Liebeserklärung an die Melancholie

6. April 2003, 23:29
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Schauspielerin Hanna Schygulla mit neuem Programm "Der Tango, Borges und ich"

München - Seltsam verschattete Mädchen spuken durch die geheimnisvollen Texte um falsche Hoffnungen und trügerischen Schein. Klavier, Cello und Singstimme greifen die Melancholie musikalisch auf, die sich durch all die phantastischen Erzählungen von Jorge Luis Borges schlängelt. "Es sind kleine Geschichten, die es in sich haben", beschreibt Hanna Schygulla die bizarren Novellen, die sie für ihr neues Programm "Der Tango, Borges und ich" zusammengestellt hat.

Die in München aufgewachsene 59 Jahre alte Schauspielerin gilt bis heute als Ikone glanzvoller Fassbinder-Zeiten. Künstlerisch hat sie sich mit international erfolgreichen Chansonabenden längst auf eigene Beine gestellt. Ihre Hommage an Buenos Aires und den unsterblichen Tango hat am Mittwoch (9. April) im Münchner Prinzregententheater Deutschlandpremiere und geht anschließend auf Tournee.

Spanische Lieder und deutschsprachige Texte

Auf eine große Fangemeinde kann die in Paris lebende Künstlerin in Lateinamerika zählen. Dort ist sie nicht nur als Fassbinder-Star, sondern auch durch Filmarbeiten mit dem Schriftsteller und Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez bekannt geworden. In perfektem Spanisch präsentierte sie in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft eine kleine Kostprobe aus dem neuen Programm.

Literarische Hochkultur trifft auf den einst in der Gosse argentinischer Vorstädte geborenen Tango. Borges gilt in seiner Heimat als Meister des magischen Realismus. "Eine fragile und leise Angelegenheit", so sieht die Künstlerin ihr Programm. Vom leicht münchnerisch angehauchten Umgangston schaltet sie im Nu auf hochkonzentrierte Grandezza. Das Haar streng zurückgekämmt, in tiefrot glänzender, hochgeschlitzter Robe mit dominantem Ohrschmuck beherrscht sie alle Facetten girrender Sehnsucht und aggressiver Wut. (APA)

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