Stiefkind der Stadt Wien

Millionen Pflastersteine und tiefe Löcher

Tobias Müller, 17. Jänner 2010, 21:23
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    foto: standard/christian fischer

    Auf der Wiener Höhenstraße rumpelt es gehörig: Die Prestigestraße aus den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts ist dringend sanierungsbedürftig. An der Frage, wie sie künftig aussehen soll,
    scheiden sich aber die Geister

Seit Jahresbeginn steht die desolate Wiener Höhenstraße nicht mehr unter Denkmalschutz - Die Stadt würde gern asphaltieren - Das Denkmalamt beharrt jedoch auf das historische Pflaster

Wien - Kurz nach Grinzing wird es laut im 38A. Sobald der Bus die Station Wagenwiese Richtung Kobenzl verlässt, rüttelt und schüttelt es Mütter und Kinder, Jogger, alte Damen und Hunde kräftig durch: Dort endet der Asphalt und die Wiener Höhenstraße beginnt. Das historische Pflaster hat im Laufe der Jahre Lücken bekommen. An vielen Stellen fehlen Steine, Löcher sind notdürftig mit Asphaltklecksen ausgebessert. Wenn es regnet, bilden sich Pfützen. Fällt Laub oder Schnee, ist das Pflaster glatt wie Eis.

"Ich stelle mich persönlich mit einem Schild und rotweißem Band hin und sperre die Höhenstraße ab, wenn sie nicht mehr verkehrssicher ist", sagt Adolf Tiller, 71, und VP-Bezirksvorsteher von Döbling. Der Großteil der Straße liegt in seinem Bezirk. Das Pflaster zu renovieren kann er sich nicht leisten: 20 Millionen Euro, meint Tiller, würde das kosten, wenn er die Auflagen des Denkmalamtes erfüllen muss.

Bis ersten Jänner stand die Straße unter Denkmalschutz - so wie alle Gebäude in öffentlichem Besitz. Nun ist dieser automatische Schutz ausgelaufen und das Denkmalamt bemüht sich um einen neuen. Die Stadt Wien will das aber nicht: Sie will die Höhenstraße asphaltieren.

Gebaut wurde die Straße zwischen 1934 und 1938. Das austrofaschistische Regime unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ließ Millionen kleiner Pflastersteine durch den Wienerwald verlegen - ein 14,9 Kilometer langes Mosaik von Neustift über den Dreimarkstein, den Kobenzl und Kahlenberg bis auf den Leopoldsberg. Bis heute ist die Höhenstraße Wiens längste Straße.

Für die Erbauer war sie ein Prestigeprojekt: Hoch über Wien sollte die Aussicht auf ein selbstständiges Österreich inszeniert werden - die Großglockner Hochalpenstraße der Hauptstadt. Eine Straße nur für Autos, in einer Zeit, in der es kaum Autos gab, kündete vom Glauben an die Zukunft und die Technik. Als 1935 das erste Teilstück von Grinzing auf den Kahlenberg eröffnet wurde, kamen 3500 "Automobilisten" - mehr als ein Drittel aller Wiener Autobesitzer. 100.000 kamen zu Fuß, trotz Gehverbot auf der Fahrbahn. Heute fahren an schönen Wochenenden 5000 Autos durch den Wald.

Renovierung: 8,6 Millionen

"Ein Verkehrsbauwerk von internationalem Rang" nennt Richard Wittasek vom Denkmalamt die Höhenstraße. Das Amt will sie mit all ihren Steinen, Brücken, Begrenzungspfeilern, Sechskantleuchten und Entwässerungssystemen zum Denkmal erklären. Im Jänner wurde der Stadt ein entsprechendes Gutachten vorgestellt. Darin schätzt das Denkmalamt die Kosten für die Renovierung auf 8,6 Millionen Euro.

Stadt will keine Konservierung des jetzigen Zustandes

Doch die Stadt will davon nichts wissen. "Wir wollen keine Konservierung des jetzigen Zustandes", meint Wolfgang Ablinger von der MA 28, zuständig für Straßenbau. Die Stadt wolle die Straße asphaltieren und nur einen Abschnitt als "musealen Teil" belassen. "Wir halten sie aber in einem verkehrssicheren Zustand, bis eine Entscheidung fällt", meint Ablinger. Das ist für Erika Mayer überlebenswichtig. "Wenn die Höhenstraße gesperrt wird, kann ich mir eine Existenz nicht vorstellen", sagt sie. "Das ist, wie wenn sie die Ringstraße sperren."

Die Höhenstraße ist ein Stiefkind der Stadt Wien

1960 wurde sie an der Höhenstraße geboren, im "Häuserl am Roan", dem Gasthaus ihrer Eltern am Dreimarkstein. Seit den 80ern führt sie den Betrieb. "Die Höhenstraße ist ein Stiefkind der Stadt Wien", meint Frau Mayer. Dass sie verfällt, wundert sie nicht. "Wenn ich 40 Jahre nichts tue, muss mich mich nicht wundern, wenn mir irgendwann das Dach auf den Kopf fliegt." Früher hat sie ganzjährig acht Kellner beschäftigt, jetzt hat sie im Winter nur noch einen. Die Busse, die einst täglich hier fuhren, fahren jetzt nur mehr am Wochenende. "Dabei müsste man die Straße nur herrichten. Welche Stadt hat so was schon?" (Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe 18.1.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 180
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Geronimo Xi
 
20
19.1.2010, 11:42
Grammatik

beharrt jedoch auf das historische Pflaster

beharren + Dativ

=> beharrt jedoch auf dem historischen Pflaster

seid so lieb und ändert das.
Danke.

G-Man
00
26.1.2010, 13:26
Korrekt!

Hingegen "Bestehen" + Dativ oder Akkusativ

wiesengarten
00
18.1.2010, 19:31
Eine Maut würde die Kosten bald einbringen

und den Durchzugsverkehr der EinpendlerInnen unterbinden. Leider hat die Verlängerung der Höhenstraße durch die Krottenbachstraße ein tägliches Verkehrschaos in Döbling zur Folge. Der Bezirk muss die Kosten der Straßenreparatur in der Achse Silbergasse, Ruthgasse, Barawitzkagasse tragen und jetzt auch noch die für die Sanierung der Höhenstraße?
Die Glocknerstraße kostet auch Maut, warum nicht auch die Höhenstraße?
Denkbar wäre auch der Einzelverkauf der Pflastersteine mit einer persönlichen Widmung des Bezirksvorstehers um 10 € das Stück :))

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
00
20.2.2010, 21:39

Am Gürtel gibt´s auch ein tägliches Verkehrschaos, auch da wäre eine Maut schön :)

BraS
 
03
19.1.2010, 16:32

die Straßenreparatur der Silbergasse, Ruthgasse, Barawitzkagasse zahlt nicht der Bezirk, sondern weil das Hauptstraßen sind, die Stadt aus dem Zentralbudget.

Aber Maut ist eine gute Idee für diese Ausflugsstraße. Würd den Verkehr durch den Wienerwald eindämmen, und mit dme Erlös lässt sich die Straße in Schuss halten.

Angelika70
22
18.1.2010, 19:11

Gegen die Pflastersteine hab ich als Motorradfahrerin nichts. Bei nasser Fahrbahn fährt man halt langsamer als die vorgeschriebenen 50km/h.

Aber die Begrenzungssteine müssen weg. Seit einem Rutscher gegen einen dieser Pflöcke sitzt ein Bekannter im Rollstuhl. Leitplanken geben nach, Betonsockelsteine nicht.

Marlon62
06
19.1.2010, 08:18
...als die vorgeschriebenen 50km/h.

Bravo, es scheint, dass Sie als Einzige erkannt haben, dass der 50-er kein Muss, sondern die höchste erlaubte Geschwindigkeit ist, dass man jederzeit, wenn es Witterung, Straßenzustand oder Verkehrsgegebenheiten verlangen, auch langsamer fahren darf.

jumpingjack flash
07
18.1.2010, 18:56

ich bin für die erhaltung im originalzustand - d.h. für die pflasterung. die hat durchaus auch vorteile, hält lange und ist doch etwas sehr spezielles - eine abwechslung die ihre historische berechtigung hat. man will ja eh nicht dass die leute durch den wienerwald rasen - bzw. wer das will kann es zwischen exelberg und tulbing tun - wobei dort wird der asphalt auch immer wieder ausgebessert weil kaputt.

Anti-mens
82
18.1.2010, 18:55
weitere "verbesserungs"-vorschläge für die genossen:

den stefansdom mit aluminium verkleiden, wegen der taubenkacke. das belvedere wird wie schönbrunn mit eternitplatten verdeckt, wegen der starken abgasbelastung. das parlament und das rathaus werden luftdicht unter plastik verpackt, wegen der heissen luft die dort entweicht kann damit energie erzeugt werden.
sämtliche statuen im stadtbereich werden durch statuen aus plastik, eurodisney paris-look, ersetzt.

weiter so genossen, anstatt denken bitte weiter dummheiten am laufenden meter erzeugen!!! ;-)

Selbstbeweihräucherungsstäbchen
00
20.2.2010, 21:42

Stefansdom - Rechtschreibreformfetischist?

yuppeeeee
33
18.1.2010, 18:05
Was bitte soll an diesen Pflastersteinen schützenswert sein.

Das war damals ein (politisch heute fragwürdiges) Prestigeobjekt, das zufällig bis heute eine super tolle Straße ist. Nur gehört endlich eine asphaltierte zeitgemäße Straße mit Flüsteralsphalt, dazu gleich ein schöner Radstreifen, und auch ein eigener Fußweg. So wird es wirklich wieder eine lebenswerte Straße für alle. Wo hier das Problem liegen soll, kann ich nicht nachvollziehen. Ein paar schöne Parkinseln wo man auch losspazieren kann, überall Schautafeln mit historischen Bildern der Straße (mit den alten Pflastersteinen bitteschön :) und schon passt es. Das Denkmalamt kann auch überreglementieren finde ich. Ist realitätsfremd zu glauben, man könnte den Autoverkehr dort eindämmen, das ist doch längst nicht mehr möglich.

Zukunftsoptimist
24
18.1.2010, 23:36
DAss dieses heute angeblich

"politisch fragwürdige Prestigeprojekt" in einer Zeit extremer Arbeitslosigkeit vielen Menschen Arbeit und Brot gegeben hat und seine Sinnhaftigkeit bis in die Gegenwart bestätigt hat (=Nachhaltigkeit) hindert unsere Stadtpolitik nicht, alles, was unsere Stadt charmant und lebenswert macht, sukzessive zu vernichten bzw. zu globalisieren. Glücklicherweise sind bald Wahlen. Hoffentlich drehen sie bis dahin nicht noch ganz durch.

wiesengarten
03
18.1.2010, 23:02
Mit einer Maut wäre der Durchzugsverkehr Klosterneuburg Hütteldorf

sehr wohl einzudämmen.Ein paar Tage Verkehrszählungen, wie viele WU-TU's durch den Wienerwald preschen, Kameras auf der Höhenstraße am Kahlenberg und in der Hüttelbergstraße würden die möglichen Einnahmen rasch einschätzen lassen. Wenn alle außer Bussen Maut zahlen müßten, wären die Kosten für die Renovierung der Straße bald eingenommen.
Um von Klosterneuburg nach Hütteldorf zu kommen, könnte auch die Schnellbahn verwendet werden, wenn NÖ endlich Park-and-Ride-Anlagen in NÖ errichtet würden. Aber die Leute wollen alles: Wohnbauförderung in NÖ und Straßeninfrastruktur in Wien, bezahlen sollen die Wiener SteuerzahlerInnen.

Flugmanagment
00
20.1.2010, 17:06
Das gleiche gilt dann für die Ausflügler

Was macht ein Wiener im Tullner Aubad, kann doch locker per pedes, per Rad oder Autobus hinkommen.

A Voice
00
20.1.2010, 14:27
Geh bitte

die nächtlichen Höhenstrassenrennen zum Event erklären und Startgeld verlangen. DAS bringt Kohle.

heri byrd
00
18.1.2010, 18:05

gestern im schnee wors wieder schee
selbst ohne allrad- oder heckantrieb

Lichtfreak
01
18.1.2010, 17:37
Pflastersteine müssen weg!

Wo kommen wir denn hin, wenn der Staat potentielle Wurfgeschosse in Massen auf die Strasse legt?



lubo
90
18.1.2010, 17:26

stráßen werden saniert! deshalb am 10.10.2010 michael häupl!

Schlitzohr
00
24.1.2010, 21:09
Jetzt v o r der Wahl oder nach der Wahl? Eine besonders heikle Frage: Wia loung muaß in Wien ana Burgamasta sein...

A gounze Ewigkeit is er's ja scho

dreyfusard
23
18.1.2010, 17:24

eine drastische verminderung des individuellen -motorisierten- verkehrs, wäre dringend notwendig.

byron sully
11
18.1.2010, 17:07
ich muß gestehen,

als kind dieses schütteln im 38a (vor allem, wenn man ganz hinten sitzt) sehr gemocht zu haben...

FSK
10
18.1.2010, 20:02

wirkt das wie ein Vibrator?

byron sully
00
18.1.2010, 20:35

ähm...als mann fehlt mit da leider der vergleich ;-)

jumpingjack flash
01
18.1.2010, 19:15

stimmt - ich hatte mich nach der fahrt mit dem 10A bis heiligenstadt schon ausgekotzt.

rotes gfries
00
18.1.2010, 18:55

und mir ist immer sowas von schlecht geworden ...

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