Gemeinsame Grenzübergänge blockiert
Athen/Sofia - Bulgarien hat wegen der seit Tagen andauernden
Blockade seiner Grenze durch protestierende griechische Bauern die
EU-Kommission eingeschaltet. Brüssel müsse eingreifen, und seine
Regierung werde eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Euro
fordern, sagte Ministerpräsident Bojko Borissow am Dienstag. Den
griechischen Behörden warf der Regierungschef vor, nicht genug zu
unternehmen, um den freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen
Union sicherzustellen.
Die Bauern haben mehrere Autobahnen in ihrer Heimat und Übergänge
an der griechisch-bulgarischen Grenze blockiert, um die Regierung in
Athen zu einer schnelleren Auszahlung von Staatshilfen zu zwingen.
Die Proteste begannen am vergangenen Freitag und wurden seit
Wochenbeginn verstärkt.
Am Montag legten die Bauern an 20 Stellen
mit Traktoren den Verkehr weitgehend lahm, unter
anderem auch die beiden wichtigsten Grenzübergange zu Bulgarien bei
Promahon-Kulata und Exohi-Ilinden, wie griechische und bulgarische
Medien berichteten.
Zudem erreichten die Traktoren erstmals die Grenzübergänge nach
Albanien, Mazedonien und der Türkei. Die Bauern drohten, auch diese
zu blockieren, falls Athen ihnen nicht mehr staatliche
Agrarsubventionen zukommen lässt. Die Regierung lehnt dies ab - dafür
habe das hoch verschuldete Land kein Geld.
Sofia forderte Grenzöffnung
Am Montagabend forderte Bulgarien sein Nachbarland auf, die
blockierten Grenzübergänge zu öffnen. Sofia wolle am Dienstag von der
EU-Kommission verlangen, "unverzüglich einzugreifen", sagte
Regierungschef Bojko Borissow am Montagabend im staatlichen Fernsehen
in Sofia.
Die
Situation sei unzulässig, da die bulgarische Wirtschaft "große
Verluste" erleide, sagte Borissow weiter. "Es darf nicht sein, dass
wir für die Probleme eines Nachbarstaates bezahlen." Bulgarische
Spediteure hatten bereits Verluste in Millionenhöhe befürchtet.
Chaos herrste auf den Autobahnen Griechenlands: Durch
Protestaktionen nördlich von Athen und südlich der Hafenstadt
Thessaloniki mussten Autofahrer erhebliche Umwege in Kauf nehmen.
Sperren wurden auch entlang der Ost-West-Autobahn errichtet. Die
Fahrt von Athen nach Thessaloniki dauerte wegen der Umwege fast neun
statt "normal" fünf Stunden, berichtete das Radio weiter.
Das Durchschnittseinkommen
der Bauern sei im vergangenen Jahrzehnt um rund ein Viertel
zurückgegangen, klagte die zuständige Gewerkschaft. Nationale
Subventionen schloss die sozialistische Regierung aus. Griechenland
hat ein hartes Sparprogramm verabschiedet, um seine mehr als 300
Milliarden Euro Schulden zu verringern. (APA)