Budgetdefizit 2009 bei 3,5 Prozent - für die kommenden Jahre wird mit einer deutlichen Verschlechterung gerechnet
Wien - Das gesamtstaatliche Maastricht-Defizit hat im Vorjahr 3,5
Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausgemacht. Damit wurde der bei der
Budgeterstellung angepeilte Wert erreicht - und der im Oktober von
Finanzminister Josef Pröll (VP) nach Brüssel gemeldete höhere Abgang von 3,9
Prozent unterschritten. Die Staatsverschuldung fiel laut dem am Dienstag
veröffentlichten vorläufigen Budgetvollzug 2009 mit 66,5 Prozent sogar etwas
niedriger aus als bei der Budgeterstellung im Frühjahr 2009 angenommen.
Sowohl Defizit als auch Staatsverschuldung lagen im Krisenjahr 2009 aber über
den im EU-Stabilitätspaket vorgegebenen Grenzen von drei bzw. 60 Prozent. Die EU
hat gegen Österreich auch bereits ein Defizitverfahren eingeleitet. Die dabei im
Oktober des Vorjahres von der EU angenommenen 4,2 Prozent Defizit hat Österreich
aber deutlich unterboten.
Den Bemühungen um die Budgetkonsolidierung und Eindämmung der Schulden hat
die Wirtschaftskrise freilich einen Strich durch die Rechnung gemacht: Gegenüber
2008 sind sowohl das Defizit als auch die Staatsverschuldung deutlich gestiegen.
Damals betrug das Maastricht-Defizit 0,3 Prozent und die Schuldenquote 62,5
Prozent.
Staatsschulden nicht auf Rekordhöhe
Die Staatsverschuldung ist 2009 doch nicht - wie eigentlich im Bundesvoranschlag
erwartet - auf Rekordhöhe gestiegen. Die im Vorjahr u.a. angesichts des
Bankenhilfspakets prognostizierten 68,4 Prozent wurden laut dem am Dienstag vom
Finanzministerium veröffentlichten vorläufigen Budgetvollzug nicht erreicht. Mit
66,5 Prozent der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt/BIP) fiel die
Verschuldung ebenso hoch aus wie 2002.
Damit werden sich auch die Prognosen für die nächsten Jahre - für 2010
rechnete man im Doppelbudget 2009/2010 mit 73 Mrd. Euro - ändern. Die
Defizit-Prognose lässt das Finanzministerium für 2010 mit 4,7 Prozent aber
unverändert. Details zur Schuldenquote 2010 und die Zahlen für die weiteren
Jahre werden im Stabilitätsprogramm enthalten sein, das Österreich in den
nächsten Tagen an die EU übermitteln will, hieß es am Dienstag im
Finanzministerium.
Unter Rekordwert von 1996
Die 66,5 Prozent Staatsverschuldung heuer liegen deutlich unter dem 1996
erreichten Rekordwert von 68,3 Prozent. Seither hat sich Österreich bemüht, die
Verschuldung abzubauen - zumal bei der Einführung des Euro in den
Stabilitätskriterien für die Länder der Euro-Zone eine Grenze von 60 Prozent
festgeschrieben wurde. Dieser Wert wurde nach einem mühsamen Sparkurs 2007 mit
59,4 Prozent erreicht, 2008 mit 62,5 Prozent aber schon wieder überschritten.
Grund für den neuerlichen Anstieg war 2008 vor allem das Banken-Hilfspaket.
Die Drei-Prozent-Defizit-Grenze hat Österreich seit 1997 nur ein Mal
übertreten - und zwar 2004 mit 4,4 Prozent. Österreich kam damals zwar nach
eigenen Berechnungen nur auf 1,2 Prozent - aber das europäische Statistikamt sah
von der Republik ausgegebene Milliarden im Zusammenhang mit der ÖBB-Reform als
defizitwirksam an, womit man auf 4,4 Prozent kam. Vor der Krise hatte Österreich
sein Defizit im Jahr 2008 auf 0,4 Prozent herunter gebracht.
Für die kommenden Jahre wird mit einer weiteren deutlichen Verschlechterung
der Budgetlage gerechnet. Im im Vorjahr beschlossenen Doppelbudget rechnet das
Finanzministerium für 2010 mit einem Defizit von 4,7 Prozent des BIP und einer
Staatsverschuldung von 73 Mrd. Euro. Der Wert für die Schuldenquote dürfte sich
aber - da sie ja auch heuer niedriger war als erwartet - noch ändern. Die
Prognosen, auch für die nächsten Jahre, wird das Stabilitätsprogramm enthalten.
Pröll sieht Österreich "auf Kurs"
Vizekanzler Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hat sich zuversichtlich zur weiteren Entwicklung des Budgetdefizits und der Staatsschulden gezeigt. Aufgrund von "extremer Ausgabendisziplin" sei es gelungen, das Budgetdefizit für 2009 bei 3,5 Prozent zu halten, was in Europa "durchaus ein passables Ergebnis" sei, sagte Pröll. "Wir liegen voll auf Kurs bei der Defizit- und Schuldenplanung."
Unter den gegebenen Wachstumsprognosen könnte das Budgetdefizit im heurigen Jahr wie geplant 4,7 Prozent ausmachen, sagte Pröll. Die Zahl von 69,4 Mrd. Ausgaben des Bundes im Jahr 2009 führte Pröll auch darauf zurück, dass das österreichische Bankenrettungspaket nicht voll ausgeschöpft worden sei. Dem stünden Einnahmen von 62,3 Mrd. Euro gegenüber.
Positiv vermerkte Pröll, dass die Einnahmen aus der Lohn- und Einkommenssteuer im vergangenen Jahr gegenüber 2008 nur um 0,5 Prozent zurückgegangen seien. Bei Einnahmen aus der Umsatzsteuer habe es einen Rückgang von nur 1,2 Prozent gegeben, was die Wichtigkeit des privaten Konsums zeige. (APA)