Andere Zuwanderer, bitte

KrisenFrey, 20. Jänner 2010, 10:13
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    foto: heribert corn

Wenn der Fekter-Plan den Familienzuzug bremst, ist mehr Platz für qualifizierte Ausländer

Die Kritiker von Maria Fekter haben in einem Recht: Die neue Verpflichtung zu Deutschkenntnissen vor einer Zuwanderung nach Österreich dient eigentlich nur einem Zweck – den Zuzug von schlecht qualifizierten Ausländern aus abgelegenen ländlichen Gebieten zu beschränken. Denn in Ostanatolien ist es kaum möglich, Deutsch zu lernen. Die Maßnahme ist im Grunde eine Schikane.

Aber diese Stoßrichtung des Nationalen Aktionsplans ist dennoch richtig – nicht, weil Österreich weniger Zuwanderer braucht, sondern weil es andere Zuwanderer braucht. Nämlich gut qualifizierte, ambitionierte, zumeist junge Leute, die sich relativ leicht integrieren und durch ihren Beitrag zur Wirtschaft – ob als Fachkräfte oder Kleinunternehmer - auch viel eher von der Bevölkerung akzeptiert werden.

Österreich aber hat in den vergangenen Jahrzehnten eine besonders niedrig qualifizierte Zuwanderung erlebt – von Menschen, die auch in ihren Heimatländern höchstens Hilfsarbeiten machen könnten. Ein hoher Anteil kam über Familiennachzug ins Land – oft eine Braut oder ein Bräutigam aus dem osttürkischen Heimatdorf, die nach Österreich verheiratet wird.

So sind von der Zuwanderungsquote für 2010 von 8145 Plätzen 60 Prozent für die Familienzusammenführung reserviert.

Diese Einwanderung durch arrangierte Hochzeiten (der Übergang zur Zwangsehe ist dabei fließend) ist eine Katastrophe für jede Integrationspolitik. Migranten der zweiten Generation sind fast immer besser integriert als ihre Eltern. Würden sie untereinander heiraten, wie dies etwa in den USA oder Kanada üblich ist, dann wären ihre Kinder noch weiter in Bezug auf  Sprachkenntnisse und kulturelle Identifikation. Dann hätten wir in der dritten Generation die Chance auf echte Integration.

Stattdessen aber kommt ein Elternteil neu hinzu, kann kein Deutsch und lernt es oft auch nicht (das gilt für Männer genauso wie für Frauen). Die Kinder wachsen dann wieder in einem Haushalt auf, der sich fremd fühlt und fremd ist. Sie haben in der Schule und im Berufsleben kaum eine Chance. Daraus erwachsen die Spannungen, die das Klima zwischen In- und Ausländern so vergiften.

Auch Asylwerber und illegale Einwanderer fehlt oft die Voraussetzungen für eine gute Integration. Aber dieser Zustrom lässt sich in der Realität kaum bremsen – und wenn, dann nur mit einer noch brutaleren Behandlung von jedem, der fremdländisch aussieht.

Deshalb wäre es wichtig, den Familienzuzug zu verringern und damit Platz für andere, bessere Zuwanderer zu machen. Dänemark hat dies mit einer Altersgrenze von 24 Jahren für den Zuzug von Ehepartnern aus Nicht-EU-Staaten gemacht – mit der Folge, dass Tausende Dänen mit ihren Partnern in Schweden leben und über die Brücke von Malmö nach Kopenhagen pendeln. Das ist keine ideale Lösung, aber auch besser als nichts tun.

Im Gegenzug müsste Österreich bewusst um Zuwanderer werben und ihnen auch im Land echte Chancen bieten. Das wäre das kanadische Modell, von dem so Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und die Grünen schwärmen. Dafür sind allerdings weder unsere Fremdengesetze noch die Einstellung der Bevölkerung geeignet. Und auch die Regierung, allen voran Fekter, scheint zu dieser positiven Einwanderungspolitik nicht bereit. 

Wer nun sagt, man könnte ja ruhig beide Zuwanderergruppen ins Land lassen – Angehörige und Qualifizierte –, in dem man die Quoten erhöht. der versteht die politischen Realitäten des Landes nicht. Wenn wir, wie es die Wirtschaft fordert, mehr Ausländer im Land wollen, die wichtige Jobs füllen und unser Pensionssystem sichern können, dann müssen die, die wirtschaftlich nichts bringen und sozial vor allem Probleme schaffen, draußen bleiben.

Das mag hart klingen, aber ist immer noch besser als ein Festhalten am Status Quo, was bloß der FPÖ neue Wähler zutreibt.

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 76
1 2 3
das ist fix
00
Keine Zuwanderer, bitte


Wir haben Rekord-Arbeitslosigkeit, wir brauchen daher GAR KEINE Zuwanderer!

Dr.Reinhold Lautner
00
jo

warum machma nach einem jahr ka deutschprüfung?
wer durchfällt fährt heim-so einfach is des

johann potakowskyj
 
01
31.1.2010, 15:26
der familiennachzug

kann schon selektiver sein. wenn ein österreicher z.b. in den usa arbeit findet, dann meint das ja auch nicht, dass geschwister, die finnitant, opa und oma nachkommen können.

minderjährige kinder und ehepartner natürlich ja, aber das ist ja selbstverständlich, darüber braucht man ja nicht zu diskutieren.

johann potakowskyj
 
01
31.1.2010, 15:20
die schlepper werden eben

auch deutschkurse anbieten müssen und noch besser verdienen ...

die 200-300 wörter, die man braucht um deutsche fernsehserien zu verstehen, werden ja nicht so schwer erlernbar seine.

(satire)- die forderung ist natürlich total irrational.

mürkenwürz
12
25.1.2010, 16:15
österreich braucht andere kinder.

talentierte, strebsame, intelligente, aufstrebende kinder. wenn wir, wie die staatsfinanzen es fordern, mehr beitragszahlende wollen, die unser Pensionssystem sichern können, dann müssen die, die wirtschaftlich nichts bringen und sozial vor allem Probleme schaffen, draußen bleiben. darum: mehr pränatale diagnostik.

Das mag hart klingen, aber ist immer noch besser als ein Festhalten am Status Quo.


>>>>> wissen Sie, was sie uns hier sagen, herr frey?

du-bi-dude
00
27.1.2010, 19:40
wow


interessanter gedanke, gute analogie. danke.

bloody-nine
 
02
22.1.2010, 12:47
ich halte es für gefährlich naiv anzunehmen

dass die FPÖ/strache frieden geben würde wenn wir eine andere (egal wie jetzt im detail) zuwanderungspolitik hätten, bzw dass die wähler tatsächlich durch die zuwanderungspolitik (bzw den mangel daran) zur FPÖ getrieben würden.

hätten wir nämlich eine zuwanderungssteuerung, wie sie frey vorschwebt, würde die FPÖ gegen etwas anderes hetzen. halt nicht gegen die unqualifizierten anatolier, sondern gegen die indischen ingenieure, die den einheimischen hojacs die arbeitsplätze in der IT- branche wegnehmen.

die FPÖ will auch nichts weniger und kann nichts weniger brauchen als gelungene integration von zuwanderern. sie lebt vom konflikt, und verlöre so ihre existenzgrundlage.

bubamaja
01
22.1.2010, 12:31
Deutschkenntnisse als Zeichen der Qualität?

Es ist richtig, dass man von den Menschen, die es beabsichtigen, in Österreich zu leben, erwarten und verlangen soll, dass sie sich die Deutschkenntnisse aneignen, und dass Österreich auch hochqualifizierte und motivierte Einwanderer braucht, um besser voran zu kommen. Ich muss aber bemerken, dass die meisten Menschen, die ich kenne, und die kein Deutsch sprechen, hochqualifizierte Manager, Finanzspezialisten oder Techniker sind, die aufgrund ihrer Fähigkeiten nach Österreich geholt wurden. In diesem Fall würden die Firmen viel verlieren, wenn sie darauf warten müssen, dass solche Menschen Deutsch lernen, bevor sie zum arbeiten beginnen könnten. Oder sollen sie eine Ausnahme von der Regelung sein?

bob langer
00
23.1.2010, 19:56
topfen

niemand ist erfolgreich, dem die kommunikation fehlt.

jeder "manager" der die sprache im land in dem er ist nicht kann, dem kann man alles erzählen. er/sie müßte sich auf übersetzte dokumente stützen/braucht einen übersetzer...kann nicht mit mitarbeitern kommunizieren...von den medien die er auch für erfolgreichen business braucht, gar net zu reden.

nein- im gegenteil....richtige manager lernen sofort die sprache des landes.
mein key erlebnis- spanische consulter.... taten sich schwer, haben aber von anfang an auf deutsche meetings bestanen und haben sich durchgekämpft. allein dadurch haben sie sich eine große akzeptanz erarbeitet.

tatsache: wenn ich wohin auswandere, ist es ein muss, zumindest die grundkenntnisse zu beherrschen!

Dante Alighieri
22
21.1.2010, 18:34

Ich denke dass die Vorstellung dass Österreich nur eine gewisse Menge an "Platz" für Zuwanderer hat, ziemlich naiv ist. Außerdem ist Familienzuzug einfach eine menschliche Pflicht -- in Kanada ist man da auch sehr entspannt was Sprachkenntnisse anbelangt. Es gibt sooo viele Jobs für die man gar keine oder nur minimale Sprachkenntnisse braucht -- und "Integration" folgt ganz automatisch bei der zweiten Generation, wenn sich diese willkommen fühlt und von der Gesellschaft und vom Schulsystem positiv aufgenommen Wird. Daran haperts in Österreich halt ganz gewaltig.

Wildhüter John
04
21.1.2010, 13:31

Wow, was ist denn mit dem Standard passiert?

Eric Frey
 
16
21.1.2010, 11:19
Gute Postings

Ich bin positiv überrascht, wie differenziert und ausgewogen die meisten Postings zu meinem Blog sind. Es zeigt mir, dass eine intelligente Debatte über Zuwanderungspolitik, die sich nicht nicht in gegenseitigen Angriffen und Beschimpfungen erschöpft, auch bei uns möglich ist.

bob langer
01
21.1.2010, 21:22
tja

Hr.Frey, die posts reflektieren eben den Blogbeitrag...im guten wie im bösen

und die meisten werden ohnehin wegzensiert...so wie die meinen beim beitrag china google...

oidagrantscherbn
05
21.1.2010, 11:04
Das ich so etwas im Standard lesen darf...

macht Hoffnung!

MarioV
02
21.1.2010, 10:51

[...<]Im Gegenzug müsste Österreich bewusst um Zuwanderer werben[>...]
Wozu ????

Wieviel Demokratie ist es bitte?
32
21.1.2010, 12:10
Um nicht ewig in der Vergangenheit zu leben

Um sich nicht ewig selbst zu zitieren, um die Demographie zu glätten, um festgeschraubte "Identitäten" aufzulockern, um frische Luft, Schwung, Ideen und Kulturelle Einflüsse herein zu lassen, um Ambition zu befördern (mithin unsere eigenen), um Menschen die hier erfolgreich werden wollen, die Chance zu geben, in Kooperation *und* Wettbewerb mit den heimischen Leistungsträgern den Wohlstand zu erzeugen, der einerseits ihnen selbst und andererseits unserem Gemeinwesen weiterhilft.

Kurzum: um Österreich aus dem Wachkoma zu holen und es in die größerformatierte Welt zu integrieren, von der es sich aus Angst vor Ansporn und Belebung, vor dem heute und dem Morgen, vor der Aufgabe von Lethargie und Tranigkeit, abzuschotte(r)n versucht.

ordy
22
21.1.2010, 14:17

Österreich hat schon genug aufgenommen. Irgendwann muss Schluß sein.

exilkaerntner
00
21.1.2010, 18:09
es geht um qualifizerte zuwanderer,..

die brauchen wir nicht zu knapp.
gutausgebildete leute verdienen normalerweise überdurchschnittlich gut. zahlen desweg auch mehr sozialabgaben und steuern.

die probleme, die wir mit den bis jetzt aufgenommenen haben sind zumeist selbst gemacht.
1. hat man sie oft als saisonarbeiter geholt und ihre aufenthaltsbewilligung immer verlängert und - oh wunder- irgendwann wolltens dableiben.
2. hat man ihnen ja nie richtig gesagt was man von ihnen- in sachen gesellschaftlichen zusammenleben- verlangt. man hat sie einfach allein gelassen. integration ist immer zweischneidig. jemand muss integriert werden und die gesellschaft muss es auch einsehen, das da jemand ist, den man integrieren muss.

ordy
00
26.1.2010, 10:21

Wir brauchen niemanden. Die Einwanderer brauchen uns.

jo eh
03
21.1.2010, 13:09

dazu braucht es QUALIFIZIERTE, gebildete zuwanderer

Wieviel Demokratie ist es bitte?
00
21.1.2010, 13:53

Habe ich etwas Gegenteiliges behauptet?

Es ist der Fall, daß die Gesetze die Fekter und Darabos ausheckten, *genau diesen* jede Ambition im Keime ersticken, anstatt es ihnen so einladend und einfach wie möglich zu machen.

jo eh
01
21.1.2010, 14:36

nein.

genau diese motivierten und qualifizierten zuwanderer lassen sich eben nicht von einem für sie simplen sprachtest abschrecken.

eine "hürde" ist dieser hingegen für gering qualifizierte, für analphabeten und für personen die sich nicht mal ansatzweise für die potenzielle "neue heimat" interessieren

MarioV
01
21.1.2010, 12:53

Es gibt genug, die gerne kommen würden, nebst der nicht geringen Anzahl jener die schon gekommen sind.
Wozu also noch extra bewerben?

Minimonk
01
21.1.2010, 09:47

Recht hatta, Schwechatta.

du-bi-dude
00
21.1.2010, 20:34
PROST!!-ata!


sonst rostet-a!

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