Nach dem Google-Hack

Wie groß ist die Bedrohung durch Hacker?

20. Jänner 2010 10:37
  • Artikelbild
    Foto: archiv

Google, Microsoft, Adobe - warum selbst die größten IT-Unternehmen nicht sicher sind

Als Google-Sprecher vergangene Woche bekannt gaben, dass chinesische Hacker in die Systeme des Internetkonzerns eingedrungen sind und "geistiges Eigentum", sprich Code, gestohlen haben und fast 30 weitere Firmen ebenfalls angegriffen wurden, gingen bei den Sicherheitsexperten die Alarmglocken los. Sollten es Kriminelle schaffen, in die Netzwerke führender Konzerne einzudringen, könnten nicht nur wertvolle Unternehmensdaten stehlen, sondern ihre Fühler auch auf die Kommunikationsnetze von Millionen Menschen weltweit legen.

Trojanisches Pferd

Die Sicherheitsspezialisten von VeriSign iDefense, die Google halfen, den Einbruch aufzuklären, befürchten weitreichende Folgen, berichtet die New York Times. Nicht nur haben die Hacker Schwachstellen in den Programmen Internet Explorer und Adobe Acrobat Reader ausgenutzt, um beim Internetkonzern und fast 30 weiteren Firmen eindringen zu können, sondern haben die Hacker ihren eigenen Schadcode in die Computersysteme ihrer Opfer eingeschleust. Mit einem so genannten Trojanischen Pferd konnte man Hintertüren in den Systemen öffnen und so Informationen und Daten abhören.

Wer auch immer die Google-Hacker sein mögen, es sei gut möglich, dass sich hinter den Angreifern keine einfachen Kriminellen verbergen, sondern Mitarbeiter eines Geheimdienstes oder Militärs. Beispielsweise könnte ein Geheimdienst interessiert daran sein, welcher Nutzer welche Suchanfragen abschickt. Mittlerweile wollen US-Forscher dem eingesetzten Trojaner "Hydraq" eine chinesische Handschriftnachgewiesen haben.

Einzelne Betroffen

Wie verheerend derartige Hacks sein können, schildert die NYT anhand eines Abhörskandals im Vorfeld der Olympischen Spiele in Athen im Jahr 2004. Dabei konnten nicht identifizierte Hacker Abhörprogramme in vier Schaltcomputer des Mobilfunkbetreibers Vodafone einschleusen. 100 prominente Opfer, darunter auch der Premierminister Kostas Karamanlis und höhere Militärs, konnten so genau lokalisiert und bespitzelt werden. Die Aktion kam nach behördlichen Ermittlungen erst 2005 ans Tageslicht, als ein Vodafone-Techniker unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wurde.

Ziele verlagert

Große Softwarefirmen wie Microsoft stehen meistens im Visier der Computer-Kriminellen. Ziel ist es, Sicherheitslücken in weit verbreiteten Programmen, wie Webbrowser, auszunützen, um auf Computern in aller Welt Hintertüren für Schadcodes zu öffnen. Wenngleich in der Vergangenenheit laut Sicherheitsexperten meist Microsoft-Anwendungen im Mittelpunkt standen, sei zu erwarten, dass sich der Schwerpunkt künftig auch auf Software anderer Hersteller verlagert. Wie auch der Google-Hack zeigte, dürfte vor allem Adobe zunehmend unter Beschuss geraten. Auf 95 Prozent aller Computer ist der PDF-Reader von Adobe im Einsatz. Und obwohl die Unternehmen betonen, größten Wert auf die Sicherheit ihrer Produkte zu legen, ist bei Millionen Codezeilen, die von tausenden Entwicklern verfasst werden, absolute Sicherheit ein Ding der Unmöglichkeit.

(red)

Kommentar posten
13 Postings
some guy
21.01.2010 13:47
faktor mensch

die größte schwachstelle in sogut wie jedem modernen sicherheitssystem ist der mensch.

unternehmen investieren viel in technologien, aber wenig in die bildung ihrer mitarbeiter, was dieses thema anbelangt.

und ja - social engineering ist ein großer risikofaktor.

Vorratsdatenspeicherung = Verfassungswidrig!
21.01.2010 13:16
gegen menschliche dummheit gibt es keinen patch ;)

die größte bedrohung geht von social engineering aus.

maruh
21.01.2010 08:30

Wie groß ist die Bedrohung durch Hacker?
von hackern geht keine bedrohung aus.

ich mach mir eher sorgen um cracker (black-hat-hacker) und skriptkiddies.


VeriSign iDefense halfen google den einbruch aufzuklären?!
Oo


ahh, keine einfachen kriminellen....
ah geh. wirklich?

Sproezz Quock
20.01.2010 17:11
die nsa wars

eindeutig us-kriegstreiberei (vgl. "seit 5.45 wird zurückgeschossen" - das waren damals deutsche soldaten in polnischer uniform die den "angriff", den hitler dann mit besagten worten "zurückgeschlagen" haben will, gestartet haben. Doppelter Trojaner, sozusagen.)

Meine Wenigkeit mit viel Senf
20.01.2010 12:53
Google-Mitarbeiter

verwenden Windows, IE, Acrobat Reader? Ihre Server laufen aber auf Linux? - San die aug'rennt? Gerade Google sollte es eigentlich besser wissen...

Zu Vodafone: Ganz so ist es nicht. Es wurde lediglich eine ohnehin vorhandene, weil international teilweise gewüschte, Überwachungsschnittstelle aktiviert, die dann aber halt die Daten an eine Zieladresse geschickt hat, die zum Empfang gesetzlich nicht berechtigt war, um es mal so auszudrücken.

Sonst glauben hier noch Leute, man könne einfach so einen Trojaner in einen Netzwerkknoten einschleusen, wie in "Die Hard 4.0"...

Mathias
 
20.01.2010 12:27
Und obwohl die Unternehmen betonen, größten Wert auf die Sicherheit ihrer Produkte zu legen, ist bei Millionen Codezeilen, die von tausenden Entwicklern verfasst werden, absolute Sicherheit ein Ding der Unmöglichkeit.

Vielleicht liegt es nur an einer ordentlichen Planung und Organisation?

Meine liebsten Bsp: SAP und Blizzard Studios (Starcraft, Warcraft & Co)

Jo Boe
20.01.2010 12:38

http://de.wikipedia.org/wiki/Theo... Informatik

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3... gkeitssatz

"Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig."

Mathias
 
20.01.2010 12:56

Theorie und Praxis :-)

Eine Frage: Wie viele Sicherheitsupdates waren zwischen 2002 und 2009 notwendig für MS Office und OpenOffice? (lassen wir mal die Verbreitung außer Acht!)

Neeo1
20.01.2010 17:46
Und wer fixt ..

... Sicherheitslücken schneller?

ob servator
 
20.01.2010 11:30
wollen US-Forscher dem eingesetzten Trojaner "Hydraq" eine chinesische Handschriftnachgewiesen haben.

das ist bei den auffälligen zeichen ja nicht so schwer...

Die andere Meinung
 
20.01.2010 12:25
Handschriftnachgewiesen

blöd, dass man programme nie mit der hand schreibt, sondern mit der tastatur..

Christian90
20.01.2010 11:09

Nicht nur haben die Hacker Schwachstellen in den Programmen Internet Explorer und Adobe Acrobat Reader ausgenutzt,[...]

müssen die google ma nicht mit dem chrome surfen?

itzibitzistriezi
20.01.2010 12:59

na oida ..google ist so leiwand als arbeitgeber und die MA sind alle so glücklich und können essen was sie wollen und verdienen so gut...und sogar den IE dürfen sie nutzen ...google ist so leiwand....

noch nie gelesen wie toll google als arbeitgeber ist ?


schmäh ole mit der botschaft kann überwachungs goggle später sagen "wir haben keine daten an militärs weitergegeben. das war ein trojaner"

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.