Österreich will Herkunftsland-Prinzip

18. Jänner 2010, 16:18

Faulhammer: "Umfassende Lösung" angestrebt, nicht nur für Medizinstudium - Alte österreichische Lösung soll für alle gelten

Wien - Die Bestrebungen Österreichs zur Lösung des Problems des Uni-Zugangs gehen über das Medizin-Studium hinaus. Wie der Generalsekretär und Leiter der Hochschulsektion im Wissenschaftsministerium, Friedrich Faulhammer, am Montag gegenüber der APA erklärte, wird eine "umfassende Lösung" angestrebt. "Ideal" wäre eine primärrechtliche Verankerung des vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) aufgehobenen früheren österreichischen Prinzips, wonach jeder Student hierzulande studieren darf, der in seinem Herkunftsland einen Studienplatz hätte.

Eine solche, im EU-Recht verankerte Regelung würde dann natürlich für die gesamte EU gelten. Ähnliche Lösungen gebe es auch in anderen Bereichen, etwa der Dienstleistungsrichtlinie. Es sei "schwer einzuschätzen", wie groß die Chancen für eine primärrechtliche Verankerung des Herkunftslands-Prinzips seien. Es gebe aber Länder mit ähnlicher Situation, wie Belgien oder die skandinavischen Staaten. Nun gelte es, die Diskussion zu eröffnen und Bündnispartner zu finden, so Faulhammer. Gelegenheit für die Verankerung einer solchen Lösung biete sich etwa mit dem geplanten EU-Beitritt Kroatiens.

Bis zur Aufhebung der Uni-Zugangsregelungen durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) 2005 hat in Österreich das Herkunftslands-Prinzip gegolten. Demnach durfte etwa ein deutscher Student nur in Österreich studieren, wenn er in seinem Heimatland einen Studienplatz hatte. Personen, die auf Grund des Numerus Clausus keine Zulassung zu einer deutschen Uni erhielten, konnten auch nicht nach Österreich ausweichen. Nach Aufhebung dieser Regelung durch den EuGH setzte ein Ansturm deutscher Studenten vor allem im Bereich Medizin ein, woraufhin Österreich 2006 in den Fächern Human- und Zahnmedizin eine Quotenregelung eingeführt hat. Seither sind 75 Prozent der Plätze für Studenten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent für EU-Bürger und fünf Prozent für Nicht-EU-Bürger reserviert. (APA)

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11 Postings
Arkady
00
19.1.2010, 23:03
Vielleicht sollte man bei der EU mal anfragen...

... ob man das Problem der NC-Flüchtlinge nicht durch eine bildungsrechtliche Wiedervereinigung lösen könnte?

Vielleicht würden dann mal Alarmglocken läuten, ob die EU Österreich in irgendeiner Form, in irgendeinem Bereich durch Dekret von oben zur ostmärkischen Lösung deutscher Probleme machen sollte.

pfs79
00
20.1.2010, 11:49
die Deutschen habe kein Problem...

... höchstens das, dass nun ihr Selektionssystem unterwandert wird. Das Problem ist eher, dass durch Festhalten am golden Kalb 'freier Hochschulzugang' durch die österreichische Politik nur unzufriedenstellende Lösungen gefunden werden. Alleine, dass jetzt wieder das Herkunftsland-Prinzip ins Spiel gebracht wird zeigt ja, dass den Damen und Herrn da jeglicher Mut zu Veränderungen und Innovation fehlt.

bernaschek
01
19.1.2010, 15:21
faulhammer

ist wohl der interemistische leiter des ministeriums, oder wie?
oder kennen wir schon jemanden, der die agenden hahns übernimmt oder wills niemand haben oder was?

es ist erbärmlich. der vp ist entweder die wissenschaft offensichtlich wurscht, hat niemanden, mit dem sie dieses ressort besetzen kann oder ist vollkommen enthirnt und konzeptlos.

alle drei optionen sind ein armutszeugnis...

pinguin78
00
19.1.2010, 13:28

Faulhammer! Die Dienstleistungs-RL ist Sekundärrecht, nicht Primärrecht!

ride my pimp
10
19.1.2010, 10:36

man darf gespannt sein, ob die auch wirklich die eier haben, das durchzusetzen.
seit dem eu-beitritt haben die österreichischen politiker ja bekanntlich nicht mehr viel zu sagen.
80% der neuen normen kommen in form von eu-verordnungen und richtlinien, man fragt sich, wozu wir im nationalrat >180 hanseln brauchen, wenn nur mehr ein fünftel der arbeit getan werden muss.

Mucosaprolaps
11
19.1.2010, 12:38

Für so ein winziges Land haben wir in Europa eine recht gewaltige Stimme ... was wir versemmeln, ist die Personalauswahl. Gehrer zB ignorierte mindestens fünf Jahre lang immer wieder schriftliche Anfragen der Rektorenkonferenz zum Thema der deutschen Studis -- als dann wie erwartet die österreichische Regelung gekippt wurde, war plötzlich "Brüssel schuld" und Uninformierte und Gehrer beklagten, sie hätten von nichts gewusst und eh nix zu melden.

Fortiter In Re
01
19.1.2010, 01:42
"Vor allem im Bereich Medizin..."

... von wegen! Im Studium der Psychologie liegt der Anteil deutscher AnfängerInnen mancherorts (Salzburg, Innsbruck) bei 70%. Und Quotierung geht hier nicht... Tut was!!!

grgr grn
00
19.1.2010, 00:23
Oesterreich wird sich mit diesem Vorschlag in der EU toll durchsetzen!

Schon seit Jahren zaehlt Oesterreich in der EU zu den Meinungsbildnern und wird auch dieses Mal zahlreiche Mitstreiter fuer seine Interessen gewinnen koennen!

Ivan Fedorov
00
19.1.2010, 07:04
wie man bei polen und england immer wieder sieht:

durch das einstimmigkeitsprinzip lässt sich die eu wunderbar erpressen.
im prinzip hätte man diese bemühungen schon vor 10 jahren vorantreiben müssen, als sich abgezeichnet hat, dass es zu einem derartigen eugh-urteil kommen könnte (bzw. wird). dafür war die handarbeitslehrerin aber leider zu bl...

Dietmar Bauer_v2
00
19.1.2010, 08:47
Wissenschaft ist zu unwichtig

dafür wird AUT kein Verstimmung riskieren. Sieht eher so aus, als würde sich da jemand ins Rennen um den Ministersessel werfen.

120 Jahre Karl Schranz
00
18.1.2010, 22:42
man kann davon halten was man will, aber

immerhin scheint man verstanden zu haben, dass eine lösung nur in einem koordinierten vorgehen auf europäischer ebene zu finden ist und nicht in überhastet eingeführten, nationalen quoten, die der EuGH ohnehin wieder kippt. ein fortschritt

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