"Das ist die Diktatur des Sternhofs"

  • Der Kampf um JörgHaiders Erbe hat sie zu Feinden gemacht. FPK-Abspalter Uwe Scheuch (hinten) wurde von den Delegierten bejubelt, BZÖ-Verfechter Stefan Petzner ausgepfiffen.
    foto: apa/eggenberger

    Der Kampf um JörgHaiders Erbe hat sie zu Feinden gemacht. FPK-Abspalter Uwe Scheuch (hinten) wurde von den Delegierten bejubelt, BZÖ-Verfechter Stefan Petzner ausgepfiffen.

Uwe Scheuch hat die erwartete Zustimmung für die Wiedervereinigung des BZÖ Kärnten mit der blauen FPÖ erhalten - Das freiheitliche Lager in Kärnten bleibt aber tief gespalten

Klagenfurt - Augenscheinlicher hätte der Bruderkrieg am Parteitag der Kärntner Freiheitlichen nicht inszeniert werden können. Vor der großen dunkelbraunen Eingangstür in den Festsaal des Klagenfurter Konzerthauses stehen breitbeinig zwei Security-Männer in schwarzen Anzügen. "Haben Sie eine Delegiertenkarte? Nein? Nix da, dann müssen Sie draußen bleiben."

Bald versammeln sich vor der versperrten Türe rund 250 Mandatare und Ortsparteichefs, Männer und Frauen, die die von Uwe Scheuch diktierte "Wiedervereinigung" mit der FPÖ von Heinz-Christian Strache nicht mitvollziehen und dem BZÖ um Bundesobmann Josef Bucher treu bleiben wollen. Als Uwe Scheuch samt Gattin eintrifft, steigt die Spannung. Blaue Befürworter und orange Gegner der Abspaltung geraten aneinander.

Feindselige Stimmung

"Das ist die Diktatur des Sternhofs" zischt ein ausgesperrter Oranger in Richtung des Ehepaares Scheuch, das mit der gesamten Führungsmannschaft der abspaltungswilligen Kärntner Partei rasch durch die große Eingangstür entschwindet und unter den Klängen des Titelsongs von Fluch der Karibik den Festsaal betritt. Lautstarker Jubel unter den Delegierten brandet auf.

BZÖ-Bundesobmann Josef Bucher gibt derweil draußen Interviews. Als er gemeinsam mit Stefan Petzner, Sigisbert Dolinschek und dem Nationalratsabgeordneten Stefan Markowitz unter Blitzlichtgewitter zu den vorbereiteten Plätzen geführt wird, ignoriert Scheuch, der soeben zu reden begonnen hat, seine einstigen orangen Mitstreiter.

Markowitz wird derweil von einem Ordner aus dem Saal geworfen. Was früher Usus war, nämlich, dass auch Nationalratsabgeordnete und Bundes-BZÖler als Gäste auf einem Kärntner Parteitag teilnehmen durften, gilt diesmal nicht. Auch die Witwe des BZÖ-Gründers Claudia Haider, die sich für eine Urabstimmung über die Abspaltung ausgesprochen hatte, ist diesmal nicht anwesend. Sie sei keine Delegierte, lässt Scheuch kühl ausrichten.

Landeshauptmann Gerhard Dörfler betätigt sich unterdessen als Einpeitscher für Scheuch, der seinen kalten Putsch nachträglich vom Parteitag absegnen lassen will. Dabei verwechselt Dörfler immer wieder den Parteitag mit dem Prangerreden beim Villacher Fasching und kocht seine bekannten Kalauer zum x-ten Male auf.

Uwe Scheuch schließlich ruft die Delegierten zur "Heimkehr" ins blaue Lager auf - "zum Wohle Kärntens" . Die jüngsten Korruptionsvorwürfe über Parteispenden im Abtausch für die österreichische Staatsbürgerschaft an einen russischen Investor weist er als "Schmutz und Dreck" an jene zurück, "die mir gezielt schaden wollten" . Dabei schaut der Obmann der FPK-Abspaltung unter Gejohle der Delegierten auf den Tisch, an dem die BZÖler Bucher, Petzner und Dolinschek sitzen.

Diese haben es schwer, sich in dieser aufgeheizten Atmosphäre Gehör zu verschaffen. Als sie endlich am Wort sind, wird das Mikrofon deutlich leiser gedreht. Bucher verweist auf den BZÖ-Gründer Jörg Haider, "den ihr alle vergöttert habt" und appelliert, den gemeinsamen Weg mit dem BZÖ nicht zu verlassen. Unter Buh-Rufen und Pfiffen verlassen etliche Delegierte dabei den Saal.

Petzner, dem Scheuch auf offener Bühne den Handschlag verweigert, droht emotional auszurasten. Er schreit sich fast die Seele aus dem Leib, als er die Delegierten daran erinnert, dass sie ihn - ihren früheren Parteiobmann und Wahlkampfleiter - "menschlich bitter enttäuscht" und die freiheitliche Parteibasis sowie die BZÖ-Wähler an Strache "verraten und verkauft" hätten.

All das nutzte den BZÖlern wenig. Die Delegierten stärkten Obmann Scheuch mit 90,15 Prozent deutlich den Rücken. Bucher war erst gar nicht als Gegenkandidat angetreten. Die einstimmig beschlossene Abspaltung vom BZÖ ist dann nur mehr Formsache. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 18. Jänner 2010)

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