EU-Sanktionen

Als Österreich der Buhmann der EU war

Rosa Winkler-Hermaden, 21. Jänner 2010, 12:57
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    Dieter Böhmdorfer wurde Ende Februar 2000 als Justizminister angelobt. Sein Vorgänger Michael Krüger hatte nach 25 Tagen im Amt seinen Rücktritt erklärt.

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    Jochen Frowein war einer der drei EU-Weisen: "Es waren Probleme bei einigen der Amtsträger aufgetreten, die man erörtern musste."

Die FPÖ-Regierungsbeteiligung sorgte vor zehn Jahren für Auf­regung in der EU - Heute wären Sanktionen eher un­wahrscheinlich, meinen Experten

Die Miene des damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil war bekannterweise eisern, als er am 4. Februar 2000 die schwarz-blaue Regierung angelobte. Wolfgang Schüssel wurde Bundeskanzler, Susanne Riess-Passer Vizekanzlerin und Europa war in Aufruhr. Die EU-14 beschlossen bilaterale Maßnahmen gegen Österreich: über sieben Monate hinweg herrschte Eiszeit. Die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und den restlichen 14 EU-Ländern wurden eingestellt. Botschafter sollten nur mehr auf "technischer Ebene" empfangen werden.

"Das war eine echte Challenge", erinnert sich der damalige ÖVP-Landwirtschaftsminister und spätere Vizekanzler Wilhelm Molterer. "Von einem Tag auf den anderen ist die Beziehung zu den anderen Ministern auf einem echten Prüfstand gestanden. Es waren ja lauter gute Bekannte, die man getroffen hat. Aber es war eine künstliche Ablehnung spürbar", sagt er im Gespräch mit derStandard.at.

"Hetze gegen Österreich"

Auslöser der Sanktionen war die Regierungsbeteiligung der FPÖ. Unter der Führung Jörg Haiders hatte es die Partei bei den Wahlen 1999 hinter der SPÖ an die zweite Stelle geschafft. Der Weg für die Regierungsbeteiligung war geebnet. Die ÖVP, bei der Wahl nur als drittstärkste Partei hervorgegangen, tat sich mit den Blauen zusammen.

Nicht nur Jörg Haider, auch der damalige Justizminister Dieter Böhmdorfer wurde von der EU kritisiert. Haider hatte im Rahmen einer Pressekonferenz einen Vorschlag geäußert, der darauf hinauslief, dass Volksvertreter, welche sich regierungskritisch äußern, einer strafrechtlichen Verfolgung ausgesetzt werden könnten. Böhmdorfer soll die Idee als "sicherlich verfolgenswert" bezeichnet haben. Letzterer findet auch heute noch, dass die Maßnahmen der EU ungerechtfertigt waren, wie er im Gespräch mit derStandard.at sagt: "Ganz Europa wurde gegen Österreich aufgehetzt." (siehe Interview)

Abschreckendes Signal

Der Politologe Anton Pelinka bezeichnet die damalige Drohung mit Sanktionen als "Signal", das die EU-Länder setzten wollten: "Man wollte im Vorfeld verhindern, dass die FPÖ in die Regierung kommt." Und nach der Angelobung der schwarz-blauen Regierung konnte man schlicht nicht mehr zurück. Dass über die Maßnahmen heute unter dem Schlagwort Sanktionen diskutiert wird, bezeichnet er als den "ersten großen Erfolg der Regierung Schüssel". Die Regierung habe versucht, das ganze Land auf ihre Seite zu ziehen und das sei gelungen. Das Wort Sanktion wurde zum "Kampfbegriff" und die negative Einstellung zur EU sei zum Teil auch heute noch in den Köpfen der Österreicher verankert.

Weisenbericht als "Exit-Strategie"

Anfang Mai 2000 trat Jörg Haider als Parteichef der FPÖ zurück und ließ Susanne Riess-Passer nun auch als Parteichefin "vorangehen". Doch die Sanktionen wurden deshalb nicht für beendet erklärt. Erst im Frühsommer begann die Front der EU-14 zu bröckeln. Man überlegte sich ein Ausstiegsszenario und bat die drei sogenannten Weisen einen Bericht zu verfassen.

Der deutsche Völkerrechtler Jochen Frowein war einer der Weisen. "Die 14 EU-Länder außer Österreich hatten sich in eine außerordentlich schwierige Situation gebracht und suchten nun einen Ausweg", erinnert er sich im Gespräch mit derStandard.at, "da hielt ich es für meine Pflicht, zu helfen." Der Weisenbericht war die Exit-Strategie, um von den Sanktionen langsam Abstand zu nehmen.

Die drei Weisen - neben Frowein wurden der Finne Martti Ahtisaari und der Spanier Marcelino Oreja ernannt - verfassten einen Bericht, in dem sie die politische Lage in Österreich beurteilten. Unter die Lupe genommen wurde die FPÖ. "Es waren Probleme bei einigen der Amtsträger aufgetreten, die man erörtern musste", so Frowein. "Es gab bestimmte Äußerungen des damaligen Justizministers, die ernsthaft problematisch waren, wenn man die Standards, die an eine demokratische Regierung zu stellen sind, anwendet."

FPÖ mit radikalen Elementen

Das Resümee der Weisen war dann aber vergleichsweise harmlos: Es wurde befunden, dass die österreichische Regierung für die europäischen Werte eintritt und dass die Rechtslage der anderer EU-Staaten entspricht. Die FPÖ wurde als rechtspopulistische Partei mit radikalen Elementen charakterisiert, jedoch hätten die FPÖ-Minister seit Antritt ihrer Regierungstätigkeit die Verpflichtungen der Regierung beachtet. Der Bericht wurde im September 2000 dem damalige EU-Ratspräsidenten und französischen Staatschef Jaques Chirac in Paris übergeben. Das Ende der Sanktionen war damit besiegelt.

Keine rechtliche Basis

Immer wieder wurde diskutiert, ob die Sanktionen überhaupt rechtmäßig waren. Dazu sagt Frowein: "Ich mache keinen Hehl daraus und habe das immer wieder auch gesagt, dass die Verhängung dieser sogenannten Maßnahmen europarechtlich rechtswidrig war." Das Problem war, dass es keine rechtliche Basis für die Sanktionen gab. Inzwischen gibt es im EU-Vertrag von Lissabon aber eine mehrstufige Regelung, die unrechtmäßige Sanktionen verhindern soll.

Unheterogene EU

Der Politologe Anton Pelinka glaubt jedoch ohnehin, dass es Sanktionen in der Form nicht mehr geben wird. Die EU ist nicht mehr so einheitlich wie sie vor zehn Jahren war. In der Zwischenzeit gibt es 27 Mitgliedsstaaten und da würde es schwer fallen, sich in innenpolitische Debatten jedes Mitgliedstaates einzuschalten, so Pelinka.

Dass in anderen EU-Ländern, etwa Italien, EU-Sanktionen ausblieben, als rechte Parteien an die Macht kamen, hält der Politologe im Übrigen nicht für außergewöhnlich oder gar unfair: "Der Unterschied ist auch der, dass die FPÖ ihre Verwurzelung im Nationalsozialismus hat." Und das sei beispielsweise bei den italienischen Rechtsparteien nicht der Fall. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 21.1.2010)

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jean val jean
00

der musterschüler mit dem blauen hemd, die kleine strebsau
zum glück wollte ihn nie jemand richtig, auch die wähler nicht

Igor Gassner
00
Des MSI hat keine Verwurzelung in der

Faschistischen Partei das ist aber eine sehr seltsame Aussage denn die FPÖ war immerhin eine Neugründung wärden der MSI eine direkte Folgepartei ohne Zwischenstufe ist.

Urbin
62
30.1.2010, 18:11
Als Österreich der Buhmann der EU war...

da hat Heinz Fischer eine besonders lächerliche Rolle gespielt, weil er sich in keiner Weise gegen die ungerechtfertigten EU-Sanktionen ausgesprochen hat. Naja. Eh wurscht. Jetzt ist dieser "Mann ohne Rückgrat" unser BP. Warum ihn wohl niemand ernst nimmt?

Urbin
52
30.1.2010, 18:06
Falscher Titel

Richtiger: "Als die EU-Spitze versuchte eine ihr nicht genehme Koalitionsregierung in Österreich als undemokratisch abzuwerten"
Oder besser: "Als die SPÖ versuchte ihren Machtverlust durch EU-Intrigen zu verhindern"

hugo görz
00
29.1.2010, 20:11
off topic

"als österreich der buhmann der eu war" hat eine leichte assonanz an das heinz-conrads-lied "wie böhmen noch bei österreich war".

Thomas Arnoldner
 
11
27.1.2010, 06:43
nie wieder

ein schwarz blau oranges regime!

Poldi Prettljausn
33
26.1.2010, 12:41
Im Morgengrauen des 21. Jänner 2000 platzten die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP.

Kanzler Viktor Klima brachte den fertig ausverhandelten Koalitionspakt in seinen Gremien nicht durch, weil die Gewerkschaften gegen die darin verankerte Pensionsreform opponierten. Gegen vier Uhr früh beschloss das SPÖ-Präsidium daher, die Verhandlungen mit der ÖVP abzubrechen.

so war das damals. weiterlesen:http://mein.salzburg.com/blog/sati... nz-gr.html

Wenn schon, dann hätte sich der Protest der EU und auch die berüchtigten Donnerstagsdemos gegen die Gewerkschaft wenden müssen. Aber die ist ja auch nach dem BAWAG-Selbstbedienungsskandal erhaben über jede Form von Kritik. Völlig unverständlicherweise.

Paul Muadib
02
30.1.2010, 17:11
Kalkulierte Sollbruchstellen

Wäre es nicht die berühmte Nürnberger-Unterschrift gewesen, hätte Schüssel halt andere Sollbruchstellen eingebaut, damit die Verhandlungen mit der SPÖ scheitern MÜSSEN. So hat er ja auch im letzten Moment per ZIB2 den Finanzminister von der SPÖ gefordert. Motto: leg die Latte so hoch, dass die SPÖ unmöglich mit kann. Schüssel hat genau gewusst, wie er das ganze zum Scheitern bringt, damit der Weg für Schwarz-Blau und seine Kanzlerschaft frei ist.

poldi finzenberger
 
22
29.1.2010, 20:12
geh bleib bei deiner brettljausen.

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31
26.1.2010, 14:14

Besonders peinlich ist ein genialer Schachzug von Andreas Khol, der dem Peter Kostellka vor laufender Kamera folgendes Angebot gemacht hat:
Trotz der Verhandlungen mit der FPÖ gilt der mit der SPÖ vereinbarte Koalitionspakt.
Wenn also die SPÖ-Gewerkschafter um Nürnberger zustimmen, dann gibt es wieder Rot/Schwarz, und das mit einem roten Kanzler.
Khol war klar das die SPÖ im nachhinein versuchen würde der ÖVP die Schuld zuzuschieben, daher hat er die Wahrheit schlau und unumstößlich für die Nachwelt dokumentiert.

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46
26.1.2010, 12:38

Wenn man sich die Postings durchliest, dann bekommt man eine Ahnung wie so ein falsches Österreich-Bild ins Ausland transportiert werden konnte.
Da tun manche(z.B. Timagoras) so, als wäre Ö unter schwarz/blau eine Art DDR geworden, in der Menschen ständig Angst haben müssen zu verschwinden.
Dabei ist Ö eine vorbildliche Demokratie, und niemand muss Angst haben.
Und angesichts dessen das so viele Einwanderer ins Land gelassen wurden und noch immer viele gerne kommen würden kann man nur sagen:
So ein xenophiles Land wie Ö findet man schwer in der Welt.

Luky Pozzo
01

Tun Sie nicht die DDR verunglimpfen, dort hat es keine SS- und KZ-Verharmlosung gegeben wie von Funktionären einer Regierungspartei in Österreich 2000-2006.

1116er
33
26.1.2010, 12:26
was wäre gewesen, wenn..

wie hoch wäre die wahrscheinlichkeit gewesen, dass -ohne eu-sanktionen- wir in den folgenden jahren einen vizekanzler haider gehabt hätten?

brrrr, mir läuft es gerade kalt über den rücken.

in diesem sinn: danke, eu!

ordy
12
26.1.2010, 16:22

Nur der Wähler hat das Recht zu entscheiden, wer welches Amt bekommt.

Thomas Wetschnig
12
26.1.2010, 16:49
Ich bin ein Wähler!

Wollen Sie mir bitte jetzt erklären, warum in der Regierung keine einzige Person ist, die ich gerne dabei haben möchte? Ich bin doch der Wähler, der nach Ihrer Diktion das Recht hat, dies zu entscheiden.

ordy
01
27.1.2010, 08:02

Mehrheiten entscheiden. Und Du hattest ja wohl die Gelegenheit Deine persönliche Meinung am Stimmzettel kund zu tun.

postkastl71
22
26.1.2010, 02:25
"katholischer" gräbenzieher

man kann der großen koalition sicher viel vorwerfen aber sicher nicht dass sie eine minderheit vertritt!!!
der hr.dr.schüssel (danke dem deix) wollte halt auch ein großes schild auf seiner bisher kleinen tür haben!
bin stolz auf alle österreicher die friedlich gegen diese art der politik des einzelnen machthungrigen demonstriert haben. vergessen wir bitte alle nicht das dieser machiavelli haider und scheuch erst möglich machte...

Pol e Mike
127
25.1.2010, 14:32
Schüssel war der beste Kanzler der letzen 30 Jahre!

Aber typisch Österreich: Vernünftiges Handeln wird abgestraft, Populismus und Geldverschwendung (Faymann, Dörfler...) wird gewünscht.

Demokratie ist nunmal die Diktatur der Idioten!

Kalvarienberg
02
Sie sind der lebende Beweis Ihrer "These"...

Finn McCool
43
26.1.2010, 12:01
Schüssel war der beste Kanzler der letzen 30 Jahre!Gorbach war der beste Vizekanzler der letzten 30 Jahre!

Grasser war der beste Finanzminister der letzten 30 Jahre!
Haupt war der beste Frauenminister der letzten 30 Jahre!
Gehrer war die beste Wissenschaftsministerin der letzten 30 Jahre!
Pröll war der beste Landwirtschaftsminister der letzten 30 Jahre!
...

erinnye
 
53
26.1.2010, 17:56
also

wenn ich den faymann sehe, weiß ich, was wir an Schüssel hatten.

Finn McCool
20
28.1.2010, 19:44
also

wenn ich den Pröll sehe, weiß ich, was wir an GRasser hatten.

pater hirni
22
28.1.2010, 10:10
einen rektalsurfer.

erinnye
 
11
28.1.2010, 17:15
LOL

beim Dichand? eher Faymanns Surfrevier

pater hirni
42
26.1.2010, 11:45
küssel war der naziclown des ständestaates.

es war ein 1 meter 40 großer komplex aus einem irgendwas, der mit einem besoffenenm nazi kopulierte.

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