Heuchel und Meuchel

19. Jänner 2010, 18:59

Um die Integration zu erzwingen, werden ein paar Bedingungen gestellt, wie etwa verpflichtende Deutschprüfungen, positive Anreize gibt es de facto keine

In der Kürzestfassung hat der "Nationale Aktionsplan Integration" der Bundesregierung folgende Stoßrichtung: Neue Ausländer sind unerwünscht, und die, die schon da sind, sollen endlich bessere Menschen, also mehr wie Österreicher werden. Um die Integration zu erzwingen, werden ein paar Bedingungen gestellt, wie etwa verpflichtende Deutschprüfungen, positive Anreize gibt es de facto keine. Außer eben die "gleichberechtigte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben", was ja schon ein unglaubliches Entgegenkommen unsererseits wäre - wenn er halt brav ist, der Ausländer.

Aber selbst diese Aussicht ist höchst theoretisch - wie eben der ganze Aktionsplan, der eher ein Placebo für die Österreicher darstellt - nach dem Motto der Regierung "Wir tun eh was". Immerhin wird angeführt, dass die Regierung Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung bekämpfen möchte. Möchte man das glauben?

Es sind doch maßgeblich die Politiker, auch jene der Regierung, die Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung befördern. Es ist die Innenministerin, die (vielleicht Kraft ihres Amtes) Ausländer primär als Kriminelle ansieht. Erfrischend ehrlich ist dagegen die Industrie, die Ausländer - vorurteilsfrei - als Arbeitskräfte wahrnimmt.

Der Aktionsplan der Regierung mag niemandem wehtun, das kann man schon als positiv ansehen, aber diese Ansammlung banaler Überschriften wird Integration auch nicht vorantreiben. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2010)

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Rea List
14
20.1.2010, 14:06
also ich finde, dass die möglichkeit zum verbleib in diesem land für viele durchaus ein positiver anreiz wäre.

Dreistein
 
12
20.1.2010, 13:54
Sollte ein Zuwanderer vielleicht einen Orden überreicht bekommen, wenn er sich dazu herablässt, die Landessprache zu erlernen?

Rene Meisel
12
20.1.2010, 12:58
NAPI?!

warum eigentlich "NAP I"und nicht "NAPI"?
hat da jmd .Angst vor fern-bzw. naheliegenden Assoziationen?

der tueftler
03
20.1.2010, 11:42
wirkung und nebenwirkung

es stimmt sicher, dass ein hauptziel die befiredigung niedriger instinkte ist. wer ausländer sekkiert, wird vielleicht eher gewählt... das lehne ich auch ab.
andererseits ist nicht einzusehen, dass etwa türkische ehepaare nach zehn jahren in österreich für ihre scheidung einen dolmetscher (natürlich auf staatskosten) brauchen. man kann es drehen, wie man will, aber wer hier her kommt, muss in absehbarer zeit in der lage sein am leben teilzunehmen. deutsch kann man auch ohne kurs lernen, das ist nicht zu viel verlangt.

Ernst Marx
28
20.1.2010, 11:39
Zuwanderung

Wie schon angemerkt ist Zuwanderung nötig, aber gesiebt.
In vielen oder besser gesagt in den meisten Zuwanderungsländern der Welt ist Zuwanderung an Bedingungen geknüpft.
Warum dürfen wir uns unsere Zuwanderer nicht aussuchen ?
Nur weil ein paar Gutmenschen glauben hier alles und jeden hierherzubitten ????
Qualitative Zuwanderung ist für alle ein Gewinn für uns und für den Zuwanderer.
Integration nicht Assimilation sind hier die Devise
Integration beginnt beim Zuwanderer !!!

ja aber
00
20.1.2010, 17:58
Warum dürfen wir uns unsere Zuwanderer nicht aussuchen?

wenn ich mich richtig entsinne, ist das ein anliegen (zumindest ein kriterienkatalog) der gruenen schon seit jahren. die fpoe und oevp wollte ja lieber billige hilfshackler statt qualifizierte leute. die spoe dreht sich sowieso im wind. seti strache auf die auswahl aufgesprungen ist, redens brav dessen anhaenger nach.

mit der derzeitigen politik schreckt das eher qualifizierte leute ab. warum braucht unser eliteinstitut gugging schon 3 jahre zue personalsuche und hat noch nicht mal ausreichend wissenschaftler?

sleepyc
00
20.1.2010, 15:54
würden's das wort "gutmenschen" nicht so

bewußt abwertend gebrauchen, wär ihr posting ein sehr gutes, sie mensch
;-)

trotzdem
24
20.1.2010, 11:33
.......sollen endlich bessere Menschen, also mehr wie Österreicher werden.

Das klingt wie eine gefährliche Drohung.

Bertel Mann
13
20.1.2010, 11:27
Erfrischend ehrlich ist dagegen die Industrie, die Ausländer - vorurteilsfrei - als billige Arbeitskräfte wahrnimmt, mit denen sich trefflich das Lohnniveau drücken lässt

stefan81
13
20.1.2010, 10:28

positive anreize? hierbleiben zu dürfen sollte wohl für jeden anreiz genug sein....

Happels Erben
02
20.1.2010, 10:24
Parallelwelt

und scheinbar Grünwähler.

Die verpflichtenden Deutschkenntnisse fördern letzendlich die Migranten. Wenn man sich die Jugendarbeitslosigkeit anschaut, so sind 80 % Jugendliche mit Migrationshintergrund, die u.a. aufgrund ihrer schlechten Deutschkenntnisse keinen Job finden. In Wahrheit züchten sich die Migranten selbst zu einer neuen Unterschicht.

Die verpflichtenden Deutschkenntnisse vor der Aufenthaltsbewilligung sind der erste Schritt gegen diese Entwicklung, natürlich müssen da noch andere folgen.

Dormouse
00
20.1.2010, 11:55

ob da wohl nur die "schlechten" deutschkenntnisse dafür verantwortlich sind, od. wohl doch eher fremdenhass?!

mfg

werbik wolfgang
00
21.1.2010, 18:47
dormouse

ich würde mit dem Wort Fremdenhass etwas vorsichiger sein, es ist einfach wichtig die Sprache des Gastlandes zu beherschen - punkt um!

sleepyc
00
20.1.2010, 16:01
verantwortlich ist wohl eher,

dass über jahrzehnte zugelassen wurde, dass menschen, die als niedrigqualifizierte
gastarbeiter(kaum Innen) hier mehr oder minder ghettos gebildet haben.
sie haben sich sub-sub-sub-standardwohnungen wohnlich gemacht. und sind - entgegen aller ursprünglichen planung da geblieben.
haben die familien in die ghettos nachgeholt.
und weder die nachgeholten als die hier geborenen hatten irgenwelche veranlassung, das ghetto zu verlassen.
wozu soll man sich dann die mühe antun und eine fremde sprache (noch dazu ein so komplizierte wie deutsch) lernen.

das macht die österreicherInnen, die ja in überwiegender mehrheit auch weder intelligenter und gebildeter als die 'ghetto-migrantInnen' miestrauisch.
daraus resultieren missgunst und abneigung.

Promenierer
011
20.1.2010, 08:43

Bei aller guter Absicht des Verfassers: habe den Eindruck, er hat nicht wahrgenommen, was vor Ort passiert! Die Wirtschaft hat schon immer alles genommen, womit man Geld machen kann! Wenn sie es nicht mehr brauchte, stellte sie es anderen vor die Tür: sei es gebildet oder ungebildet, kriminell oder rechtsverbunden, aggresiv oder gutmütig, zivilisiert oder barbarisch.

W. Schaffenrath
55
20.1.2010, 08:31
Zuwanderung und Integration junger Menschen ist grundsätzlich erwünscht,

denn bei einer Geburtenrate von 1,3 würde die Bevölkerung ohne Zuwanderer bis zum Jahr 2050 dramatisch schrumpfen. Auch der kommende Fachkräftemangel und die Globalisierung des Arbeitsmarktes bringen große Probleme.

Schlimmer noch als diese demografische Fehlentwicklung würde sich die Überalterung der Gesellschaft auswirken. Dies wird mit Sicherheit das gegenwärtige Rentensystem zu Fall bringen.

Wer die Augen verschließt und Zuwanderung im Sinne der Rechtspopulisten verhindern will, wird Schuld tragen am sinkenden Wohlstand und am sozialen Unfrieden.

Überlasst Zuwanderung und Integration weder den Rechten noch dieser Frau mit dem stechenden Blick und schon gar nicht der nach rechts abgedrifteten SPÖ!

Aufreger
11
20.1.2010, 13:52
Ihre Argumente stimmen nur wenn man von falschen Vorraussetzungen ausgeht....

1. die Welt ist überbevölkert, zurückgehende Bevölkerungsdichte ist also positiv. dies gilt vor allem für ein relativ ressourcenintensiv lebendes Land wie Ö.
2. die Produktivitätssteigerungen haben sich in der Vergangenheit mit der Schaffung neuer Wirtschaftszweige ausgleichen lassen. Es sind allerdings keine neuen Zweige in Sicht welche die Mengen an Arbeitslosen aufnehmen könnten.
3. Seit wann müssen wir uns eigentlich an ein willkürlich geschaffenes (Pensions)system anpassen und das System nicht an uns? Bei den derzeitigen Privilegien (Politikerpensionen, Witwenpensionen, Nationalbankpensionen) sollte man vielleicht einmal über den Umbau des Systems nachdenken.
4. Sozialer Unfrieden kann auch auf Grund ethnischer Spannungen erfolgen.

W. Schaffenrath
02
20.1.2010, 14:27
"Die Welt ist überbevölkert"

Wer behauptet das?

Und wenn es so wäre, würde ein Ausweg darin liegen, dass 4,5 % der Weltbevölkerung, die reichsten Länder Europas, die über 40 Prozent der Ressourcen verfügen, ihre Geburtenrate senken?

Functio Laesa
13
20.1.2010, 11:35
Je weniger Junge nachkommen

desto größer sind unsere Chancen mit 50 noch einen Arbeitsplatz zu haben. Wir sollen ja auch länger arbeiten als die Generation vor uns. Wo sollen denn die Arbeitsplätze und der Wohnraum herkommen? Mehr Nachwuchs löst nicht nur Probleme er erzeugt meiner Meinung nach auch neue Probleme.

W. Schaffenrath
01
20.1.2010, 11:58
Eine völlig überaltete Gesellschaft

wird jedoch unvergleichlich mehr Probleme haben.

Derzeit sind 21 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre. Mit einer Geburtenrate von 1,3 und ohne junge Zuwanderer würde sich dieser Anteil bis 2050 verdoppeln...

Sehr verlockend, in einer derartig strukturierten Gesellschaft zu leben!

Die Ressourcen der Volkswirtschaft würden draufgehen allein für die Pflege von Millionen Greisinnen...

Ernst Kratochwil
00
21.1.2010, 14:46
Das stimmt ja nicht.

Die Leute werden nicht nur älter, sondern werden auch viel später zu Greisen.

Abgesehen davon verstehe ich Ihre Alternative nicht ganz- ein ständiges (unendliches) Ansteigen der Bevölkerung?
Da sehen Sie keine Grenze, bei den (endlichen) Ressourcen?

W. Schaffenrath
00
21.1.2010, 16:51
Das sehe ich, mit Verlaub, ein wenig anders!

"Die Leute werden nicht nur älter, sondern werden auch viel später zu Greisen."

Die Menschen werden älter, weil die (sündteure) Medizin das Altern nicht aufhalten kann, aber das Leben um jeden Preis verlängert.

Die dramatische Zunahme von Demenzpatienten ist eines der teuer erkauften Beispiele.

byron sully
02
20.1.2010, 02:56

großteils zustimmung, aber der satz "Der Aktionsplan der Regierung mag niemandem wehtun" stimmt definitiv nicht.

Hrabal
93
19.1.2010, 23:19
der Plan der Herrenvolk-Regierung

Schon allein solche Begriffe wie Mehrheitsbevölkerung machen stutzig - das riecht verdammt nach unverdauter Vergangenheit.
Was die Regierung dafür zu tun gedenkt, dass das österr. Herrenvolk auch weltoffener wird, seinen kleinbürgerlichen Horizont ablegt, bleibt sie mit Absicht schuldig.
- 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es nicht einmal so etwas wie schulische Schnupperkurse für Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch, Slowenisch, Italienisch obwohl dies Nachbarsprachen sind...
- Ob die öffentliche Hand z.B. nun den Putzfrauen, die vorwiegend nicht Deutsch als Muttersprache haben, und die u.a. täglich deren Dreck wegräumen müssen, nun einen Gratis-Deutschkurs anbieten wird, muss bezweifelt werden.

Anton Friesl
10
20.1.2010, 15:53
Wenn jemadnen das Wort "Mehrheitsbevölkerung" stutzig macht.,.

dann hat derjenige noch sehr viel Verdauungsarbeit vor sich.

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