Kreditverbriefungen in Milliardenhöhe

6. April 2003, 20:35
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Die BA-CA will ihre Bilanz erleichern - Vorstand Regina Prehofer im STANDARD-Interview

Nach der erfolgreichen Verbriefung von einer Milliarde Euro an Unternehmenskrediten Ende 2002 will die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) weitere Kreditverbriefungen in Milliardenhöhe vornehmen und die Forderungen als so genannte Asset-Backed Securities (ABS) verkaufen.

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Wien - Mittels Asset-Backed-Securities-Verfahren will die BA-CA ihre Bilanz erleichtern und so "Kapital für neues Kreditgeschäft freibekommen", sagt BA-CA-Vorstand Regina Prehofer im Gespräch mit dem STANDARD. Prehofer rechnet mit rund zwei Mrd. Euro an ABS-Transaktionen im Jahr.

Das nächste Mal könnten österreichische Privatkundenkredite verbrieft und verkauft werden, die wegen der hohen Berechenbarkeit des Risikos bei Investoren besonders beliebt seien, sagt sie. ABS ist eines der modernsten und am schnellsten wachsenden Produkte im europäischen Bankwesen, in Österreich steckt es aber noch in den Kinderschuhen.

Die BA-CA hat ihr Programm mithilfe ihrer bayerischen Mutter, der HypoVereinsbank, auf die Beine gestellt und sich dabei der Promise-Plattform der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die sich auf die Verbriefung von klein- und mittelständischen Unternehmenskrediten spezialisiert, bedient. Dabei wurde nicht die Forderung selbst, sondern nur das Risiko in Form einer synthetischen Derivativ-Struktur verkauft.

Für die 1200 Kreditnehmer habe sich durch die Transaktion nichts verändert, betont Prehofer. Insgesamt wurden 2300 Kredite aus verschiedenen Branchen mit einer Durchschnittsgröße von 430.000 Euro gebündelt. 205 Mio. Euro wurden in Form von ABS-Anleihen am Kapitalmarkt platziert, die restlichen 800 Mio. Euro werden als "Superior Senior Tranche" von anderen Banken im OECD-Raum gehalten.

Investmentfonds

Käufer der Anleihen sind Investmentfonds und Pensionskassen in ganz Europa, die damit österreichisches Unternehmensrisiko ihrem - oft deutschlandlastigen - ABS-Portfeuille beimischen können. Die Emission sei daher bei Anlegern besonders gut angekommen, sagt Dieter Glüder, Direktor für Kreditverbriefung bei der KfW, die bereits acht großer ABS-Deals für deutsche Banken arrangiert hat und mit der BA-CA ihren ersten ausländischen Kunden fand. Emittiert wurden die Papiere in Irland und gelistet sind sie in Luxemburg.

Nach dem Verkauf des Risikos müssten die Kredite in der Bilanz nicht mehr mit Eigenkapital unterlegt werden. Diese Deals seien besonders in Hinsicht auf die kommende Verschärfung der Eigenkapitalrichtlinien durch Basel II attraktiv, sagt Prehofer. Kleinere Banken haben dazu in Österreich allerdings kaum die Chance, weil ihre eigenen Kreditportefeuilles zu klein sind und hierzulande eine öffentliche Plattform wie die KfW, die verschiedene Banken bündeln kann, fehlt. Zudem fehlen die gesetzlichen Rahmenbedingungen. (Eric Frey, DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.4.2003)

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