"Dienstrechtlich kann gar nichts passieren"

21. Jänner 2010 13:07

Bildungsstandard-Projektleiterin Friedl-Lucyshyn über erfolglose Lehrer und eine neue "Aufgabenkultur"

2012 wird es so weit sein: Die Schüler der vierten Klassen an Hauptschulen und Gymnasien in Österreich werden zum ersten Mal flächendeckend und einheitlich auf ihre Leistungen in Deutsch, Englisch und Mathematik überprüft. Ein Jahr später wird es erstmals auch entsprechende Tests für die vierten Klassen der Volksschulen in Deutsch und Mathematik geben.

Gabriele Friedl-Lucyshyn ist am Bundesinstitut für Forschung, Innovation und Entwicklung im österreichischen Schulwesen (BIFIE) für die Prozessbegleitung bei der Einführung von Bildungsstandards zuständig. Anlässlich einer Multiplikatoren-Tagung in Salzburg diese Woche traf sie sich mit Markus Peherstorfer zum derStandard.at-Interview.

***

derStandard.at: Ab Frühjahr 2012 werden Österreichs Schüler in den vierten Klassen der Hauptschulen und Gymnasien erstmals flächendeckend Bildungsstandards-Überprüfungen unterzogen, ein Jahr später wird es dann auch in den vierten Klassen der Volksschulen so weit sein. Was bringen diese Leistungsmessungen dem österreichischen Schulsystem?

Friedl-Lucyshyn: Die Bildungsstandards beschreiben nicht, welchen Stoff Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht behandeln sollen, sondern sie definieren, was an wichtigen Stellen im Schulsystem als Ergebnis da sein soll, was Schülerinnen und Schüler dann auch beobachtbar und messbar können sollen. Was sie können sollen, sind Grundkompetenzen, also jenes Wissen, jene Fähigkeiten, die sie fürs Weiterkommen im Fach und in der Berufswelt wirklich brauchen.

Damit das auch wirklich ins System kommt, sind zwei Dinge nötig: Einerseits die regelmäßige Überprüfung der Leistungen der Schülerinnen und Schüler, andererseits die so genannte Prozessbegleitung: Was passiert im Unterricht vor den Überprüfungen und was passiert vor allem danach, wenn die Ergebnisse vorliegen? Es soll jedenfalls bringen: Verbesserte Lernergebnisse, bessere Chancen für unsere Schüler, mehr Transparenz, aber auch mehr Verbindlichkeit dessen, was Schule leisten soll.

derStandard.at: Was soll sich durch die Einführung der Bildungsstandards konkret im Unterricht ändern?

Friedl-Lucyshyn: Es soll mehr Nachhaltigkeit geschaffen werden. Das heißt: Es sollen Kompetenzen so aufgebaut werden, dass sie zum entscheidenden Zeitpunkt auch abrufbar sind. Viele Kolleginnen und Kollegen leisten da schon ausgezeichnete Arbeit, aber ich denke, es gibt noch einiges zu verbessern.

Wir wollen davon wegkommen, dass wir über Aufgabenstellungen im Unterricht und in Prüfungssituationen flüchtig angelerntes Inhaltswissen überprüfen - weg vom mechanischen Reproduzieren, hin zu einer Aufgabenkultur, die Schülerinnen und Schülern ihre eigenen Lösungswege, die Anwendung von Wissen in möglichst vielfältigen und lebensnahen Situationen ermöglicht.

Zum Beispiel: Eine Lehrerin gibt eine Hausübung. Und anstatt den Schüler nur mehr die Verbesserung schreiben zu lassen, indem er kopiert, was die Lehrerin ihm schon als Lösung geliefert hat, markiert sie nur einmal jene Passagen, die verbesserungswürdig sind. Damit sollte der Schüler anhand der Regeln die Aufgabe selbst richtigstellen können.

derStandard.at: Wie wollen Sie den Lehrern diesen kompetenzorientierten Unterricht schmackhaft machen?

Friedl-Lucyshyn: Es ist unsere Aufgabe, Lehrerinnen und Lehrern Materialien, Instrumente, Konzepte zur Verfügung zu stellen, die möglichst ohne großen Mehraufwand einsetzbar sind und die hoffentlich zu verbesserten Lernergebnissen führen. Das sind zum Beispiel Aufgabensammlungen, die auf unserer Homepage abrufbar sind. Wir haben auch Videovignetten produziert, die anhand von gefilmten Unterrichtssequenzen Kompetenzaufbau im Fach veranschaulichen. Die sind in der Lehrerausbildung, aber auch in der Arbeit von Fachgruppen am Standort einsetzbar.

Ein ganz wichtiges Instrument, das eine wirkliche Innovation im österreichischen Schulwesen darstellt, sind so genannte Diagnoseinstrumente. Das sind Sammlungen von Aufgaben, die ähnlich aufgebaut sind wie die Standards-Überprüfungen selbst. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten diese Aufgabenstellungen online, und Lehrerinnen und Lehrer bekommen innerhalb einer Woche eine Rückmeldung über den Lernstand einerseits der Klasse, aber auch jedes einzelnen Schülers, und das nicht nur auf das ganze Fach bezogen, sondern differenziert nach den einzelnen Aspekten eines Fachs.

Zum Beispiel bekommt der Lehrer beim Schreiben in Deutsch präzise zurückgemeldet, wie gut Schüler bei der Gliederung von Texten sind, in der Wortwahl, im Satzbau, in der Rechtschreibung. Er kann dann sowohl seinen ganzen Unterricht nachsteuern als auch, wenn er eine besondere Schwäche an einem Schüler wahrnimmt, sich halt besonders um diesen Schüler kümmern. Das ist ein Selbstevaluierungs-Tool für den Lehrer, die Ergebnisse erfährt sonst niemand. Es ist nicht der Sinn, da eine Leistungsschau draus zu machen.

derStandard.at: Wie reagieren denn Lehrer darauf, wenn - überspitzt formuliert - das BIFIE daherkommt und ihnen das Unterrichten erklärt?

Friedl-Lucyshyn: Ganz unterschiedlich. Es ist nicht leicht, den Gedanken des Kompetenzaufbaus wirklich zu transportieren. Die Reaktionen reichen von fast ein bisserl beleidigt bis hin zu "Ja, das ist eigentlich genau das, was wir brauchen". Die große Diskrepanz zwischen dem, was über Jahre an Engagement in den Unterricht investiert wurde, und dem, was am Ende bei den Schülern wirklich abrufbar ist, ist jetzt oft groß. Durch die Bildungsstandards erhoffen sich viele Lehrer eine Verbesserung.

In Englisch zum Beispiel war es für mich ein Aha-Erlebnis, dass Lehrerinnen und Lehrer gesagt haben, selbst sehr gute Schüler in der vierten Klasse konnten über ganz einfache Themen, die in der zweiten Klasse behandelt worden waren, nicht mehr spontan zwei, drei Minuten plaudern. Wir behandeln immer noch zu oft ein Thema, dann wird das bei der Schularbeit abgeprüft und dann kommt das nächste Thema. Lieber ein bisschen weniger, und das sitzt dann dafür.

derStandard.at: Kritiker sagen, dass die Standards die Bildungsziele auf wenige, leicht überprüfbare Kompetenzen in den Hauptfächern einengen und andere Inhalte dadurch auf lange Sicht an den Rand gedrängt werden könnten.

Friedl-Lucyshyn: Es ist richtig, dass die Standards nur die Kernbereiche eines Fachs abdecken - jene Grundkompetenzen, die jedenfalls da sein müssen, damit ich weiterkomme -, und dass die Lehrpläne sehr viel mehr umfassen. Ich glaube aber, dass es kein geringer Anspruch ist, diese Grundkompetenzen so zu vermitteln, dass sie jederzeit vorhanden sind. Ich glaube, dass wir uns im Schulbetrieb manchmal ein bisserl überschätzen. Was ist der Sinn, wenn ich unendlich in die Breite und in die Tiefe gehe, sich das dann aber sehr bald wieder verflüchtigt?

Zum Beispiel wenn in der vierten Klasse in Englisch das Thema der nordamerikanischen Ureinwohner durchgenommen wird - das ist selbstverständlich interessant, soll auch gemacht werden. Aber es ist mindestens ebenso wichtig, dass Schülerinnen und Schüler grundlegende Alltagssituationen - einen Fahrplan lesen, nach dem Weg fragen, ein einfaches Einkaufgespräch, ein höfliches Gespräch am Frühstückstisch - nach vier Jahren Englisch abwickeln können.

Und ich wage zu behaupten: Nur wenige Absolventen der achten Schulstufe können, wenn sie das erste Mal nach England kommen, höflich sagen: "Nein danke, ich habe jetzt genug." Das halte ich für ein mindestens ebenso wichtiges Bildungsziel wie andere. Aber die Verantwortung bleibt beim Lehrer selbst. Wenn ein Lehrer sagt, na gut, dann drille ich nur mehr das - dann verfehlt er seinen Bildungsauftrag.

derStandard.at: Hat die Aufregung um zu persönliche Fragen bei einer Zusatzerhebung zur Ausgangstestung für die Bildungsstandards im Frühling diesem Projekt in der öffentlichen Wahrnehmung geschadet?

Friedl-Lucyshyn: Ich fürchte, ja. Was wir damals falsch gemacht haben, war: Wir haben nicht gut genug informiert, was da gefragt wird.

derStandard.at: Wer entscheidet denn bei den eigentlichen Bildungsstandards-Überprüfungen darüber, welche Aufgaben drankommen?

Friedl-Lucyshyn: Das ist ein ganz komplexer Prozess. Entwickelt werden die Aufgaben zuerst einmal von Lehrerinnen und Lehrern, die speziell dafür eingeschult werden. Sie werden begleitet von Testpsychologen und Fachdidaktikern an der Universität. Dann gehen sie in eine intensive Feldtestung: Sie werden an Schülerinnen und Schülern erprobt, durchlaufen mehrere statistische Verfahren, die zum Beispiel feststellen, ob die Aufgabenstellungen die nötige Streuwirkung haben. Es sitzen nicht zwei Lehrer in einem Kammerl und sagen: Das sind die Standards.

derStandard.at: Werden die Aufgaben für jeden Durchgang neu entworfen? Oder kann man jedes Mal die gleichen Fragen stellen?

Friedl-Lucyshyn: Die Aufgabenstellungen gehen ja, im Unterschied zur Zentralmatura, nicht in die Öffentlichkeit. Die sehen nur die Schüler. Das heißt: Man muss sie nicht alle austauschen. Es wird immer ein bestimmter Prozentsatz neuer Aufgaben hineingemischt, wobei das von Fach zu Fach unterschiedlich ist.

derStandard.at: Für Schüler haben die Ergebnisse der Bildungsstandards-Tests ja keine Auswirkungen auf die Notengebung, für Lehrer können sich sehr wohl Folgen ergeben. Können Lehrer bei diesen Tests schummeln?

Friedl-Lucyshyn: Nein, schummeln in diesem Sinn nicht, denn sie kennen ja die Standards-Überprüfungen nicht. Sie können die Schüler im Lauf von vier Jahren gut vorbereiten, indem sie diese Grundkompetenzen aufbauen. Die Überprüfungen beziehen sich ja nicht auf den Stoff des letzten halben Jahres, diese Kompetenzen kann man nicht durch ein paar Beispiele drei Wochen vor der Testung aufbauen. Die sind entweder da - und dann kann der Lehrer oder die Lehrerin vorher noch einmal einiges festigen - oder nicht.

derStandard.at: Welche Konsequenzen kann es denn für einen Lehrer geben, der bei den Überprüfungen immer schlecht abschneidet? Oder für eine Schule, die im Vergleich zu ähnlichen Schulen immer schlecht abschneidet?

Friedl-Lucyshyn: Sie sprechen einen sehr heiklen Punkt an. Dienstrechtlich kann einem Lehrer gar nichts passieren. Ein Lehrer muss nur dann mit Konsequenzen rechen, wenn er das Dienstrecht gravierend verletzt. Ein Lehrer bekommt im Idealfall Unterstützung dabei, sich zu verbessern. Der Schulleiter kann ihn immer wieder dazu auffordern, an sich zu arbeiten, in Fortbildungen zu gehen, ihn hospitieren - das ist sicher keine besonders angenehme Situation.

Das ist sozusagen eine Reform "soft". Ich weiß auch, dass manche Leute das kritisieren. Die sagen, es müsste eine verpflichtende Rechenschaftslegung von Seiten der Schulleitungen bestehen. Wenn ein Schulaufsichtsbeamter so dynamisch ist, dass er von Schulen, wo sich Schwächen zeigen, einen Maßnahmenkatalog fordert, dessen Erfüllung er dann auch überprüft - dann passiert das, was passieren soll. Aber eine gesetzliche Verpflichtung dazu besteht nicht. Das liegt an den handelnden Personen. Aus unserer Sicht wäre eine Verbindlichkeit dieser Rechenschaftslegung notwendig. Das ist der Punkt, der noch fehlt.

derStandard.at: Lohnen sich jene 42 Millionen Euro, die die Einführung der Bildungsstandards bis 2014 insgesamt gekostet haben wird?

Friedl-Lucyshyn: Sie werden von mir sicher nicht erwarten, dass ich Nein sage. Erst in zehn Jahren wird man sagen können, in welchem Ausmaß die Bildungsstandards zu einer Verbesserung im Schulsystem geführt haben. Es ist sicher ein längst fälliger Schritt gewesen. Wir waren eines der letzten europäischen Länder, wo an keiner Schnittstelle des Schulwesens geschaut wurde, wo wir hingekommen sind. Österreich ist jetzt wach geworden und setzt sich damit auseinander. (derStandard.at, 21.01.2010)

Zur Person:

Gabriele Friedl-Lucyshyn leitet im Bundesinstitut für Forschung, Innovation und Entwicklung im österreichischen Schulwesen (BIFIE), das seinen Hauptsitz in Salzburg hat, das Zentrum für Innovation und Qualitätsentwicklung in Wien. Dort ist sie für eine Reihe von Projekten verantwortlich, die mit der Einführung der Bildungsstandards zu tun haben. Bevor sie in die Schulaufsicht wechselte, war Friedl-Lucyshyn AHS-Lehrerin.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2
Clemens Schwarz
07.02.2010 18:15
Sorry, der Ansatz mit dem Hinweis: " Da ist ein Fehler, schau hin", ist falsch.

Es wird die wichtigste Grundregel der Lerntheorie verletzt. Alles was man anschaut, lernt man, auch die Fehler.

Es werden meist nur Ansätze entwickelt, die für "gute Schüler" taugen. Ein guter Schüler kann mit dem Vorschlag, den Frau Gabriele Friedl-Lucyshyn macht umgehen. Mehr wie ein Vorschlag kann es nicht sein, denn sie weiß nicht, was sie damit bewirkt

Frau Gabriele Friedl-Lucyshyn ist AHS Lehrerin und durch das Schulsystem sozialisiert worden. An diese Stelle sollten aber Lernforscher, die sich auch trauen die richtigen Lerntheorien den Lehrern bzw. der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Es krankt nicht bei den Schülern, es krankt bei den Lehrern. Ich bin für eine Lernkontrolle bei den Lehrern.

Ich gebs zu
07.02.2010 18:28
Na geh,

Sie bezweifeln ernsthaft ihre wissenschaftliche Kompetenz?

Dann werden Sie womöglich auch nicht von der bahnbrechenden Erkenntnis überzeugt sein, dass "weniger oft mehr" ist?

smid
05.02.2010 08:43
Einfach zum Nachdenken

Konzentration auf Lernergebnisse ist nicht neu, jene auf Kompetenzen vierlerorts auch nicht. International geht der Trend dorthin und im Zuge von schulautonomen Lehrplänen und zwecks Vergleichbarkeit auch sinnvoll. Es geht allerdings um die Begleitmusik (Verunglimpfung von Experten, mit wenig Ahnung von den Problemen, die in einigen Beiträgen geschildert werden), Leute an Schaltstellen, die nie unterrichtet haben, und um das Wie. Vor learning for the tests, wird bereits im EU Bericht zu Bildung u Ausbildung kritisiert (auch in FI trimmt man Schüler auf PISA, Euro-ur World skills). Wer die Ausschreibung für BIFIE Mitarbeiter für Standards gelesen hat, kann sich bereits ein Bild machen. Schade

Alfred Moosbrugger
04.02.2010 09:00

Wichtig wäre es zunächst einmal alle Schüler, die nicht Deutsch können (gar nicht wenige, oft trotz österr. Staatsbürgerschaft), nicht im Regelschulbetrieb mitzuschleppen, sondern wie in Schweden ein Jahr gezielt zu fördern und erst dann wieder in den Regelschulbetrieb aufzunehmen. In Österreich wird weitgehend ohne Förderung mitgeschleppt, sodass die ganze Schule darunter leidet und dann Schüler weiterführende Schulen besuchen dürfen, die dort nichts verloren haben. die handelsschulen sind deshalb schon länger nichts mehr wert, in anderen schulen geht es schön langsam damit los.
auch mit paragrafen (hs, zweite leistungsgruppe und dann z. B. übertritt ins gym ohne prüfung) sollte man nicht mehr so inflationär umgehen.

Alfred Moosbrugger
04.02.2010 08:53
ö. bildungspolitik = ablenken von den eigenen versäumnissen

diese frau kann in den letzten jahren gar nicht an den schulen gewesen sein oder sie biegt die wahrheit bewusst.

tatsachenbericht: schüler mit migrationshintergrund (ö. staatsbürger, hier geboren! ohne perspektiven: ziel: eltern kassieren familienbeihilfe so lange, wie möglich, ohne dass der sohn arbeiten muss - hat er mir selbst so gesagt!), ca. 19 jahre alt, 1. has (schon zum dritten mal), prüfung zw. 4 u. 5 in deutsch zum halbjahr:
aufgabe: setze in die mitvergangenheit: "ich bin gegangen" - schülerantwort: "ich gegingen".
einen text von mira lobe konnte er nicht nacherzählen (kein basales textverständnis), (das sind keine einzelfälle mehr) und da will der staat uns suggerieren, die lehrer seien schuld an der misere?
schande!

ride my pimp
04.02.2010 08:15
Lucyshyn: Lesen Sie das SchUG!

freuen wir uns auf die zukunft: lehrer werden dann froh sein müssen, überhaupt unterrichten zu dürfen, und wer länger dabei ist, schaut, dass er eine schule auf dem land erwischt, mit von haus aus guten und talentierten schülern aus besseren häusern, weil dann gilt er als genie und bekommt leistungsbezogene gehaltszulagen und kommt nur so auf ein einigermaßen vertretbares gehalt.
der lehrer in der stadt gilt als loser, weil: wenn eine klasse schlecht ist, ist der lehrer schuld, egal wo, egal wie lange er die klasse schon unterrichtet, egal, wie kooperativ die schüler und eltern sind.

ich meine: diese frau sollte einmal das schulorganisations- und schulunterrichtsgesetz lesen, das wir gottseidank noch haben!

ride my pimp
04.02.2010 08:09
Dieses Statement sagt wohl alles!

"Zum Beispiel wenn in der vierten Klasse in Englisch das Thema der nordamerikanischen Ureinwohner durchgenommen wird - das ist selbstverständlich interessant, soll auch gemacht werden. Aber es ist mindestens ebenso wichtig, dass Schülerinnen und Schüler grundlegende Alltagssituationen - einen Fahrplan lesen, nach dem Weg fragen, ein einfaches Einkaufgespräch, ein höfliches Gespräch am Frühstückstisch - nach vier Jahren Englisch abwickeln können"

Das zeigt, wie weit weg diese BIFIE-Leute von der Schulrealität sind, mehr nicht.
Im Übrigen wird mit derart undifferenzierten Aussagen nur eines erreicht: Schule wird diskreditiert, damit diese Leute ihre politischen Utopien (nachzulesen bei Orwell, Animal Farm) etablieren können.

xerxes
30.01.2010 11:01
Ob Einstein standardisiert war ?

Nach den BIFIE-ExpertInnen - sicher ja !

Saurer Zivi
22.01.2010 08:45
der große Wurf ist damit wirklich nicht gesichert, sondern nur ein verschieben von Inhalten...von den Ur-einwohnern Amerikas und den sagenumwobenen Geschichten der Rothäute weg zur Alltagssprachlichkeit. Meinetwegen.

Aber: Frau Friedl-L. sollte uns doch einmal klipp und klar sagen, was nun genau ein Fehler im Englischen ist!

Fix etablierte Standards nach denen die heutigen Englischlehrer noch von staubigen Uni-profs abgekanzelt wurden (slowLY ist in Adverbposition immer zu schreiben, sonst FALSCH), existieren zusehends nicht mehr.

Großteils sind veraltete Unterrichtswerke wie MYW schuld. Seit 1983 (Prüfauflauge) lese ich darin dieselben Gschichtln von den indischen Bidi-rollern - als hätte sich in Indien sonst nichts getan. Einfach lächerlich!

Die Neuauflagen erhalten keine grundlegenden Überarbeitungen, sondern nur kosmetische Behübschungen.

Typisch kritische Teenie-Stimmen, zb zum Thema Schule, wurden vollkommen ausgeblendet...etc etc.

mgate
22.01.2010 06:36
Was tun, wenn ...

... Schüler Leistung verweigern,
... Schüler und Eltern das Förderangebot nicht wahrnehmen,
... Schüler bereits mit gravierenden Mängel an Grundkenntnissen aus der Volksschule kommen,
... die meiste Zeit zur Disziplinierung verwendet werden muss,
... das Drei-Säulen-Modell (Schüler-Eltern-Schule) wegen des Wegfalls der Eltern-Säule nicht hält?

Da bewegen sich wieder viele Experten fernab der alltäglichen Schulpraxis an Brennpunkt-Schulen/Bezirken ...

Alfred Moosbrugger
04.02.2010 08:56

wir haben leider heute schon ca. 30% schüler, deren eltern sich nicht zuständig fühlen, die den kindern aber eine extrem bildungs- und leistungsfeindliche einstellung mitgeben (lehrerhass inklusive).
ergebnis: man kann heute in der pflichtschule praktisch nicht mehr sitzenbleiben (denn bei normaler anwendung der kriterien würde regelmäßig ein drittel wiederholen müssen, was schon organisatorisch nicht möglich ist).
schüler ohne jegliche ambition und leistung werden durchgewunken und sitzen dann in höheren schulen.
ich durfte selbst so eine klasse unterrichten, eine 1. has, in der ca. die hälfte aus perspektivenlosigkeit saß. ziel war es offenbar, die familienbeihilfe möglichst lange zu kassieren, ohne eine lehre machen zu müssen.

Ferdinand Franz
24.01.2010 15:54

Aus der Praxis: Die meisten SchülerInnen WOLLEN lernen. Einzelnen SchülerInnen muss Hilfestellung gegeben werden (Beratungslehrer, Psychologen, Gespräche mit Eltern-wenn nicht möglich Einschaltung des Jugenamts). Vieles kann im Lehrerkollegium besprochen und gelöst werden.
Und in seltenen Fällen gibt es auch die Möglichkeit der Überstellung in einen anderen Schultyp (z.B. Sonderschule oder Integrationsklasse mit spezieller Förderung).

yin&yang
25.01.2010 22:36

Ja, die meisten Schüler WOLLEN lernen. Sie sollten aber verraten WAS. Den Schulstoff? Nö. Den ganz bestimmt NICHT.

eze eze
 
02.02.2010 17:00

Das kommt drauf an, um welchen Teil des Schulstoffs es sich handelt. So pauschal stimmt die Aussage nicht. Und meist verliert man das Interesse an einem Gegenstand erst, nachdem einem/r angesichts eines Lehrers, einer Lehrerin mit ungeeigneten Methoden die Lust daran vergangen ist - sprich, die Frage nach dem Was ist wesentlich weniger relevant als die nach dem Wie. Dass man etwas nicht lernen will, das null Bezug zur aktuellen und künftigen Lebensrealität hat, geht aber Erwachsenen auch nicht anders - solche Inhalte gehörten entrümpelt. (Da es sich bei den Lehrplänen um Rahmenlehrpläne handelt, wäre aber meist schon jetzt ein stärkeres Einbinden von Interessen der SchülerInnen möglich - wenn LehrerInnen den Begriff "Rahmen" ernstnähmen.)

Elisabeth Stein
22.01.2010 11:27
Und was tun Sie?

Zu jedem einzelnen Problem haben Sie doch sicherlich Handlungen gesetzt. Welche?

Chocoholic
22.01.2010 12:23
Na, Frau Stein, das war eine Frage.

Sie haetten die Fragen beantworten sollen, anstatt mit einer Gegenfrage zu blenden.

?und
22.01.2010 09:17
dann, ja dann wird es zeit die familienbeihilfe nochmals zu erhöhen

und die eltern/erziehungsberechtigten zu benoten und nicht die kinder!!!
eines sei allen erwachsenen beteiligten hinter die ohren gestanzt - die kinder sind das produkt ihrer
umgebung und nicht umgekehrt - verpflichtende erwachsenenbildung scheint die einzige lösung zu sein,die aus dieser misere herausführen kann.

sam duke
22.01.2010 07:41
stimmt

wenn ich diese zustände, die auch bei uns am lande vorkommen, hochrechne, gilt das flächendeckend für ganz österreich.
nicht umsonst werden die einfachen soldaten von ihren vorgesetzten frontschweine genannt. so ist es auch in der schule. die experten befehlen aus sicherer entfernung.

Doper
22.01.2010 07:29
Betrachten Sie die Schule endlich

als Aufbewahrungsanstalt für Kinder und Jugendliche. Ob dort etwas gelernt wird, ist der Gesellschaft und den Politikern ziemlich egal. Es gibt kaum mehr Eltern, die ihrer Erziehungsaufgabe gerecht werden, als wird die Zukunft ein 24/365(366) Schul- , besser Aufbewahrungsmodell sein.

Geh!danke
21.01.2010 22:42
Auch die neue Mittelschule wird gemessen werden- oder ist diese Innovation an Ihnen vorbeigegangen, Frau Lucyshyn?

Dieter Bergmayr
21.01.2010 22:11
Naiv?

Ist es nicht etwas naiv in zeiten moderner Bild- und Kommunikationstechnik (ein Handy genügt voll auf) davon auszugehen, dass die Testaufgaben eh nur die SchülerInnen sehen und diese daher nicht in die Öffentlichkeit kommen?
Aber wenn unsere Kids nach ein zwei Jahren immer besser abschneiden, haben sie möglicherweise das wesentliche fürs Leben gelernt, nämlich wie komme ich optimal durch, auch wenn sie dabei andere Wege einschlagen, als im Rahmen der ganzen Bildungsdebatte vielleicht angedacht ist/war.
So gesehen bin ich schon neugierig und freue mich auf die Testergebnisse.

BastiGross
21.01.2010 21:44
Die BIFIE-Tante hat

wieder einmal keine Ahnung.

"Eine Lehrerin gibt eine Hausübung. Und anstatt den Schüler nur mehr die Verbesserung schreiben zu lassen, indem er kopiert, was die Lehrerin ihm schon als Lösung geliefert hat, markiert sie nur einmal jene Passagen, die verbesserungswürdig sind. Damit sollte der Schüler anhand der Regeln die Aufgabe selbst richtigstellen können."

Diese Art der Hausübungskorrektur ist gang und gäbe an unserer Schule.

Nicht genügend. Setzen.

Saurer Zivi
22.01.2010 08:53
zweifelhaft, ob der Lehrer seinen bezahlten Bildungsauftrag damit erfüllt!

Schüler werden von sich auf nicht auf alles kommen, was falsch ist. bzw beanstandet wurde.

Korrekturen sind besonders heikel. Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

der Schüler schreibt: "only over my dead body!" der Englischlehrer macht ein Kreuz daneben. Also ist etwas falsch!

Aber was?

Warum soll es kreativer sein, die Schüler im Dunkeln herumtappsen zu lassen?

Das ganze ist nur bei relativ leicht erkennbaren, offensichtlichen Fehlern (Schlampigkeitsfehlern) sinnvoll.

Ansonsten ist es eine weitere Maßnahme, für Lehrer sich der abverlangten Leistung zu entschlagen.

Ganz abgesehen, dass in o.a. Bsp 5 von 11 Englischlehrern ohnehin alles durchstreichen würden u "Gemanismus" dazuschreiben, 5 Englischlehrer korrigieren nichts.

LL MM
22.01.2010 19:13

Ein weiteres Problem ist auch, wenn man es so macht wie oben vorgeschlagen, dass gleich die Jammerei wegen der Überforderung der Schüler anfängt. Dann stehen die ganzen Vorgesetzen, Eltern usw. auf der Matte und laden zum Watschentanz ein.

Trollcruncher
21.01.2010 21:55

Sie können Ihr jetzt aber nicht vorwerfen, das Verbesserungsverhalten aller Englisch-LehrerInnen an allen Schulen zu kennen. Bei uns tun das etliche definitiv nicht.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.