Wiener Wohnprojekt

Wohnen mit Gebetsraum und Mitbestimmung

Roman David-Freihsl, 20. Jänner 2010, 20:35

Generationenübergreifendes Passivhaus-Wohnen samt integrierter ökumenischer Schule und Car-Sharing

Wien - "Dieses Projekt entstand in unseren Jugendträumertagen", erinnert sich Leon Lenhart. Und aus diesem Jugendtraum ist diese Gruppe nun schon seit fast 20 Jahren nicht erwacht - sie leben ihn nach wie vor.

Traum vom sozial-ökologischen Wohnprojekt

Geträumt hatten sie damals von einem gemeinsamen, partizipativen Wohnprojekt, bei dem soziale und ökologische Ideale gelebt werden können. Gefunden hatte sich die Gruppe in ihrer Kirche in der Endresstraße in Wien-Atzgersdorf. "Eine jener lebendigen Basisgemeinden, wie sie damals im Schwung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden ist", berichtet Lenhart.

"Damals hatten wir gesagt: Machen wir doch etwas gemeinsam" - und sie fanden ein Objekt, in dem sie nicht nur in geistiger, sondern auch in räumlicher Nähe zu ihrer offenen Kirche leben konnten: das aufgelassene Kloster gleich daneben.

"Eine Art Dorf in der Stadt"

1991 wurde es gekauft und fünf Jahre später bezogen. Sie schufen nicht nur Wohnungen für die 35 Erwachsenen und derzeit ebenso vielen Kinder, sondern auch einen Kindergarten im Erdgeschoß, gemeinschaftliche Gästezimmer sowie drei Wohnungen für Flüchtlinge und soziale Notfälle. Sie nützen einen gemeinsamen Mailserver - und beziehen ein gemeinsames Biokistl. Nur etwa bei den ursprünglich geplanten Gemeinschaftsautos mussten sie in der Realität Abstriche machen. Alles in allem sei "eine Art Dorf in der Stadt" entstanden.

Zweites Projek: Generationenübergreifendes Wohnen

Bei der Zehn-Jahre-Feier kam in der Gruppe dann die Frage auf: "Wie geht's weiter?" Und da fiel der Entschluss, das ganze noch einmal zu versuchen: ein zweites derartiges Projekt zu starten.

Derzeit laufen bereits die Vorbereitungen für dieses neue "Projekt Gennesaret": In unmittelbarer Nähe sollen nicht nur weitere Wohnbauten nach der Mitbestimmung ihrer künftigen Bewohner errichtet werden, sondern auch eine Schule und Angebote für ein generationenübergreifendes Wohnen. Rund ein Drittel der künftigen Wohnungen soll gezielt Menschen angeboten werden, "die in ihrer zweiten Lebenshälfte stehen". Für sie soll in der Erdgeschoßzone auch ein soziales Zentrum für Betreuung, Therapie, Physio- und Ergotherapeuten entstehen.

Öko-Schwerpunkt

Bei diesen "Gennesaret"-Bauten soll wieder die Mitbestimmung und das soziale Leben - aber diesmal auch "ein stärkerer Öko-Schwerpunkt verwirklicht werden", betont Lenhart. Etwa mit einer Bauweise im Passivhaus-Standard und mit Car-Sharing.

Wenn sich eine Gruppe findet, sollen den künftigen Bauwerbern schon im Vorfeld an vier Wochenenden Workshops mit Themenschwerpunkten angeboten werden: Experten werden zu den Bereichen ökologischer Fußabdruck, Solidarität, Spiritualität und Gemeinschaftsleben beraten.

Spiritualität "auf Basis von christlichen Werten"

Wobei Lenhart gerade beim Punkt Spiritualität betont, dass es sich um kein katholisches oder evangelisches Wohnprojekt handle, sondern dass man grundsätzlich versuche, hier "auf Basis von christlichen Werten" zu leben. Baulich manifestiert sich dies etwa auch in einem eigenen Gebets- und Meditationsraum.

Niedriges Schulgeld

Auch die künftige Schule soll ökumenisch geführt werden - "das sind schließlich unsere Wurzeln". Der angenehme Nebeneffekt: Bei einer konfessionellen Schule ist das Schulgeld niedriger als in anderen Privatschulen.(Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 21.1.2020)

Webtipp
"Projekt Gennesaret"

Für mögliche Interessenten findet am kommenden Samstag, den 23. Jänner, um 15 Uhr eine Informationsveranstaltung statt: im Saal des Alten Klosters, Endresstraße 59

Kommentar posten
12 Postings
Mirstetta Toni
22
21.1.2010, 18:59

teilen sie sich auch ein paar birkenstockschlapfen?

angelvoices
00
21.1.2010, 14:22
gesegnet sei ihr Projekt

und gehen sie in Frieden

i.m. ernst
34
21.1.2010, 13:11

pfui deibel.
gebetsraum. ultra-wichtig. die armen kinder.

elchtester
24
21.1.2010, 09:28

"Sie nützen einen gemeinsamen Mailserver - und beziehen ein gemeinsames Biokistl."



neeeeein, wahnsinn, wei fortschrittlich.

johann potakowskyj
 
24
21.1.2010, 06:32
otto mühl schau obi

die christlichen ahben sich ihren sankto spiritus erhalten, gott seis gedankt - wärend nach linkspolitischen kommunen kein hahn mehr kräht.

ist doch eine schande, dass es keinen kreisky mehr gibt, der sowas damals echt subventioniert hat, wärend obige christen das natürlich aus eigener tasche bezahlen.

aber links geht ohne staatshilfe eben rein gar nix.
ätsch, kann man da nur sagen.

Rene Stangeler
44
21.1.2010, 09:48
Die Mühl Kommune wurde von Kreisky subventioniert?

Woher habens denn diesen Unsinn, aus dem Kirchblatt?

Weiters war die Friedrichshofkommune alles andere als links, im Gegenteil. Mühl führte sie wie ein Diktator. Sein Allmachtswahn ging soweit dass er den Bewohnern den Beischlafpartner/in zuteilte sowie dass er sich das Vorrecht auf die erste Nacht (mit Kindern so ab 12 Jahren) vorbehielt.
Hat zwar lange gedauert der Spuk, aber schlussendlich landete der Verbrecher doch im Gefängnis, eine nicht geringe Anzahl von psychisch gestörten Menschen hinterlassend.

ps: Die Kommune war nicht auf Subventionen angewiesen sondern dank Kommunarden die brav ihre Kohle ablieferten und gewinnbringender Geschäfte finanziell unabhängig.

johann potakowskyj
 
25
21.1.2010, 10:34
später dann ...

die kennen sich mit links nicht aus die da meinen, dass das ziel aller marxisten die demokratie wäre ... sie träumen!

übrigens sollte mühls sexuallehre von sexueller unterdrückung dessen zwänge, hemmungen und menschlichen abhängigkeiten befreien.

damals wurden verschiedenste alternative lebensformen junger menschen, wenn sie nur links waren, mit subventionen gefördert. sei es, dass mit staatskapitalistischer förderung ziegen oder nähmaschinen gekauft oder irgendein alter bauernhof renoviert wurde. selbst kinder von regierungsmitgliedern lebten bisweilen in so einer hausgemeinschaft.

es ist geradezu zynismus, dass da eine christlich spirituelle kommune überlebt hat und auch noch vergrößert ...

ich lache mir einen ast!

nicht jammerer
62
21.1.2010, 06:20
Aber wehe, wehe, es wäre eine Moschee dabei!

Mirstetta Toni
00
21.1.2010, 19:02

was wäre dann?

belgma
 
70
21.1.2010, 10:12
na, soooo ökumenisch samma aa wieda ned!

wenn man ideologisch noch im mittelalter lebt, kann man echte toleranz und ökumene nicht verlangen. imma schee bomale!

kalksburger
02
21.1.2010, 12:34
wenn man ideologisch noch im mittelalter lebt, kann man echte toleranz und ökumene nicht verlangen.

Ich nehme an, dass Sie dieses Projekt seit langem kennen und auch Beispiele für Ihre Behauptungen nennen können.

Sollte das nicht so sein, dann frage ich mich, wie Sie zu dieser Wertung kommen und was Sie tatsächlich über dieses Projekt wissen.

Meines Wissen ist die Förderung des interreligiösen Dialoges - neben Aspekten wie Solidarität und Ökologie - ein wesentlicher Projektinhalt. (aber ich hab' sicher viel weniger Ahnung wie Sie ...)

belgma
 
10
21.1.2010, 15:53

sie wissen aber schon, dass mein posting eine antwort auf nicht jammerer war, oder?

nein, ich kenne das projekt nicht, aber im artikel steht komischerweise nichts von einer moschee, aber da können sie mir sicher mehr darüber erzählen.

die wertung bezog sich auf die kirchen, daher nur indirekt auf das projekt - auch das wäre leicht rauszulesen gewesen, hätte man sich die mühe gemacht.

förderung des interreligiösen dialoges - wie sie das so schön formuliert haben - bezieht für mich aber schon auch den dialog mit anderen religionen ein, sonst wäre es nämlich ein intrareligiöser dialog, womit wir wieder bei den moscheen, pagoden, stupas etc wären.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.