Krisenfonds statt Bankensteuer

20. Jänner 2010 17:51

Faymann und Obama haben richtig analysiert und falsche Schlüsse gezogen

Die Suche nach den Schuldigen ist offenbar abgeschlossen, jetzt geht es um die Sanktionen. Die Rede ist von den Banken, die nun für ihren Beitrag zur Finanzkrise zur Kasse gebeten werden sollen. Das politische Establishment - sozusagen von Wien bis Washington - fordert Entschädigung für bisherige und zukünftige Rechnungen, die von der Finanzindustrie verursacht und von den Staaten beglichen wurden.
Doch die Konzepte sind noch reichlich diffus. Werner Faymann etwa tritt in die Fußstapfen von Barack Obama und will eine Sondersteuer einführen: auf die gesamte Bilanzsumme oder möglicherweise differenziert nach dem Risikogehalt der einzelnen Aktiva. Skepsis erscheint angebracht: Die Gefahr ist groß, dass die Einnahmen im großen Loch der Staatskasse verschwinden, die Banken die Abgabe aber auf die Kunden überwälzen und obendrein bei der Kreditvergabe noch restriktiver agieren. Eine Lose-lose-lose-Situation könnte man auf Neudeutsch sagen.

Bei der nächsten Finanzkrise (und die kommt bestimmt) müsste dann erneut der Steuerzahler in die Tasche greifen. Somit hinkt der Faymann'sche Vergleich des „Solidarbeitrags" mit einer Haftpflichtversicherung für Autofahrer. Wem seine Stoßstange durch ein verunglücktes Parkmanöver eines anderen Lenkers abhanden kommt, der kann sich nämlich auf die Begleichung des Schadens verlassen.

Also Finger weg von den geprügelten Banken? Keineswegs, denn der Grundgedanke des Verursacherprinzips bei Aufräumkosten ist absolut richtig. Und wenn dann durch Bestrafung von Risiko auch noch ein Lenkungseffekt zur Stabilisierung der Finanzsysteme erzielt werden sollte, könnte mit einer Sonderabgabe viel gewonnen werden. Dass die heimischen Geldinstitute die Krise nicht verschuldet hätten und den Vorstoß des Kanzlers als „Strafexpedition" empfinden, kann jedenfalls nicht als stichhaltiges Gegenargument durchgehen.

Faktum ist, dass auch die österreichischen Banken auf Hilfe angewiesen waren, die von der Allgemeinheit finanziert werden. Ein Landwirt oder Werkzeughersteller kann ja auch nichts dafür, wenn die Preise der Erzeugnisse und damit die Existenzgrundlagen wegbrechen. Nur springt ihnen im Krisenfall keiner bei, weil sie zu unwichtig sind.

Deshalb: Ja zu einem Krisenbeitrag der Banken, aber bitte zu einem durchdachten. Der schwedische Finanzminister Anders Borg hat in einem Brief an seine EU-Amtskollegen in die richtige Richtung gedacht. Nach dem von Stockholm bereits praktizierten Modell soll in der ganzen Union eine Gebühr eingehoben werden, mit der ein Krisenfonds gespeist wird. Aus dem Topf sollen dann im nächsten Notfall Gelder zur Rettung von Banken fließen. Zwar wird möglicherweise auch hier ein Teil der Abgabe auf die Kunden überwälzt, doch immerhin liegen die Mittel dann im Ernstfall auf der hohen Kante statt in dunklen Kanälen.

Jedenfalls unternimmt Schweden konkrete Schritte, statt auf utopische Modelle wie eine Finanztransaktionssteuer zu setzen. Die würde bei einem Alleingang nämlich tatsächlich zu einem Abfluss von Geldern aus Europa führen. Herkömmliche Kreditgeschäfte in Österreich über Cayman Islands anzubieten dürfte beim Kunden hingegen keinen guten Eindruck machen.(Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.1.2010)

 

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gs271
24.01.2010 00:29

Die Banken waren bis vor zwei Tagen ueberhauptnicht "gepruegelt".
Im Gegenteil ich habe staendig Lob ueber Goldman Sachs gehoert als Vorbild firma trotz wirtschaftskrise.
Citi geht wieder bergauf und alles sieht so aus als waere es bald beim alten...
So arm sind die nicht dran!
Die oesterreichischen Banken haben ueberhaupt einfach ein par Millarden als "Polster zur Sicherheit" eingesteckt

also dann ...
22.01.2010 16:30
Der Chef im Weißen Haus widersetzt sich dem Bankenkapitalismus: Mit seinen Regulierungsplänen schwächt er die Institute da, wo sie der Volkswirtschaft schaden.

Nämlich bei risikoreichen Geschäften. Das ist gut für die Bürger.
http://www.ftd.de/politik/i... 63959.html

und :
So if these folks want a fight, it's a fight I'm ready to have.
obama - im o -ton (englisch) :
http://www.ftd.de/politik/i... tml?page=2

Pete Outlaw
22.01.2010 11:33
Alles Geld in einen Fond zur Rettung von Banken in Krisenzeiten..

Gut so! Wir (Steuerzahler) Retten die Banken mit hunderten Mrd Euro (!!!) schweren Hilfspaketen - die erhohlen sich prächtig von der Krise (mit deren Ursachen sie ja nichts am Hut hatten) - und wenn wir das "geborgte" Geld zurückhaben wollen stecken wirs als gesamtes am besten in einen Fond zur Rettung von Banken in schlechten Zeiten. Ich mach das auch, ich spare am Konto für meine Lebenserhaltungskosten und Zuhause hab ich ein Sparschweinderl zur Rettung meiner Bank. Weil von der kann ich ja nicht erwarten das sie mit meinem Geld am Konto verantwortungsbewusst umgeht. Logisch. Ausserdem, wenn ich von meiner Bank einen Kredit bekomme, kann ich ja nachher auch sagen, ich bin ja nicht schuld das ich das Geld brauchte

also dann ...
21.01.2010 23:10
schnauder`s argumente...führen an den sachverhalten vorbei, denn

- der SV-rat in D hat eine sonderabgabe + einen übertrag vom netto-vermögen (jener banken die staatshilfe kassierten) vor monaten...vorgeschlagen
- wenn (micht nur die ösi-banken) dividenden ausschütten - und zuvor staatshilfen "kassierten"
... ist eine sonder-köst z.b. allemal angebracht.
- dies von den risiko-aktiva (derivate z.b.) zu verlangen macht durchaus sinn.

wenn man sich auch noch die mrd-boni der DB, USB + gold-saxen ver augen hält, dann ist 1 mit sicherheit gewiss :
die bank_S_ter ... sind lern - un - fähig !

dass die DB + gold-saxen überdies mit
US - s t e u e r g e l d (die AIG erhielt 182 mrd - davon gingen 62 mrd an die investment-banken)
gerettet wurden (bilanz 2008)
hat schnauder ... auch vergessen ?!

50plus
 
21.01.2010 22:42
Macht echt Spaß

wie hier im Forum die Ideologen aufeinander losgehen und darüber streiten, ob das Desaster nun die Schuld der Politik (= der Staat) oder die Schuld der Banken (= Privatwirtschaft/Markt) ist.
Vor lauter Ideologie ist es scheinbar unmöglich, das Offensichtliche anzuerkennen, nämlich dass die Beiden (Politik UND "Markt") unter einer Decke steck(t)en und gemeinsam Otto Normalbürger verarschen.
Die Banker hetzen ihre Lobbyisten mit Koffern voll Geld auf die Politiker, damit die für die "richtigen" Gesetze sorgen und die Grassers dieser Welt machen das auch mit Freude und ohne Skrupel.
Geradezu lächerlich, darüber zu streiten, wer von den Gangstern nun der Schuldigere ist und davon auch noch die richtige Ideologie (links/rechts?) abzuleiten.

R. M.
21.01.2010 18:29
Jeder, der Zins weiterbestehen lassen will, hat die falschen Schlüsse gezogen.

Auch wenn es wahrscheinlich vielen schwerfällt, das akzeptieren.
Die Natur versucht uns (Menschen) gerade etwas beizubringen. Und zwar das folgende: Positiv rückgekoppelte Systeme - wie unser zinsbasiertes
Geldsystem nun mal eines ist - brechen immer zusammen.
Mal sehen, was es alles braucht, bis diese Erkenntnis bei genügend Menschen ankommt.

S. Enfspender
21.01.2010 18:19
Ratenkredit statt Steuer (Teil 2)

Damit ist allerdings nur das Problem der Hilfe für Banken gelöst. Völlig unberücksichtigt ist dabei die Minderung des Schadens, der durch Vernichtung von Arbeitsplätzen, angesparten Mitteln für die Altersvorsorge und dergl. entstanden ist.

S. Enfspender
21.01.2010 18:16
Ratenkredit statt Steuer (Teil 1)

Die Banken haben vom Staat Hilfe in Form von Garantien und von der EZB in Form von Liquidität erhalten. So lange die Garantien nicht schlagend werden, sind keine Gelder zu Lasten des Budgets geflossen. Erst wenn der Staat tatsächlich mit Geldmitteln einspringen muß, sind effektive Kosten zu Lasten des Budgets entstanden. Und diese Kosten sollen als Ratenkredit mit einer jährlichen Anpassung an die Inflationsratean (um nicht gutes Geld mit entwertetem Geld zurückzuzahlen) an die jeweilige Bank betrachtet werden, der langfristig rückzahlbar ist. Ob darüber hinaus ein Fonds (ähnlich der Einlagensicherung) etabliert wird, ist eine andere Sache.

ich kapituliere
21.01.2010 17:17

Seit wann bekommen die Bauern keine Unterstützung mehr?

Seit wann übernimmt der Steuerzahler nicht mehr das unternehmerische Risiko?

An sich hat er Recht. Das Beispiel Bauer ist jedoch ein denkbar schlechtes.

amber103
21.01.2010 17:30

Sie kapitulieren wohl vor der Landwirtschaft?

Nun die Bauern erhalten seit einigen Jahren tatsächlich kaum noch Unterstützung für den Fall das Preise verfallen, oder die Interventionspreise sind so niedrig, dass nicht einmal die variablen Kosten gedeckt sind so dass nicht einmal Ostblockbauern zu diesen Preisen kostendeckend wirtschaften können.

Die Ausgleichszahlungen die die Bauern erhalten, erhalten sie nicht für die Produktion, sondern als ausgleich für die künstlich niedrig gehaltenen Weltmarktpreisen, die aber zum Gutteil auch die Binnenmarktpreise sind.



Franz Mustermann
21.01.2010 17:01
Also, den Grinsekanzler mit einem Präsidenten der USA

...zu vergleichen ist schon ein wenig anmaßend, oder ?

2ndopinion
21.01.2010 16:46
Danke Herr Schnauder, super Artikel.

Alexander75
21.01.2010 16:36

Wenn der Schnauder gegen die Bankensteuer ist, muss was dran sein.

also dann ...
21.01.2010 23:00
kick - backs ... ?

René Herndl
21.01.2010 14:51
Egal wie oder wohin, ..

.. Hauptsache die Schuldigen an der Finanzkrise, und dazu gehören auch die Banken, zahlen für den Schaden. dass auch die Politik mitschuldig ist, will leider niemand wahrhaben, weil sie ja das Finanzsystem per Gesetz hätte ändern können. Ein weiterer Punkt wäre, dass die Banken und deren Geschäftspraktiken stärker kontrolliert werden müssten - auch bei Gebühren und Konditionen - und dass sie , wie andere Betriebe auch, endlich den normalen Steuersatz vom Geschäftsergebnis zahlen sollten. dann wäre auch dem Budget geholfen!

qball
21.01.2010 14:49
und auf welcher bank ...

soll dieser kriesenfond dann rumliegen? und rumliegen ist da dann eh schon wieder zu wenig gewinnbringend. vielleicht sollte man mit diesem kriesenfond also ein bisschen spekulieren? und dann ein bisschen mehr? unfug.

der steuerzahler wird beim nächsten crash ohnehin wieder einspringen müssen. da wäre es allemal besser, das geld welches von den banken rückgeholt wird (bzw. werden soll) in bildung und infrastruktur zu investieren auf dass wir besser für die nächste kriese gewappnet sind.

Jasomirgott
21.01.2010 13:59

A. Sch. hat falsch verstanden, dieses aber richtig analysiert.

Fritz Wunderlich
21.01.2010 13:13

abgeflossen ist das geld der steuerzahler nicht ins große loch der staatskasse, wie der autor -ob man ihn schon bald als pressesprecher einer bank oder versicherung begrüßen wird können? - suggeriert, sondern in das riesenloch der börsen, des unregulierten globalen bankenmarktes, ..
das mitleid schnauders mit den geprügelten banken verhält sich umgekehrt proportional zu seinem verhältnis zum sozialstaat
und warum für einen kunden die cayman inseln keinen guten eindruck machen sollte, wenn er steuerbefreit gewinne bis zu 20% versprochen bekommt innerhalb kurzer fristen (hedgefonds, private equity fonds), wie im verflossenen jahrzehnt, kann er uns auch nicht erklären

1116er
21.01.2010 11:54
bitte keinen fond!

ein solcher ist nur dann angebracht, wenn es darum geht, eine gute suppe zu kochen!

die banken sollen ihre beiträge anstatt in einen fond, der garantiert wieder als spielgeld für spekulanten dienen wird, ins budget einzahlen.
und aus dem budget wird ihnen dann geholfen.

ist eindeutig die einfachere lösung!

Peter Lustig2
21.01.2010 11:12

Erstens hoffe ich, dass die Suche nach den Schuldigen noch nicht abgeschlossen ist, wie Schnauer vermutet. Ein leichtfertiger Umgang mit den Kundengeldern muss auch rechtliche Konsequenzen haben. Ich warte diesbezüglich schon seit Monaten auf Maßnahmen von Bandion-Ortner, Fekter und Pröll (alle ÖVP).
Zweitens finde ich die Argumentation im Artikel etwas diffus: Die Banken haben mit der Schaffung und der Beteiligung von bzw. an verschiedensten Finanzinstrumenten die Krise verursacht. Das dadurch entstandene Loch in der Staatskassa muss nun auch gestopft werden. Einen Krisenfonds ansparen, finde ich lustig: Wenn dann wieder Banken pleite sind, ist das angesparte Geld auch weg und das wars dann mit dem Fonds. Sehr schlau ist der Artikel nicht

Ingrid Tuppel
21.01.2010 11:33

Das doch schon ziemlich abgedrosche Argument der Banken und von Herrn Schnauer, wenn man die Finanztransaktionssteuer einführt, fließt das Geld ab, kann man recht einfach vermeiden. Man beschließt einfach gleichzeitig ein Gesetz, dass Bankgeschäfte nur für diejenigen erlaubt, die auch Finanztransaktionssteuer bezahlen. Damit macht es für die Banken auch keinen Sinn mehr woanders hin auszuweichen.

wer wenn nicht er
21.01.2010 14:39
Und außerdem

...war bis in die 70er die Veranlagung im Ausland und/oder in Fremdwährung in Österreich (und in fast allen Staaten) streng reguliert.

Die Grenzen überschreitende Freiheit des Geldes ist also nur staatlich erlaubt.
Würden alle großen Industriestaaten (G7, EU...) die Freiheit des Geldes auf Länder mit Finanztransaktionssteuer begrenzen, würde der Rest der Welt rasch folgen (ausgenommen vielleicht Entwicklungsländer mit ohnehin restriktivem Finanzsystem).

Nachsatz: Wenn Geld abfließt bewirkt das einen niedrigeren EUR-Kurs. Das würde bei Exporten helfen...

Dreistein
 
21.01.2010 10:58
Lieber Herr Schnauder.


Nicht nur das schwedische Modell zielt auf eine europaweite Aktion ab, auch Faymann hat so argumentiert. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, dass alle Staaten mitmachen, immerhin gibt es unter ihnen einige Hardliner, wie z.B. GB.

Wenn also keine europäische Lösung möglich ist, dann eben zuerst einmal eine nationale, die anderen werden dann schon auch irgendwann einmal nachkommen.

Bertel Mann
 
21.01.2010 10:46
Ein Krisenfonds als Sicherheit für die Banken ist wie eine Feuerleiter aus Holz...

mike sierra
21.01.2010 10:29
Wo liegt das Geld ... ?

... wenn es "auf der hohen Kante" liegt?

Wahrscheinlich auf dem Kapitalmarkt. Am Finanzmarkt angelegt - wie ein Vorposter schon bemerkt hat. Und ist damit im Falle einer Finanzkrise selbst nicht mehr leicht verfügbar.
Das ist dann mehr als problematisch.

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