Sergey Brin: "Das moralische Gewissen von Google"

18. Jänner 2010 10:02

Der gebürtige Russe soll treibende Kraft hinter Googles Kampfansage gegen Zensur sein

Googles Überlegungen, sich aus China zurückzuziehen, haben in den vergangenen Tagen nicht nur die Technologie-Blogs und Medien dominiert. Nach Attacken aus China hatte das Unternehmen angekündigt, der von der chinesischen Regierung geforderten Zensur nicht mehr nachkommen zu wollen. Dahinter soll vor allem Co-Gründer Sergey Brin stecken, der als moralisches Gewissen des Suchgiganten gilt, berichtet The Independent.

Zweifel an China-Eintritt

Den Eintritt in den chinesischen Markt und die damit verbundenen Zensurfilter, die Chinas Bevölkerung davon abhalten soll beispielsweise nach Informationen zum Dalai Lama oder zum Tiananmen-Massaker suchen zu können, seien vor allem von CEO Eric Schmidt vorangetrieben worden. Brin und sein Mitgründer Larry Page hätten ein Jahr lang die Vor- und Nachteile des Launches von Google.cn abgewogen und schließlich nachgegeben. Brin habe jedoch immer Bedenken gehabt.

US-Milliardär aus der UdSSR

Die Ursache zu Brins Zweifel an Googles Engagement in China soll in seiner russisch-jüdischen Herkunft liegen. Mit seinen Eltern sei er als Sechsjähriger vor den Repressalien der Sowjetunion in die USA geflohen. An der Stanford Universität lernte Brin später Larry Page kennen, mit er später 1998 Google startete. Der Kometenhafte Aufstieg der Suchmaschine machte die beiden zu Milliardären - Brins Vermögen wird derzeit auf 12 Milliarden Dollar geschätzt. Das ermöglichte ihnen nicht nur, das Unternehmen nach eigenen Vorstellungen zu führen - so dürfen die Mitarbeiter etwa 20 Prozent ihrer Arbeitszeit an eigenen Projekten forschen - sondern bescherte ihnen auch ein Luxusleben mit Privat-Jets oder einem Flugticket ins Weltall.

Humanitäres Engagement

Google engagiert sich jedoch auch für gute Zwecke. So investieren Brin und Page in die Erforschung alternativer Energien und betrieben die Nonprofit-Organisation X Prize Foundation. 2004 sagte Brin gegenüber ABC News, er hoffe, dass man sich an ihn später einmal als sehr innovativ, vertrauenswürdig und ethisch erinnern werde. Die Aufkündigung der Zensur und als Konsequenz der eventuelle Rückzug aus China würden Brins Vorstellungen und dem Firmenmotto "don't be evil" gut ins Bild passen.

Kritik

Nicht alle sehen hinter Googles Ankündigung daher nur ethische Überlegungen. Mehrere Medien wie die Financial Times Deutschland vermuten dahinter einen Marketing-Gag um Googles Image aufzupolieren. Das Unternehmen sucht nun das Gespräch mit der chinesischen Regierung. Dass diese nachgibt und Google ohne Filter weiteroperieren lässt, ist unwahrscheinlich. Aber auch der vollkommene Rückzug aus dem Land scheint nicht realistisch. Man darf gespannt sein, wie die Lösung der Frage aussehen wird, die mittlerweile auch die Politik beschäftigt. (red)

 

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13 Postings
Chris Edelmann
18.01.2010 18:52
Kein schmerzhafter Verlust

Welcher Chinese sollte Google.cn verwenden wenn er auch auf Google.com zugreifen kann?

Chinesen die das Bedürfnis nach "Wahrheit" haben wissen schon lange wie die große Firewall umgangen wird.

weg
19.01.2010 00:45
Schon mal

versucht von China aus auf google.com zuzugreifen? (ohne VPN Verbindung in den Westen). Aber Google ist am Chinesischen Markt sowieso irrelevant. Der dortige Marktfuehrer heisst Baidu.

Rächer der Zensierten
18.01.2010 12:39
"Das moralische Gewissen von Google"

Ich lach mich schlapp. Bei den Chinesen entdeckt google auf einmal sein Gewissen, bei uns wird brav weiterzensiert ("Aus Rechtsgründen wurden einige Treffer entfernt")

Unbezahlte Anzeige
18.01.2010 15:35
Free Download Seiten zb....

Sites, die massenweise zusammengeklauter Bilder zum Download anbieten - mit eigenen Wasserzeichen versehen, klar. Oder MP3 Download-Seiten.

Freie Welt
18.01.2010 14:28
Hab ich noch nie gesehen

Wonach suchen Sie, um diese Message auszulösen?

amber103
18.01.2010 17:03

hab mal eine Freeware Download Seite an Google gemeldet, die in sämtlichen Programmen Malware eingebaut hatte. Eine Stunde später war diese Seite aus allen Indizes verschwunden, (.at, .com, ..

Chris Edelmann
18.01.2010 18:49

Heutzutage macht das der Konzern anders.

1.) Wird die Seite auf die Google "Malware Liste" gesetzt.
2.) Ihr Browser warnt Sie darauf hin, sobald diese Seite nicht sehr vertrauenswürdig ist. Firefox & Chrome setzen auf die Google Liste.
3.) Google (die Firma) findet auf der Betroffenen Seite meist sehr schnell einen ganzen Haufen von "illegalen" Google-optimierungstechniken um die Seite schön sauber vom Index nehmen zu können.

Das gehört alles noch nicht zur Zensur, sondern nur zur Einhaltung der Nutzungsbedingungen.

Cheesus1
18.01.2010 11:21

Ein Schritt, der China langfristig vielleicht härter treffen könnte, als man zunächst denkt. Denn die blitzschnelle Antwort auf Fragen aller Art zu finden ist ein nicht unerheblicher Wissens-Vorteil. Mal abwarten.

Jedenfalls kann man so wie China im 21. Jahrhundert keine Politik mehr machen. Das führt nur zur Ausgrenzung aus der globalen Gemeinschaft.

Rudolf Rezucha
19.01.2010 06:01
Ausgrenzung aus der globalen Gemeinschaft?

Dank unserer Wirtschaftspolitik hat China genug Geld, um sich seine eigenen Regeln zu machen. Schauen Sie sich doch mal die Einkauftour der Chinesen durch Afrika und auf dem Rohstoffmarkt an. Ich fürchte, die internationale Gemeinschaft wird sich bei dieser Entwicklung bald an den chinesischen Regeln orientieren müssen. Alles vom Westen finanziert.

DieFizinuss
18.01.2010 11:42

das problem ist, dass google in china nicht marktbeherrschend ist. eine andere suchmaschine (namen weiss ich nicht) hält einen nutzernateil von ~80%

K.W.
18.01.2010 12:09

"Badu" soweit ich weiß

Sowizo
18.01.2010 13:40
K.W.
18.01.2010 13:45

knapp aber trotzdem falsch, danke :)

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