Zeit, die Samthandschuhe auszuziehen

18. Jänner 2010, 16:41

Barack Obama hat eine neue Ära in den Beziehungen der USA zum Iran versprochen - Nach seinem ersten Regierungsjahr kann er heute aber nur die Scherben seiner Initiativen aufsammeln - von Saba Farzan

Als am 20.Januar 2009 Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, sollte eine neue Ära der amerikanischen Außenpolitik beginnen. Im Fall des Irans lautete dabei das Leitmotiv: gegenseitiger Respekt. Ein Jahr nach dem Entwurf einer neuen Iranpolitik, die im Übrigen so neu gar nicht ist, muss Barack Obama nun den Scherbenhaufen seiner Initiative aufsammeln.

Bisher hat in den vergangenen drei Dekaden, seit der Etablierung der Islamischen Republik, jede US-Regierung versucht, den Iran in Gespräche einzubinden. Von Jimmy Carter bis George W. Bush sind alle amerikanischen Präsidenten daran kläglich gescheitert, denn die Islamische Republik hat mehr als deutlich demonstriert, dass sie weder verhandlungsfähig noch rational agierend ist.

Im Augenblick des Scheiterns der Verhandlungsinitiative hätte Präsident Obama Europa, als den größten Handelspartner der Islamischen Republik, auffordern müssen, die Samthandschuhe auszuziehen und wirtschaftlich endgültig mit dem herrschenden System zu brechen. Doch seit Oktober, dem Zeitpunkt der Verhandlungen in Genf, ist viel Zeit vergangen und nichts dergleichen ist vonseiten der Obama-Regierung geschehen.

Das Feindbild wechselt

Das Argument, Amerika müsse endlich dem Iran auf Augenhöhe begegnen, dann würde schon alles gut werden, zieht nicht mehr, und es war noch nie zutreffend. Eine der Säulen des herrschenden Systems ist es, gerade keine direkten Verbindungen mit den USA zu unterhalten. Dreißig lange Jahre brauchte die Islamische Republik ein äußeres Feindbild, um nach innen autoritär zu herrschen - das iranische Volk zog dabei klugerweise nicht mit.

Gebildet und im wahrsten Sinne des Wortes vernetzt mit der ganzen Welt, hatte die iranische Bevölkerung den Intellekt, zu erkennen, dass nicht die USA, sondern ihre eigene autoritäre Führung verantwortlich für die Probleme vor der Haustür war und ist. Offen bewiesen haben dies die Iraner am vergangenen 4. November, am Tag der Geiselnahme in der US-Botschaft (1979 wurden 52 US-Diplomaten in Teheran für 444 Tage in Geiselhaft genommen; Anm.), und sich ganz und gar vom Antiamerikanismus der herrschenden Elite abgewandt (im vergangenen November standen den regimetreuen antiamerikanischen Kundgebungsteilnehmern oppositionelle Demonstranten gegenüber; Anm.).

Seit dem 12. Juni 2009 ist die Lage im Iran wahrlich eine andere: Das iranische Volk hat sich erhoben, um in die Freiheit zu marschieren. Sein Freiheitsdrang ist nicht mehr zu bremsen. Willkür und Tyrannei bewirken keine Angst mehr und die mutigen Iraner haben Obama unlängst aufgefordert, sich auf ihre Seite zu stellen. In seiner Nobelpreisrede tat er einen ersten Schritt - doch dieser kam ein halbes Jahr zu spät.

Späte Entschuldigung

In seiner historischen Rede in Kairo sprach Barack Obama vom Fehler der Amerikaner, den ersten demokratischen Ministerpräsidenten des Irans, Mossadegh, 1953 zu stürzen, und entschuldigte sich dafür beim iranischen Volk. Nur wenige Tage später machte er selbst einen strategischen Fehler, die iranische Freiheitsbewegung zu unterschätzen und sich lediglich "tief besorgt" zu zeigen - in einer Zeit, in der der oberste Revolutionsführer Khamenei dem iranischen Volk den Krieg erklärte.

Wenn Obama verhindern will, dass sich ein zukünftiger US-Präsident für diesen seinen historischen Fehler beim iranischen Volk entschuldigt, dann ist es höchste Zeit für eine andere Strategie. Es ist nicht die Aufgabe des US-Präsidenten, den Iranern die Freiheit zu bringen, sondern es ist seine Verantwortung, sich ihnen nicht in den Weg zu stellen, wann immer sie selbst nach Freiheit streben.

Wichtige Fragen, wenig Zeit

Eine wahrhaft neue Iranpolitik in diesem Jahr zu entwerfen wäre für Obama noch möglich, wenn Hillary Clinton nicht zur Assistentin im Außenministerium degradiert bleibt, wenn man wüsste, was Dennis Ross als Nahostberater im Weißen Haus eigentlich genau macht und wenn John Limbert, Leitender Beamter im Außenministerium mit Iran-Zuständigkeit, nicht um jeden Preis mit der Islamischen Republik verhandeln wollte.

Die beiden Achillesfersen der Islamischen Republik, die iranische Wirtschaft und die desolate Lage der Menschenrechte, in den Fokus seiner Außenpolitik zu stellen, dafür hat Barack Obama nur noch in diesem Jahr Zeit. Danach beginnt in Amerika wieder der Wahlkampf. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2010)

Saba Farzan, geboren in Teheran, ist deutsch-iranische Soziologin und Publizistin und lebt in Berlin.

    Kommentar posten
    Posting 1 bis 25 von 39
    1 2
    1116er
    00
    20.1.2010, 11:01
    seltsam

    die autorin wirft einerseits obama untätigkeit vor, andererseits liefert sie ausser worthülsen auch nichts ab...

    Miss Understanding
    20
    19.1.2010, 18:08

    der artikel ist ähnlich dünn wie der kaffee aus kapellers kärntner abwerkampf artikel...

    tarte tatin
    01
    19.1.2010, 14:09
    ja gut, aber was heisst das nun konkret?

    worin diese "neue" iran-politik bestehen soll, schweigt sich die autorin ja aus.

    eine gesprächsverweigerung des westens ginge ja ins leere, da sich der iran mehr oder weniger seit jahren geschickt von konkreten verhandlungen fernhält.

    sanktionen? die würden wohl hauptsächlich die bevölkerung treffen und es dem regime leicht machen, sie wieder auf ihre seite zu ziehen...

    im moment kann der westen, egal ob EU oder obama, eigentlich nur abwarten, wie sich die lage entwickelt. wenn sich allerdings die hinweise für einen umsturz verdichten, sollte es allerdings schon mehr als nur moralische unterstützung sein!

    sharareh salar-behzadi
    23
    19.1.2010, 13:43
    endlich

    endlich hat man die situation richtig gesehen ...

    Sarang He
    12
    19.1.2010, 12:43
    Läuft zur Zeit ´ne konzertierte Medienkampagne von "Rechtskonservativen" Kräften

    um Obama zu diskreditieren?

    Oder hat etwa schon der Wahlkampf der Republikaner für die "mid-term elections" begonnen?

    Um den Scherbenhaufen, den der vorherige Präsident innert 8 Jahre angerichtet hat zu beseitigen, da braucht man Generationen.



    Lord Chaos
    11
    19.1.2010, 16:11


    1. Der wahlkampf hat bereits begonnen.

    2. Obama braucht man im Moment nicht zu diskreditieren, das hat er bereits selbst erledigt. Nach einem Jahr mit leeren Händen dazustehen ist ziemlich peinlich.

    Sarang He
    01
    19.1.2010, 17:01
    also, wenn ich mir die in den verschiedenen US-Medien verbreitetenden Bilanzen anschaue

    dann ist seine Umsetzungsquote besser als alles was man von z.B. österreichischen Politikern gewohnt ist, von Managern ganz zu schweigen.

    siehe z.B.:
    http://www.politifact.com/truth-o-m... /promises/

    ghostworld
    00
    20.1.2010, 05:28

    Schaut man sich die Dinge genauer an, stellt man fest, dass Obama zwar bei allen Versprechen bezüglich der Bankenrettung sein Wort gehalten hat. Bei den anderen gehaltenen Versprechen sind sehr viele, die mit "Wir werden über das Thema nachdenken" oder "Wir gründen zu dem Thema ein Gremium" beginnen.

    Seine zentralen Wahlversprechen waren jedoch die "single-payer"-Krankenversicherung, die später zur "public option" abgespeckt, und am Ende sogar noch diese gestrichen wurde. Das zweite Versprechen war, die Truppen heimzuholen ... er hat sie nicht nur nicht heimgeholt, er hat sie noch weiter weggeschickt und gleich 2 neue Kriegsfronten eröffnet. Gusenbauer haben seine gebrochenen Wahlversprechen unter schwierigeren Umständen den Kopf gekostet.

    superloser
    00
    19.1.2010, 14:25

    Nicht vernünftige Analyse der Lage hat mit einer rechtskonservativen Verschwörung zu tun.

    Mucosaprolaps
    00
    19.1.2010, 13:07

    Die Medienkampagne der Reps läuft seit Monaten; anfangs haben die Reps auf Fundamentalopposition gemacht und wollten alles stören, das Obama plant ... was aber wiederum eher den Reps geschadet hat; interne Stimmen warnten, die Reps würden sich mit übertriebenen Aggression und aggressiven, pardon, Dumpfbirnen wie Palin zu einer radikalen Politsekte entwickeln.

    Der Mensch der nachdenkt bevor er vordenkt
     
    02
    19.1.2010, 12:02
    Nach einem Jahr Obama...

    ... sehe ich eigentlich das iranische Regime so schwach wie nie zuvor.
    Noch ein oder zwei Jahre Obama und es kommt vielleicht zur Implosion.
    Die französische Revolution hätte nicht stattgefunden, wenn sich nicht das Ancien Régime selbst innerlich ausgehöhlt hätte, bei gleichzeitigem Wegfall äußerer Bedrohungen.
    Staatsmännisches Handeln gründet auf mächtigen Langzeitentwicklungen und nicht auf kurzzeitigen Eingriffen.
    Und Soziologen sind eben keine Historiker oder Politologen, QED.

    17+4
    52
    19.1.2010, 11:59
    Kennedy war ein schwacher Präsident

    und escalierte den dahindümpelnden Vientnamkrieg, den die Amerikaner von den Franzosen übernommen haben. Nixon war ein korrupter Präsident, aber er beendete den Vietnamkrieg.
    Irgendwo in dieser Bandbreite befindet sich Obama, momentan neige ich eher zum schwachen Präsidenten.

    Mucosaprolaps
    00
    19.1.2010, 13:10

    Kennedy hat es immerhin geschafft, im wohl gefährlichsten Polit-Poker des kalten Kriegs die Stationierung russischer Atomraketen auf Kuba (ein paar hundert km vor Florida) zu verhindern, ohne damit einen Atomkrieg auszulösen ...

    Im historischen Kontext IMO durchaus eine Leistung; auch wenn der bei den US-Bürgern beliebteste Präsident anscheinend immer noch Reagan ist (der "kalte Krieger", der von Armageddon und Evil Empire Russland fantasierte, die Taliban ausbilden und bewaffnen ließ, usw).

    Karl Labruni
    00
    19.1.2010, 17:14
    Ja richtig, aber um als starker Präsident zu gelten...

    ... ziert man sich nicht vor einem Atomkrieg.

    +DieMeinung+
    42
    19.1.2010, 11:26
    Total lachhaft der Artikel

    Und wieder eine elitäre Exil-Iranerin die alles nur durch ihre "Brille" sieht.

    Na bitte WER hat den Ahmadineschad (???) gewählt ?
    Wahlbetrug war sicherlich da, aber er hatte dennoch genügend Stimmen.

    Die Mehrheit der Iraner mag diesen Kurs. Und auch die Opposition will einen radikalen Kurs beim Thema Atomenergie. Also ...

    MarioV
    10
    19.1.2010, 12:58

    Sie will keinen radikalen Kurs, sondern es ist ganz einfach so das der Iran noch ca. 30 Jahre auf sein Öl setzen kann. Länger nicht.
    Und dann muss eine Alternativenergie bereit stehen.

    Mucosaprolaps
    00
    19.1.2010, 13:10

    Sonnenkollektoren zB sind biliger und sauberer als AKWs.

    MarioV
    01
    19.1.2010, 08:02

    Einerseits verschweigt der Kommentar das Khatami sehr wohl das Gespräch gesucht hat, aber abgewiesen wurde.
    Andererseits vermisse ich eine klare Ansage, was denn ihrer Meinung nach zu tun wäre.
    Soll der Westen z.B. das iranische Öl künftig ganz den Chinesen überlassen, die damit noch mehr Interesse haben ihn zu schützen?

    BostonWhaler
    33
    19.1.2010, 04:54
    Sehr guter, gescheiter Artikel !

    Ava Tar
    45
    19.1.2010, 02:03
    Was geht Obama der Iran an ?

    Der soll sich mal um die Verbrechen seiner eigenen Leute kümmern, da hat er genug zu tun. Im Gegensatz zu Achamindeschad ist Bush ein Massenmörder, und seltsamerweise läuft der mitsamt seinen Komplizen nach wie vor frei herum

    Die USA haben im Iran bereits genug angestellt, CIA-Coup gegen die Demokratie, Ausbildung der SAVAK-Folterknechte, 400 Millionen Geheimdienstbudget zur "Destabilisierung" des Iran erst vor 1,5 Jahren

    Netterweise haben die Iraner schon 1979 erkannt, daß die Menschen in den USA genauso Opfer ihrer Regierung sind, von der sie gelackt und mißbraucht werden
    Interviews:
    http://www.youtube.com/watch?v=Ner_rp08wiY

    Das sind die Menschen!!! Die Politiker gehören alle mit einem nassen Fetzen verjagt.

    Helicopterman
    63
    19.1.2010, 09:49
    Der Iran

    geht uns spätestestens seit die Mullahs an der Atombombe basteln alle an!

    Zinsmeister
     
    00
    19.1.2010, 12:07

    ach, dann weisst du mehr als die iaeo, die iranische anlagen VOR ORT ueberprueft?

    lass es uns doch auch wissen.

    Andreas S.
    01
    19.1.2010, 17:58

    ich lass dich mal wissen was die iaea weiss:

    lies mal die IEAO Board of Governors dokumente
    GOV/2006/14
    GOV/2006/15
    GOV/2006/27
    GOV/2006/38
    GOV/2006/53
    GOV/2006/64
    aus platzgruenden nur 2006 und daraus nur ein link
    http://www.iaea.org/Publicati... 006-15.pdf
    die andern findest du auch dort.

    Aktivitaeten mit militaerischer bedeutung, nicht deklarierten matrialien, nicht angemeldete aktivitaeten, nicht zusammenarbeit mit der IAEA, ... Alles beweise fuer die waffen ambitionen und bruch des NPT die die iaea kennt aber du offensichtlich nicht.

    ivoryhunters
    63
    19.1.2010, 09:32
    so ein dummer kommentar

    das ist ja wirklich ein unglaublicher unsinn. leute wie sie sind so in ihrem provinziellen antiamerikanismus festgefahren, dass ihnen sogar leute wie ahmadinechad, castro, kim, saddam und chavez symphatischer sind, solange sie nur alle in opposition zur usa stehen.
    sagenhaft

    die amerikaner sind nicht die heilsarmee und haben auch nie den anspruch darauf gestellt, dass sie interessen haben haben sie nie verheimlicht. zumindest tun sie was, alles ist besser als nichts zu tun. wir schauen doch alle nur zu.

    irgendwann haben die iraner die bombe - aber uns geht das ja nichts an, gell?

    übrigens unsere proiranische haltung hat auch nur mit unseren interessen zu tun (nabucco).

    Niemand ist im Internet anonym
    11
    19.1.2010, 01:57
    das internet macht es so leicht

    http://at.stopthebomb.net/de/index.php

    zu recherchieren, wo jemand politisch steht.

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    Posting 1 bis 25 von 39
    1 2

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