Wirbel um Bildungs-Kampagne

Verlag wehrt sich gegen Stürmers Version der Bundeshymne

21. Jänner 2010 12:24
  • Artikelbild
    Foto: bmukk

    Kampagnensujet "Flieger".

  • Christina Stürmers Bundeshymne zum Anhören

  • Spot von Lowe GGK

Bildungsministerium steht "allen rechtlichen Schritten gelassen gegenüber" - Anwalt Ganzger: Anpassung entspreche der gesellschaftlichen Entwicklung - Verlag sieht "poppige Version" als "Absurdität"

"Heimat bist du großer Söhne und Töchter" singt Christina Stürmer. Die Sängerin interpretiert für eine Kampagne des Bildungsministeriums die Bundeshymne neu, etat.at berichtete. Das sorgt nun für Unmut beim Sessler-Verlag, der die Interessen der Textdichterin der Hymne, Paula von Preradovic beziehungsweise deren Erben, wahrt. Der Verlag sieht den künstlerischen Wert gefährdet und fordert von Bildungsministerium und Stürmer eine Unterlassungserklärung. Verlags-Geschäftsführer Ulrich Schulenburg hält eine "poppige Version" der Bundeshymne generell für eine "Absurdität", "das kann nicht im Sinne des Staates sein".

Seitens des Ministeriums heißt es, man stehe "allen rechtlichen Schritten völlig gelassen gegenüber". Die Kampagne werde nicht gestoppt. Das Ministerium werde die Unterlassungserklärung nicht abgeben. Auch Christina Stürmer dürfte vorerst keine Unterlassungserklärung unterschreiben. "Es besteht noch überhaupt kein Anlass zu handeln", so ihr PR-Berater Bernd Rengelshausen.

Gesellschaftliche Entwicklung

Für Schulenburg ist die Textveränderung ein "Eingriff in das Persönlichkeitsurheberrecht". Das sieht Anwalt Gerald Ganzger, der die durchführende Werbeagentur Lowe GGK vertritt, anders. Die Adaption sei "kein Eingriff" in das Persönlichkeitsurheberrecht der Verfasserin, so Ganzger zu derStandard.at. Man habe gute Argumente, die man der Gegenseite mitteilen werde, so Ganzger. Die Anpassung entspreche dem Gleichheitsgrundsatz und der gesellschaftlichen Entwicklung.

Von Preradovic habe den Text als Auftragswerk geschaffen und alle Rechte an die Republik übertragen, sagt Ganzger. Bei einem identitätsstiftenden Werk wie der Bundeshymne sei es "rechtlich klar", dass der Auftraggeber im Bedarfsfall Anpassungen vornehmen dürfe. Immerhin schließe der Originaltext 50 Prozent der Bevölkerung aus. Außerdem seien laut Ganzger durch den Zusatz "und Töchter" weder Sinn noch Qualität des Textes verändert worden. Bei der musikalischen Interpretation stelle sich die Frage, welche Version Stürmer "bearbeitet" haben solle, so Ganzger. Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Freimaurerkantate sei schließlich urheberrechtsfrei.

Verlag setzt Frist bis Montag

Der vom Verlag beauftragte Rechtsanwalt, Georg Zanger, verlangt von Stürmer und dem Unterrichtsministerium innerhalb von drei Tagen Unterlassungserklärungen. Sollten diese bis Montag nicht einlangen, werde er eine Unterlassungsklage einbringen und gleichzeitig versuchen, per einstweiliger Verfügung die Ansprüche der Erben durchzusetzen. Diesen und dem Sessler-Verlag gehe es dabei nicht um Geld, betonte Zanger, "sondern darum, dass das Werk unangetastet bleibt".

"Anmaßendes Vorgehen"

Zwar habe Dichterin von Preradovic der Republik sämtliche Rechte vermacht, welche dafür bei jeder Aufführung abseits von staatstragenden Anlässen, selbst bei einem Feuerwehrfest, Tantiemen bezieht. "Das hat aber nichts mit den künstlerischen Persönlichkeitsrechten zu tun", betont Zanger. Die Regierung habe nicht das Recht, ohne Zustimmung der Erben das Werk zu verändern. Stürmer unterstellte er "anmaßendes Vorgehen", man könne nicht über den Kopf eines Künstlers hinweggehen und dessen Werk, das in einer bestimmten Intention geschaffen wurde, verändern: "Ich würde ja auch nicht in einen Miro oder einen Hundertwasser einfach etwas hineinmalen."

Debatte über Bundeshymne bereits 2005

Bereits 2005 gab es eine Debatte über eine textliche Veränderung der Bundeshymne im Sinne der Gleichberechtigung. Die damalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat hatte die Diskussion angeregt. Wenn "von Söhnen die Rede ist, dann soll auch von Töchtern die Rede sein", sagte Rauch-Kallat dem "Kurier" und präsentierte eine mit Fritz Molden, dem Sohn von Paula von Preradovic, abgesprochene Abänderung: "Heimat großer Töchter, Söhne". Eine Bearbeitung des Textes sei ohne Genehmigung des Verlages nicht möglich, argumentierte der Thomas Sesssler-Verlag auch 2005.  

Heinisch-Hosek für Textänderung

Im Text der Bundeshymne sollten auch die "Töchter" gewürdigt werden. Dafür hat sich Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in den Samstag-Ausgaben mehrerer Zeitungen ausgesprochen.

Zwar habe die Textänderung der Hymne nicht oberste Priorität, aber: "Es wäre ein schönes Signal", erklärte die Ministerin. Nach ihrer Rechtsauffassung gebe es auch keine urheberrechtliche Probleme, da die Republik über die Rechte an der Bundeshymne verfüge. Kleine sprachliche Änderungen seien deshalb ihrer Meinung nach möglich. Die Erweiterung um die Töchter im Text soll jedenfalls mit den ÖVP-Regierungsmitgliedern besprochen werden, kündigte Heinisch-Hosek an. Schließlich soll die Textänderung im Ministerrat beschlossen werden. (red/APA)

Zum Thema:

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 954
böhmen bär
28.01.2010 16:40
hymne

bitte wer braucht so etwas antiquiertes überhaupt noch? wir leben doch nicht mehr im nationalstaatensystem des 19. und 20. jh.

abschaffen für immer und ewig.

gruß aus dem kalten norden

Mattscheibe
28.01.2010 13:27
Was ist an Constantini bitte groß?

Dass der vorkommt, ist doch ein Witz oder? Wenn ein Fußballer, dann Krankl, Polster oder Happel! Sorry, aber das ist wirklich ein Witz. Plus: Ich verstehe überhaupt nicht, warum bei einer Talentekampagne plötzlich über Gender diskutiert wird. Vielmehr fehlt mir das "Volk begnadet für das Schöne". Komisch, einfach nur komisch.

iohui
27.01.2010 08:22
man könne nicht über den Kopf eines Künstlers hinweggehen

naja, in dem fall schon, weil die künstlerin ja schon unter der erde ist.

Super Sharp Shooter
26.01.2010 17:40
Ui, da freut sich die Ö3-Gemeinde aber!

Abgesehen davon: ein typischer GGK Gatsch.

Captain Cook und seine singenden Saxophone
23.01.2010 16:33
GENIAL! GRATULIERE CHRISTINA!

Comedian
22.01.2010 22:45
Lächerlich

http://www.youtube.com/watch?v=M... 7&index=36

Das ist der Liesl wurscht gewesen :)

Geraldines_Tante
22.01.2010 19:27
Stürmerversion

Oh Gott! Wie kann das sein! SO etwas:
http://www.gelsenzentrum.de/stuermer_... neberg.jpg

Aber nein, die Christl ist gemeint!
Schämen muss man sich trotzdem, wenn auch aus anderem Grund. Das kommt davon, wenn Versagerbankerinnen ihre Kompetenz nun der Bildung zumuten.

Meerjungfraumann und Blaubarschbube
25.01.2010 17:39
Dann schäm dich für ein posting.

australia
22.01.2010 13:24
augenauswischerei

dieses ganze tamtam unter dem deckmantel der gleichberechtigung dient doch nur dazu, um von den wahren problemen wie gehaltsschere abzulenken. um die kümmert sich die "frauen"ministerin seid jahren kein bisschen, grade mal vor den wahlen ein bisserl blabla dazu...und dann wieder nichts!

Chanel3
22.01.2010 12:55
Vorschläge des Karikaturisten Much aus 2005

(in der nicht so gelungenen 1. Strophe - da gab's hier bessere Ideen - schlug er übrigens "Heimat bist du großer Töne" statt der Erwähnung der männlichen und/oder weiblichen Gschrappen vor)

Aber recht gut wurde Much dann IMO:

2.Strophe:
"Schwer benebelt
voll im Öle,
hörgeschädigt
vom Gegröle,
einem starken Abgang gleich,
hast seit frühen Fernsehtagen
schlechter Sendung Last getragen..."

3.Strophe:
"Bitter in die neuen Zeiten
schwer gebeutelt
sieh uns gleiten,
arbeitslos und schuldenreich,
einig laß in Fußballchören
dem Gegner blut'ge Rache schwören..."

New Hampshire
22.01.2010 12:42

Ich fand unsere Bundeshymne immer schon furchtbar (langweilige Melodie, furchtbarer Text)

Die Version von Christl Stürmer ist noch einmal eine Portion schlechter als das Original (was schon einiges heißt) - die Frau hat in ihrer Karriere 20 Lieder gesungen, die alle völlig gleich klingen (neue Hymne inbegriffen).

Grundsätzlich sollte man an Hymnen nicht herumdoktern und da ein bisschen was weglassen und dort ein bisschen was hinzufügen nur weil es der Zeitgeist verlangt (Land der Hämmer ist ja auch schon unglaublich überholt)

....die Franzosen mit ihrem 220 Jahre alten Kriegslied würden sich der Änderung jedes Beistriches ihrer Hymne genauso vehement verwehren, wie die Briten mit ihrem God save the Queen.

asdf 1234
23.01.2010 20:23
Ja nichts verändern...;-)))

konservare (lat.), bewahrend, behaltend......
Nun, selbst Deutschland hat den Text des Deutschlandliedes nicht geändert, in welchem in der ersten Strophe folgende Textpassage vorkommt:

"von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt!"

Wenngleich nicht mehr ganz zeitkonform, so ist des Deutschlandliedes unverändert geblieben. Die Melodie dazu stammt von Haydn´s "Kaiserhymne".

Ob allerdings Deutschland heute noch "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt" reicht, wenngleich heute nur mehr die dritte Strophe zu offiziellen Anlässen gesungen wird, darf bezweifelt werden.

Für felix Austria gilt, was das Verändern betrifft, das Gleiche.

heyni
22.01.2010 12:38
Töchter, Söhne?

Als der 833. Poster stellt sich mir die Frage? Haben wir in Zeiten wie diesen wirklich keine anderen Sorgen?
Glückliches Österreich!!!

tomtom7
22.01.2010 14:54
hama nicht

felix austria...war ja schon immer so... was ma nit sehn geht uns nix an.

Chanel3
22.01.2010 12:59
Falsche Frage

Die im europäischen Vergleich jedes Jahr erneut festgestellte erhebliche Benachteiligung von Frauen in diesem Land hat sehr wohl etwas mit dem Gesamtzustand des Landes zu tun.

In dem fast alle Entscheidungen von nicht wirklich fähigen Männerseilschaften gefällt werden. Die Liste unfähiger Männer in hohen Positionen hierzulande würde die mir verbleibenden 293 Zeichen sprengen.

Aber wenn ihr den Zusammenhang endlich kapieren könntet, wär's ja wohl anders.

karakal
25.01.2010 14:23
Jaja...

Wenn Frauen wollten, wären sie schon viel weiter...

Hierzu übrigens: http://www.youtube.com/watch?v=ShQHmNrD_dk

25x8 - hart aber herzlich!
22.01.2010 17:59
Ah, die ewige Mär von der "Frauenbenachteiligung".

Wie viele in geschützten Werkstätten - vom Ministerium bis hinunter zum letzten mickrigen "Frauenprojekt" - untergeschlüpfte Emmanzen wären von heute auf morgen überflüssig, würde frau die Fakten zur Kenntnis nehmen und das ewige überflüssige Berufsjammern einstellen: diese Suppe ist mehr als dünn, ja praktisch nur warmes Wasser.

Und so bleibt nur mehr, die Töchter in die Hymne zu pressen und das Publikum mit dem Binnen-I zu erheitern.

Ist soweit also eh alles in Ordnung. :-)

sterngucker
 
22.01.2010 13:18
Endlich kapieren

sollten Sie, daß willkürliche und zu einem guten Teil objektiv falsche Sprachinterpretationen und das daraus abgeleitete Newspeak die wirklich existierenden Benachteiligungen nicht nur wettmachen, sondern eher noch verfestigen. Die Seilschaften grinsen sich eins ob der mit flächendeckender Sprachverwarzung Ruhiggestellten.

Daß "fast alle Entscheidungen von nicht wirklich fähigen Männerseilschaften gefällt werden", ist eine Totschlagsphrase, die auf alle Zeiten gegen jede Falsifikation immunisiert wird, indem die unfähigen Frauen in Entscheidungspositionen einfach zu Männerseilschaftsehrenmitgliedern erklärt werden.

Eine Kreatur
22.01.2010 12:46
stimmt absolut ..

gender-mainstreaming ist ja schon ein alter hut, in österreich wird über dinge diskuttiert, die anderswo seit jahrzehnten selbstverständlich sind ..

aber hier müssen die schnitzelländler wieder mal ihren hinterwäldler hinaushängen lassen ..

MFC
22.01.2010 12:37
Ich bin für eine neue Bundeshyme

Vorschlag 1: Radetzky-Marsch von J.Strauss Vater
Vorschlag 2: Donauwalzer von J.Strauss Sohn
Vorschlag 3: Die gottverdammt Pleite von L.Hirsch
(passend zur Wirtschaftskrise) oder
eventuell "Komm großer schwarzer
Vogel" (passt zu österr.Seele).

Gibt es andere - bessere - Vorschläge?

referent lovejoy
22.01.2010 12:59

schrei nach liebe, von den ärzten. triffts auch gut

karakal
25.01.2010 14:24
Sind eher Deutsche...

Net so gut geeignet...

benutzername84
22.01.2010 12:55

Georg Danzer - Fett wie a Radierer

referent lovejoy
22.01.2010 12:49

olle menschen sam ma zwida, i mechts in die g...

New Hampshire
22.01.2010 12:45

Nach Berlin schreiben und die Leute dort auffordern, dass sie sich eine neue Hymne suche sollen. Danach das Lied von Haydn wieder als Hymne für Österreich installieren.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 954

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.