Botschafter bei Beschuss auf russischen Konvoi im Irak verletzt

6. April 2003, 23:44
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Hintergründe des Zwischenfalls noch unklar

Moskau - Der russische Botschafter in Bagdad, Wladimir Titorenko, ist am Sonntag leicht verletzt worden als ein Konvoi mit russischen Diplomaten und Journalisten bei der Ausreise aus der irakischen Hauptstadt unter Beschuss geriet. Dabei wurden nach Angaben des russischen Außenminsteriums neben dem Botschafter noch weitere vier Personen verletzt. Ob der Beschuss von irakischen oder den US-Truppen zu verantworten ist, oder ob der Konvoi ins Kreuzfeuer geriet, wie ein russischer Journalist meldete, war zunächst unklar.

Das US-Militär im Central Command in Katar erklärte, dass sich keine Truppen der Kriegskoalition in der Umgebung des Vorfalls befunden hätten. Das Gebiet werde noch immer von irakischen Truppen kontrolliert.

Der im Konvoi mitgereiste Journalist Alexander Minakow berichtete über Satellitentelefon dem russischen Fernsehsender Rossija, es habe ein Gefecht zwischen irakischen und amerikanischen Einheiten gegeben. Später sei ein US-Panzerverband dicht an dem Konvoi der Russen vorbei gefahren und die US-Soldaten hätten den Ausreisenden die von ihnen dringend erbetene Hilfeleistung verweigert.

Minakow berichtete, es habe auf einmal eine "schreckliche, heftige Schießerei" gegeben. Der Konvoi habe rund eine Stunde lang angehalten, um die Verletzten zu behandeln. Vor ihnen sei dann auf einmal ein starker US-Panzerverband aufgetaucht. Die Reisenden hätten weiße Tücher geschwenkt, um Hilfeersuchen zu signalisieren. "Aber keiner hat angehalten", sagte Minakow.

Laut Meldung von Interfax waren rund 25 Diplomaten und Journalisten in dem Konvoi mit Ziel Syrien unterwegs. Rund acht Kilometer von Bagdad entfernt sei es zu dem Beschuss gekommen. Das Außenministerium in Moskau teilte am Abend mit, fünf Diplomaten seien verletzt, Botschafter Titorenko habe jedoch nur eine relativ leichte Blessur davon getragen.

Botschafter ins Moskauer Außenministerium bestellt

Die russische Regierung hatte wegen des Vorfalls die Botschafter der USA und des Iraks ins Außenministerium einbestellt. Die USA und der Irak seien aufgefordert worden, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der russischen Bürger zu gewährleisten, hieß es in Moskau weiter. Die US-Streitkräfte waren nach eigenen Angaben über den Konvoi und seine Route informiert und hätten auch geplant, ihn zu schützen, teilte das US-Zentralkommando in Katar mit. Russland, das den Irak-Krieg als schweren Fehler kritisiert hat, hatte erst kürzlich den US-Botschafter einbestellt, um gegen die Bombardierung eines Bagdader Vorortes zu protestieren, in dem sich auch die russische Botschaft befindet.

Das russische Außenministerium teilte am Abend mit, es habe einen Anruf des US-Außenministers Colin Powell gegeben. Der habe Außenminister Igor Iwanow "tiefes Bedauern in Zusammenhang mit dem Vorfall" zum Ausdruck gebracht. Aus der Erklärung ging jedoch nicht hervor, wer dafür verantwortlich war. Der irakische Botschafter in Moskau lehnte nach seinem Rapport im Ministerium eine Stellungnahme ab. Den Kommentar dazu werde es am Montag geben, sagte der irakische Diplomat Abbas Chalaf.

Seit Sonntag ist die Sicherheitsberaterin von US-Präsident George W. Bush, Condoleezza Rice, in Moskau. Rice werde sich mit Regierungsmitgliedern und Diplomaten treffen, um zu versuchen, die schon wegen des Streits um den Irak-Krieg angespannten Beziehungen zwischen USA und Russland zu glätten, sagte ein Sprecher der US-Botschaft.

Während die meisten mitgereisten Journalisten nach Amman in Jordanien fuhren, wollte der russische Diplomaten-Konvoi in Falluja, 50 Kilometer von Bagdad entfernt, übernachten. Am Montag sollte er nach Syrien weiterfahren, von wo aus die Diplomaten dann den Heimflug antreten würden. (APA/Reuters)

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