Pro Deutschprüfung für Zuwanderer

Sprache ist zumutbar

20. Jänner 2010, 17:56

Es geht darum, den Willen zu zeigen, zu kommunizieren und an der Gesellschaft teilzuhaben

Die Sprache ist das wichtigste Instrument, um Integration überhaupt möglich zu machen. Ohne Sprachkenntnisse gibt es für Zuwanderer keinen Zugang zur Gesellschaft, in der sie nun leben, keinen Zugang zur Bildung, keinen Zugang zum Arbeitsmarkt. Ohne Sprache bleibt man ausgeschlossen, das kann kein Zustand sein, den man leichtfertig akzeptiert.

Sprachkenntnisse sollten eine Selbstverständlichkeit sein, man kann und soll sie bei Migranten auch einfordern. Das ist eine Art Bürgerpflicht, zum Wohle des Betroffenen, zum Wohle der Gesellschaft.

Wenn jemand nach Österreich zuwandern will, kann man die Bereitschaft zum Spracherwerb voraussetzen. Demjenigen, der den unglaublichen Aufwand auf sich nimmt, seinen Lebensmittelpunkt von einem Land in ein anderes zu verlagern, kann man auch zumuten, sich den Aufwand des Spracherwerbs anzutun - noch vor der Einreise.

Es geht ja nicht darum, die Sprache fließend von Beginn an zu beherrschen. Es geht darum, sich wenigstens ansatzweise verständlich machen zu können. Es geht auch darum, den Willen zu zeigen, in dem Land leben zu wollen, zu kommunizieren und an der Gesellschaft teilzuhaben.

Eine Prüfung über einfachste Sprachkenntnisse ist zumutbar. So viel Entgegenkommen kann die neue Heimat erwarten, das schuldet sie auch ihren Bürgern, den alten und den neuen. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2010)

Kommentar posten
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MacAllen Fine Oak
00
Nein es geht eben nicht...

eine Prüfung VOR der Einreise ist nicht zumutbar und könnte sowieso nur ein paar Grundkenntnisse abfragen.

EU Bürger sind sowieso ausgenommen, da ist eh nichts zumachen. Gleiches gilt für Ex-Patriots usw. da würde sich die Wirtschaftskammer querstellen.

Blieben also die paar Zuwanderer übrig aus drittländern, doch von denen fallen die meisten unter "Familiennachzug etz". Da den Hebel ansetzen ist auch schwierig (siehe ex-Pats, müsste dann der Topmanager keine Deustch lernen seine Frau aber schon?)

Richtige Zuwanderer gibt es de-fakto kaum noch, somit ist diese Diskussion einfach hinfällig

diamant
00
22.1.2010, 08:23
Ich kann mich auch etwa auf Polnisch 'verstaendlich' machen:

Ja pirdole! Do Widzenia! Prosze! Dziekuje! Na strowje!

Qualifiziert mich das jetzt endlich fuer die Polnische Staatsbuergerschaft?

Marcus Octavio
 
01
21.1.2010, 18:20
geht doch teilweise total an der realität vorbei..

... ja die sprache zu beherrschen ist ein vorteil, wie lernt man eine sprache besser? in der schule oder im alltag? ich weiss noch aus eigener erfahrung, dass mir zb 3 monate aufenthalt in den usa mehr gebracht haben als 2 jahre in der schule. das angebot an kursen in österreich muss gesteigert werden und die teilnahme muss auch verlangt werden, auch hier können länder wie kanada oder australien als beispiele dienen.

doch eines wird hier anscheinend total übersehen: ein jeder eu-bürger darf sich ganz ohne sprachkenntnisse jederzeit hier niederlassen. diese kann man zu gar nichts zwingen.

schön finde ich auch umgekehrt immer die netten auswanderdokus auf vox, da spricht kaum ein deutscher die sprache seiner neuen heimat.

Franz A.
00
21.1.2010, 21:38
Realitaet

Bist Du ohne jegliche vorherige Kenntnisse fuer drei Monate in die USA gegangen? Mutig.

Diese "Deutschland wandert aus"-Dokus finde ich auch immer lustig - da darf man sich dann gar nimmer wundern, wenn ein Deutscher auf Mallorca ein Beisl aufmacht und dann ueberrascht ist, dass es Formulare bei Behoerden nicht auf Deutsch gibt.

MacAllen Fine Oak
00
Ich bin nach der Matura nach Italien ausgewandert...

und konnte ausser "gelato" und "amore" auch nichts sagen...
hab das Spiel vor 3 Jahren wiederholt, durch einen Umzug in die französische Schweiz. Hier passiert es sogar das Staatsbürger aus Zürich herziehen und kein Wort Französisch sprechen, das ist erst witzig!



Marcus Octavio
 
00
21.1.2010, 22:24

wie ich erwähnte 2 jahre. es ging mir bei diesem vergleich auch nur um das tempo des lernens. man lernt eine sprache durch gebrauch.

und gegen mein argument dass jederzeit jeder eu-bürger ganz ohne sprachkenntnisse kommen könnte, kann auch ganz schwer argumentiert werden.

man sollte ehrlich sein und sagen, wir wollen ganz bestimmte menschen nicht, zumeist sind das menschen aus der türkei oder nigeria oder anderen vor allem islamischen staaten.

Franz A.
00
22.1.2010, 11:04
Jahre

Du hast urspruenglich nicht erwaehnt, ob die 2 Jahre vor oder nach den 3 Monaten waren - deshalb habe ich nachgefragt.
Bricht man gaenzlich ohne Sprachkenntnisse in ein Land auf wird man dort in ein paar Monaten auch nicht viel lernen, wenn man sich nicht wirklich bemueht. Wenn man schon das Grundsaetzliche kann, lernt man einfach durch das Benutzen der Sprache.

@EU - EU ist nicht Ausland.

pyfex
00
13.3.2010, 19:42

Natürlich ist EU nicht ausland. Aber alle Staaten der EU mit Ausnahme Österreich sind Ausland.

Marcus Octavio
 
00
22.1.2010, 11:58

ist mir ja alles klar. mit vorkenntnissen geht es leichter, wenn es dir nicht gibt, geht es jedoch auch, das zeigen eben länder wie die usa oder kanada vor.

eu ist nicht ausland ist mir auch klar, trotzdem spricht man in 27 eu staaten nur in ca 2 1/2 deutsch. und alle haben sie hier ein niederlassungsrecht. würden also portugiesen oder griechen kommen, kann sie niemand zu deutsch zwingen.
darum finde ich die debatte ein wenig verlogen. ich habe halt leider das gefühl, dass diese maßnahmen als schikane verwendet werden und keine ehrlichen guten absichten sind.

cgau
02
21.1.2010, 17:43
Ja, aber....

1) Völkers Artikel könnte ich nur vollinhaltlich unterschreiben. Wenn man/frau in ein anderes Land auswandert, ist es schlicht und ergreifend notwendig, die Sprache halbwegs zu beherrschen.

2) Am in Ö. relativ weit verbreiteten Rassismus würde dies jedoch nur teilweise was verändern. Ich kenne z. B. relativ viele, sehr gut deutsch sprechende, Afrikaner bzw aus A. stammende Österreicher, die ausnahmslos sehr beschämende Erfahrungen über den Alltagsrassismus diverser Ö. erzählen können.

platz, hirsch!
20
21.1.2010, 17:38
man glaubt es kaum.

es gibt länder, wo ausländer wohnen, die nicht der landessprache mächtig sind und die trotzdem wunderbar integriert und akzeptiert sind.

solche länder heißen zb holland. dort spricht man mit den leuten, die nicht niederländisch können einfach deutsch oder englisch. wow, gelt?

das problem ist also, dass die meisten österreicher nix anders kennan ois deitsch - und des nur in an dialegt.

Du vastehst, michael?

Sigmund Marx
00
21.1.2010, 21:23
Super Idee!

Dann sprechen wir also mit den Zugewanderten auch deutsch oder englisch oder holländisch, weil das alle Türken, Serben, Kroaten, Bosnier, Polen, Chinesen, Phillipinos und woher sie sonst noch kommen,sprechen, denn dort ist ja üblich, das man deutsch, englisch und holländisch als Zweitsprache spricht.

Klar, die Niederlande, die wissen wie man mit Zuwanderern umgeht. Vielleicht muss man vorher noch eine Tüte durchziehen damit man sich wirklich versteht :-).

miranda7
00
21.1.2010, 17:21
Sprache ist zumutbar

Ja klar. Ich halte Sprachkenntnisse auch für unabdingbar, um am öffentlichen Leben teilzunehmen. Ich kann viel von dem unterschreiben, was der Autor von sich gibt. Allerdings zweifle ich daran, dass es Sinn macht, sich diese Sprachkenntnisse zwingend vorher an einem Goetheinstitut anzueignen. Erstens haben nicht alle in ihren Herkunftsländern Zugang zu Sprachkursen (Stadtbewohner bevorzugt), zweitens sind diese Sprachkurse relativ teuer (Wohlhabende bevorzugt)und drittens wird dort "bundesdeutscher Standard" gelehrt, nicht "österreichischer Standard" und damit meine ich nicht eine der zahlreichen in Österreich gesprochenen Dialektvarianten.

Sigmund Marx
212
21.1.2010, 15:22
Genau so ist es

Als Krankenpfleger habe ich immer wieder mit Menschen aus anderen Ländern zu tun. Auch mit Menschen, die schon sehr lange (also mindestens zehn Jahre) in diesem Land leben, jedoch nicht einmal die einfachsten Sätze verstehen, bzw. von sich geben können. Es drückt IMHO auch aus, wieviel Respekt man dem Land, in dem man leben will, entgegen bringt.
Eine Kollegin (Ungarin, seit ca 15 Jahren hier) wurde einmal auf eine andere Station zum Übersetzen gerufen. Die erste Frage, die sie dem Patienten stellte, war, wie lange er schon hier lebe. Da er seit 20 (!) Jahren hier lebt und außer ein paar Floskeln nichts verstand, brach sie die Überstzung ab, denn sie war selber fassungslos, dass er sich erwartet, dass er einen Dolmetscher bekommt.

mitrovic dejan
40
21.1.2010, 18:29
Ungarn gehürt zu K&K Kulturkreis bei Fassungslosigheit.

Hasen sie eigentlich menschen die sie betreuen.Sind sie mit ihren Job als krankenpfleger Frustriet vieleicht.Sind sie Morgen der Erste der der Menschen Pflege verweigert aus irgendeinem Grund.Genau wie derzeit pasiert im Salzburg.
http://derstandard.at/125431184... Auslaender

Bürger Europas
00
22.1.2010, 09:44

Dreht es sich vor Ihren Augen?

Sigmund Marx
00
21.1.2010, 21:17
tut mir leid....

....aber was Sie schreiben ist absoluter Schwachsinn. Ich hasse keine Menschen, denn dann wäre ich Berufskiller oder (noch schlimmer) Politiker geworden. Aber wenn Sie mit Patienten zu tun haben, die Jahrzehnte lang in diesem Land wohnen und Ihnen nicht einmal sagen können, was ihnen weh tut, dann stelle ich mir die Frage: Ist es meine Aufgabe, es herauszubekommen oder sollte jemand irgendwann einmal bemerken, dass er sich leichter tut, wenn er die Sprache spricht. Mir ist es auch egal, ob jemand meine Sprache spricht, denn ich will nichts von ihm sondern er. Für alle, die es noch immer nicht verstanden haben: Ich schreibe über Leute, die schon seit langer Zeit hier leben und nicht von Menschen, die eben erst hierherzogen.

samba cat
71
21.1.2010, 17:31
ich hoffe, dass ich

im krankheitsfall nie auf einen pfleger treffe, der mir aus persoenlicher angfressenheit hilfe verweigert :-((

Sigmund Marx
04
21.1.2010, 17:42
wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Das hat nichts mit Angefressenheit (schönes Wort) zu tun, sondern damit, dass es Menschen gibt, die zwar einerseits in diesem Land leben wollen, andererseits aber von diesem Land verlangen, dass es sich diesen Menschen anpasst, weil sie (offenbar) nicht gewillt sind, mit den Menschen dieses Landes zu kommunizieren.
Soll ich jetzt türkisch, serbokroatisch, chinesisch oder sonstwas lernen, damit ich meine Patienten verstehe? Oder ist es im Falle eines Arztbesuches besser, wenn ich dem Arzt mitteilen kann, wo es zwickt?

samba cat
10
22.1.2010, 08:06
ich hab dich schon

verstanden, danke, ziemlich genau.
ist es besser, die landessprache zu sprechen? na no na. wenn du mit einem faulen sack, der die sprache nicht gelernt hat, aufgrund seines faulseins in deiner freizeit nichts zu tun haben willst, ist das deine privatsache. du redest hier aber nicht von einem postler oder einer billakassierin, sondern von einem kranken menschen, der vielleicht hilfe braucht. wenn einer jetzt zb im krankenhaus liegt, weil er besoffen gegen einen baum gefahren ist, und du findest das unverantwortlich, redest du auch nicht mit ihm, oder wie? yuk. such dir bitte einen anderen beruf.

Sigmund Marx
00
22.1.2010, 08:52
bevor....

.... Sie mir mir vorschreiben, was ich zu tun oder zu lassen habe, lesen (und verstehen) Sie doch bitte meinen Beitrag, ohne irgendetwas, das nie geschrieben wurde, hineinzuinterpretieren.
Wo steht denn, dass ich nichts tue? Ich sage nur, dass es nicht mein Problem ist, wenn jemand etwas von mir braucht, jedoch außerstande ist es mir mitzuteilen, weil er zu faul/arrogant/ignorant ist, meine Sprache zu lernen.
Denn er/sie hatte mehr als genug Zeit dies zu lernen. Handelt es sich hierbei auch noch um einen Notfall, können wichtige Minuten/Stunden vergehen, weil vielleicht gerade in dem Moment kein Dolmetscher verfügbar ist, für mich ist das aber trotzdem kein Grund zum Beispiel türkisch zu lernen, denn die Ursache liegt nicht bei mir.

mitrovic dejan
70
21.1.2010, 15:11
"zu kommunizieren und an der Gesellschaft teilzuhaben"

Lieber Michael Völker.Wir Migranten wollen nicht "Kommunizieren".Wir wollen schlicht und einfach in Rue gelassen bitte wen das Möglich ist.So wie ganze zeit 40-50 jahren vorher.Österreicher wollen nicht mit uns Kommunizieren egal wie mächtig dem Deutschen sprachen sind.In gemeindebau meiden uns Österreicher zu sprechen geschweigen Guten Tag zu sagen.Welche Kommunikazion meinen sie.Ich sehe nur Selbstgespreche von Österreicher wenn sie sich mit Zuwanderer trefen.Rede Widerstand zweklos.An welche Gesellschaft meinen sie teilzuhaben.Am stamtisch Gesellschaft in Beisl würden wir mit schiffen blicken begrüst.In Österreichischen Gesellschaft sind wir nicht wilkommen somit können wir nicht daran teilnemen.Deutsch sprechen spielt dabei keine rolle

cannery row
02
21.1.2010, 17:00
es ist eigentlich völlig wurscht..

ob sie zu stammtischen wollen, sich dort wohlfühlen oder nicht. darum gehts nicht.

zwei punkte: erstens ist es den mitarbeitern österreichischer ämter kaum zuzumuten, fremdsprachen zu lernen, weil sie was wollen und sich nicht verständigen können.
und zweitens nimmt diese absolute verweigerung den jungen migranten die chance, mehr zu erreichen. zu den jungen migranten zählen sie ja wohl kaum, und deswegen haben sie auch überhaupt kein recht, stellvertretend für irgendwen etwas zu verweigern.

und darüberhinaus ist ihr mühevolles broken-deutsch eh gefaked.

saoTan
15
21.1.2010, 16:32

Ersetzen Sie in Ihrem Text doch bitte "wir" durch "ich". Ich glaube Ihnen durchaus, dass Sie diese Erfahrungen gemacht haben, andere "Zugewanderte" können jedoch sehr andere Erfahrungen machen. Jede Beziehung hat immer zwei Seiten, das sollten Sie nicht vergessen.

mitrovic dejan
10
21.1.2010, 18:36
Wo sind schöne Erfahrungen gebliben.Bein Zensi ?

"Andere Zugewandere können jedoch sehr andere Erfahrungen machen"
Anderen Zuwanderer Posten nicht gegenteil von meinen angaben und erfahrungen.Sonst würden ich und sie das merken.Beweisen sie mir gegenteil.

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