Ikone rechtsextremer Holocaustleugner habe "TU Wien massiv geschadet" - Rektor Skalicky bedauert "Fehler"
Wien - Das Rektorat der Technischen Universität (TU) Wien widerruft die
kürzlich erfolgte Ehrung des umstrittenen Absolventen Walter Lüftl. Der
ehemalige Präsident der Ingenieurskammer habe "durch ein 1991 verfasstes
'Gutachten' und die darin behauptete technische Unmöglichkeit des Massenmordes
an Juden durch Anwendung von Giftgas seinem Stand und seiner Alma Mater, der TU
Wien, massiv geschadet", teilte die TU am Montag mit. Daher werde das Rektorat
die Verleihung des Goldenen Ingenieursdiplom "förmlich widerrufen".
Kommission prüfte Ehrung
Lüftl hatte im Dezember mit anderen TU-Absolventen 50 Jahre nach
Studienabschluss das "Goldene Ingenieursdiplom" erhalten. Nach Kritik an dieser
Ehrung hatte TU-Rektor Peter Skalicky eine Kommission eingesetzt, um zu prüfen,
ob Lüftl des Diploms würdig ist. Denn Lüftl hatte in einem "Gutachten"
behauptet, die Massenvergasungen im Konzentrationslager Auschwitz hätte es
aufgrund der Naturgesetze und fehlender technischer und organisatorischer
Voraussetzungen gar nicht geben können. Kritiker werfen ihm deshalb die Leugnung
des Holocaust vor, ein Verfahren wegen des Verdachts der Wiederbetätigung gegen
Lüftl wurde jedoch 1994 wieder eingestellt.
Die von Skalicky eingesetzte Kommission hat nun laut TU-Aussendung
festgestellt, dass die Verfahrensvorschriften für die Ehrung nicht eingehalten
worden seien, "keine vertiefte inhaltliche Prüfung stattgefunden hat und die
materiellen Voraussetzungen für die Erneuerung des akademischen Grades nicht
gegeben waren". Das Rektorat strebt zudem eine Novellierung der entsprechenden
Verfahrensvorschriften an und will eine entsprechende Novelle im Senat
einbringen. Außerdem sollen alle seit 2005 verliehenen Auszeichnungen einer
eingehenden Prüfung unterzogen werden.
"Ich bedaure es zutiefst"
"Ich bedaure zutiefst, dass durch diesen individuellen, letztlich von mir zu
verantwortenden Fehler das Ansehen der Technischen Universität Wien Schaden
genommen hat und entschuldige mich für die verständliche Betroffenheit, die
dadurch ausgelöst wurde", betonte Skalicky. Den pauschalen Vorwurf, die TU würde
sich nicht mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, will der Rektor allerdings
nicht auf sich sitzen lassen und verwies auf das Forschungsprojekt "Die
Technische Hochschule zwischen 1938 und 1945". (APA)