Erdbeben

Istanbul steht auf Hochrisikogebiet

19. Jänner 2010 15:20

Grenze zwischen der anatolischen und eurasischen Platte steht unter Spannung

Ulster/Karlsruhe - Die in der Zwischenzeit befürchteten über 200.000 Todesopfer durch das Erdbeben in Haiti in der vergangenen Woche rücken auch andere gefährdete Regionen wieder mehr in den Focus. Geowissenschafter warnen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience, dass an einigen neuralgischen Punkten der Erde ähnlich schwere Beben zu befürchten sind.

So erwartet John McCloskey von der Universität Ulster etwa ein Beben im Westen der indonesischen Insel Sumatra. Ähnlich wie in Haiti habe sich auch hier an der Grenze der indischen und asiatischen Platte seit 200 Jahren viel tektonische Energie aufgestaut. "Die Situation ist vergleichbar mit einem Bogen, der gespannt wird. Über hunderte Jahre speichern die Platten Energie, indem sie sich verbiegen und verformen. Irgendwann wird diese Energie in wenigen Sekunden freigesetzt, in einem massiven Erdbeben oder auch in einem weiteren Tsunami, falls sich dabei der Meeresboden verbiegt", so McCloskey.

Gefahr für die türkische Großstadt

Ein weiteres dieser Gebiete unter Spannung ist die Grenze zwischen der anatolischen und eurasischen Platte in der Türkei. Seit 1939 bebt die Erde hier sukzessiv, zuletzt im Izmit-Beben im August 1999, das 18.000 Todesopfer forderte. "In der Kette von Erdbeben wäre nun jenes westlich von Izmit, also südlich von Istanbul an der Reihe. Das bedeutet eine extreme Gefahr für die türkische Großstadt, besonders wenn die Störung mit einem einzigen großen Beben bricht", so Tobias Hergert vom Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology am Karlsruher Institut für Technologie.

Hergert hält es für wahrscheinlich, dass es in Westanatolien zu mehreren kleineren Beben kommt, die jedoch ebenfalls eine Magnitude von sieben überschreiten könnten. Die Verwerfungszone liege bloß 20 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt, wodurch für Istanbul die Vorsorge unerlässlich sei. "Die Stadtverwaltung ist bereits aktiv in der Erstellung eines Notfallplans, bei dem etwa kritische Infrastrukturen und Versorgungswege wie etwa Brücken identifiziert und Alternativrouten entworfen werden", so der Geophysiker.

Städte in Risikogebieten

Wie in allen Erdbebengebieten gelte allerdings, dass Erdbeben zwar vorhersehbar, jedoch nicht exakt vorhersagbar sind. "Weltweit gibt es unzählige tektonisch gefährdeten Regionen und man kann nicht sagen, in welcher die Erde als nächstes beben wird. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch den Risikogebieten, an denen sich Megacitys befinden. Dazu gehören neben Istanbul auch Neu Delhi, Katmandu, Teheran, Tokio und Los Angeles", so Hergert. (red/pte)

Schnapphahn
20.01.2010 14:42
In Haiti kann man

deutlich sehen, wie schnell eine ganze Zivilisation zusammenbrechen kann.
Eine Erdbebenkatastrophe in ähnlicher Stärke möchte ich wirklich nicht in Istambul erleben.
Weis jemand, wie Erdbebensicher dort gebaut wurde?

Kornmanns Zierrat
21.01.2010 12:09
eine ganze Zivilisation

Auf Haiti ?

Die Römer vor 2.000 Jahren waren besser organisiert als Haiti gestern, heute und morgen.

rentnak2
20.01.2010 16:19

In Istanbul leben etwa 10 - 20 Millionen Menschen, keiner weiß es genau. Das gefährliche ist, dass viele Menschen sich am Randgebiet der Stadt ansiedeln und unter Slum ähnlichen Zuständen leben (Wellblechhütten, Häuser die um einige Stockwerke aufgestockt wurden - natürlich ohne Genehmigung etc). Ich denke, man wird wohl oder übel mit einer größeren Katastrophe rechnen müssen, sollte es zu einem großen Erdbeben kommen.

artemis70
20.01.2010 00:04
aus welchen fundus hat die redaktion

denn diese uralt-geschichte ausgegraben? sie wird anscheinend nach jedem großbeben wiederverwendet.

nodiesop
20.01.2010 14:21
na offenbar gibt's andere aktuelle Quellen die das anstoßen

siehe...
Geowissenschafter warnen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience,...

doSomething()
19.01.2010 18:21
"Mehrere kleine Beben…"

"… die jedoch ebenfalls eine Magnitude von sieben überschreiten könnten."

Da untertreibt wohl jemand mit "kleine Beben", oder?

Mulla Nasrudin
19.01.2010 19:44

Das ist halt immer relativ zu sehen.

Man könnte auch sagen, man wünsche Istanbul viele kleine Erdbeben (um die tektonischen Spannungen abzubauen, die ansonsten ein wirklich großes Erdbeben verursachen würden!), das würde aber mit Sicherheit falsch, nämlich Türkei-feindlich, verstanden werden ;-)

I bis
19.01.2010 16:28

Im National Geographic gab es einmal einen Bericht über die Verwerfung bei Istanbul, Forscher haben mit einem Tauchboot den Boden des Marmarameeres erkundet.

Auf den Fotos hat man auch als Laie die Bruchstelle klar als scharfe Geländestufe erkennen können. Es ist beklemmend, so exakt zu sehen, von wo die tödliche Gefahr für Tausende Menschen ausgeht.

caranx
19.01.2010 21:21
Istanbul, Yosemite, San Francisco, Neapel.....

Irgendwann wirds gewaltig rappeln.

Einmal hats ja bei Istanbul schon ganz gewaltig gerappelt, da hat sich der Bosporus gebildet und das Mittelmeer ist durchgebrochen.
Und hat so vielleicht die historische Vorlage zur biblischen Sintflut geliefert.

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