"Einfach keine Alternative"

6. April 2003, 20:22
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Die Supermärkte bieten im Kampf gegen Diskonter keine Lösungen, kritisiert Procter-&-Gamble-Manager Paul Polman im STANDARD-Interview

"Handelsmarken und der Erfolg der Hard Discounter - das hält uns wach in der Nacht", sagt Paul Polman, Westeuropa-Chef einer der größten Markenartikelkonzerne der Welt, Procter & Gamble, im STANDARD-Gespräch bei einer Firmenveranstaltung.

Vor allem der Erfolg der deutschen Billigläden von Aldi und Lidl, die nur eigene "private labels" führen, sei ein Problem: "Wer zu Aldi geht, kauft unsere Produkte nicht. Das muss uns anspornen eine Alternative zu bieten." Mit den herkömmlichen Supermärkten in Deutschland geht Polman aber hart ins Gericht: "Die bieten einfach keine angenehme Alternative."

Aldi und Co top

Hintergrund: Deutschland gilt als der am extremsten auf den Faktor Preis konzentrierte Markt Europas. Aldi und Co erreichen dort Marktanteile im Lebensmittelhandel von knapp 40 Prozent (laut GfK-Marktforschung). Bemerkt muss dazu noch werden, dass die Frequenzbringer für die Diskonter oft nicht mehr aus dem klassischen Supermarktsortiment kommen - Stichwort: Aldi-PC (in Österreich: Computer beim Hofer). Österreichs Konsumenten honorieren laut GfK nicht nur den niedrigen Preis, sondern auch Faktoren wie Auswahl, Frische und Service.

Zu Procter & Gamble gehören Marken wie Pampers, Ariel, Swiffers, Meister Proper, Oil of Olaz, Blend-a-med, Pantene und seit wenigen Wochen auch Wella-Haarpflegeprodukte. Der Konzern muss als weltweit tätiger und produzierender Riese keine Handelsmarken herstellen, um seine Fabriken auszulasten. Dies wird, wie auch in Österreich, von Mittelständlern bewerkstelligt - die aber nicht gerne darüber reden. Wenn sie, wie jüngst von der Spar-Gruppe in Werbespots, vor den Vorhang gezerrt werden, reagieren sie verstimmt.

"Handelsmarken sind eine Bedrohung"

Chris Start, bei P&G Westeuropa für Textilpflegeprodukte zuständig, sagt: "Handelsmarken sind eine Bedrohung, aber auch eine Herausforderung für uns. Wir müssen uns eben auf den Wert unserer Produkte konzentrieren." Der Wert sei da, dies zeigten manche englische Beispiele, in denen Supermarktketten ihre Private-Label-Strategie "überentwickelt" hätten, indem sie in allen Preisklassen nur mehr ihre eigenen Produkte angeboten hätten. "Das verursachte starke Umsatzverluste." (DER STANDARD Print-Ausgabe, 7.4.2003)

Leo Szemeliker aus Genf
  • "Handelsmarken sind eine Bedrohung"
    montage: derstandard.at

    "Handelsmarken sind eine Bedrohung"

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