STANDARD-Interview

"SPÖ hätte viel genauer hinschauen müssen"

19. Jänner 2010, 17:35
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    foto: apa/techt

    Landeschef Voves: "Die SPÖ hat zwei Jahrzehnte versucht, das Thema Asyl und Integration nur mit ideologischen Stehsätzen zu beantworten."

Der steirische Landeshauptmann Voves warnt seine Partei vor Massen­steuern zur Budget­sanierung und will auch die FPÖ in Sachen Integration einbinden

STANDARD: Umfragen zufolge könnte die SPÖ das 2005 eroberte Bundesland im Herbst wieder an die ÖVP verlieren. Was ist da passiert?

Voves: Wir befinden uns zugegebenermaßen in einem schwierigen Umfeld: Wir haben eine Weltwirtschaftskrise, einen starken Gegenwind gegen die Sozialdemokratien in Europa und hier einen Regierungspartner ÖVP, der seit viereinhalb Jahren Frontalopposition macht. Und trotzdem: Wir haben eine absolut tolle Chance, wieder stimmenstärkste Partei zu werden. Die ÖVP hat 60 Jahre ein Netzwerk aufgebaut, da braucht man halt mehr als eine Periode, um mehr zu ändern. Es ist uns aber gelungen, im Netz da und dort eine Wabe wegzuschneiden.

STANDARD: In ersten Plakaten und Aussagen zum Wahljahr lassen SPÖ und auch ÖVP erkennen, dass Sie sich besonders um FPÖ-Wähler bemühen werden. Das heißt: Es droht ein Ausländerwahlkampf.

Voves: Dazu muss man sagen: Beide Großparteien tappen in der Frage Asyl und Integration in die Strache-Falle. Es werden immer schärfere Maßnahmen gefordert, bis am Schluss die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Die gesamte Politik in Österreich hat es zugelassen, dass in den Köpfen vieler Österreicherinnen und Österreicher alle Asylanten zu Verbrecher gestempelt worden sind.

STANDARD: Sie warnen vor der "Strache-Falle" , auf der anderen Seite werben Sie um FPÖ-Wähler. Wie geht das zusammen?

Voves: Für mich geht es darum: Die SPÖ hat zwei Jahrzehnte versucht, das Thema Asyl und Integration nur mit ideologischen Stehsätzen zu beantworten. Diese Themen hätten aber viel früher verlangt, dass wir auf die Schauplätze, dort, wo sich die Probleme abspielen, viel genauer hinschauen. Ohne Ideologie, sondern mit realistischer Politik. Wir hätten etwa in der Wohn- und Schulpolitik viel früher reagieren müssen.

STANDARD: Nochmal: Wie wollen Sie FPÖ-Wähler gewinnen, ohne selbst nach rechts abzudriften?

Voves: Indem ich sage: Wir machen ganz aktiv Integrationspolitik. Auch wir wollen keine 90 Prozent nicht Deutsch sprechender Kindern in den Klassen. Aber nicht im Sinne von Unmenschlichkeit oder Intoleranz. Ich wäre auch bereit, hier mit der FPÖ über Maßnahmen, die ein besseres Zusammenleben von in- und ausländischer Bevölkerung ermöglicht, zu reden. Aber sicher nicht, indem ich die höchsten Werte wie soziale Gerechtigkeit infrage stellen lasse.

STANDARD: Wie weit würden Sie in einer Kooperation mit der FPÖ gehen? FPÖ-Landeschef Gerhard Kurzmann sagte kürzlich im Gespräch mit dem Standard, er werde den zum Landeshauptmann wählen, mit dem etwa ein landesweites Bettelverbot durchsetzbar sein wird.

Voves: Sie werden sich wundern, was ich jetzt sage. Es ist auch hier, wie in der Integrationspolitik: Wir müssen auch hier endlich genau hinschauen. Wir wissen, dass es organisiertes Betteln gibt, die armen Menschen werden mit Bussen an den Stadtrand gebracht. Die Hintermänner sitzen in Schlössern in Osteuropa. Wir haben den Bettlern vor Ort geholfen, wir haben Hilfsprojekte lanciert. Es nützte nichts. Experten sagen uns, man bekommt das organisierte Betteln nur in den Griff, wenn man den Radius einengt und etwa in den Innenstädten das Betteln verbietet. Wenn man den Hintermännern so das Handwerk legen kann, ist das in Ordnung.

STANDARD: Sie haben vor Monaten bundespolitisch mit Forderungen nach stärkerer Belastung von Vermögen ziemlich laut aufgezeigt. Dann ist es ruhig geworden um Sie. Hat Ihnen die Debatte um die steirische SPÖ-Stiftung nachdrücklich geschadet?

Voves: Die Stiftung, die ich ja sozusagen geerbt habe, spielt keine Rolle mehr, die wurde aufgelöst. Die Debatte ändert aber nichts an meine Forderung nach einer stärkere Besteuerung der Stiftungen. Was jetzt aber ansteht, ist die Budgetkonsolidierung 2011, nach diesen enormen Ausgaben für die Krise. Das geht nicht allein über Reformen im öffentlichen Bereich oder Kürzungen von Dienstleistungen. Außer man wäre bereit, dem Herrn Strache die Scheunentore zu öffnen.

STANDARD: Also neue Steuern?

Voves: Vorweg: Ich bin absolut bereit, über Strukturreformen nachdenken. Auch in den für Sozialdemokraten sensiblen Sozial- und Bildungsbereichen -, ohne dass wir deshalb unsere Grundwerte aufgeben. Wir müssen die soziale Treffsicherheit von Leistungen überprüfen, schauen, ob da oder dort bestimmte gesetzliche Leistungen wirklich noch notwendig sind. Ich will das einmal so stehenlassen.

STANDARD: Woher soll nun frisches Geld fürs Budget kommen. Vielleicht doch - wie schon diskutiert - über den einfachsten Weg einer Erhöhung der Mehrwertsteuer?

Voves: Es kann nur um die Entlastung des Faktors Arbeit zulasten des Vermögens und der Vermögensvermehrung gehen. Ich hoffe für die SPÖ, dass sie nicht bereit sein wird, der ÖVP nachzugeben und Massensteuern zu akzeptieren. Die SPÖ muss mit einem glaubwürdigen Beitrag aus der ganzen Krisengeschichte aussteigen. Ich gehe davon aus, dass auch Parteivorsitzender Werner Faymann keine Massensteuern will. (Walter Müller/DER STANDARD-Printausgabe, 20.1.2010)

Zur Person:

Franz Voves (57) kam als Manager-Quereinsteiger in die Politik, ist seit 2002 steirischer SPÖ-Chef und amtiert seit 2005 als erster "roter" Landeshauptmann der Steiermark. Im Herbst muss er sich der Wiederwahl stellen.

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Charly Blecher
00
Interessanter Beitrag über die Umwandlung der Partei-Stiftung soeben auf Ö1

Umwandlung der Stiftung in eine steuerschonende GesmbH! Für wie dumm werden wir von unserem Landeshauptmann gehalten?

maria kidalg
 
00
23.1.2010, 18:25
Voves überholt in der Angelegenheit "Bettelverbot" Strache

Die Polizei weiß nichts über «die Hintermänner in den Schlössern». Wenn Voves die Schlösser kennt, in denen die vermeintlichen Ausbeuter der in Graz Bettelnden sitzen – warum bekämpft er dann die Opfer der Schlossbesitzer? Und sind es nicht überwiegend westliche Investoren, die sich die Schlösser Osteuropas angeeignet haben?

Der gesamte Kommentar findet sich auf der Webseite der Bettellobby Wien
http://bettellobbywien.wordpress.com

Dreistein
 
00
23.1.2010, 21:32

Weil Voves keinen Einfluß auf das mafiöse Geflecht in der Ostslowakei hat.

wir sind heiser
03
20.1.2010, 23:39
ist er der neue bundeskanzler

ich könnt mir das vorstellen, denn sein ton gefällt mir.
der haut auch mal drauf, wenn pröll es ihm verbietet.

Pol e Mike
11
21.1.2010, 10:27
Prolet zu Prolet.....

....sie machen sicher auch gerne Fackelzüge am Heldenplatz!

Njörd
00
20.1.2010, 21:00
Zuerst einmal den Arbeitslosen Arbeit geben.

Bevor man Propaganda für Zuwanderung und Steuererniedrigung macht. Noch mehr Arbeitslose
bewirken noch höhere Steuern.
Insofern widerspricht sich Voves.

Felix Österreicher
00
28.1.2010, 13:19
Steuer erniedrigung

Super - ist ja tatsächlich so!

Wir werden so hoch besteuert - das kann man schon als Erniedrigung betrachten !!!

Linus Tintifax
00
24.1.2010, 05:28
lesen ist die eine sache, verstehen ....naja sie wissen schon

arbeitsplätze kosten geld, das nach der dreifachabzocke der banken dem bund (wie fast allen anderen staaten weltweit) fehlt. da war der herr voves recht deutlich: sparen ist angesagt. und wenn schon geld nehmen dann von dort, wo es im überfluss vorhanden ist. so schwer ist das doch eigentlich nicht zu kapieren. was meinen sie?

Winter20
02
20.1.2010, 15:11
Neupositionierung der SPÖ mit Voves als Parteiobmann!

Früher ist es der SPÖ gelungen, ein breites aufsteigsorientiertes Arbeiter- und Angestelltenmilieu für ihre gesellschaftspolitischen Positionen und Solidarität mit den sozial Schwachen zu gewinnen. Heute setzt sich die SPÖ für die Einwanderung in das österr. Sozialsystem, die konfiskatorische Besteuerung des Mittelstands und die Subventionierung von sechs Millionen Nettoempfänger durch zwei Millionen Nettozahler ein. Es ist Zeit für eine Neupositionierung der SPÖ!

Captain Smoker
01
20.1.2010, 20:43

Lol, Sie wollen die SPÖ zerstören? Oder warum setzen Sie auf Voves? Er ist nach Dörfler ganz klar der unfähigste Landeshauptmann mit den meisten dubiosen Machenschaften und Lügen.

Linus Tintifax
00
24.1.2010, 05:31
na und?

wenn seinen populistisch anmutenden forderungen tatsächlich auch sinnvolle taten folgen, wenn juckt's? fürs lügen werden ohnehin ALLE politiker bezahlt. oder wussten sie das noch nicht?

Captain Smoker
00
24.1.2010, 10:55

Naja, fragt sich nur ob er mit der Stiftung, Fohnsdorf, der Luxuseinrichtung auf Steuergeldkosten, ... nicht mal den Bogen überspannt hat.

Herzerzog Johann
01
20.1.2010, 15:37
Eine Neupositionierung der SPÖ wird es nicht geben.

Diese Partei wird mit ihrer gegenwärtigen Wählerschaft, den Alten, (aus)sterben.

Stahl_____666
03
20.1.2010, 12:43
.

Der steirische Obama - viel und klass reden und wenig bis nix weiterbringen.

raspel
05
20.1.2010, 14:26
Obama

Ich dachte, der ist ein Schwarzer (?).

natoll
12
20.1.2010, 14:23

na dann zähl uns doch ein paar dinge auf die unsere werte regierung in den letzten jahren so "weitergebracht" hat.
ausser der rekordverschuldung und einem heisse-luft presseauftritt eines pröll.

Baer8
13
20.1.2010, 12:36
Die Roten und die Schwarzen wollen ihre Probleme immer mit einem Griff in den Geldsäckel des Normalverbraucher lösen...

Damit werden die beiderseitigen Tintenburgen mit einem Heer an Nutzniesern finanziert. Diese Zustände sind in der Praxis kaum mehr finanzierbar weshalb viele Unternehmen durch die hohen Lohnnebenkosten am Ende sind. Die Unternehmen versuchen wiederum durch Lohn- und Gehaltsdumping den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Letztlich wird nur helfen den Beamtenapparat um die Hälfte zu reduzieren - besser heute als morgen.

sterngucker
 
01
20.1.2010, 16:20
Nutznieser

Sind das die, aus deren Niesanfällen erneuerbare Energie gewonnen wird?

Artefix
02
20.1.2010, 13:20
Besser kann man es nicht sagen,

außer das leider auch blauorange Figuren in der Politik auch nichts dran ändern werden.

Fröhlich sein hilft
04
20.1.2010, 12:32
neutrale Beobachtung

Die Voves-Fotos sind immer perfekt...

New Hampshire
48
20.1.2010, 12:19
Ad Voves

Der Voves taugt mir - 4 1/2 Jahre spielt er das linke Gewissen der SPÖ - zählbares Ergebnis: 0,00

Alle paar Wochen zündet er eine seiner Vermögenssteuer-Ideen, diese geistigen Luftblasen zerplatzen dann immer binnen weniger Tage.

In der Löwelstraße duldet man das, weil man weiß, dass viele Leute so was gerne hören (siehe Standard Forum).
Umgesetzt wird von den Vovesschen Geistesblitzen seit jeher absolut nichts.
Er bedient halt eine Klientel mit Worthülsen - das ist sein ganzer Daseinszweck in der SPÖ.

Warum sollte ich den wählen - wo doch auch in der Politik gilt: "An meinen Taten sollt ihr mich messen".

michelkholhaas
00
20.1.2010, 12:32
und wen wählen sie in new hampshire dann

zum provinzgouverneur? welcher österreichische / steirische politiker setzt schon taten, außer vielleicht die schotterunternehmerin zu eberau?

Loup Garou
01
20.1.2010, 12:50
appropos Eberau...

bin mal gespannt, wann die Eberauer draufkommen, dass 130 Arbeitsplätze in unmittelbarer Nähe vielleicht doch nicht so schlecht gewesen wären.
Von den Betrieben, die sich im Zuge des Aufnahmezentrums dort angesiedelt hätten ganz zu schweigen...

Sie hats halt einfach (einmal mehr) blöd aufgezogen, die Mizzi..

per verser
10
20.1.2010, 16:17

die 130 arbeitsplätze und die betriebe...

das hat etwa die qualität der kriegsflugzeug-gegengeschäfte :o)

Loup Garou
00
20.1.2010, 16:36
wieso?

kennen Sie sich mit Kriegsflugzeugen etwa aus?

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