Slow Management

"Zeitalter des Heroentums ist bald vorbei"

Oliver Mark, 19. Jänner 2010, 16:15
  • Artikelbild
    foto: standard/newald

    Max Palla berät Manager.

Berater Max Palla glaubt an eine neue Managergeneration, die nach dem Motto "Slow Management" statt "Speed Kills" agiert, sagt er im Interview

"Diese Managergeneration ist heute entweder krank, hat keinen Job mehr oder sitzt vor Gericht", meint Max Palla. Der langjährige Werber ist unter die Berater gegangen und tritt für eine "Entschleunigung" der Wirtschaft ein. Dafür hat er den Begriff "Slow Management" geprägt. Was er darunter versteht, erklärt er im Interview mit Oliver Mark.

derStandard.at: Wie definieren Sie "Slow Management"?

Palla: Ich habe diesen Begriff in Analogie zur Slow Food-Bewegung vor ein paar Jahren geprägt. Die Slow Food-Bewegung hat sich in einem Art dialektischen Gegensatz zum Fast Food etabliert. Die gleiche Analogie lässt sich im Bereich Management herstellen. Fast Management ist uniform, globalisiert, freudlos und gierig. Im Gegensatz dazu könnte man Slow Management als individuell, lokal, regional und situativ positionieren. Es stiftet Spaß und Begeisterung, ist nicht gierig sondern widmet sich der Nachhaltigkeit.

derStandard.at: Sie treten mit dem Begriff für eine "Entschleunigung" der rasanten Wirtschaftswelt ein?

Palla: Ich möchte keine eigene Management-Theorie entwickeln, sondern einfach den Umgang mit Zeit thematisieren. Vor zehn, 15 Jahren hat eine Bewegung begonnen, wo das Thema "Speed Kills" dominant war. Das Credo: Wir müssen schneller sein. Diese Managergeneration, die das scheinbare Erfolgsmotto geprägt hat, ist heute entweder krank, hat keinen Job mehr oder sitzt vor Gericht und ist mit der juristischen Aufarbeitung ihres Tuns beschäftigt. Es geht hier um nichts Esoterisches, sondern um den Umgang mit Zeit.

derStandard.at: Wie soll der im Idealfall aussehen?

Palla: Es geht darum, sich eine Multitemporalität anzueignen. Es gibt Aufgabenstellungen, da muss es ganz schnell gehen. Auf der anderen Seite kommt es zu vielen Situationen, wo es nicht gut ist, sofort zu agieren. Ein schöner Satz aus Sten Nadolnys Buch "Die Entdeckung der Langsamkeit" ist, wo der Kapitän sagt: "Die langsamere Arbeit ist die wichtigere. Alle schnellen Entscheidungen trifft der erste Offizier." Das passt gut fürs Topmanagement.

derStandard.at: Wie würde sich dieses Credo im Alltäglichen - also am Arbeitsplatz - manifestieren?

Palla: Indem man wieder die Zeitautonomie gewinnt. Wenn Sie heute um einen Termin anfragen, dann heißt es oft: "Ja, es geht erst wieder in drei Monaten." Wer möchte so leben? Und wie erfolgreich kann das im Management sein, wenn ich überhaupt keine Zeitautonomie mehr habe? Das heißt, sich Zeitfenster freizuhalten, um etwas Paradoxes zu machen. Wie zum Beispiel für ein oder zwei Stunden während der eigentlichen Arbeitszeit in ein Museum zu gehen. Ich bin davon überzeugt, dass man hier bessere Ideen hat als wenn man zwei Stunden im Büro herumsitzt.

derStandard.at: Lösen sich die fix definierten Arbeitszeiten auf?

Palla: Topmanager sind ja ähnlich wie Unternehmer immer im Dienst. Ob unter der Dusche oder am Bürosessel, die denken immer über Herausforderungen oder Strategien nach. Durch die technologischen Möglichkeiten haben sich viele schon von einem geografisch definierten Arbeitsplatz gelöst und von einer auf der Uhr ablesbaren Arbeitszeit. Diese armen, Blackberry gebeutelten Menschen glauben, dass sie 24 Stunden verfügbar sein müssen. Das genaue Gegenteil sollte der Fall sein. Es gibt Empfehlungen, E-Mails etwa nur mehr zweimal am Tag zu lesen. Dafür nimmt man sich dann eine halbe Stunde Zeit. Sonst lenkt das von der momentanen Tätigkeit ab.

derStandard.at: Vom Multitasking sollte man sich verabschieden?

Palla: Genau. Das Stichwort heißt nämlich Multitemporalität und nicht Multitasking. Gas geben und auf der anderen Seite auf die Bremse steigen, wo es notwendig ist und nicht rund um die Uhr alles machen. Ein klassisches Beispiel ist einer der führenden Manager dieses Landes, der in einem Interview gemeint hat, dass er in der Regel jeden Tag bis Mitternacht arbeitet. Zwei Absätze später stand: Und meinen Ausgleich finde ich in meiner Familie. Wie soll das gehen? Es stellt sich die Frage: Warum fühlt sich ein Topmanager genötigt, sich in der Öffentlichkeit so darzustellen? Das kann für niemanden gut sein: Weder individuell noch betriebs- noch volkswirtschaftlich.

derStandard.at: Damit zu prahlen, dass man so viel arbeitet, ist eine Prestigesache?

Palla: Ja, das ist das Resultat eines falsch verstandenen Prestigedenkens. Ich glaube aber, dass dieses Zeitalter des "Heroentums" bald vorbei ist.

derStandard.at: Glauben Sie, dass diese Managergeneration schon beim Aussterben ist?

Palla: Ja, es lässt sich ein Wertewandel konstatieren. Zum Glück gibt es noch viele, die in der alten Welt leben, sonst hätte ich weniger Aufträge. Mit diesen Topmanagern arbeite ich dann schon ein halbes Jahr lang, damit es zu echten Umstellungen in deren Arbeitsweise kommt.

derStandard.at: Wie lange dauern ihre Coachings im Schnitt?

Palla: In der Regel sehe ich die Leute zweimal im Monat für einen halben Tag. Die meiste Zeit verbringen wir dann beim Gehen. Das nennt sich paradoxe Intervention, wo es darum geht, mit Routinen zu brechen. Ich nenne das "Walk and Talk". Einstein hat zum Beispiel gesagt: "Es ist ein Wahnsinn immer das Gleiche zu tun und dabei auf andere Ergebnisse zu hoffen."

derStandard.at: Sie haben viele Jahre in der schnelllebigen Werbebranche gearbeitet, wo Druck auf der Tagesordnung steht. Hat Sie diese Zeit so geprägt, dass Sie sich nach einem Gegenpol gesehnt haben?

Palla: Weniger das Metier, aus dem ich komme, sondern viel mehr meine Persönlichkeit war ausschlaggebend für meine jetzige Tätigkeit. Bei mir ist es auch darum gegangen, mit Routinen zu brechen. Im Laufe seines Berufslebens muss man sich mehrfach häuten. Es wäre ja auch langweilig, 30 oder 40 Jahre den gleichen Job zu machen. (derStandard.at, 19.1.2009)

Zur Person:

Max Palla, geboren 1955, ist Präsident der International Advertising Association IAA Chapter Austria. Er war über 20 Jahre in der Werbebranche tätig und gründete u.a. die Agentur "Palla, Koblinger & Partner". Derzeit arbeitet Palla als Coach und Unternehmensberater in seiner "Max Palla Consulting KEG".

Kommentar posten
24 Postings
hallowasgehtdaab
00
26.1.2010, 14:04
ich wäre auch gerne so entspannt

wie palla. ob er mir wohl ein paar kunden seines netzwerks überlässt? nein? verstehe ich.

esselte
00
26.1.2010, 13:21

slow management ist dann eh nur was für männer, frauen entscheiden doch immer schon mit hirn und herz!

. Carnap
00
21.1.2010, 10:28

Das ist gutes Marketing für Hero-Manager. Eine weitere gute Marketing-Idee, die nichts bewirken wird als eine Mode, die ein, zwei Jahre anhalten wird.

Jake Gittes
01
21.1.2010, 07:33

Merkt man dass er aus der Werbung kommt. Indem ich etwas an sich langweiliges und bekanntes umbenenne, schaffe ich die Illusion einer großen Bedeutsamkeit: Walk and talk = Spazierengehen.

hallowasgehtdaab
00
26.1.2010, 14:06
aber Sie müssen zugeben, es klingt super und

haben würde es gern auch alle. also, wo ist Ihr problem? gar ein wenig neidig...

Klaus Ganglbauer
06
20.1.2010, 18:51
Die Zeit des Entschleuigungsgeschwafels ist ebenso vorbei!

Das ist schon wieder so ein typisch-postmodernes Esoterik-Geschwafel! Das Grundproblem wird weiter verleugnet. Es liegt darin, dass diese globalisierte Kultur total asozial ausgerichtet ist. Genau genommen zählt nur mehr ein Wert, nämlich jener des privaten Wohlstandes. Ob ein korruptes Management das Kapital be- oder entschleuigt auf die private Seite räumt, um sich selbst zu beschenken, nach dem es unzählige Arbeitsplätze nachhaltig vernichtet hat, macht keinen Unterschied. Angesichts der drohenden Klima- und Migrations-Problematik wäre vielmehr eine "militante Enschlossenheit" angesagt, wirklich vernünftige Ideen fürs praktische Handeln zu entwickeln. Klassischer "Berater"-Diskurs: er verkauft sich gut, gerade weil er keinen Inhalt hat.

Mousthapha Kant
00
20.1.2010, 17:30

Zeigen beide Fotos Max Palla?
Ich glaube wir sollten uns kennenlernen!

super web checker
32
20.1.2010, 17:12
müder, alter Mann

Nicht nur Manager haben im Museum bessere Ideen als im Büro. Und natürlich ist der Gedanke nett, weniger zu arbeiten und mehr herumzugehen. Aber was bringt das der Firma?
Bitte, liebe Konkurenz, buchts ein Coaching beim Palla. Ich kümmere mich in der Zwischenzeit um eure Kunden.

hallowasgehtdaab
00
26.1.2010, 14:09
Sie sollten auf Bauchatmung umstellen

Sie wirken ziemlich unentspannt...

yomellamo
01
20.1.2010, 17:16

was bringts der firma, wenn der boss dauernd in der firma ist, .. aber wg. seines fehlenden schlafes und seines unausgespannten zustandes lauter fehlentscheidungen trifft?

ChesneyB
00
21.1.2010, 09:57

Genau. Gilt auch für die Leute darunter. Mir kann keiner einreden, daß jemand, der mehr als 10h/Tag arbeitet pro Stunde die gleiche Leistung bringt wie jemand, der das nicht tut.

. Carnap
00
21.1.2010, 10:31

Kann ich nur zustimmen. Mein Vorgesetzter arbeitet 80-90 h die Woche, und ich bin froh, dass ich diesen "output" nicht beurteilen muss.
40 Stunden ordentlich arbeiten, und auf lange Sicht iost das das beste und praktikabelste Verhältnis zwischen Qualität und Anstrengung.

Das Herumgeseiere von "ich arbeite so wahnsinnig viel" lässt eines außer Acht: dass den AScheiß, den diese "workaholics" produzieren, von anderen wieder mühsam korrigiert und ausgebügelt werden müssen. Und das geht ordentlich in die Zeit und ins Geld.

politischer trauerspieler
 
01
20.1.2010, 16:56
so soll es sein.

ich glaube, das ist nicht nur leeres mansollteeigentlich-gewäsch sondern hat durchaus potenzial. immerhin sind (oftmals) die erfolgreich, die etwas anders machen als die große masse und vor allem auch etwas, das auf den ersten blick hirnrissig aussieht (microsoft, bodyshop, facebook, ...).
Manager, das sollten wir jetzt wissen, sind Herdentiere. wenn ein paar in diese von palla vorgeschlagene (und mMn gute) Richtung laufen und erfolgreich sind, folgt ihnen der rest nach.

Bello Ragazzo
01
20.1.2010, 17:55
Manager

sind Verrückte. Vor allem in Banken.
Das wissen wir jetzt mit Sicherheit.

Turnham Green
10
20.1.2010, 14:16
heroentum?

Ist das ähnlich wie Foolentum?

NO Multitasking
00
20.1.2010, 12:03
Hmmm......sehr Breitbuegelig und welche Koerbchengroesse waere da geeignet ?

meineipist
11
20.1.2010, 09:46
gääääähn

wären unsere Manager sonderlich fix, sähe es mit der Wirtschaft besser aus.

Hier predigt einer, der als "fast manager" seine Schäfchen ins Trockene gebracht hat, Wasser, während er selbst Wein trinkt.

Man werfe ein paar Begriffe wie "paradox", "Blackberry gebeutelt" und "Multitemporaltität" in den Ring, biete momentan trendige Coachingprogramme wie "Walk an talk" an (früher nannte man das Golf spielen) und fertig ist die neue Bewusstseinswelle.

Bis die nächste daher kommt...

fabu
02
20.1.2010, 09:13
Leider sind es Worte

die Wirklichkeit wird zeigen ob sie verpuffen oder nicht.

Wie oft hört man das Soft Skills beim Management mehr gefragt sind. Gerade in Österreich kommen jedoch meistens die Leute mit Hard skills durch. Wer die bessere Elbogentaktik hat, bzw. glaubt er ist zum Chef geboren hat mehr Chancen. Talent und Können sind meisten weit entfernt.

Man hat, nachdem man eine Leitung übernommen hat, eigentlich keine große Verantwortung . Wenn man Fehler macht müssen es die Angestellten ausbügeln. Deren Stress ist bei schlechten Chefs um einiges höher als bei guten. Und wenn diese Ihren Job behalten wollen werden sie dann auch unbezahlte Überstunden in Kauf nehmen.

Wie manchmal Chefs mit der Zeit Ihrer Angestellten umgehen ist katastrophal.

Shanajio
00
20.1.2010, 10:51

Ellbogentaktik ist doch ein Soft skill, oder nicht? :)

Buzz Lightyear
11
20.1.2010, 04:40

Ich glaub ich war schon immer so.

Nedobrovolny Slovak
00
20.1.2010, 00:10

Gut, dann schalte ich um 00:09 jetzt den Computer aus und gehe nach Hause und freue mich auf eine bessere Zukunft

Ich bewerte die im Posting vertretene Meinung
01
19.1.2010, 22:25
recht

hat er, der mann :)

*esofan*
10
19.1.2010, 22:17

super ich freu mich auch drauf, auf die neue managergeneration.

*esofan*
00
20.1.2010, 17:18

aha, da ärgert sich jemand über die neuen manager :)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.