Besser als erwartet

2009 war doch kein Rekord-Schuldenjahr

19. Jänner 2010 13:15

Budgetdefizit 2009 bei 3,5 Prozent - für die kommenden Jahre wird mit einer deutlichen Verschlechterung gerechnet

Wien - Das gesamtstaatliche Maastricht-Defizit hat im Vorjahr 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgemacht. Damit wurde der bei der Budgeterstellung angepeilte Wert erreicht - und der im Oktober von Finanzminister Josef Pröll (VP) nach Brüssel gemeldete höhere Abgang von 3,9 Prozent unterschritten. Die Staatsverschuldung fiel laut dem am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Budgetvollzug 2009 mit 66,5 Prozent sogar etwas niedriger aus als bei der Budgeterstellung im Frühjahr 2009 angenommen.

Sowohl Defizit als auch Staatsverschuldung lagen im Krisenjahr 2009 aber über den im EU-Stabilitätspaket vorgegebenen Grenzen von drei bzw. 60 Prozent. Die EU hat gegen Österreich auch bereits ein Defizitverfahren eingeleitet. Die dabei im Oktober des Vorjahres von der EU angenommenen 4,2 Prozent Defizit hat Österreich aber deutlich unterboten.

Den Bemühungen um die Budgetkonsolidierung und Eindämmung der Schulden hat die Wirtschaftskrise freilich einen Strich durch die Rechnung gemacht: Gegenüber 2008 sind sowohl das Defizit als auch die Staatsverschuldung deutlich gestiegen. Damals betrug das Maastricht-Defizit 0,3 Prozent und die Schuldenquote 62,5 Prozent. 

Staatsschulden nicht auf Rekordhöhe

Die Staatsverschuldung ist 2009 doch nicht - wie eigentlich im Bundesvoranschlag erwartet - auf Rekordhöhe gestiegen. Die im Vorjahr u.a. angesichts des Bankenhilfspakets prognostizierten 68,4 Prozent wurden laut dem am Dienstag vom Finanzministerium veröffentlichten vorläufigen Budgetvollzug nicht erreicht. Mit 66,5 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt/BIP) fiel die Verschuldung ebenso hoch aus wie 2002.

Damit werden sich auch die Prognosen für die nächsten Jahre - für 2010 rechnete man im Doppelbudget 2009/2010 mit 73 Mrd. Euro - ändern. Die Defizit-Prognose lässt das Finanzministerium für 2010 mit 4,7 Prozent aber unverändert. Details zur Schuldenquote 2010 und die Zahlen für die weiteren Jahre werden im Stabilitätsprogramm enthalten sein, das Österreich in den nächsten Tagen an die EU übermitteln will, hieß es am Dienstag im Finanzministerium.

Unter Rekordwert von 1996

Die 66,5 Prozent Staatsverschuldung heuer liegen deutlich unter dem 1996 erreichten Rekordwert von 68,3 Prozent. Seither hat sich Österreich bemüht, die Verschuldung abzubauen - zumal bei der Einführung des Euro in den Stabilitätskriterien für die Länder der Euro-Zone eine Grenze von 60 Prozent festgeschrieben wurde. Dieser Wert wurde nach einem mühsamen Sparkurs 2007 mit 59,4 Prozent erreicht, 2008 mit 62,5 Prozent aber schon wieder überschritten. Grund für den neuerlichen Anstieg war 2008 vor allem das Banken-Hilfspaket.

Die Drei-Prozent-Defizit-Grenze hat Österreich seit 1997 nur ein Mal übertreten - und zwar 2004 mit 4,4 Prozent. Österreich kam damals zwar nach eigenen Berechnungen nur auf 1,2 Prozent - aber das europäische Statistikamt sah von der Republik ausgegebene Milliarden im Zusammenhang mit der ÖBB-Reform als defizitwirksam an, womit man auf 4,4 Prozent kam. Vor der Krise hatte Österreich sein Defizit im Jahr 2008 auf 0,4 Prozent herunter gebracht.

Für die kommenden Jahre wird mit einer weiteren deutlichen Verschlechterung der Budgetlage gerechnet. Im im Vorjahr beschlossenen Doppelbudget rechnet das Finanzministerium für 2010 mit einem Defizit von 4,7 Prozent des BIP und einer Staatsverschuldung von 73 Mrd. Euro. Der Wert für die Schuldenquote dürfte sich aber - da sie ja auch heuer niedriger war als erwartet - noch ändern. Die Prognosen, auch für die nächsten Jahre, wird das Stabilitätsprogramm enthalten.

Pröll sieht Österreich "auf Kurs"

Vizekanzler Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hat sich zuversichtlich zur weiteren Entwicklung des Budgetdefizits und der Staatsschulden gezeigt. Aufgrund von "extremer Ausgabendisziplin" sei es gelungen, das Budgetdefizit für 2009 bei 3,5 Prozent zu halten, was in Europa "durchaus ein passables Ergebnis" sei, sagte Pröll. "Wir liegen voll auf Kurs bei der Defizit- und Schuldenplanung."

Unter den gegebenen Wachstumsprognosen könnte das Budgetdefizit im heurigen Jahr wie geplant 4,7 Prozent ausmachen, sagte Pröll. Die Zahl von 69,4 Mrd. Ausgaben des Bundes im Jahr 2009 führte Pröll auch darauf zurück, dass das österreichische Bankenrettungspaket nicht voll ausgeschöpft worden sei. Dem stünden Einnahmen von 62,3 Mrd. Euro gegenüber.

Positiv vermerkte Pröll, dass die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommenssteuer im vergangenen Jahr gegenüber 2008 nur um 0,5 Prozent zurückgegangen seien. Bei Einnahmen aus der Umsatzsteuer habe es einen Rückgang von nur 1,2 Prozent gegeben, was die Wichtigkeit des privaten Konsums zeige. (APA)

Kommentar posten
19 Postings
schlechter Gutmensch
19.01.2010 22:53
Nur mal so zum Vergleich:

NEUverschuldung 2008+2009: 28,3 MRD€

GESAMTverschuldung 1981: 27 MRD€


Randalf X.
20.01.2010 03:15
Absolute Zahlen sind absolut nichts wert

vergleichen Sie die Zahlen mit der damaligen Wirtschaftsleistung (%BIP) und es sieht schon wieder ganz anders aus.

schlechter Gutmensch
19.01.2010 22:47
Wow...

... da macht also Schuldenminister Pröll pro Monat mehr Schulden als Kreisky in einem Jahr?!?!?

hurchzua
20.01.2010 08:24
ohne die Zinslast für die Schulden der Vergangenheit

wären wir sogar heuer hoch weiß.

Die Schuldenspirale, die Kreisky begonnen hat, wird auf absehbare Zeit nicht mehr zurück zu drehen sein.

Rauscher der Hundefreund
20.01.2010 11:58
Bis 1974

Hat er ein Budgetplus erwirtschaftet, danach kam die Ölkrise, bitte nennen sie mir doch einen konservativ regierten Staat, der zu diesem Zeitpunkt nicht auch Budgetdefizite gemacht hat.

Randalf X.
27.01.2010 06:20
Und wann war die Ölkrise wieder vorbei?

Dann hat er das Wählerbestechungsgeld immer noch mit beiden Händen verteilt ohne an die nächste Generation zu denken. Seinen Finanzminister Androsch, der ihm Anfang der 80-er sagte er solle mit den Schulden aufhören wurde abgesägt von ihm und in der rot-blauen Regierung wurde bis auf 46% vom BIP die Schulden aufgebläht. Ab dann bremsen sich die Schulden etwas ein. 1994/1995 zu den Wahljahren in der Wirtschaftsflaute gingen sie nochmal hoch, dann stabilisierte bei 66-68%. Schwarz-Blau ging dann daran auf unter 60% abzubauen. Aber unter den Roten war das sofort zu Ende.

..|..
20.01.2010 10:13

Kreisky hat Schulden gemacht um Schulen und Straßen zu bauen und in den Strukturwandel der Stahlindustrie zu investieren. Kreiskys Sozialstaat war immer durch entsprechende Beiträge gegenfinanziert.

Heute werden Schulden gemacht, um Banken das Geld zu ersetzen, das sie bei der Finanzierung von Yachten und Immobilien am Balkan verloren haben und unfinanzierbare Sozialleistungen wie z.b. das KBG für alle auszuzahlen (der FLAF hat schon ein Milliardendefizit angesammelt)

Chris Quast
19.01.2010 22:32

wenn man da an die 90iger denkt, da waren schon mal ganz ohne not, 5%+ budgetdefizite möglich.

naja als roter finanzminister hat man sich da viel leicht getan. jaja die schwarzen, waren zu schwach ihn aufzuhalten, leider

myschkin
19.01.2010 20:55

"Wir liegen voll auf Kurs bei der Defizit- und Schuldenplanung."
Ziel also Staatsbankrott?

Ich bin, also muss ich auch denken
19.01.2010 15:39
Ist der Taschenrechner vom Pröll kaputt?

Und die braven Journalisten schreiben den Blödsinn der in der Presseaussendung steht auch noch ab!

Mein Name ist Nobody
20.01.2010 09:50

na dann klär uns mal mit den richtigen Zahlen auf!!!

José Atento
19.01.2010 14:48
Na da hat sich das Sparen des KHG doch gelohnt, oder?

NUR 2007 kam Ö unter die 60% Gesamtverschuldung. Damals, im durch billigers Geld verursachten großen Boom. Das ist wirklich blamabel.
Zahlt es sich anscheinend also doch aus, das Geld zu inflationieren.

Doch die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht zu Ende. Das war eher erst des Vorspiel.

Chris Quast
19.01.2010 22:49

Doch die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht zu Ende. Das war eher erst des Vorspiel.

Ohhhh so ein pech aber auch !!!

Immer wenn man ein schöne krise wüscht, die dann das pöhse geld abschaffen soll (als lösung), kommt sie nicht. auch das bge geht nicht durch, weil es den leuten immer noch so gut geht, ein wahres pech aber auch.

naja man kann ja noch hoffen.

why not
19.01.2010 14:11

cool.

natoll
19.01.2010 14:30

nicht cool, schmäh. so wie damals beim "0-defizit". man kann sehr einfach dinge in die nächsten jahre verschieben, bis es irgendwann zuviel wird.

vanjoseph
19.01.2010 13:37
Xerox-Journalismus

Man sollte die Meldungen erst lesen bevor man sie von der APA kopiert. "... einer Staatsverschuldung von 73 Mrd. Euro." (grob 30% des BIP) Für die Neuverschuldung ist dieser Wert viel zu hoch, für die Gesamtverschuldung viel zu nieder.

bwzler
19.01.2010 15:33

vermutlich ist die Schuldenquote in % des BIP gemeint, wobei 73 % auch etwas viel sind.

Josef Malik
19.01.2010 19:23

Nachdem vor kurzem davon die Rede war, daß die Staatsverschuldung in den nächsten Jahren auf etwa 80% ansteigen wird, könnten die 73% schon hinkommen.

rudi rednose
19.01.2010 13:51
In der Tat,

die Staatsverschuldung liegt derzeit irgendwo bei 190 Mrd. €.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.