Szenarien des Sozialministeriums zeigen trotz Überalterung kaum Anstieg der Sozialquote
Wien - Die Bevölkerung wird älter, die Geburtenraten sinken: Was als
Bedrohung für den Sozialstaat gilt, dürfte kostenmäßig gar nicht so schlimm
werden. Szenarien des Sozialministeriums zeigen, dass die Sozialquote (Anteil
der Sozialausgaben inklusive Pensionen am Bruttoinlandsprodukt) in den nächsten
20 Jahren kaum oder nur mäßig steigen sollte. Lag sie 2008 bei 28,3 Prozent,
soll sie im Jahr 2030 zwischen 28,0 und 31,2 Prozent liegen.
Errechnet hat dies Hans Steiner, Leiter der Abteilung Grundlagen- und
Forschungsangelegenheiten im Ministerium. Er ist fest davon überzeugt, dass der
Sozialstaat auch in 20 Jahren noch leistbar sein wird. Präsentiert hat er seine
Daten kürzlich bei einem Journalisten-Seminar des Ministeriums.
Mehrkosten durch die Sozialsysteme abgedeckt
Steiners Annahmen, die er selbst für die realistischsten Szenarien hält: Die
alterungsbedingten Mehrkosten werden durch die Sozialsysteme abgedeckt (jährlich
plus 0,9 Prozent an Ausgaben), die Sozialausgaben steigen darüber hinaus um ein
Prozent pro Jahr. Wächst dann noch das BIP um durchschnittlich 1,5 Prozent pro
Jahr (von 1990 bis 2008 waren es im Durchschnitt 2,4 Prozent), dann kommt man
auf den Wert von 31,2 Prozent Sozialquote im Jahr 2030.
Dreht man an den Variablen, verändern sich die Werte: Beträgt das
durchschnittliche BIP-Wachstum 2 Prozent, sinkt die Quote auf 28 Prozent, bei
nur einem Prozent BIP-Zuwachs liegt sie bei 34,8 Prozent. Entsprechend höhere
Werte ergeben sich auch, wenn die Sozialausgaben stärker steigen. Bei einem
jährlichem Plus von 1,5 Prozent und einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von
nur einem Prozent würde die Quote auf 38,8 Prozent hochschnellen.
Für plausibel hält Steiner seine Annahmen, weil in den vergangenen 15 Jahren
bereits substanzielle Konsolidierungsmaßnahmen bei den Sozialleistungen gesetzt
worden seien, wobei dies fortgesetzt werden müsse. Außerdem werde das System
durch eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen
entlastet, und bereits derzeit werde beträchtlich in eine altersgerechte soziale
Infrastruktur investiert.
Einen Höchstwert der Sozialquote erwartet der Experte übrigens für 2009. Sie
dürfte bei 30 bis 31 Prozent liegen, wegen des krisenbedingten
Wirtschaftseinbruchs. Konkrete Daten sollen zu Jahresmitte vorliegen. Der
bisherige Höchstwert wurde 2003 mit 29,6 Prozent erreicht. (APA)