose mit gesundheitlichen Einschränkungen oder sozialen Problemen sowie gering qualifizierte Jobsuchende und ältere Arbeitslose über 45.

2009 waren in Österreich 36.384 Personen länger als ein Jahr ohne Job oder konnten trotz Schulungen nicht nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden. Das waren um 5,3 Prozent oder um 1.846 Jobsuchende mehr als im Jahr davor. Rund 10 Prozent der Langzeitbeschäftigungslosen waren Jugendliche.

Anstieg der Förderfälle

2009 hat das AMS 29.194 Fälle gefördert. Durch die heuer gestartet Aktion +6.000 wird die Zahl der Förderfälle deutlich ansteigen, rechnet man im AMS. Die meisten Eingliederungsbeihilfen wurden mit 9.337 Fällen im Vorjahr in Wien ausgezahlt.

Der größte Brocken der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind jedoch nach wie vor Qualifizierungsmaßnahmen, auf die 2009 rund 69 Prozent des Budgets von 1,005 Mrd. Euro entfielen. 30 Prozent entfallen auf Beschäftigungsmaßnahmen, in denen die Ausgaben für die Eingliederungsbeihilfen enthalten sind. (APA)

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2
eura
15.02.2010 15:30
schulungsunternehmen

ich arbeite in einem schulungsunternehmen und verdiene oft weniger als arbeitsuchende personen.

jo eh
22.01.2010 12:40

die arbeitsmarktpolitik wird immer kafkaesker.
die arbeitslosen werden wie schachfiguren herumgeschoben.
und sie haben keine lobby, keine interessensvertretung, keine zeitung, keine partei hinter sich.

Nee-Chee
21.01.2010 23:32
Vielleicht hab ich's überlesen,

aber: wo steht, wieviele der 29.194 geförderten Fälle dann wirklich einen dauerhaften Job hatten, und bei wievielen sich die Unternehmen nur herzlich über die Wettbewerbsverzerrung und Subvention gefreut haben? :-(

worry1
21.01.2010 18:45
Damit verdient der Unternehmer/Manager noch

mehr, weil er für noch weniger Lohn einen ausgebideten Sklaven bekommt, der die Arbeit auch tun muß, weil er sonst die AMS-Unterstützung verliert Harz iV läßt grüßen.
Hier wird wieder (Transferkonto) von den Steuergeldern die reiche ÖVP-Klientel bedient.

Arbeiter von Wien
21.01.2010 18:01
Es ist so pervers

wie andauernd getan wird als ob Arbeitslose Menschen schuld daran sind, daß es keine Arbeitsplätze gibt! Ja wohin sollen denn die ganzen Leute integriert werden?

Was hier passiert sind folgende zwei Hauptpunkte:

1) Die Arbeitslosenversicherung wird langsam privatisiert. Ein Riesenbrocken am Budget geht mittlerweie für "Kursunternehmen" drauf, die sich ein goldenens Naserl an unseren Versicherungsbeiträgen verdienen.

2) Lohndruck! Die Politik macht Arbeitskräfte für die Unternehmen noch billiger. Einerseits über solche Zuschüsse (die natürliche wieder von unseren Beiträgen kommen), andererseits sollen Arbeitslose jeden miesen Job um fast keine Kohle machen und daher das Lohnniveau nach unten drücken.

Michael B
21.01.2010 17:48
Wenn die "Minderqualifizierten" jetzt billiger gemacht werden,

werden automatisch die "Qualifizierteren" teurer.
Netter Personalaustausch auf Staatskosten.
So lange das nicht auf ZUSÄTZLICHE Stellen beschränkt wird, ist es sinnlos.
(Besonders die Subvention von "Leiharbeit" ist in diesem Zusammenhang teuflisch, weil der Zusammenhang zwischen Stellenabbau in den Stammbetrieben und dem Ersatz durch (subventionierte) Leiharbeitskräfte nur schwer öffentlich zu machen ist)

Nathaniel Winerib
21.01.2010 16:42
600 Mio für Schikanen

600 Millionen für die Schikanierung der Arbeitslosen unter dem Deckmantel von Schulungen sind doch relativ viel an Steuerverschwendung. Die Schulungsunternehmer wird's freuen.

turn of a friendly card
22.01.2010 12:45

Und die haben auch nichts zu befürchten, wenn man mit den richtigen und ehrenwerten Herren per Du ist....

http://www.profil.at/articles/... nwflogroot

also dann ...
21.01.2010 16:38
nachgefragt : was ich bei der langzeitarb.losigkeit nicht verstehe ist, wieso

man diese menschen nicht komplett für einen neuen beruf ausbildet (in1-2 jahren möglich) staat sie mit monatskursen und sostigem ...vertröstet.

dafür muss doch geld bereit gestellt werden.

Keyser
21.01.2010 18:39

Warum? Weil Bildung / Ausbildung Geld kostet.

Geld, dass stattdessen in die Bildungsmafia fließt, die - zu einem guten Teil - einzelnen Parteien gehören. (Stichwort: Schönung der Statistiken, wie Michael B. schon ausgeführt hat.) BFI u. BBRZ seien hier stellvertretend für viele genannt. (Da es eben die größten "Anbieter" solcher "Kurse" sind.)

Geld, das für tatsächliche Qualifizierungen dann natürlich fehlt - die wesentlich mehr kostet. Nehmen wir an, ein Erwachsener würde eine 2 jährige Ausbildung absolvieren. Das würde um den Dreh herum bis 25.000 bis 30.000 € kosten. Hinzu kämen noch kosten für den Weiterbezug von Nostandshilfe / Arbeitslosengeld.

Wer im AMS-System drin hängt, kommt nur mehr schwer raus, das ist leider so.

WolfgangE
21.01.2010 22:44

d.h. ein 50jähriger soll ein 2 bis 3jährige ausbildung machen und dann findet er einen job?

Keyser
21.01.2010 23:36

Schön wärs - aber so läufts hier eben nicht. :-) Allen hier ist wohl bewußt, das es kaum etwas bringt, 50+ jährige noch einen neuen Job lernen zu lassen, obwohl so ziemlich alles sinnvoller wäre, als sie einfach aus Altenteil abzuschieben. (Also in die viel zitierten Kurse -- wo sie bis zur Rente versauern dürfen.)

Wie unten geschrieben, macht es wenig Sinn, ältere noch einen neuen Beruf lernen zu lassen. Da es inzwischen haufenweise junge gibt, die in den Jobmarkt drängen, mit den geforderten Ausbildungen. Im Endeffekt haben beide - Ältere wie Jüngere - kaum Chancen, um wieder, oder überhaupt, Fuß zu fassen.

Es sieht auch nicht danach aus, als würde sich das in absehbarer Zeit noch ändern.

also dann ...
21.01.2010 22:17
ja - man kommt schwer wieder raus. nur

eine 2 jährige ausbildung kosten kaum weniger als mehrjährige unsinnige kurse (x-mal bewerbungs-schreiben öüben z.b.) die auch keine job-chancen einräumen.

und was sind 10-20.ooo mehr p.a. im vergleich zu den mrd. die den banken im híntern reingeschoben werden - damit sie diese an dividenden auszahlen.

es stinkt im AMS wohl auch gewaltig...
wie (fast) überall - oder ?

Keyser
21.01.2010 22:46
Das ist an sich richtig. Was sind schon ein paartausend Euro - im vergleich zu ein paar Mrd. - die anderweitig, auch in der "Bildungsmafia", versenkt werden?

Es wurde in den letzten Jahren ein dichtes Netz von Deppenkursen und SÖB geschaffen, die nun weiter erhalten werden wollen - und das wird immer teurer und teurer. Da hängen zehntausende Arbeitsplätze dran.

Das Geld fehlt dann natürlich zur Qualifizierung. Für die Finanzierung von Qualifizierungsmaßnahmen muß dann erneut Geld zur Verfügung gestellt werden. Und dabei kommen erst wieder Deppenkursanbieter zum Zug - im Sinne der Orientierungsmaßnahmen - bevor eine solche Maßnahme bewilligt wird. Einen rechtlich bindenden Anspruch darauf gibt es nicht.

Hinzu kommt noch die Frage, ob es Sinn macht, +30 jährige einen neuen Beruf lernen zu lassen, wenn es jüngere gibt? Ein komplexes Problem für das offenbar niemand eine Lösung parat hat.

Michael B
21.01.2010 17:51
Weil diese Maßnahmen ja nur zur verzweifelten Statistik-Schönung dienen.

In keinem Beruf werden derzeit größere Mengen an zusätzlichen Arbeitnehmern benötigt.
Und die "händeringend" gesuchten Fachkräfte sind ja nicht die mit der frisch abgeschlossenen Berufsausbildung, sondern die aus dem Osten mit 10 Jahren Berufserfahrung und Lohnvorstellungen um die 5€/Stunde.
Auf die wartet halt die Wirtschaft seit Jahren....

also dann ...
21.01.2010 22:14
o.k. - die facharbeiter die fehlen

und die IV + WKÖ sucht... - das ist klar.

aber fehlen nicht x-fachkräfte in der pflege + vielen anderen öffentl. dienstleistungen ?

Michael B
21.01.2010 22:57
Es fehlen nicht die Fachkräfte. Es fehlen die DIENSTPOSTEN!

Lieber zahlt der Staat Arbeitslosengeld, als Gehälter für Krankenpfleger, Polizisten, etc.
Das hat mit der Statistik zu tun.
Zwanzig Jahre lang war es modern, auf den "Moloch Staat" hinzuhauen. Deshalb traut man sich nicht mehr, benötigte Bedienstete einzustellen.
Man träumt eher davon, Arbeitslose zwangszuverpflichten, denn dann muß man denen kein reelles Gehalt zahlen. Gleichzeitig kann man die Löhne derer drücken, die noch eine Arbeit haben.

jo eh
22.01.2010 13:27

volle zustimmung

mehr investitionen in den öffentl. sektor - personal wieder aufstocken - schafft sichere jobs, die steuern bringen und würde die soziale erosion, die v.a. durch eine hirnlose arbeitsmarktpolitik beschleunigt wird, stoppen.

der staat hat außerdem nichts davon, wenn er unternehmen gratishakler zu verfügung stellt. er trägt die lohnkosten und nach 6 monaten sind die leute wieder beim AMS. dafür wird der primäre arbeitsmarkt ausgedünnt und die zahl steuernbringender, noch ordentlich dotierter vollzeit-angestelltenverhältnisse weiter reduziert.

dadurch sinkt das steueraufkommen, der sozialstaat kommt ins trudeln und dann beten neoliberale lobbyisten scheinheilig das lied vom "unfinanzierbaren" sozialstaat vor.

turn of a friendly card
22.01.2010 21:14

Warum privatisiert dieser Staat "seine" Leistungen dann so eifrig? Ist es eventuell der Staat selbst, der da schizophren agiert, indem ER "privater Profiteur" einerseits und Vater Staat andererseits, was gleichzeitig natürlich im Bereich des Unmöglichen ist, geben will?

http://www.kiv.at/servlet/C... 5826672509

Oder dienen diese Privatisierungsspielchen dazu, als Staatsabteilung A Steuergeld an "privatisierte Staatsabteilung" B,C und H rüberschieben zu können, ohne vom Wähler oder Parteimitbewerber kontrolliert werden zu können? Der Sinn aus Perspektive des Steuerzahler und Bürgers erschliesst sich leider nicht!

jo eh
22.01.2010 22:31
es ist nicht "der staat"

sondern jene, die staat in geiselhaft genommen haben - nämlich die neoliberalen wirtschaftslobbyisten und ihre willfährigen politischen erfüllungsgehilfen

Martin vom Dach
22.01.2010 09:26
wodurch ist denn die Anzahl der "Dienstposten" festgelegt?

Und was müsste man denn tun, damit es mehr "Dienstposten" gibt?

Christoph Karl Steininger
21.01.2010 16:19
ältere Arbeitslose über 45

Man merke auf: Über 45 bist du alt und unbrauchbar!

Michael B
21.01.2010 17:42
Bis 25 bist du unerfahren und verdienst einen Schmarrn.

In der Zeitspanne dazwischen solltest du 45 Beitragsjahre erwerben, für die Privatpension einzahlen, dabei fest konsumieren (möglichst auf Kredit), 2-3 Kinder aufziehen und dich dabei weiterbilden und nur moderate Lohnerhöhungen verlangen, um das zarte Pflänzchen Konjunktur nicht zu ersticken.
Dann gehts der Wirtschaft gut....

Keyser
21.01.2010 16:11
"Gefördert werden alle Unternehmen, auch gemeinnützige Arbeitgeber"

So schlecht, wie die Eingliederungsbeihilfen bisher ankamen, steht das nicht zu befürchten. 2010 ist bereits der dritte Anlauf - mit der Beihilfe Jugendliche, und vielmehr auch, junge Erwachsene in das Erwerbsleben zu integrieren.

Da diesmal auch die "gemeinnützigen Arbeitgeber" für Förderungen anstehen dürfen - wirds schon werden ... Die haben ja genügend Kapazitäten, die, dank anderer Förderungen, beliebig ausgeweitet werden können.

Grüße an die SÖB, und gemeinnützigen Personalleasing Unternehmer. =)

FerdlGriesgram
21.01.2010 15:46

Bitte, ich hätt' da eine Frage: Wie definiert das AMS "radikale Vereine"?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 47
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.